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Kritik: Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe (1)

Ein neuer TV-Event Kann der ORF/ZDF-Dreiteiler „Maximilian. Das Spiel um Macht und Liebe“ den Erwartungen gerecht werden? Hohe Ambitionen und viel Budget. Kann Maximilian, der „letzte Ritter“, bestehen? Hier ist unsere Besprechung des ersten Teils.

Eigentlich auf der Suche nach der Kritik zum 2. Teil? Die könnt ihr HIER lesen.

Drei historische Höfe kämpfen um Burgund, das Karl der Kühne in den Händen seiner Tochter Maria (Christa Théret) zurückgelassen hat. Frankreich unter Ludwig XI. will das etwas zu selbstständige Lehen wieder enger ans Mutterland binden. Friedrich III. (Tobias Moretti), Kaiser des fiskal nicht allzu gut aufgestellten Österreichs, braucht Geld. Maria von Burgund würde eigentlich gerne alleine regieren, braucht von Gesetzes wegen aber einen Mann dafür. Die Lösung liegt auf der Hand: Maximilian (Jannis Niewöhner), der einzige Sohn Friedrichs, soll Maria heiraten.

Die Alternativlosigkeit dieser politischen Ehe wird den beiden starrköpfigen Jungadeligen erst am Ende des ersten Teils bewusst. Der Weg zur Erkenntnis war lang. Erst ein missglückter Mordversuch an Maximilian und der Quasiputsch der durch einen französischen Gesandten aufgewiegelten Kaufleute von Burgund treiben die Handlung voran.

Bis die beiden Hauptfiguren endlich zusammentreffen, hatte Drehbuchautor Martin Ambrosch aber mit einigen Handicaps zu kämpfen. Auf dem mittelalterlichen Fleckerlteppich Europas war eine historische Geschichte zu erzählen, in der drei weit voneinander entfernte Player miteinander kommunizieren. Brieftauben, abgefangene Boten, Unterhändler – die Langstreckenkommunikation ist das zentrale Element des ersten Teils. Apropos Kommunikation. Die Serie wurde auf Deutsch und Französisch gedreht. Die Synchronisation der französischen Passagen merkt man der rein deutschen Fassung teilweise deutlich an.

Die Wochen bis zum nächsten Brief müssen den Zeitgenossen ewig vorgekommen sein (auch in Relation zu ihrer eigenen Lebenserwatung). Auch das Drehbuch muss die Lücken behelfsmäßig füllen, kann man doch nicht jede Nachricht in der nächsten Szene schon ankommen lassen. Also wird viel geritten, viel Papier beschrieben, versiegelt, getragen und überreicht. Auf dem anderen Kommunikationsweg, dem zwischen Filmemacher und Zuschauer, wird viel wiederholt. Auch das füllt Zeit.

Wir haben schon nach dem ersten Mal begriffen, dass der Herzog von Edmond (Fritz Karl) ein schmieriger Typ ist. Die Bürger Burgunds reden und drehen sich im Kreis. Die Bestrafung des vermeintlich verräterischen Dieners dauert ein wenig zu lang. Falls hier der Charakter des Haug von Werdenberg (Johannes Krisch) weiter etabliert werden soll, dann haben wir nichts Relevantes erfahren. Und Friedrichs Monologe sind teilweise redundant.

Die coolste und gleichzeitig unnötigste Füllerszene ist der Kampf Maximilians zu Ehren des ungarischen Königs Matthias Corvinus (Mark Zak), an den Friedrich seine zwölfjährige Tochter verheiraten möchte. Dank Kamera an und im Helm dürfen wir im strömenden Regen von Rappottenstein hautnah dabei sein, wie Maximilian gegen einen von ihm nicht unterscheidbaren Ritter und gegen die sichere Lungenentzündung ankämpft – eine Szene für die Galerie. Maximilian soll hier wohl als grandioser Kämpfer etabliert werden, aber aus Friedrichs Sicht ist es geradezu fahrlässig, sein wertvollstes Handelsgut diesem Risiko auszusetzen. Für den Zuschauer doppelt schade, wurde doch mit Maximilians narbengesichtigen Leibwächter (Harald Windisch) bereits ein harter Kerl für solche Jobs etabliert.

Badass vom Dienst: Georg Rudolfer (Harald Windisch) Foto: ORF/MR Film/Thomas Kiennast

Mit fast 16 Millionen Euro Produktionsbudget ist „Maximilian“ im internationalen Vergleich für historische Stoffe eher auf der günstigen Seite zu finden – Serien- und Filmkenner werden das an mehreren Ecken und Enden bemerken. Jede anspruchsvolle Kritik an Ausstattung und Action muss deshalb mit Vergleichen vorsichtig sein. Viele Vorabtexte haben immer wieder „Game of Thrones“ in Spiel gebracht. Das ist aber weder fair noch seriös.

Der erste von drei Teilen ist ein Kennenlernen, man muss sich „Einsehen“. Die Fraktionen sind optisch nicht gut unterscheidbar. Auch wenn die Unterschiede bei den Frisuren und Kleidungsstücken historisch gering sein mögen (es wird sogar erwähnt, dass de facto alle ihr Tuch aus Burgund beziehen), wäre es speziell für die Vermittlung des jeweiligen Ortes ganz gut gewesen, wenn man sich dann zumindest bildgestalterisch abheben würde. Alles ist einfach gleich dunkel.

Die versprochene „herbe Romantik und blutige Action“ (ORF.at) lässt zwar noch auf sich warten, aber dem ersten Eindruck nach ist „Maximilian“ ein solides TV-Stück öffentlich-rechtlicher Prägung. Mehr lässt sich einfach noch nicht sagen.

Zur Kritik vom 2. Teil bitte HIER entlang.

List’s List

  • Bei historischen Stoffen braucht es leider immer diesen Beipackzettel: Historische Genauigkeit ist irrelevant. Dafür gibt es Bücher von gescheiten Menschen, Geschichtslehrer und die begleitende Dokumentation. Das hier ist eine fiktionale Produktion, die Autoren haben die künstlerische Freiheit aus dem Stoff zu machen was sie wollen. Und oft ist die Realität entweder total fad oder viel zu absurd, als dass es jemand glauben würde.
  • Wenn Sie unbedingt Vergleichsserien brauchen, dann empfehle ich „Vikings“ oder „The Last Kingdom“, eventuell noch „Marco Polo“ (Also thematisch, weil Budget, frage nicht!), wenn Letztere auch in einem gänzlich anderen Kulturkreis angesiedelt ist.
  • Genaueres zum Budget: Fast 16 Millionen Euro hat der Dreiteiler gekostet. ORF und ZDF wurde dabei vom Fernsehfonds Austria (3,2 Mio.), dem Land Niederösterreich (160 Tsd.) und dem Filmfonds Wien (400 Tsd.) durch Förderungen geholfen.
  • „Bella gerant alii, tu felix Austria nube.“ oder auf Deutsch „Andere mögen Krieg führen. Du, glückliches Österreich, heirate.“ Die vollständige Version und die Herkunft dieses Mottos und weitere Infos zur Heiratspolitik der Habsburger kann man z.B. in der Wikipedia nachlesen. Oder in einem guten Buch.

Der 1. Teil ist für sieben Tage in der ORF TVthek verfügbar (aus Jugendschutzgründen nur zwischen 20:00 und 06:00). Die anderen beiden Teile werden am 2. und 3. März jeweils um 20:15 auf ORFeins ausgestrahlt. Im Anschluss an den 3. Teil wird mit „Maximilian – Brautzug zur Macht“ der historische Hintergrund in einer Dokumentation beleuchtet. 

2 Kommentare

  1. Anonymous 3. Oktober 2017

    Visitor Rating: 3 Stars

  2. Anonymous 2. Oktober 2017

    Visitor Rating: 1 Stars

  3. Anonymous 6. März 2017

    Visitor Rating: 2 Stars

  4. Anonymous 4. März 2017

    Visitor Rating: 2 Stars

  5. Anonymous 3. März 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  6. Anonymous 3. März 2017

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  7. Anonymous 2. März 2017

    Visitor Rating: 3 Stars

  8. Anonymous 2. März 2017

    Visitor Rating: 2 Stars

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