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Kritik: Planet Ottakring

Halbwegs brauchbare romantische Märchenkomödie über Lieben und Leiden im vorgeblichen Problembezirk Wiens. Klischeeanhäufungen und zeitgeistige Kapitalismuskritik inklusive.

Erfrischend, wenn ein österreichischer Film seine Opening Credits einmal nicht mit sterilem Weiß auf Schwarz präsentiert, sondern sich tatsächlich eine Animationsequenz gönnt. Die endet auf dem Friedhof, wo “Disko”, der Pate von Ottakring, zur letzten Ruhe gebettet wird.

Sammy (Michael Steinocher), dessen Beziehung zum Verstorbenen nicht so ganz klar ist, bekommt wenige Tage später das Testament und das Notizbuch von Disko, das penible/wirre Aufzeichnungen über dessen kleinkriminelle Machenschaften enthält und ebenso aufzeigt, wie der alte Mann das Viertel positiv beeinflusst hat. Da hat aber schon die ruchlose Kredithai-in Jahn (Susi Stach) begonnen, das Viertel zu übernehmen. Von sozialer Ader keine Spur und ihre beiden evil henchmen – direkt aus der Klischeehölle – drangsalieren die Schuldner.

Angespornt durch seinen Großvater (Lukas Resetarits), der den Buben bei jedem Besuch die Finanznachrichten abprüft, und die deutsche Studentin (Cornelia Gröschl), die den beschaulichen Kurort Ottakring mit den Favelas von Rio de Janeiro verwechselt hat, schwingt sich Sammy zum neuen Prince of Ottakring auf.

Weil ja eh alle Schulden haben – und er selbst angeblich Wirtschaft studiert hat – muss ein Schwundgeld als Lösung aller Probleme her. Die Frau wird gewonnen. das Viertel ist gerettet. Eh klar, Happy End.

Gemessen am Saalpublikum sollte „Planet Ottakring“ für ein paar herzhafte Lacher und einiges an Schmunzeln gut sein. Jemandem, der wirklich schon einmal in einer Volkswirtschaftsvorlesung gesessen ist, wird es zwar den Magen umdrehen, alle anderen wird das Ökonomie-Blabla dafür überfordern bis langweilen. Die verklärende und dem Zeitgeist entsprechende Kapitalismuskritik (Banken und Kreditgeber sind sooo böse!) und wie man es anders machen könnte, graduiert den Film geradewegs von der (sozial-)romantischen Komödie zum echten Märchen.

Unterm Strich gibt es viele nette Szenen, gute Ausstattung und sympathische Figuren, die den Film durchaus sehenswert machen. Eine dicke Haut gegen Klischeeüberladung und viel zu viele merkwürdige Schnitte sei aber empfohlen. Ein wenig Weniger wäre hier durchaus angebracht gewesen.