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Kritik: Das radikal Böse

Experten- und Zeitzeugeninterviews, echte Briefe per Voice-over, inszenierte Gruppendynamik und abstrakt nachgespielte Verhaltensexperimente mischen sich mit Archivmaterial und elektronischer Musik. „Das radikal Böse“, der neue Film von Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky, fährt alle Geschütze auf, um seine Message an den Zuschauer zu bringen: Wie und warum werden junge Männer zu Massenmördern?

Leider braucht es von Zeit zu Zeit solche Filme. Um uns Menschen daran zu erinnern, wozu wir fähig sein können. Und genau hinter diesem Ansatz versteckt sich leider allzu oft eine gewisse belehrende, abgehobene Art von Filmen.“Das radikal Böse“ kriegt die Kurve. Es ist zwar nicht immer schön anzuschauen, aber das Konzept dahinter geht auf. Das ist ein Film für eine junge Generation, die nicht mehr von Zeitzeugen in der Schule besucht wird, deren Großeltern ihnen keine Jugenderinnerungen mehr schildern können und die die Worte „Milgram“, „Stanford Prison“ und „Asch“ bisher noch nie gehört haben.

Der Film zeigt auch sehr gut, dass auch Dokumentarfilme Dramaturgie und damit ein Drehbuch brauchen. Das Mienenspiel der jungen Laiendarsteller, dazu die Stimmen aus dem Off und die Expertenmeinungen von Historikern und Psychologen, die an der richtigen Stelle hineingeschnitten werden, das erfordert Planung und Aufwand um am Ende zur einzig richtigen Erkenntnis zu kommen: es kommt auf das Handeln jedes Einzelnen an, dass sowas nie, nie, nie wieder passiert.

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