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Kritik: Schnell ermittelt 5×09 „Wolf Brennersdorfer“

Jan rotiert, die Wände der Jugendvollzugsanstalt werden immer enger. Die einzige Person, der er trauen will, ist Anamo, und die spricht ihm Mut zu, weiter dichtzuhalten. Aber langsam kommen Jan Zweifel – jetzt will er alles (?) sagen…

Alte Liebe rostet

„Du hast keine Distanz“, wirft Staatsanwalt Dr. Christian Stanic Angelika bei den Ermittlungen gegen Jan vor, und trifft damit eh voll ins Schwarze. Diese Woche stellt sich aber heraus, wie besonders aufmerksame Zuseher bereits letzte Woche dank eines verdächtigen Seitenblicks von Stanic auf Anamo vermuten konnten, dass sich Stanic und Anamo kennen – es hätte ihm nicht geschadet, seine eigenen Worte zu beachten.

Anamo hieß früher Melanie Gruber, die es als 14-Jährige versäumt hatte, ihre Verpflichtungen als Babysitterin nachzukommen, sodass der 4-jährige Clemens Kanter ertrunken ist. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, weil wir nun endlich den Kontext für die konfuse Vision am Ende der Folge „Gudrun Schatzinger“ besitzen, die wohl als Anamos Erinnerung zu interpretieren ist: Anamo hat den Burschen bewusst ertränkt. Allem Anschein nach scheint sie da auf den Geschmack gekommen zu sein… Wenn Stanic wüsste, was wirklich geschehen ist, würde er bestimmt anders reagieren – bei Angelika hat Stanic zwar seine Sympathien verspielt, aber eigentlich verhält sich der meistens professionell und ehrenwert.

Es ist ein spannender Konflikt, denn ganz so einfach, wie es Angelika darstellt, ist es auch wieder nicht. Stanic hätte natürlich eher mit der Wahrheit herausrücken sollen, und das heimliche Treffen bei den Zügen – ach wär es nicht schön, einfach einzusteigen und wegzufahren? – hätte er sich sparen können, wenn er wirklich primär daran Interesse hätte, die Wahrheit herauszufinden. Angelikas Vorwürfe allerdings, dass er für die ganze Sache verantwortlich sei, weil er Anamo damals eine zweite Chance gegeben hat, sind da sicherlich eher emotionaler Natur. Hat er nicht nur einen jungen Menschen schützen wollen, von dem er glaubt, unschuldig zu sein? Wollte Christian nicht bloß an das Beste in einem Menschen glauben? Natürlich kennt er Anamo nicht annähernd so gut wie Angelika ihren Sohn, dennoch tun sich da Parallelen auf. „Schnell ermittelt“ verzichtet darauf, das auf irgendeine Art zu kommentieren, sondern überlässt es uns Zuschauern, zu beurteilen, ob Angelika Recht hat, Stanic zu verurteilen.

Jans Sinneswandel

Stanic ist natürlich nicht der Einzige, den Anamo um den Finger gewickelt hat, der andere sitzt hinter Gittern. Wir haben schon früher bemerkt, dass Anamo eine manipulative Ader hat, und die stellt sie in „Wolf Brennersdorfer“ mehr denn je zur Schau. „Die lassen dich sicher bald gehen“, flötet sie ihm zu, und aus irgendeinem Grund (Liebe? Obsession? Naivität?) frisst Jan ihr aus der Hand. Dennoch kommen ihm langsam Zweifel, weil Anamo keine überzeugende Geschichte präsentieren kann, wie Dennis Maida tatsächlich umgekommen sein könnte. Sie bestreitet, den gekannt zu haben, und Jan glaubt ihr das ja auch, aber… Aber irgendwas stimmt da nicht. Und so beschließt er, endlich auszupacken.

Jetzt redet Jan endlich wieder mit seiner Mutter. Es war ungemein frustrierend zu sehen, wie sich Jan die gesamte Staffel über so kindisch stur benimmt, was uns direkt in die Schuhe der erwachsenen Schnells versetzt hatte. Auch „Wolf Brennersdorfer“ untermalt das in jener Szene, wo Stefan seinem Sohn Proviant von der Oma gibt (erstmalige Erwähnung der Oma diese Staffel?) und nur hilflos zusehen kann, wie Jan das Gespräch nach kaum einer Minute beendet. Gerade weil die Serie das so geradlinig dargestellt hat geht das Ende der Folge emotional total auf: Es fällt einem für Angelika ein Stein von Herzen, Jan endlich wieder mit ihr kommunizieren zu sehen.

Jetzt gilt es, Anamo zu überführen. Aber wie überführt man einen Täter, der partout nicht gestehen will? Angelika hat sich mit dieser Schwierigkeit bereits in „Viktor Urbach“ konfrontiert gesehen, in der Maja und sie einen verdächtigen Stofffetzen am Maida-Tatort entdeckt hatten. Selbst mit dem Fund des Rests vom Kleid konnten die zwei Ermittlerinnen allerdings nicht beweisen, dass Anamo das Kleid am Tatort verloren hatte. Echte Beweise zu finden ist nun mal schwer, wie sich auch im anderen Fall der Woche zeigt: Für den Mord an Wolf Brennersdorfer gibt es keine Beweise. Da muss die Mörderin schon selber zugeben, dass sie es war. Wer Krimis genauer schaut wird feststellen, dass die Fälle häufig bloß mit Indizien gelöst werden, nicht mit Beweisen.

Zwei beliebte Möglichkeiten für Beweise sind Zeugen und Aufnahmen. Erstere gibt es möglicherweise: Bei Jan wissen wir es noch nicht, Dennis Maida ist tot, und vielleicht gibt es noch weitere Augenzeugen. Aufnahmen gibt es allerdings bestimmt: Zur Erinnerung: In der Auftaktfolge der Staffel („Alice Leutgeb„) konnten wir beobachten, wie der Mord an Nico Schnabel mit einem Handy gefilmt wurde. War es vielleicht das Klingofon von Dennis Maida? (Hieß es in der gleichnamigen Folge, dass sein Handy abgängig wäre? Leider können wir uns nicht mehr erinnern.) Oder vielleicht von einer weiteren Person? Eins ist sicher: Der Beweis ist irgendwo da draußen. Und Angelika wird ihn finden.

Nächste Woche: das Finale.

Noch mehr Bla:

  • Wie ich höre wird Andreas Kindl aka der Blutspritzexperte Oggertschnig in dieser Staffel nicht mehr vorkommen. Eine Anbandelung mit Angelika steht damit in den Sternen, sein Auftritt war wohl, wie man im Englischen so schön sagt, ein „Fun-Off“.
  • Kemal mit der besten Zeile der Folge: „Du Chefin… ich hätt gern a Gehaltserhöhung.“
  • Einen Fall der Woche gab’s übrigens auch. Die Fälle der Woche nehmen sicher den Großteil der Laufzeit einer jeden Folge ein, aber so gut die auch sein können (und „Wolf Brennersdorfer“ ist da ganz gut, vor allem in der subtil gestreuten Fährten auf die übermalten Bilder und die Mörderin): Schlussendlich sind die bloß Unterhaltung.
  • „Pubertär. Schizophren vielleicht später.“ Wenn bloß alle über solch eine Fähigkeit zur Selbstreflexion besäßen…

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  1. Anonymous 16. Mai 2017

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  4. Anonymous 15. Mai 2017

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  6. Anonymous 15. Mai 2017

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