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Kritik: Schnell ermittelt 5×08 „Viktor Urbach“

Hexen, Runen, Zahnschmerzen: da helfen dem Franitschek nicht mal mehr seine Globuli. Während Angelika und Maja versuchen, Jans Unschuld zu beweisen, muss Franitschek diesmal solo ermitteln – und sieht dabei Verwunderliches…

Ein gutes, altes Team

„Viktor Urbach“ setzt den Trend der 5. Staffel „Schnell ermittelt“ fort, mit dem Format zu experimentieren. Im Gegensatz zum vorherigen Zweiteiler („Simon Gehbauer“ und „Traian Voronin„), der auch schon in der Verantwortung von Hajos und Fischer lag, gibt es diesmal am Ende der zweiten Hälfte keine Resolution des Mords aus der ersten Folge; Weil sich der Todesfall Dennis Maida als Teil des größeren Handlungsstrangs der Staffel entpuppte, werden die Ermittlungen in diesem Fall wohl noch bis zum Ende der Staffel weitergeführt.

Gut die Hälfte der Folge wird deshalb davon eingenommen, wie Maja und Angelika – schön, sie endlich wieder an einem Strang ziehen zu sehen, und das nicht in entgegengesetzte Richtungen – Jans Unschuld zu beweisen versuchen. Es ist bemerkenswert, wie „Schnell ermittelt“ in dieser Staffel seine Geschichte ausnahmslos in jeder Episode forterzählt, in „Viktor Urbach“ vielleicht sogar mehr als je zuvor. Die Folge bringt aber auch eine neuerliche Wendung mit sich: Jan streitet ab, was mit diesem Mord zu tun haben, und beginnt langsam zu ahnen, in was für Schwierigkeiten er sich da begeben hat. Jan hat uns bislang meist ein Pokerface gezeigt, aber bei der zweiten Mordanschuldigung bekommt er erstmals merklich weiche Knie.

Plötzlich ist sein Vertrauen in Anamo erschüttert – wenn wir davon ausgehen, dass es Anamo tatsächlich war. Die Hinweise verdichten sich allerdings zusehends, etwa das blonde Haar beim Tatort des ermordeten Dennis, oder dass Jan nun fragt, ob Anamo ihn besuchen könne. Will da wer plötzlich wissen, wofür er wirklich in den Knast wandert? Auch Anamos Verhalten ist mittlerweile mehr als verdächtig, weil sie die absurdesten Dinge abstreitet (ist nicht meine Bluse, hab ich noch nie gesehen). Nicht zuletzt hat Jan ein Alibi für den Maida-Mord – damit ist es quasi erwiesen, dass es ein Vertrauter/eine Vertraue von ihm sein muss. Und dafür kommt schließlich nur Anamo in Frage.

Gerade weil Maja, Angelika und Kemal gemeinsam ermitteln fühlt sich dieser Fall an wie „Schnell ermittelt“ in guten, alten Zeiten. Einen Unterschied gibt es allerdings sehr wohl, nämlich dass „Schnell ermittelt“ seine Riege an wiederkehrenden Figuren deutlich erweitert hat. Die Welt der Serie fühlt sich mit Figuren wie Christian, Flora Morawetz oder dem Neuzugang in dieser Folge, Andreas Kiendl als Angelika anbratender Spurensicherer Oggertschnig gleich ungemein lebendiger. Schade bloß, dass der Schuster fehlt! Das erlaubt mehr Permutationen und Verwicklungen, aber auch humorvolle Einlagen wie Ogertschnigs Demonstration von Maidas letzten Sekunden, das die drei Damen halb belustigt, halb ungläubig beobachten.

Franitschek solo

Franitschek und Angelika sind ein tolles Team, aber Franitschek ausnahmsweise allein ermitteln zu sehen ist auch mal eine willkommene Abwechslung. Dafür stolpert er in den perfekten Fall, in dem sein Vertrauen in die allmächtigen Globuli mit Voodoo-Hexereien in Kontrast gesetzt wird. Das ist in vielerlei Hinsicht wirklich ausgezeichnet gelungen – vor allem thematisch, weil gerade der abergläubische Franitschek auf die Probe gestellt wird, an wie viel Esoterik er wirklich glaubt. Highlight dabei ist sicherlich jener Moment, in dem er den grünen Sandkreis um sein eigenes Bild entdeckt: Einerseits behauptet er energisch, dass dieser Hokuspokus ein Blödsinn sei, aber andererseits wischt er dennoch eine gute Portion Sand vom Tisch, um den Ring zu unterbrechen – sicher ist sicher.

Wie viel Magie dabei letztlich tatsächlich im Spiel ist, lassen Hajos und Fischer dabei offen. Klar, „Schnell ermittelt“ ist keine übernatürliche Serie, aber in „Viktor Urbach“ spielt man dennoch augenzwinkernd mit der Möglichkeit, dass die drei Hexen tatsächlich mittels Voodoo-Zaubers den Herzinfarkt verursacht hätten. Das klingt schon ziemlich unplausibel, aber ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass Urbach kurz nach deren Zauber tatsächlich verstarb? Und ist es bloß Zufall, dass Franitscheks Zahnweh nach dem Heilspruch kurzzeitig weg war, nach dem Unterbrechen des grünen Schutzkreises aber wieder zurückkehrte? Rein logisch gesehen muss die Antwort „ja“ sein beziehungsweise könnte man das Zahnweh teilweise mit dem Placebo-Effekt erklären. Nichtsdestotrotz werden Franitschek diese Umstände noch einiges zu denken geben – was einfach perfekt zur Figur passt.

Hajos und Fischer haben den Fall offensichtlich um die Thematik herum gestrickt, nicht um den Lösungsweg des Falls, denn der ist nämlich verdammt öde. In Wahrheit machen sich sämtliche Ermittlungen, die Franitschek anstellt, nicht bezahlt, weil schlussendlich die drei Hexen ohne ersichtlichen Grund zugeben, für den Tod des Zahnarztes „verantwortlich“ zu sein. Das ist beim Schauen zuerst einmal ernüchternd und antiklimatisch, ist in größerem Kontext gesehen aber nicht weiter schlimm: Der Fall um Viktor Urbach ist trotz der kurzen Laufzeit thematisch so dicht erzählt, dass er definitiv einer jener Fälle ist, die länger in Erinnerung bleiben. Dazu trägt auch bei, dass sich herausstellt – ich glaube erstmals in der Geschichte der Serie – dass das vermeintliche Mordopfer eines natürlichen Todes gestorben ist. Viele Fälle sind schlussendlich Routine für Angelika Schnell und Co, aber „Viktor Urbach“ ist das nicht – selbst in jener Hälfte, bei der es nicht um den Schnabel-Fall geht.

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst

Einen Haken gibt es allerdings bei diesem Fall doch, und das sind Franis Visionen. Salopp gesagt wirkt es einfach absurd und abstrakt, dass in Folge 52 Harald Franitschek jetzt auch plötzlich jene Visionen hat, die Angelika schon seit Beginn der Serie hat – der Zug ist schon seit Langem abgefahren. Da bricht „Schnell ermittelt“ mit den selbst etablierten Erzählregeln. Da kann man vielleicht interpretieren, dass wir bislang ausschließlich Angelikas Visionen gesehen haben, weil „Schnell ermittelt“ meist aus ihrem Blickwinkel erzählt, während in „Viktor Urbach“ ausnahmsweise Franitschek in den Mittelpunkt gerückt wurde. Dass wir aber in viereinhalb Staffeln und vier Filmen – in denen es durchaus Ermittlungsszenen ohne Angelika gegeben hat – ausschließlich Visionen von Angelika gesehen haben, hat immer den Schluss ziehen lassen: Bloß Angelika sieht die. Dieser Eindruck wurde auch dadurch verstärkt, dass Angelika Stefan das mit den Visionen einmal gebeichtet hatte, und der das nicht für selbstverständlich hielt.

Noch unverständlicher ist, dass diese Visionen weder Konsistenz innerhalb der Folge noch einen narrativen Pay-off besitzen. Fangen wir bei der Konsistenz an: Angelikas Visionen waren ursprünglich, meinem Verständnis nach, die Geister der Verstorbenen, die ihr subtile Botschaften mitteilten, um den Fall zu lösen. Anders ausgedrückt ist das ihr sechster Sinn, der bezeugt, dass sie eine intuitive Ermittlerin ist. Kürzlich kamen da auch Tagträumereien dazu, wie etwa Angelikas kurze Vision von Franitschek in Obelix-Montur in „Knut Holm„. Bei Franitschek ist es eine wilde Mixtur aus einer Botschaft des Verstorbenen und zwei Kindheitserinnerungen – letzteres gab es bei Angelika nie. Experimentieren schön und gut, aber „Schnell ermittelt“ läuft da wirklich Gefahr, die Bedeutung bzw. Erklärung für die Visionen zu verwischen. Mittlerweile weiß ich nicht mehr genau, was diese Visionen wann darstellen sollen, wann sie kommen können und nicht – und da leidet die Atmosphäre dieser Einschübe dran.

Wenn ich bloß sehen könnte, was diese Visionen von Franitschek bezwecken sollten, um den Preis der Verwirrung aufzuwägen. Leider bleibt „Viktor Urbach“ diese Frage großteils schuldig. Zugegeben, Franitschek als kleinen Jungen durch seine Art zuerkennen, wie er seine Hände in die Jackentasche gibt, ist zum Brüllen komisch, aber schlussendlich bleiben diese Visionen zu beliebig, um wirklich greifbar zu werden. Die Fußballszene ist ein zu kleiner Ausschnitt, um eruieren zu können, ob die beiden gute Freunde waren oder Viktor Jr. eigentlich ein schlechter Freund war, und die Verabschiedungsszene ist emotionsarm, weil wir nicht genug über die Freundschaft erfahren. Schade, dass mit diesen Erinnerungen nicht wenigstens versucht wurde (oder dass es nicht gelungen ist), eine kleine Geschichte zu erzählen, die Urbach oder Franis Freundschaft näher beleuchtet hätte.

Aber genug der Tadelei. „Viktor Urbach“ hat ein paar Schönheitsfehler mehr als „Dennis Maida„, gehört aber dennoch auf jeden Fall ebenfalls zu den denkwürdigeren Folgen der Staffel. Nicht zuletzt ist die Folge das beste Beispiel dafür, wie gut dieses Hybrid-Erzählmodell aus Fall der Woche und Staffel-Fall funktionieren kann.

Noch mehr Bla:

  • „Viktor Urbach“ findet ja rein chronologisch einen Tag nach der Folge „Dennis Maida“ statt. Haben wir in der Vorfolge gesehen, wie Franitschek, wie in dieser Folge behauptet, Zahnschmerzen hat?
  • Andreas Kiendls Rolle ist wirklich kurios. Sie ist nicht essentiell, das heißt sie wird auf jeden Fall wieder vorkommen. Gleichzeitig ist es überraschend, dass er nicht schon zu Beginn der Staffel eingeführt wurde.
  • Die Drohung des Staatsanwalts am Ende der Folge beeindruckt mich weniger – das sagt er doch fast jedes Mal. Aber Anamos siegessicheres Grinsen, als ob sie Angelika durch die verspiegelte Glasscheibe sehen könnte, ist richtig gelungen. „Catch me if you can“, sagt das. Zwei Folgen hat Angelika noch Zeit dafür.
  • Wer gar nicht mehr darauf warten kann, wie es ausgeht: Die DVD der 5. Staffel erscheint bereits am 19. Mai, also bereits ein paar Tage vor dem Finale der Staffel.

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  1. Anonymous 9. Mai 2017

    Visitor Rating: 3 Stars

  2. Anonymous 8. Mai 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  3. Anonymous 8. Mai 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  4. Anonymous 8. Mai 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

  5. Anonymous 8. Mai 2017

    Visitor Rating: 5 Stars

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