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Kritik: Superwelt

Der zweite Film ist immer der schwerste. Karl Markovics legt nach „Atmen“ mit „Superwelt“ einen ebenso reduzierten wie präzisen Nachfolger vor, der exzellent beginnt und dann auf wenig hinausläuft.

Gemütlich ist das Leben in der Kleinstadt in Niederösterreich. Gabi Kovanda (Ulrike Beimpold) und ihr Mann Hannes (Rainer Wöss) haben eigentlich alles, brauchen nicht viel und wollen noch weniger. Er arbeitet als Gemeindearbeiter, sie sitzt im Supermarkt an der Kassa. Heimkommen, Essen machen, fernschauen, Schlafen gehen, aufstehen, weitermachen.

Bis Gabi eines Tages etwas hört. Oder sieht. Da ist diese geheimnisvolle Entität, die ihre Aufmerksamkeit fordert. Ihr Alltag fällt auseinander, die einfachsten Tätigkeiten gelingen nicht mehr. Ihr Sohn Ronnie (Nikolai Gemel) und Hannes sind anfangs höchstens leicht verwundert, dass Gabi plötzlich ein wenig neben der Spur steht. Doch es ist Gott, der mit Gabi in Kontakt getreten ist.

Göttliche Spoiler

Fluch und Segen der medialen Marketing-Maschine, dass die Begegnung mit Gott schon jeder und jedem bekannt ist. Hätte man diese Information im Vorfeld zurückhalten können, dann hätten ein wenig Mystery und die Frage, ob nicht doch eine psychische Krankheit dahintersteckt, den Filmgenuss ungemein erhöht.

Auf der anderen Seite ist die spannende Frage natürlich, wie zeigt man Gott? Warum erscheint er einer durchschnittlichen Hausfrau und welche in unserer Zeit so wichtigen religiösen Fragen und Problemstellungen wirft dieser Film auf? Ein nicht unwesentliches Argument um ins Kino zu gehen. Leider enttäuscht der Film diesbezüglich, einige wunderschöne Vogelperspektiven müssen reichen, um Gott als Figur im Film wahrzunehmen. Eine brennende Hecke, auf einen Kaffee mit zwölf Kiesgrubenarbeitern und die dreifache Verleugnung des Sohnes sind dann nur nicht-handlungsrelevantes Füllmaterial in einem überlangen Film, auch wenn sie subtil und intelligent eingebaut sind.

Die theologischen Aspekte dann gänzlich ignorierend, kann „Superwelt“ nach der ersten Hälfte keine neuen Ansätze mehr liefern. Gabi stapft durch die Felder und tut eigentlich nichts. Sie ist nicht der neue Messias, sie ist keine Prophetin und keine Predigerin. Sie kennt sich nur einfach nicht aus. Das ist auch nachdem Ehemann Hannes aus der Lethargie erwacht und versucht, irgendwie als Charakter stattzufinden, trotzdem noch zu wenig für knappe zwei Stunden Laufzeit.

Supermarkovics und Superbeimpold

Für dramaturgische Feinspitze und Drehbuchzerpflücker mag das Skript von Karl Markovics sicher einiges hergeben, der Höhepunkt des Kinojahres 2015 war das aber sicher nicht.

Wenn Markovics etwas kann, dann ist es die Inszenierung von kleinsten Momenten. Man weiß sofort, dass hier jede Einstellung gut durchdacht und präzise geplant ist. Als Zuseher hangelt man sich von jedem guten Bild zum nächsten, weil die Geschichte wenig hergibt. Dabei wird zu Beginn ein Setting etabliert, das durchaus Lust auf mehr machen würde. Und dank der hervorragenden Ulrike Beimpold, die mangels Gegenpart ihre besten Szenen mit sich selber hat, kann für „Superwelt“ durchaus eine Empfehlung ausgesprochen werden – nur Wunder darf man sich keine erwarten.