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Kritik: „High Performance“ – Mandarinen lügen nicht

Schon jetzt der Gewinner für die sinnloseste Tagline des Jahres. Der Debütfilm von Johanna Moder ist ein solides Stück Romantic Comedy, aber vor lauter klischeebehafteten Realitätsbezug fehlt dem Werk die Daseinsberechtigung.

 Die Geschichte

Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Daniel (Marcel Mohab) hat nicht wirklich was vor im Leben und lebt bescheiden in seiner kleinen Wohnung. Das Einzige das ihn wirklich motiviert ist seine Theatergruppe, deren großer Durchbruch aber noch auf sich warten lässt. Sein Bruder Rudi (Manuel Rubey) hingegen ist wirtschaftlich erfolgreich und  hat mit seiner Firma noch einiges vor. Damit seine Pläne aufgehen, spannt er Daniel ein, um ihm Informationen über und von seiner Mitarbeiterin Nora (Katharina Pizzera) zu besorgen.

Starthilfe Rubey und Entdeckung Mohab

Nach dem eher missglückten „Zweisitzrakete“ (Hans Hofer) und dem halblustigen „Die Werkstürmer“ (Andreas Schmied) ist „High Performance“ ein weiterer Erstlingsfilm, in dem Manuel Rubey jungen Regisseuren bei der Verwirklichung ihrer Ambitionen behilflich ist. Leider kann ihn auch dieser Film nicht fordern und so spielt Rubey wiedereinmal Rubey und nicht unbedingt Rudi.

Mit Marcel Mohab hingegen ist Moder ein echter Glücksgriff gelungen und vielleicht wurde auch eine große Karriere gestartet. Wer gleichzeitig so liebenswert, und humorvoll-bescheuert dreinschauen kann und damit jeder Szene eine ganz eigene Komik verleiht, ist zu Größerem berufen – bei Adam Sandler funktioniert das schließlich auch. Dass Mohab auch bei den Dialogen mitgewirkt hat, ist ihm hoch anzurechnen und macht diese im Unterschied zu vielen anderen österreichischen Komödien ziemlich stimmig. Auch die weibliche Hauptfigur Nora wirkt erfrischend normal und plausibel, da ist man aus dem österreichischen Kino leider anderes gewohnt.

Romantischer Realismus mit Twist

Bleiben noch die Nebenfiguren. Wer da nicht mindestens 20 Charaktere aus seinem Bekanntenkreis erkennt, hat nie in Wien studiert. Das holt den Film auch wieder auf eine studentische Ebene zurück, ist er doch das Kinodebüt einer Studentin der Filmakademie.

Ob man so viel Realität unbedingt im Kino sehen will, sei einmal dahingestellt. Der punktgenau Einsatz von klischeehaftem – aber dadurch nicht weniger plausiblen – Verhalten von Großstädtern aller Art schafft Klarheit und am Ende bleiben wenigstens keine Fragen offen. Klischees als Orientierungshilfe in einer Komödie der Irrungen quasi.

Aber das Drehbuch stimmt. Die Elemente der Romantikkomödien-Dramaturgie werden punktgenau eingesetzt, um den Zuseher am Schluss doch noch zu der Erkenntnis gelangen zu lassen, dass es eigentlich gar nicht um ein Happy End nach dem obligatorischen „boy-meets-girl“-Schema ging. Und der lachende Dritte ist das Geld.

Bescheidenes Obstbudget

Apropos Geld. Gefördert wurde das klarerweise enge Budget eines Erstlings vom Filminstitut (456.500 Euro), vom Filmfonds Wien (400.000 Euro) und von Cine Art, einer Kunstförderung des Landes Steiermark mit 69.500 Euro. Johanna Moder ist zwar Steirerin, aber ob der Film als Kunst durchgeht, sei einmal dahingestellt. Bei so bescheidenen Mittel verständlich, dass nur eine einzige Mandarine eine winzige Rolle spielt.