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Kritik: Schnell ermittelt 5×02 „Simon Gehbauer“

Jan steckt in der Untersuchungshaft, aber kooperationsbereit schaut anders aus. Als hätte Angelika nicht sonst schon genug Scherereien: Simon Gehbauer wurde wohl von einem seiner Jagdkommilitonen erschossen. Bei den Ermittlungen kommt es bei „Schnell ermittelt“ zu einer handfesten Überraschung – und das ist diesmal nicht bloß eine Floskel, um euch neugierig auf den Artikel zu machen…

Fortsetzung folgt?

Hände hoch – wer hat erwartet, am Ende von „Simon Gehbauer“ nicht den oder die Mörder überführt und hinter Gitter gesteckt zu sehen? Das ist neu für „Schnell ermittelt“, und in jeglicher Hinsicht überraschend. Dass Staffel 5 einen stärkeren Fokus auf das folgenübergreifende Erzählen legt, das war schon abzusehen: Erstens lässt sich dieser Trend an den zunehmend narrativ komplexeren vorherigen Staffeln erkennen, und zweitens nahm Jans Verhalten und seine Festnahme in den ersten beiden Folgen dieser Staffel schon vergleichsweise viel Zeit ein. Dass die Serie deshalb im Skript von Katharina Hajos und Constanze Fischer von ihrem „Fall der Woche“-Template abweicht, das war wirklich nicht zu erwarten.

Warum tut die Serie das? Ich bin mir nicht ganz sicher. Ist mit so viel Zeit, die für Jan & Co. verwendet wird, die Sendezeit zu knapp, um spannende Fälle zu erzählen? Will man bewusst gewohnte Erzählmuster aufbrechen, um mit den Erwartungen der Zusehenden zu spielen, sie auf Zack zu halten? Es steht noch nicht einmal fest, ob „Simon Gehbauer“ einfach bloß ein Zweiteiler ist (quasi der inoffizielle fünfte Film?), oder ob dieser Fall in die nächste Folge mitgezogen wird, während in dieser ein weiterer, damit schon dritter paralleler Fall eröffnet wird. Weil Folge 3 den Titel „Traian Voronin“ trägt, ist jedenfalls davon auszugehen, dass auch in der nächsten Folge nicht jedermann mit dem Leben davonkommen wird.

Ich bin ja wirklich sehr gespannt auf die Reaktionen der Fans in Foren, auf der „Schnell ermittelt“-Facebook-Seite sowie gerne auch hier in den Kommentaren. Wie kommt das bei euch an, in „Simon Gehbauer“ der episodischen Genugtuung der Überführung des Mörders bzw. der Mörder entzogen zu werden? Es entspricht sicher nicht ganz dem, was man sich erwartet, wenn man „Schnell ermittelt“ am Montagabend einschaltet – andererseits erklärt das vielleicht auch ein wenig, warum die Serie nun am Serienmontag ausgestrahlt wird, und nicht wie früher am Krimiseriendienstag.

Ich weiß, dass es mir gefällt, zumindest rein strukturell. Ich finde es sehr spannend, dass die Serie hier mit ihrem Format spielt. Ich hatte mich schon gewundert, warum die Folge eine der Verdächtigen, die Ex-Freundin des Verstorbenen, erst kurz vor Ende der Episode einführt, was normalerweise doch sehr untypisch für einen Krimi ist. Andererseits bin ich nicht davon überzeugt, ob man das Publikum genug auf die fehlende Resolution vorbereitet hat bzw. dafür entschädigt: Es fehlt ein knackiger Cliffhanger, um größeres Interesse an der Fortsetzung des Falls zu entfachen.

Klar, es gibt da die neue Information, dass Jan was mit der Tatwaffe zu tun hat – Fortsetzung folgt. Das ist spannend – aber nicht für den Fall der Woche. In Sachen Simon Gehbauer endet die Episode ziemlich antiklimatisch mit einer fünfminütigen Tatortbesichtigung. Resultat: Ich will wissen, wie sich Jan da herausreden will, besitze aber kein großes Interesse an der Lösung am Tod des Jägers, und habe deshalb das wenig zufriedenstellende Gefühl, die Episode hätte einfach inmitten des Falles geendet. Die Erkenntnis, dass es eine(n) Zeugin/en geben muss, ist nicht weltbewegend genug, um als Cliffhanger zu fungieren.

Sympathiewerte

Wie erwähnt verbringt „Schnell ermittelt“ mehr Zeit denn je mit der Entwicklung der staffelstreckenden Handlung, und bringt dabei auch in Folge 2 neue Variablen mit ins Spiel. Neu ist beispielsweise Staatsanwalt Christian Stanic, der Jan verhören soll – und ausgerechnet mit Angelika eine gemeinsame Vergangenheit besitzt. Dass Stefan das barsch anspricht, ist ziemlich uncharakteristisch für ihn, und zeigt somit, dass er Angelika für die Affäre noch nicht so recht verzeihen hat können – und das, obwohl das Ganze nach einem Fehltritt vor vielen Jahren klingt.

Stanic verhält sich höchst professionell, beißt sich aber an Jan die Zähne aus (Absolut genial, weil treffend, lustig und ein spannender Moment zwischen den Charakteren zugleich: „Meine Mutter sagt immer, wenn die Typen nur ihren Mund halten würden, müsste sie alle laufen lassen“). Mit Angelika gehen hingegen so langsam die Pferde durch – und das nicht nur einmal: Egal ob Stefan, Maja oder Christian, bei allen vermutet Angelika, dass sie gegen sie arbeiten. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr Verhalten Professionalität und Respekt vermissen lässt, aber eins macht „Simon Gehbauer“ unmissverständlich deutlich: so schlimm war es noch nie.

Angelika Schnell ist ungeduldiger geworden, unhöflicher, eigenbrötlerischer, und insgesamt auch unsympathischer. Früher hat sie ihr barsches Verhalten noch häufiger mit Witz und Charme kaschiert (oder sind das bloß Erinnerungen mit rosaroter Brille?), jetzt hört man ihr beschwingtes Lachen deutlich seltener. Angelika hat sich nicht in ihren Grundzügen verändert: Schon in Staffel 3 hatte sie die Verdächtigungen und Verdachtsmomente gegen ihre eigene Person als Unsinn abgetan, ohne auf sie objektiv eingehen zu können, und auch jetzt denkt sie, Jan wäre über jeden Zweifel erhaben, ohne sich kriminalistisch damit auseinandersetzen zu wollen oder können. Schon damals hat sie das in Gefahr gebracht, und auch diesmal wirkt sich das negativ auf alle Beteiligten aus.

Angelikas eigenwilligen, teilweise einzelgängerischen Ermittlungsmethoden und ihrer Einstellung hat nie wirklich jemand Einhalt bieten können – was aber früher noch einigermaßen charmant wirkte wird jetzt langsam zu einem echten Sympathieproblem, und das nicht nur für die Figuren: auch auf uns wirkt Angelika unsympathisch, und es tut weh, sie auf solchen Abwegen zu irren sehen. Vielleicht ist deshalb ja der Schuster noch nicht in Staffel 5 in Erscheinung getreten: Bislang hat er immer als Antagonist fungiert, in gewisser Weise übernimmt Angelika das dieses Mal selber.

Nun, wo die Hinweise immer erdrückender werden, dürfte Angelikas Vorstellungen von ihrem Sohn aber langsam bröckeln anfangen, und wird vielleicht auch beginnen, mit Stanic Christian zusammenzuarbeiten. Stefan hingegen scheint eine ganz gute Chemie mit der verträumten Flora Morawitz zu besitzen – ein Schelm, wer da sich anbahnende Liebesgeschichten entdeckt. Bei zwei oder gar drei parallelen Mordfällen werden sie sicher nicht zu wenig miteinander arbeiten.

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