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Kritik: Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe (3)

„Du liebst ihn bereits“, erkennt die Stiefmutter nach kurzer Zeit. Der alte Grundsatz „Show, don’t tell“ wird gekonnt ignoriert, was in diesen letzten 90 Minuten von „Maximilian“ zur ultima ratio erhoben wird. Hier unsere Kritik zum 3. Teil. 

Die Reviews zu Teil 1 und Teil 2 schon gelesen? 

Alles in dieser „Folge“ geht viel zu schnell. In den 180 Minuten davor hat man Zeit verplempert und muss jetzt mit dem Holzhammer alles unterbringen, das aus irgendwelchen Gründen noch unbedingt rein musste. Beispiele gefällig? Mein immer noch geliebter Georg Rudolfer flitzt nur so zwischen Gent und Wiener Neustadt hin und her. Die Entwicklung der Ehe Marias und Maximilians vom politischen Bündnis zur Liebesbeziehung passiert innerhalb von Minuten und braucht die (Schwieger-)Stiefmutter als de facto Erzählerin. Zehn Monate Ehe und Schwangerschaft in 10 Minuten Screentime.

Nicht falsch verstehen, der letzte Teil funktioniert als singulärer Film eigentlich ganz gut. Ein wenig mehr Anfangstext und ein dezidiertes Set-up der Figuren – inklusive Konzentration auf die wesentlichen – und die Liebesgeschichte zwischen Maria und Maximilian hätte eine gute Liebestragödie sein können. Oder, wenn man im richtigen Moment ausgestiegen wäre, sogar eine Liebeskomödie.

Den Luxus einer isolierten Betrachtung haben die Filme aber nicht und ich bin als Rezensent auch nicht bereit, diese Konzession zu machen. In den ersten zwei Teilen wäre genug Raum gewesen, organisch die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren zu entwickeln, die Familiengründung und auch die Kriegsplanungen durchzuführen. Wenn es dann noch den „Law & Order“-Subplot um Johanna von Hallewyn und ihren am Ende des zweiten Teils erstmals erwähnten Ehemann (Erwin Steinhauer) bräuchte, wäre sich das auch ausgegangen. So bleibt die Romanze zwischen ihr und Polheim die überzeugendere und geht letztlich auch fast glücklich aus. Oder zumindest nicht eindeutig tragisch.

Was hätte eigentlich dagegen gesprochen, die „wahre“ Geschichte aus der Perspektive der beiden Diener zu erzählen, die sich ineinander verlieben und in diesem zersplitterten Europa, ihren beiden Herrschern treu ergeben, am Ende zusammenfinden? Maximilian und Maria hätten gar nicht viel weniger und fragmentierter vorkommen brauchen, und dass die meisten relevanten Ereignisse off-screen passieren wäre plötzlich konzeptuell gewesen. Ist doch OK, wenn die eigentlichen Hauptcharaktere alles immer nur am Rande mitbekommen, während sie ihre eigenen Hindernisse überwinden.

Ebenfalls viel zu schnell entwickelt sich plötzlich Maximilian. Gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen, transformiert er sich vom Erzherzogsbuben der nur Jagen und Frauen im Kopf hatte, zum souveränen Macher von Burgund. Gerichtsurteile? Streng, schnell fair. Verhandlungen mit den Bürgern? Küss meinen Ring, Bonasera. Wir brauchen ein Heer? Ich rekrutiere jeden Mann persönlich. Maximilian, vielleicht der letzte Ritter, aber der definitiv erste Mikromanager.

Erst die bevorstehende Geburt holt den zukünftigen Kaiser wieder zurück auf das Niveau der Normalsterblichen. Genau wie jeder werdende Vater immer und überall tigert er nervös vor dem Geburtszimmer umher, voll Sorge im Wissen um die damals hohe Sterblichkeitsrate im Kindbett, als auch um die eigene Nutzlosigkeit. Hier kann auch das beste Schwert nicht helfen.

Ein Großteil der Folge dreht sich um das Aufstellen eines Heeres, damit gegen Frankreich gezogen werden kann. Was ist mit den in Köln angeworbenen Söldnern passiert? Was ist mit Österreichs eigenen Männer zusätzlich zu Fechtmeister Rudolfer, die Maximilian und die 100 Mann Fuggers begleitet haben? Es wird viel geredet und die Kostenverteilung lang und breit diskutiert, aber wir sehen kein einziges Schwert in den Händen eines neu angeworbenen Söldners und auch nicht die Ausbildung der Bauernarmee.

Der rekonvaleszente Ludwig XI. wartet mit einer militärischen Offensive klugerweise ab – immerhin hat er seinen Sohn zu unterrichten – um Burgund mit seinem buchstäblich stehenden Heer finanziell auszubluten. Death by Buchhaltung. Wie ich in meiner Kritik zu Teil 2 schon angemerkt habe, ist das tatsächliche Vermögen von Burgund ziemlich situationselastisch. Aber irgendwann ist jeder Finanzrahmen ausgeschöpft. Ein letzter Funke Hoffnung keimt auf, als Deus ex Werdenberg (Johannes Krisch) mit einer kleinen Armee von „Tirolern“ (sind das die Spartaner von Österreich?) in Gent ankommt.

Alles ist angerichtet für die entscheidende Schlacht. Ludwig ist tot und Karl VIII. entpuppt sich genau als der Trottel, für den ihn sein Vater gehalten hat (dass er eigentlich als ganz schön schlau etabliert wurde ist jetzt auch schon wurscht) und zieht gegen Maximilian. Militärisch zwar angeblich überlegen, unterliegen die Franzosen aber dem „verlorenen Haufen“. Am Ende ist Maximilians großer Sieg eigentlich nur das militärische Äquivalent einem Kind den Lutscher wegzunehmen. Welch ein Held.

Von einer Schlacht ist nichts zu sehen. In dem Moment, als die Kämpfer aufeinanderprallen schneidet der Film zur betenden Maria. Einer sehr kurzen, schwummrigen Kampfchoregrafie folgt wieder ein wunderschön drapiertes Stillleben an toten Körpern. Das hatten wir schon einige Male. Auch in Wiener Neustadt muss eine einzige einschlagende Kanonenkugel reichen, um das Bedrohungsszenario zu symbolisieren. Den Rest regelt Tonmeister Dieter Zuson. Bumm. Bumm. Bumm.

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Optisch ansprechend drapierte Leichenbilder gab es einige. Was wir nicht gesehen haben ist die Schlacht zuvor. Foto: ORF/MR Film/Thomas Kiennast

Der Grund liegt auf der Hand: das Budget. Nicht das von Burgund, sondern das vom ORF. Mit 15,5 Millionen hatte man zuvor zwar angegeben, aber nur weil etwas in Relation viel erscheinen mag, kann es trotzdem zu wenig sein. Wer mit offenen Augen die drei Teile von „Maximilian“ verfolgt hat, wird budgetäre Abkürzungen wie die oben beschriebene „Schlacht“ an jeder Ecke wahrnehmen. Das ist kein Vorwurf, sondern die filmemacherische Realität, in der wir in einem kleinen Land wie Österreich operieren.

Eh klar, dass historische Stoffe teuer sind, aber ein ansprechende Ausstattungs- und Kostümdesign kann man fast als inszenatorischen Hygienefaktor bezeichnen. Aber was nutzen „60 Locations, 3.000 Komparsen, 550 Pferde, 800 Kostüme und 100 Rüstungen“, Leistungsdaten aus der Presseinformation die von den Medien bereitwillig transportiert wurde, wenn es erzählerisch nichts hergibt? Wozu Schlachten und Action ankündigen, wenn der eigentlich zentrale Stoff eigentlich eine Liebesgeschichte ist? Ein waschechter Politthriller würde sich auch anbieten. Mit „blutiger Action“ zu werben war definitiv ein Etikettenschwindel seitens des ORF, was die Medien dann aber dann transportiert haben bzw. meinten gesehen zu haben, hat mit der Realität der drei Filme nichts mehr zu tun.

Über die absurden Vergleiche mit „Game of Thrones“ habe ich an dieser Stelle schon zu viele Worte verloren. Offenbar reicht ein Mittelaltersetting, um jede weitere Variable zu ignorieren und sich ein abschließendes Urteil („Game of Thrones für Arme“ © Richard Schmitt/Kronen Zeitung) zu bilden. Es ist aber ein mediales Problem. Ein definitiv spektakulärer TV-Event wird vom produzierenden Sender als etwas anderes verkauft als er ist und von den unter Zeitdruck agierenden Redaktionen unhinterfragt transportiert und sogar überhöht.

Von spektakulären Schlachten war zwar in den Filmen nichts zu sehen, aber ORF.at, Der Standard, die Kronen Zeitung und andere haben das kommuniziert. (Screenshots)

Unterm Strich war „Maximilian“ ein toller Kostümschinken, der aber ein unausgegorenes Storykonzept bis zum Finale durchschleppt und dem man die finanziellen Limits ständig ansieht. Wir werden uns auch nicht einig sein, ob das jetzt „gut“ oder „schlecht“ war. Auf der Habenseite stehen durchschnittlich mehr als 750.000 Zuseher (Zahlen der ersten beiden Teile), was in der heutigen Zeit eine gewaltige Zahl ist. Wenn es Ihnen wirklich gefallen hat, dann freut mich das ehrlich. Wie erwähnt war mir persönlich DAS zentrale Motiv zu breit, zu vage und es wurde effektiv auf die falschen Personen fokussiert.

Ich freue mich auf weitere heimische Produktionen. Die österreichische Geschichte gibt noch viele spannende Stories her, die es zu erzählen lohnt. Was ich mir erwarte ist nicht alles automatisch in ein oder zwei Fernsehfilme zu pressen. Form follows function. Wenn es drei 90-Minüter sind, dann muss das auch im Pacing der Handlungsstränge Widerhall finden. Ansonsten bitte eine mehrteilige Staffel oder was auch immer der Stoff verlangt. Inszenatorisch gibt es im Rahmen der Möglichkeiten eigentlich nichts zu meckern, aber die verfügbaren Mittel dürfen ruhig in weniger Minuten fließen, damit nicht ganz so viel Zeit geschunden werden muss.

List’s List

  • Mit dem Titel „Das Spiel um Macht und Liebe“ bin ich insofern ein wenig versöhnt, weil ich „Maximilian“ als einen misslungenen Politthriller begreifen möchte. Dafür ist der Titel geeignet.
  • Philipp de Commynes darf erstaunlicherweise noch werkeln und weitere Exposition liefern. Keine schlechte Idee, den Mann, der permanent zwischen den Handlungsorten hin und her reist, jedes Mal neue Infos erhalten oder geben zu lassen. Dadurch verlieren wir uns nicht in dieser doch recht komplexen Struktur. Außerdem ist er dank der Größe von Nicolas Wanczycki und auch farblich leicht identifizierbar. Ich habe in meiner Kritik zu Teil 1 die identen Frisuren und die zu gleichmäßige Bildsprache angesprochen, die die Orientierung speziell für ein Gelegenheitspublikum erschwert. Da wäre auch noch einiges an Verbesserungsbedarf gegeben.
  • Ich freue mich auf deine Meinung, Feedback oder Anmerkungen. Entweder hier direkt unter diesem Artikel als Kommentar oder über eine der Möglichkeiten, die du auf dieser Seite gelistet findest.

Der 3. Teil ist ebenso wie die ersten beiden für sieben Tage in der ORF TVthek verfügbar (aus Jugendschutzgründen nur zwischen 20:00 und 06:00).Im Anschluss an den 3. Teil wurde mit „Maximilian – Brautzug zur Macht“ der historische Hintergrund in einer Dokumentation beleuchtet (ebenfalls sieben Tage verfügbar).

Ein Kommentar

  1. Anonymous 2. Oktober 2017

    Visitor Rating: 1 Stars

  2. Anonymous 2. Oktober 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  3. Anonymous 4. März 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  4. Anonymous 4. März 2017

    Visitor Rating: 2 Stars

  5. Anonymous 3. März 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

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