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Kritik: Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit

Mit Highspeed saust dieser zu Kinoehren gekommene Fernsehfilm durch mehrere Jahrzehnte im hochinteressanten Leben Luis Trenkers. Der Mann mit den 100 Berufen wird von Tobias Moretti souverän dargestellt.Die Anti-These zum gestern besprochenen Film „Der Blunzenkönig„. Das vom ORF und BR gemeinsam produzierte Biopic über Luis Trenker ist als reiner Fernsehfilm eine Verschwendung. Natürlich sind die Grenzen zwischen den Medien gerade dabei sich aufzulösen, weswegen der Film, so wie aktuell viele andere auch, einer limitierten Kinoverwertung zugeführt wird. Aber bis das bei den großen Sendern ankommt, wird es noch ein wenig dauern und so hetzt man in TV-tauglichen 90 Minuten durch die Geschichte und verschenkt an allen Ecken und Enden.

Dieser Luis Trenker, der Eva Brauns-Tagebücher gefälscht hat. gäbe so viel her, da wäre vom dreistündigen Leinwandepos bis zur Langserie alles drin. Man könnte vom Liebling Goebbels erzählen, der instrumentalisierbare Heimatfilme machte. Vom Liebhaber Leni Riefenstahls (Brigitte Hobmeier). Vom (mehr oder weniger) erfolgreichen Bergsteiger und Olympiateilnehmer. Vom besessenen Filmemacher und opportunistischen Spätnazi. Und das war nur Trenkers Leben bis 1950.

Im Film wird das alles mehr oder weniger thematisiert und Moretti macht einen  gewohnt erstklassigen Job. Irgendwie wabert der Film dann doch zwischen einer Komödie über einen charmanten Tausendsassa und Hochstapler und einer historischen Erzählung aus dunklen Zeiten hin und her. Wie auch in „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ werden hier historische Filmsequenzen nachgedreht und Joseph Goebbels (nicht so besonders: Arndt Schwering-Sohnrey) wieder als der Mikromanager unter den Filmproduzenten porträtiert.

Ob historisch korrekt oder nicht, das sollen die beurteilen, die es interessiert. „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“ ist ein solider Film, der stellenweise echt witzig ist. Und viel mehr hätte sein können.