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Die besten ÖFilme 2017

Zweiter Teil unseres Jahresendrückblicks, und dieses Mal um das Thema, über das wir über das vergangene Jahr am häufigsten berichtet haben: den ÖFilm. Wir präsentieren euch die unserer Meinung nach besten 5 österreichischen Filme des Jahres.

Wir schicken voraus: Wir haben uns dieses Jahr bemüht, jeden österreichischen Spielfilm auch im Kino zu besuchen, konnten das aber nicht erfüllen. Aber zumindest den Großteil haben wir auf der großen Leinwand gesehen und glauben – auch wenn wir das mit der Nominiertenliste der österreichischen Spielfilme des Jahres vergleichen – eine relativ repräsentative Liste erstellt zu haben.

Zum Ranking: Jeden Film, den wir im Kino sahen, besprachen wir auch in einem Podcast und vergaben auch immer eine Note von 1 (scheiße) bis 10 (mega). Wir reihen hier nach Durchschnittswertung – das führt dazu, dass manche Filme es nicht in die Top 5 geschafft haben, weil einer von uns dem Film gar nichts abgewinnen konnte – hier sind vor allem „Die Migrantigen“ und „Licht“ zu nennen, die trotz guter Rezeption von einem unserer Redakteure nicht im Ranking auftauchen. (Als Trostpreis sind sie vielfach beim Österreichischen Filmpreis nominiert.)

Hier aber nun unsere fünf Punktebesten des Jahres.

5. History of Now

Wertung Hari: 6,0, Wertung Hannes: 6,0

„History of Now“ ist einer dieser kleinen, feinen Filme, die zuerst ein Jahr oder zwei auf Festivals laufen, dann ohne große Bewerbung oder Erfolg im Kino laufen und schließlich sogar vergessen werden, beim Österreichischen Filmpreis eingereicht zu werden. Schade, denn der Debütfilm von Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Nadiv Molcho war einer der unverwechselbareren Filme des österreichischen Filmjahres.

History of Now, Kritik, Rezension, Podcast, Review
© Thimfilm

Eine Indie-Sensibilität durchzieht den gesamten Film, vom englischen Voice-Over über das Tagebuch-Schreiben bis hin zur offensichtlichen Do-It-Yourself-Mentalität von Molcho, die dem Film eine unverkennbare Note gibt –  „History of Now“ ist definitiv der FM4ste Film des Jahres. Nicht alle Szenen der Liebesgeschichte zwischen Eli und Maya haben uns in unserem Podcast gänzlich überzeugt, aber die Reise nach Marokko und der Aufenthalt in Marakesh ist genau der Stoff, aus dem schöne Erinnerungen gestrickt sind.

4. Die Blumen von gestern

Wertung Hari: 5,0, Wertung Hannes: 7,5

Nicht nur im Bruttofilmlandsprodukt-Podcast schieden sich die Geister über diesen Film – „Die Blumen von gestern“ polarisiert stark, nicht nur wegen des Versuchs, eine Komödie (eher: Tragikomödie) über einen Holocaust-Forscher zu erzählen, sondern vor allem auch mit seiner Darstellung einer kaputten Jüdin, die nur  von einem Nachfahren des Mörders ihrer Großmutter geheilt werden kann – problematisch. Der Holocaust ist nun mal ein schwieriges Thema, mit dem „Die Blumen von gestern“ weitgehend sensibel umgeht, aber sich auch den einen oder anderen Fehltritt erlaubt.

© Filmladen

Davon abgesehen ist „Die Blumen von gestern“ aber ein tolles Drama voller schöner Bilder, ausgezeichnet ausgewählter Musik und wirklich eindrücklichen Wendungen (obwohl uns lieber gewesen wäre, der Film hätte sich die letzte verkniffen). Nicht zuletzt lebt der Film aber vom Wechselspiel zwischen Lars Eidinger und Adèle Haenel, deren Chemie absolut stimmt und der Liebesgeschichte echte Romantik verleiht – eben gerade bei der brisanten Thematik keine Selbstverständlichkeit.

3. Die Hölle

Wertung Hari: 8,0, Wertung Hannes: 6,5

Noch so ein Film, der stark polarisiert und den man entweder hasst oder liebt – wie wir auch kürzlich wieder feststellten, als wir auf unserer Facebook-Präsenz einen Beitrag der Film School Rejects teilten, laut denen „Die Hölle“ zu den 17 besten nicht-englischsprachigen Filmen des Jahres gehört. Auch bei uns war der Film heiß diskutiert: In unserem Podcast fand er bei unserem Gast Wolfi von Flip the Truck gar keinen Anklang, bei unserer Stammbesetzung hingegen schon.

Hölle, Ruzowitzky, Moretti, Action, österreichischer Film
© Allegrofilm

Der einzige österreichische Thriller des Jahres war äußerst brutal und ziemlich spannend. Wie so oft in solchen Filmen funktioniert der überdimensionale Gegenspieler besser in der ersten Hälfte des Films, wo er noch als Schattenmann auftritt statt als reale Figur mit authentischen Motiven, trotzdem bleibt der Film bis zum Schluss rasant. Action ist teuer und schwierig zu produzieren, unter anderem deshalb gibt es in Österreich davon sehr wenig – „Die Hölle“ war auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung, auch wenn es schon noch Luft nach oben gibt.

2. Die beste aller Welten

Wertung Hari: 8,0, Wertung Hannes: –

Nach ein paar polarisierenden Filmen nun einer, den wirklich jeder zu lieben scheint. Die schönste österreichische Liebesgeschichte des Jahres ist jene zwischen einen Kind und seiner Mutter. Gleich vorweg: Unser Hannes hat bei dem Film mitgearbeitet (mehr Hintergrundinfos zum Film in unserem Podcast), ganz objektiv können wir da nicht sein, deshalb lassen wir hier allein Haris Wertung gelten. Aus unserem Ranking wollen wir den Film nicht ausschließen, nicht zuletzt, weil die allgemeinen Pressestimmen bestätigen, dass der Film zu den besten des Jahres gehört.

Foto: Polyfilm

Adrian Goigingers Debütfilm hat all die Zutaten für den typischen österreichischen Sozialporno: windschiefe Typen, eine Drogen nehmende Mutter, basierend auf einer wahren Geschichte. Goiginger zaubert daraus jedoch einen herzergreifenden, sogar optimistischen Film, der durch die Perspektive eines 7-jährigen verstehen lässt, warum seine Mutter trotz ihrer Drogensucht die beste aller Welten ist. Da bleibt kaum eine Träne trocken, und auch nach dem 20ten mal Schauen bekommen wir beim Ende eine Gänsehaut. Auch schauspielerisch weiß der Film zu überzeugen: Ein Dreivierteljahr nach der Premiere auf der Berlinale ist Verena Altenberger eine der gefragtesten Schauspielerinnen des Landes, und von Jeremy Miliker haben wir sicher auch nicht zum letzten mal etwas gehört.

1. SIEBZEHN

Wertung Hari: 8,0, Wertung Hannes: 9,0

Es ist eigentlich fast kriminell, wie „Siebzehn“ bei den Nominierungen für den österreichischen Filmpreis abgesnubbt wurde – lediglich eine Nominierung gab’s. Die immerhin für den besten Film, bei der sonstigen Nominierungsarmut aber wohl höchstens mit Außenseiterchancen. Das spiegelt leider auch seinen kommerziellen Erfolg wieder, an den Kinokassen war der Film leider kein großer Erfolg. Wir finden: In keinster Weise sagt das etwas über die Qualität des Films aus.

© Orbrock Film

Kein Film hat uns dieses Jahr so berührt wie Monja Arts Debütfilm, der alles hat, warum „Freaks & Geeks“ oder „My so-called Life“ Serienklassiker wurden. Der Film zeichnet eine Welt voller spannender Cliquen-Dynamiken und widersprüchlicher Jugendlicher, wie man sie selber mal so oder so ähnlich gekannt hat oder man mal war und gerne wieder wäre. Der naturalistische Zugang zum Stoff hat zwar auch seine Nachteile (ein paar Szenen waren doch merklich hölzern), bietet dann aber wiederum Perlen wie jene Szene, in der Elisabeth voll gegen einen Pfosten rennt und ihre Mitschüler so schallend lachen, wie es kein Schauspieler der Welt nachahmen könnte. „Siebzehn“ ist ein Film voller Sehnsucht und Liebe, den wir gern noch Stunden weitergeschaut hätten, und daher unser Film des Jahres.