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Kritik: Der stille Berg

In seinem zweiten Film zeigt Regisseur Ernst Gossner die tragische Seite des Krieges. Wenn sich Nationen bekämpfen, ist für die Liebe kein Platz mehr. Ein sehenswerter, „amerikanisierter“ Film.

Die Geschichte

Tirol 1915. Bei der Hochzeit ihrer Geschwister begegnen sich der junge Tiroler Anderl (William Moseley) und die Italienerin Francesca (Eugenia Costantini). Als noch während der Feier Italien in den ersten Weltkrieg eintritt, wird das junge Glück beider Paare jäh gestört. Die Männer müssen auf den Berg und für ihr jeweiliges Land kämpfen und Francesca wird von ihrer neuen Schwägerin (Emily Cox) versteckt. Während den Frauen auch im Tal genug Gefahr droht – unter anderem vom opportunistischen Dorflehrer (Fritz Karl) – müssen die Männer einen sinnlosen Krieg unter extremen Bedingungen führen.

© Sigma Filmproduktion GmbH

Gewaltige Bergkulisse

Nach „Das finstere Tal“ kann mit „Der Stille Berg“ die nächste heimische Produktion mit schönen Bildern brillieren. Wieder bietet die herrliche Bergwelt Tirols (Nord- und Süd) eine malerische Kulisse für eine Geschichte voller Gewalt. Im Gegensatz zu Andreas Prochaskas „Alpenwestern“ setzt der Film von Regisseur Ernst Gossner auf ein reales Setting in dem sich vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges – hervorragend passend für das Gedenkjahr 2014 – eine nicht ganz klischeefreie Liebesgeschichte entspinnt.

Großes Budget für große Leinwände

Gekostet hat das ganze Projekt 4,75 Mio. Euro. BLS (Südtirol; 550.000 Euro) und das Österreichische Filminstitut (791.000 Euro) waren die größten Förderer. Dazu kommen noch 100.000 Euro an Herstellungsförderung des Filmfonds Wien. Unbekannte Förderhöhen trugen der ORF durch das Film/Fernsehabkommen, FISA – Filmstandort Austria und Cine Tirol bei. Auch die Trentino Filmcommission war mit an Bord.

Produziert haben den Film neben Gossners eigener Vent Productions die Sigma Film und Reinhold Bilgeri, der Referenzmittel aus seinem eigenen Film „Atem des Himmels“ zur Verfügung stellte. Mit Constantin fand man einen Verleih, der den Weg in die großen Plex-Kinos der Republik möglich machte und optisch hat sich der Film auch nur die größten Leinwände verdient.

© Sigma Filmproduktion GmbH

Viel richtig gemacht

Wie so oft ist die erzählerische Logik sekundär und trotzdem bietet das Drehbuch von Clemens Aufderklamm einige ganz starke Szenen. Der in den USA ausgebildete Regisseur Ernst Gossner („South of Pico“) zeigt nicht nur sein inszenatorisches Können, sondern hat mit Hauptdarsteller William Moseley („Narnia“-Franchise) und Claudia Cardinale Darsteller mit ordentlich internationalem Profil verpflichten können – eine weitere Gemeinsamkeit mit „Das finstere Tal“. Sowohl dramaturgisch als auch was die Verpflichtung von bekannterem Personal angeht, machen beide Filme einen wichtigen und richtigen Schritt hin zu internationaleren Konventionen. Diese leichte – in Ermangelung eines besseren Wortes – „Amerikanisierung“ tut dem österreichischen Film durchaus gut und Ernst Gossner ist offenbar der richtige Filmemacher, um diese beiden Welten zu verbinden.

Insgesamt hat das Team viel richtig gemacht. Der Film weicht deutlich von dem ab, was man in Österreich sonst zu sehen bekommt und kann mit höher budgetierten Filmen mithalten. Auch im Internet hat sich Gossner vorbildhaft um sein zukünftiges Publikum gekümmert: selten hat man eine charmanter gewartete Facebook-Page gesehen.

 

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