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Kritik: Schnell ermittelt 5×06 „Knut Holm“

Der Archäologe Dr. Knut Holm wird selbst zum Fundstück, als seine Leiche bei Ausgrabungsarbeiten entdeckt wird. Bei den Verdächtigen ist eine Figur schrulliger als die andere: War es die moldawische Hobby-Archäologin? Der Möchtegern-Bio-Puff-Besitzer? Oder doch der Doktor mit Hang zu keltischen Ritualen?

Das Geständnis

Die wichtigste Szene von „Knut Holm“ flimmert gleich zu Beginn der Folge über die Bildschirme. Nein, nicht der ganz lässig inszenierte nächtliche Showdown/Ritualmord, sondern Jans Geständnis direkt nach dem Vorspann. In „Carlo Michalek“ war noch nicht abzusehen, was Jan wirklich gestehen wollte – ob er nur zugeben wollte, dass er die Waffe vom Schießclub entwendet hatte oder mehr. „Knut Holm“ startet deshalb mit einem Knalleffekt: Jan gesteht den Mord. Der Grund: Schnabel Junior habe Anamo vergewaltigt.

Angelika geht da natürlich sofort in den Defensivmodus über: Wer soll denn das glauben? Ist das ihr sechster (Spür-)Sinn, der da anschlägt, oder doch eher ihr mütterlicher Instinkt – einerseits weil sie ihn schützen will, andererseits weil sie sich nicht vorstellen kann, dass ihr kleiner Bub zu so etwas imstande wäre. Können wir? So unplausibel, wie es Angelika gern hätte, klingt die ganze Sache nämlich leider nicht. Und woher sollen wir schon wissen, was in Jan vorgeht, wenn es seine Mutter schon nicht begreifen kann? Es gibt schließlich auch Gründe zur Annahme, dass Jan lügt, und das auch abseits jener Informationen, die wir haben und Angelika nicht (zur Erinnerung: In der Folge zuvor haben wir gesehen, wie blind Jan der Frau doch an den Lippen hängt). Allen voran stellt sich die Frage, warum Jan ausgerechnet jetzt mit diesem Geständnis herausrückt. Von einem geplagten Gewissen gibt es da nämlich keine Spur.

Dennoch ist so ein Geständnis eigentlich ein sicheres Ding für die Polizei, und so wird es an Angelika liegen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen – so es denn eine gibt. Wie schon vorletzte Woche erwähnt deutet natürlich im Grunde genommen rein dramaturgisch alles darauf hin, dass Jan nicht der Mörder ist. Dennoch gibt es da diesen Funken Zweifel, der auch auf Angelika umgesprungen ist, dass er es wider Erwarten tatsächlich getan haben könnte. Das wäre ein echter Schocker, den ich der Serie aber durchaus zutrauen würde, da ist „Schnell ermittelt“ doch recht unvorhersehbar. Zurück zur glücksseligen Familie wird „Schnell ermittelt“ aber in Staffel 5 so oder so nicht finden, auch wenn Jan „glimpflich“ davon kommen sollte.

 Stachelschweinborstenpinsel & Co.

Von diesem Geständnis abgesehen tut sich im Fall Schnabel nicht viel – der Großteil der Folge ist dem Fall um die Grabungsstätte gewidmet. In unseren Kritiken zu Staffel 4 war es uns noch nicht aufgefallen, aber in der neuen Staffel lässt sich die Handschrift der „Schnell ermittelt“-AutorInnen durchaus erkennnen. Guntmar Lasnig, der auch schon beim humorvollen Fall „Gudrun Schatzinger“ federführend war, bringt auch hier einen verspielten, teilweise absurden Ton ins Skript, der einen willkommenen Kontrast zur doch sehr grimmigen Geschichte von Jans Entfremdung bildet.

Dieser sich doch vom Rest der Serie abhebende Tonfall hat seine guten und schlechten Seiten, was sich beispielsweise an der Figur der Yelena Martinjak ganz gut festmachen lässt. Das ist eine spannende Figur, deren Loyalitäten lange undurchsichtig sind, deren impulsiver Charakter für viel Konflikt sorgt und die sogar ihren eigenen, durchwegs gelungenen Charakterbogen spendiert bekommt. Gerade der archäologische Fund dank des Stachelschweinborstenpinsels ist einfach clever geschrieben, genauso wie ihre Feststellung, dass es auch Spaß machen kann, mit der Polizei zu kooperieren – wirklich beeindruckend, wie viele Elemente Lasnig da früh in der Folge einführt und für sie alle gelungene Payoffs findet.

Gleichzeitig wirkt das Ganze aber auch aufgrund des humorvollen Tonfalls eher unglaubwürdig: So einfach war es noch nie, einen archäologischen Fund á la Yelena zu machen. Angelika muss sich witzigerweise an Franitschek schmiegen, um an den Kopfhörern zu lauschen, aber später stellt sich heraus, dass da eh ein zweites Paar Kopfhörer gelegen wäre. Und Yelenas fixer Griff zur Knarre oder Frau Holms diverse Todesdrohungen (oder ihr Angriff unter die Gürtellinie auf den festgenommenen Lausi) werden doch wiederholt arg leger von Angelika und Franitschek hingenommen, was dann doch recht unglaubwürdig rüberkommt. Musik und vor allem der Schnitt erinnern in dieser Folge zudem mehr an „Die Detektive“ als an „Schnell ermittelt“. Ein bisschen Variation tut der Serie schon gut, aber elegant sind diese stilistischen, episodischen Änderungen in der 5. Staffel „Schnell ermittelt“ auch nicht.

Ein ausgezeichnetes und wirklich hervorhebenswürdiges Beispiel für die Balance aus Neuem und Altem liefert „Knut Holm“ aber auch, als Frau Holm fragt, ob der Gerichtsmediziner Schnell Angelikas Bruder oder Ehemann sei. Das ist einer der vielen Running Gags der Serie, bei der normal schnell jemand „Exmann!“ ruft. Diesmal antwortet Angelika hingegen, dass Frau Holm das nichts angehe, und das ohne von Frau Holm provoziert worden zu sein oder ähnliches. Stattdessen handelt es sich dabei um eine scharfsinnige Beobachtung davon, dass sich Angelika über die Jahre hinweg verändert hat und nicht zuletzt auch aufgrund der Inhaftierung ihres Sohns nicht mehr ihr lockeres Selbst sein kann.

Noch mehr Bla:

  • Es ist immer verwunderlich, wie viele Figuren schockiert sind darüber, dass sie als Angehörige mit Mordmotiv von der Polizei verdächtigt werden. Frau Holms offenkundiger Umgang mit ihrem möglichen Motiv und ihrem fehlenden Alibi war deshalb sehr gelungen.
  • Genial: „Gehen wir was essen?“ – „Danke, hab keine Lust auf Aufgewärmtes.“
  • Ein gutes Mittel, um unwahrscheinlichere, unplausiblere oder schlichtweg noch nie benützte Sachverhältnisse oder Handlungen dem Publikum glaubhaft zu machen, ist es, die Figuren diese Umstände selbst wundern zu lassen. In diesem Fall geht es um die Abhöraktion, die sich wohl auch schon in früheren Folgen mehr als nützlich gewesen wäre. Leider bin ich rechtlich nicht bewandert genug, um zu wissen, wie groß der Aufwand bzw. die Verdachtsmomente sein müssen, um eine Genehmigung dafür zu bekommen. Falls da jemand mehr dazu weiß, würden wir uns über Kommentare dazu freuen.

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