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Kritik: Schnell ermittelt 5×04 „Gudrun Schatzinger“

„Schnell ermittelt“ trifft auf „Vorstadtweiber“ – oder zumindest, wie Staffel 17 vielleicht aussehen könnte. Angelika muss feststellen, dass die Ermordete und ihre Freundinnnen es noch faustdick hinter/in den Ohren haben/hatten…

Die Vorstadtweiber

Der Beginn von „Gudrun Schatzinger“ ist wohl eine der gelungensten Episoden-Eröffnungen, die „Schnell ermittelt“ je hingelegt hat: Der Kontrast zwischen der glückseligen Kartenrunde und des perfiden Todesapparats ist sehr gelungen. Die Inszenierung auch: Den Kronleuchter unheilsvoll über die Damen schweben zu sehen sorgt ganz schön für Nervenkitzel. Die Damen dann schreien hören ist der perfekte Einstieg für einen neuen Fall für Angelika Schnell.

Zugegeben, bei den Persönlichkeiten der Verdächtigen trägt „Schnell ermittelt“ schon ein wenig dick auf, dicker als üblich – vielleicht kenne ich bloß noch nicht diese Art von älteren Damen, aber sich zu viert einen Callboy teilen ist schon ein starkes Stück, und auch sonst sind Paula, Gudrun, Trixi und Bernadette ganz schön abgedreht. Angelikas Nachforschungen ergeben, dass es sich bei den Damen wohl um eine alternative Besetzung bzw. Version von „Vorstadtweiber“ handelt – da wird einander betrogen und ausgespannt, bis sich die Balken biegen.

Gleichzeitig ist „Gudrun Schatzinger“ aber auch deshalb eine der witzigsten Folgen der Serie, was sowohl am Verhalten der Damen selber als auch Angelikas und Franitscheks Reaktionen darauf liegt („Was hätt‘ ma machen sollen, unsere Männer sind alle schon tot.“ Franitschek: „Wen wundert’s…“). Das Mordmotiv war zwar ein wenig schwach (was soll das heißen, Gudrun hätte Bernadette schon wieder einen Mann ausgespannt? Der Callboy hat doch gesagt, er habe keine Präferenzen) und der Fall nicht ganz so emotional resonant, unterhaltsam war er aber allemal.

Vertrauen und Kontrolle

Indes findet Angelika neue Methoden, um „Anamo“, also Anna Moser aka Jans Freundin, auf die Schliche zu kommen. Das ist insofern spannend, als dass Angelika dabei auf die herkömmlichen Polizei-Ermittlungsmethoden wie Telefonüberwachung und so weiter verzichten und stattdessen erfinderisch sein muss. Dabei bedient sich Angelika Anamos Selbstdarstellungstrieb: Es ist absolut glaubwürdig, dass die junge Frau die Freundschaftsanfrage eines offensichtlichen Fake-Profils annimmt (sehr witzig: Angelikas Eitelkeit, das Geburtsdatum gleich um etliche Jahre anzuheben) und Angelika dadurch so leicht Zugriff auf deren Aufenthaltsort gewährt. Komisch nur, dass sich Angelika überhaupt den Aufwand antut, in „Gudrun Schatzinger“ so ein falsches Profil zu erstellen, denn: Wer genau hinschaut muss feststellen, dass sich Angelika mit dem Account ihres Sohnes bei Friendsbook anmeldet, um überhaupt auf Anamos Profil zu kommen.

Das ist eine Fortsetzung dessen, was wir schon letzte Woche beobachten konnten: Angelika scheint keine Skrupel zu haben, Jans Privatsphäre zu verletzen, um mehr über seine Aktivitäten zu erfahren. Mehr noch: Dass sie sein Friendsbook-Passwort schon parat hat, fügt sich perfekt in jenes Bild ein, das uns in „Traian Voronin“ subtil angedeutet wurde, als sie konkrete Ideen für Jans Passwort hatte: Offensichtlich spioniert Angelika ihren Sohn schon länger hinterher, noch bevor sich dieser zu Beginn der Staffel in Schwierigkeiten begeben hat. Dieser Vertrauensbruch ist schon schlimm genug, ist bei Angelika aber gleich doppelt frech: Gerade sie als Geheimniskrämerin, die ihren Mitmenschen viel vorenthält (siehe beispielsweise Staffeln 3 und 4) sollte eigentlich Respekt für Jans Privatsphäre besitzen.

Warum diese Anamo wichtig ist, das bleibt uns „Schnell ermittelt“ leider nach wie vor schuldig. Dennoch erfahren wir ein paar neue Dinge über sie – neben den oben erwähnten Charaktereigenschaften sehen wir sie im Club mit einem anderen Jungen flirten. Der wichtigste Clou wird uns aber am Ende der Folge geliefert, auch wenn es noch schwer fällt, es einzuordnen: Ein kleiner Bursch wird mit dem Gesicht ins Wasser gedrückt. Ist das eine Erinnerung von Anamo? Wenn ja, in welcher Rolle befindet sie sich dabei? Oder ist es stattdessen eine Vision Angelikas, von der sie in der Badewanne hochschreckt? Ich hätte mir gewünscht, mehr Kontext für dieses sicherlich sehr bewusst platzierte Bild zu erfahren, denn so sorgt das Ende von „Gudrun Schatzinger“ für mehr Verwirrung als Spannung. Immerhin: Interesse weckt es sehr wohl.

SFLÖ bröckelt

Für Stefan und Flora bleibt diese Woche nicht viel Zeit, stattdessen sehen wir wieder mal was von Kemal. Dessen Gewissenskonflikt, zwei verschiedenen Chefinnen zu dienen, ist spannend, auch wenn es eine Überraschung gewesen wäre, wenn er nicht einmal mehr seine Loyalität zu Angelika unter Beweis gestellt hätte. Andererseits wird ihn das bei Maja nicht gerade beliebter machen…

Die ist nämlich eh schon recht angepisst auf drei der vier Mitglieder von SFLÖ (gibt’s dieses Akronym überhaupt noch?), nachdem Angelika sie nicht über die fehlende Schusswaffe bei Jans Schießstand informiert hat. Mal wieder ist es für Angelika wichtiger, ihren Sohn zu decken, anstatt den Ermittlungen zu dienen. Auch davon abgesehen, dass das unethisch ist, wird es ihr nicht helfen, sich mit Maja anzulegen: Das wird diese nämlich bloß dazu treiben, Angelika gänzlich von dem Fall fernhalten zu wollen. Derzeit mag sich Jan ja noch in Sicherheit wiegen, aber die konkreten Hinweise verdächtigen sich. Es wird wohl an Angelika liegen, Anamo irgendwie die Schuld für den ganzen Schlamassel in die Schuhe zu schieben, zumindest nach aktuellem Ermittlungsstand – wahrscheinlich wird Anamo aber direkt was mit der Tat zu tun haben, oder ist vielleicht sogar die ominöse Zeugin des Mords an Nico Schnabel…

Noch mehr Bla:

  • Drehbuchautor Guntmar Lasnig scheint bei „CopStories“ auf den Geschmack für Parallelmontagen am Ende des Arbeitstages gekommen zu sein: In „Gudrun Schatzinger“ gibt es zwar keine Montage zu sehen, aber die parallelen Badeerlebnisse von Paula, Angelika und Jan/Anamo haben mich doch sehr an Lasnigs andere Werke erinnert. Schon bei den „CopStories“ fand ich diese reflexiven Momente am Ende der Folgen gut, und auch in „Gudrun Schatzinger“ ist das eins der leiseren Highlights.
  • Vielleicht ist Anamo ja das Passwort zu Jans Computer?
  • Angelika wirkte diese Woche weniger schnappig und heiterer als im Zweiteiler der Vorwochen.
  • Mir gefällt, wie „Schnell ermittelt“ in seiner 5. Staffel neue Varianten findet, in jeder Folge angehupt zu werden. Dieses Mal fährt sie seelenruhig über die gerade rot werdende Ampel bei der Kreuzung, nur um von den nicht Spaß verstehenden Kollegen zur Seite gehupt zu werden.

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