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Kritik: Schnell ermittelt 5×07 „Dennis Maida“

Dennis Maida wird erschossen aufgefunden. Schon bald wird Angelika klar: Die Homosexualität des jungen Mannes dürfte eine Rolle gespielt haben. Weil der Fall emotional an die Schnabel-Ermittlungen anknüpfen kann, liefert „Schnell ermittelt“ dabei die beste Folge der Staffel.

Angelika vs Anamo

In vielerlei Hinsicht thematisiert „Dennis Maida“ genau jene Konflikte und Fragen, die schon länger im Raum stehen. Allen voran stellt sich die Frage, ob sich Angelika bei den Ermittlungen um den Schnabel-Mord und die mysteriöse Anamo in etwas verrennt. „Was wissen wir denn schon von der Anna?“, äußert da etwa Stefan genau jene Bedenken, die wir Zuseher auch schon gehegt haben. Für Angelika ist das natürlich kein Grund, im Gegenteil: „Eben“, sagt sie, und fühlt sich durch Stefans Zweifel bloß bestätigt.

Da erhält sie unerwarteterweise Zuspruch von unbekannter Seite.  Dass sie undercover Anamo, ihrem Kontaktmann sowie Schnabel Senior hinterher ist, gefällt Slatko nicht so gut – die sind denen eh schon auf der Spur. All zu lange lässt uns „Schnell ermittelt“ da nicht raten, um was es bei dieser neuen Entwicklung geht: Nicht nur Schnabel habe was mit Drogen zu tun, sondern auch die Anamo. Die sei zwar nur ein kleiner/mittelgroßer Fisch, aber immerhin. Nur: Was genau sagt das jetzt über ihren Charakter aus? Inwiefern rechtfertigt das, dass Angelika ihr den Mord anhängen will?

Einerseits gar nicht. Es ist ja nur so eine Ahnung von Angelika, Beweise hat sie keine. Aber andererseits… andererseits hat Angelikas Spürnase sie noch selten im Stich gelassen. Für gewöhnlich darf man ihrer Intuition trauen (auch wenn die Visionen in Staffel 5 recht beliebig/inkonsistent verwendet werden und deshalb mit Vorsicht genossen werden müssen). Und diese Ahnung von der Badewanne ist sicherlich nicht umsonst ein wiederkehrendes Motiv, auch wenn wir bei dessen (Be-)Deutung nach wie vor im Dunkeln tappen. Es lässt sich aber feststellen: Die Verdachtsmomente verhärten sich.

Doppelmord

Einen Zusammenhang mit dem Mord an Dennis Maida aber, das ist wieder eine ganz andere Nummer. Dass Maida und Schnabel Junior von der selben Waffe erschossen wurden ist doch recht weit hergeholt – nur weil die beiden dieselben Kaliber haben? Dennoch scheinen sich Polizei und Staatsanwalt einig zu sein, dass beide Morde auf die Kappe desselben Täters gehen. Mal angenommen, das ist richtig: Bei einer Mordserie muss man auf gemeinsame Nenner schauen, um die verbindenden Elemente zu finden. Derer gibt es eigentlich nur eines, und zwar Angelikas Erinnerung an den Clubbesuch in einer der Vorfolgen… [Nachtrag/Korrektur: Beim Abfeuern werden Spuren auf den Kugeln hinterlassen, sodass sich diese zweifelsfrei einer Waffe zuordnen lassen können. Insofern ergibt das Ganze sehr wohl Sinn. Danke für den Hinweis an unsere aufmerksamen Lesenden.]

Da muss man schon wirklich tief in den Erinnerungen graben. Dass dieser Bursche, mit dem Anamo damals geflirtet hatte, noch einmal auftaucht, war vielleicht zu erraten, dass er es aber als Mordopfer erst mehrere Episoden später tut ist eine echte Überraschung – und mit Sicherheit auch Testament dafür, wie komplex „Schnell ermittelt“ in der dieser Staffel erzählt. Das lässt sich auch dadurch erkennen, dass Constanze Fischer und Katharina Hajos schon das zweite Mal in dieser Staffel eine Doppelfolge verantworten. Während ich damals beklagte, dass weder der Cliffhanger noch der episodische Payoff sonderlich gelungen waren, kann man bei „Dennis Maida“ nur staunen, wie das diesmal anders ist.

Als Cliffhanger könnte man jetzt bezeichnen, dass Staatsanwalt Murathan Muslu (na gut, eigentlich „Christian“) Angelika dazu auffordert, den Fall Maja zu überlassen. Das ist wenig spektakulär oder neu, das wurde ihr schon gefühlt in jeder zweiten Folge diese Staffel gesagt. Sehr wohl überraschend ist hingegen, dass Dennis‘ Vater, den Angelika und Frani bei Minute 40 in die Mangel nehmen, nicht gesteht – und es sich herausstellt, dass der Mörder noch auf freiem Fuße ist (oder gerade in der Justizanstalt sitzt).

Obwohl der Mord also noch nicht aufgeklärt ist, lässt einen „Dennis Maida“ dennoch mehr als zufrieden zufrieden zurück. Das ist der Fall, weil die Folge eine der aufgeworfenen Handlungsstränge – Dennis‘ Vater und der Koffer voll Geld – abschließt. Das, muss man sagen, schaut wirklich dämlich aus, da war die Regie offenbar überfordert. Andererseits bin ich mir nicht sicher, wie man einen ohne ersichtlichen Grund im hohen Bogen davonfliegenden, dabei auf magische Weise aufgehenden Koffer, der einen Geldregen (er)öffnet, glaubhaft in Szene setzen soll, noch dazu, wo er doch tonal so überhaupt nicht zur sonst so feingeschliffenen Folge passen will. Nichtsdestotrotz erfüllt das seinen Zweck: Das Rätsel um das verschwundene Geld wurde gelöst.

Die Kunst der Symbiose

Seit Beginn der 5. Staffel erzählt „Schnell ermittelt“ immer zwei Geschichten in jeder Folge: Einerseits geht’s um den „Fall der Woche“, andererseits erfahren wir, wie es bei den Ermittlungen um den ermordeten Schnabel Junior weitergeht. Diese hybride Form des Geschichtenerzählens ist recht gelungen, unter anderem, weil es Maja eine neue, spannende Rolle gibt. Die Fälle der Woche sind kurios und verstrickt wie eh und je, aber durch die größere Präsenz eines episodenübergreifenden Stranges werden sie auch ein wenig in den Schatten gestellt.

„Dennis Maida“ ist das beste Beispiel der bisherigen Staffel 5, wie die Serie das ausgleichen kann. Einerseits kann die Serie das tun, indem sie beide Fälle direkt miteinander verknüpft, wie zum Beispiel hier. Das ist spannend und interessant, aber auch etwas, das die Serie nicht allzu häufig tun kann, bevor sie das ins Lächerliche/Unglaubwürdige ziehen würde (Stichwort: Narrative Design Space, dazu in einem eigenen Artikel einmal mehr).

Das zweite Mittel, das die Serie anwenden kann, sind indirekte, emotionale Verbindungen der beiden Geschichten. Und auch dabei ist „Dennis Maida“ das wohl bislang beste Beispiel der Staffel, auch wenn es dabei nach wie vor Luft nach oben gäbe: Beim Verhör von Dennis‘ Eltern behauptet die Mutter felsenfest, dass der Dennis kein Dieb gewesen sei – „So einer war der nicht!“ Das rüttelt was in Angelika wach, das kommt ihr verdächtig bekannt vor. Es ist nicht das einzige Mal, dass sie bei den Ermittlungen indirekte Parallelen zu ihrem eigenen Leben findet – und hoffentlich auch nicht das letzte Mal.

Noch mehr Bla:

  • „Du, Kemal, überanstreng dich bitte nicht.“ „Wirklich, so lang? Oah, das tut mir Leid.“ Wow, Angelika ist wieder in Höchstform wie zu ihren besten Zeiten. Böse und asozial, aber irgendwie auch charmant genug, um darüber zu lachen. Hajos und Fischer finden in dieser Folge abseits des Koffer-Stunts genau die richtige Dosis Humor.
  • So ganz sind die Vaterfiguren dieser Folge noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Dass beide so uneinsichtig darauf reagieren, dass ihre Söhne schwul sind, ist doch kurios.
  • „Wieso hab ich grad das Gefühl, alles wird gut?“ Jaja, am Ende wird eh immer alles gut…
  • Kathrin-Sichtung! Die ist nur wenige Sekunden sichtbar und regt sich nicht, und doch erzählt das mehr als tausend Worte: Wenigstens eines ihrer Kinder ist noch glücklich und unschuldig. Die Illusion einer heilen Welt ist nur eine geschlossene Tür entfernt – aber nur, wenn Angelika mal wieder bei Stefan übernachten darf. Die Illusion, die ist aber bloß flüchtig…

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