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Kritik: Trakehnerblut 1×06 „Das Haus am See“

Alexandra lässt die Vergangenheit nicht los. Ein Hinweis auf der Videokassette führt sie an das Haus am See. Dort entdeckt sie Hinweise darauf, warum sie überhaupt hier ist…

Hinweis: Dieser Artikel enthält Spoiler für die ganze Folge. Bei „Trakehnerblut“ Folge 6 („Das Haus am See“) handelt es sich um die zweite Hälfte von „Gestüt Hochstetten“ Folge 3 („Die Enthüllung“). Die Kritik zur ersten Hälfte davon findet ihr hier.

„Das Haus am See“ ist eine flotte Episode. „Trakehnerblut“ war zuletzt noch recht geizig mit Enthüllungen und warf noch viele Fragezeichen auf, Folge 6 liefert hingegen jede Menge Ausrufezeichen. Silvias tragische Hintergrundgeschichte wird enthüllt, Maggies diabolischer Plan enttarnt, die tatsächlichen Hintergründe des Royal Grand Prix ergründet, ein Schloss für den Schlüssel aus Karl Hochstettens Vermächtnis gefunden, der Beweis für Mosers Brandanschlag gefunden und das Schicksal von Alexandras Eltern erforscht. Während wir letzte Woche („Helena„) klagten, dass es zu wenig episodische Resolution gäbe, liefert uns die Serie mit „Das Haus am See“ Resolutionen noch und nöcher. Im Detail sind die aber nicht immer ganz zufriedenstellend – doch der Reihe nach.

Identitätssuche

Warum ist Alexandra hier? Zu dieser Frage gibt es zwei Antworten, und beide findet Alexandra in „Das Haus am See“. Erstens ihr familiärer Hintergrund: Was ist mit Helena geschehen? Alex dabei zuzusehen, wie sie das entdeckt, erweist sich als ein wenig antiklimaktisch, weil die Serie die offensichtlichste Theorie – Helena ist aufgrund des in den Anfangsminuten der ersten Folge gezeigten Autounfalls – wahr werden lässt. Unsere Spekulationen in Folge 1 („Das Testament„), dass die Mutter noch leben könnte, waren leider vergebens. Für Alexandra ist die Enthüllung sowohl ein Schock als auch befreiend, weil sie damit endlich Gewissheit hat, für uns hingegen keine große Überraschung. Außer, die Serie reversiert das im Finale noch, dann nehmen wir alles zurück!

Viel spannender als die Informationen über Helenas Tod hingegen, weil wir das gemeinsam mit Alexandra erfahren, sind die weiteren Details über Helenas Leben. Mit dem episodentitelspendenden Haus am See hat die Serie einen Ort gefunden, der zugleich Zufluchtsort und Portal in die Vergangenheit darstellt und so seine ganz eigene Mystik entstehen lässt. Es ist ein bisschen schwer zu glauben, dass Silvia und vor allem der gern reitende Leander noch nie diese Hütte entdeckt haben, die ja in Reitreichweite des Gestüt Hochstettens liegt, und es liegt auch keine zentimeterdicke Staubschicht über den verlassenen Räumen (verständlich, wahrscheinlich äußerst schwierig zu realisieren – und davon abgesehen ist die Ausstattung der Hütte ja wirklich top). Trotzdem ist der kleine Erkundungstrip eines der Highlights der Folge, weil der Ort es schafft, nicht nur Alex, Leander und Silvia in ihren Bann zieht, sondern auch uns.  Leander bringt die Sogkraft sehr poetisch auf den Punkt, als ihn Alex fragt, was das ist: „Antworten auf Fragen, die du nicht hast.“

Karl Hochstettens Erbe

Wie schon im Video von Helena zu sehen war, handelte es sich bei Helena um ein Reitgenie, das gänzlich neue Techniken im Reitsport entdeckt zu haben schien. Ihr geheimes Refugium am See dokumentiert ihr Leben, ihre Leidenschaft und ihre Arbeit, und das ist nicht nur in all den Wänden, Bildern und dem gesamten Ambiente eingefangen, sondern vor allem auch in Helenas Magnum Opus: „Centauri – Natürliches Springen“, verfasst von Helena Bodin und Karl Hochstetten. Die Suche und Entdeckung eines solch verschollen Artefakts ist sehr spannend, auch wenn sich da zwangsweise die ein oder andere nicht beantwortete Frage aufdrängt.

Leander und Alexandra spekulieren ja, dass der Grund, warum Alexandra überhaupt zur Haupterbin ernannt worden ist, jener ist, dass sie Maximilians Pläne durchkreuzen soll. Unser Eindruck ist: Das sind gleich mehrere, schon sehr akrobatische Logiksprünge, die man vollführen muss, um das nachzuvollziehen. Vielleicht irren sich Alexandra und Leander hier auch und das Finale wird uns verraten, was es wirklich mit dem Erbe auf sich hat, aber „Trakehnerblut“ dramatisiert ihre Schlussfolgerungen in „Das Haus am See“ schon dergestalt, dass  es wirklich so der Fall war.

Foto: ServusTV / SAM-Film / Martin Hörmandinger

Um ihre Theorie zu rekapitulieren: Karl Hochstetten wusste, dass sein Sohn Maximilian sich verschuldet hatte oder verschulden würde, um den Royal Grand Prix auszutragen, bei dem die Pferde im Mitleidenschaft gezogen werden. Um das zu verhindern, vermacht er sein Gestüt seiner unehelichen Tochter… oder so. Ganz verstehen wir das auch nicht, aber was wir begreifen, ist: Es gäbe 1000 Möglichkeiten, sein Erbe besser sicherzustellen, als seiner Tochter – die er ja überhaupt nicht kannte und die genauso gut das Gestüt sofort für 200.000€ verkaufen hätte können! – diverse kryptische Hinweise wie den Schlüssel und das Video zu vermachen.

Niemand kannte beispielsweise dieses Haus am See . Das hätte überall sein können, und Alex hatte Glück, das dank Dezember in der Folge zuvor entdeckt zu haben. Oder vielleicht hätte Karl einfach schon konkrete Hinweise über Maximilians Plan hinterlassen können, anstatt darauf zu vertrauen, dass seine Kinder das zufällig selber rausfinden. Oder auch einfach einen Brief, in dem er alles erklärt. Warum hält Karl das Centauri-Manuskript überhaupt 24 Jahre lang unter Verschluss? Wir haben das Gefühl: Je länger wir darüber nachdenken, desto weniger verstehen wir Karl Hochstettens Testament. Vielleicht hat sich die Serie da selbst ein kleines Ei gelegt, als sie etablierte, dass Hochstetten beim Verfassen seines Testaments bei klarem Verstand war.

Klare Positionen

Zwei Folgen vor Schluss sind die meisten Positionen nun klar bezogen. „Das Haus am See“  macht eine ausgezeichnete Arbeit, den Rahmen für das Finale abzustecken. Insbesondere Alexandra hat nun einen konkreten Handlungsauftrag, der sie dazu treibt, die Zügel in die Hände zu nehmen – da fiebert man endlich gerne mit. Zuvor war es in „Das Haus am See“ aber noch recht ermüdend, sie erneut alles hinwerfen sehen zu wollen, auch wenn es emotional sehr gut in Szene gesetzt wurde: Maximilians Worte treffen Alex hart, und nachdem sie gerade über das Schicksal ihrer Mutter und das Im-Stich-Lassen ihres Vaters informiert wurde, tut die neuerliche Ablehnung und Abstoßung aus einer Familie wirklich weh.

Ihr Ausflug nach Wien ist aber eine der schwächsten Abzweigungen, den die Geschichte von „Trakehnerblut“ gemacht hat. Schon allein deshalb, weil es zu transparent ist, dass Alexandra wieder zum Gestüt zurückkehren wird, und kurze Szenen wie etwa jene in der Bäckerei daher ziemlich pro forma wirken. Alex verhält sich zudem nicht gerade freundlich oder dankbar gegenüber ihrer besten Freundin, sodass sie ganz schön unsympathisch rüberkommt – gerade wenn Alex Paula vorschreiben will, nicht mit Leander anzubandeln, kommen wir nicht umhin, zu denken: Paula wäre eigentlich die bessere Protagonistin. Dann kommen noch ungewöhliche Inszenierungsentscheidungen hinzu, etwa in jener Szene, in der Paula Geräusche an ihrer Tür hört und Kamera und Musik uns erzählen wollen, dass es spannend ist, wer das wohl sein könnte – dabei hatten wir Alex kurz zuvor das Gestüt verlassen sehen. Nicht zuletzt war es nun schon das zweite Mal, dass sie um ein Haar auf das Erbe verzichtet hätte.

Aber das Kapitel ist jetzt vorbei, wie uns Alexandras letzte Szene in der Folge verrät – Alex ist entfesselt, und es wird ihr letzter Sinneswandel bleiben. Jetzt richtet sich ihr Blick endlich nach vorn. Das ist die Art von feuriger Entschlossenheit, durch die man gern hinter seiner Protagonistin steht. Maximilian merkt zwar an, dass sie trotz des gefundenen Benzinkanisters nichts beweisen kann, und dass sie den Kanister ihm auch noch übergibt scheint auf den ersten Blick wie ein taktisch unkluger Schritt, aber alle Zeichen deuten darauf, dass Alex einen Plan, oder zumindest eine Strategie verfolgt, den Royal Grand Prix zu verhindern. Verbündete hat sie nun jedenfalls reichlich gesammelt, auch in der Familie Hochstetten.

Schuld und Sühne

Während es über Leander nicht viel Neues zu vermelden gibt, rückt Silvia Hochstetten, zuletzt in Folge 4 gar nicht in Erscheinung getreten, in „Das Haus am See“ wieder mehr in den Mittelpunkt. Einerseits, weil wir ihre Hintergrundgeschichte erfahren: Wie von uns vermutet war sie mal mit Maggie Loss liiert, fühlt sich im Nachhinein aber bloß von ihr ausgenützt. So ganz klar kann man Maggie da aber nicht den schwarzen Peter zuschieben, auf Silvia lastet die schwere Schuld, eine Reiterin in den Rollstuhl verfrachtet und für die Einschläferung eines Pferdes verantwortlich zu sein. Eine faszinierende Geschichte, die zwar ein wenig unmotiviert aus Silvia herausquillt, die Beziehung zu ihrem Bruder und Maggie aber ungemein spannend macht. Ob sie sich dadurch erpressbar macht?

Andererseits trifft sie wieder auf Laszlo. Oh Laszlo. Dass die Chemie zwischen den zwei Figuren einfach stimmt, daran haben wir uns ja schon in den Wochen zuvor zur Genüge ergötzt, und auch in „Das Haus am See“ bilden die beiden das überzeugendste Pärchen. Irgendwie schade, den ersten Kuss der beiden nicht zu sehen, aber „Trakehnerblut“ hat es ja schon mehr als deutlich angedeutet, dass es zu einer Affäre kommen wird. Tragisch (insbesondere für Shipper wie uns), dass die beiden auf entgegengesetzten Seiten stehen, und dass Laszlos Erfolg darauf fußen wird, dass die Hochstettens verlieren. Da ist es schwierig, sich auszumalen, wie es für Silvia zu einem Happy End kommen soll.

Und ein Ende, das wird es geben – schon nächste Woche mit zwei Folgen im Doppelpack. „Trakehnerblut“ hat noch einige offene Handlungsstränge über, die gelöst werden wollen. Von der Fortführung der in dieser Episode behandelten Geschichten abgesehen ist das insbesondere das Derby, das schon von Beginn an angeteasert wurde. Maximilian trainiert ja schon folgenlang dafür, und durch den Sturz aus der Vorfolge hat er nun auch jeden Grund, von einer absoluten Anfängerin auf einem Mischlingspferd völlig überraschend geschlagen zu werden – wagen wir mal zu prognostizieren. Ob es so kommen wird oder ganz anders – wir werden auf jeden Fall wieder mit dabei sein.

Noch mehr Bla:

  • Amortisieren heißt das.“ Ist es nicht schön, wenn Serien episodenübergreifendes Dazulernen erzählen?
  • Wir geben uns jede Woche Mühe, möglichst viele Pferdemetaphern einzubauen, dass Maximilian aber endlich von seinem hohen Roß springen sollte, war uns bis zu dieser Folge nicht eingefallen. Schande über unser Haupt!
  • Der garstige Moser war bislang immer unser unliebsamster, weil eintöniger Antagonist. In „Das Haus am See“ hinterlässt die Figur erstmals einen positiven Eindruck, weil wir von ihm auch mal eine andere Seite kennen lernen: Dass Maximilian den Tieren irgendetwas spritzt, passt ihm nicht wirklich ins Weltbild, das hätte es beim alten Hochstetten nicht gegeben. Schön, dass die Serie hier einen Moment findet, die Figur zu humanisieren.
  • Na, gebrochene Nasen klingen anders.“ Fantastische Zeile, die uns verrät, dass Alex in ihren 24 Jahren eine ruppige Zeit hinter sich hat.
  • Wir von Bruttofilmlandsprodukt lesen Kritiken für unser Leben gern. Was wir erst diese Woche gesehen haben: Die kleine Zeitung hat auch über den Auftakt von „Trakehnerblut“ berichtet. Der Artikel beinhaltet nicht nur ein paar spannende Infos, die uns nicht vorlagen (Budget: ansehnliche 5-6 Millionen Euro, Vorbild der Serie: „Bloodline“, Didi Mateschitz züchtet selber Trakehner – daher wohl auch die Zustimmung zur Produktion), sondern auch ein paar ganz andere Ansichten als die unseren. Redakteur Christian Ude empfindet beispielsweise Alexandra als ideale Identifikationsfigur, den Titelsong hingegen abschreckend. So unterschiedlich können Geschmäcker sein!
  • Letzte Theorienschmiedemöglichkeit vor dem Finale nächste Woche: Alex lernt mit Hilfe des von ihrer Mutter geschriebenen Buchs eine neue Reittechnik, mit der sie Maximilian beim Derby besiegen kann. Durch die Niederlage wenden sich dessen Investoren (Bürgermeister, Maggie) von ihm ab, Maximilian ist völlig am Ende – schließlich streckt Alexandra am Ende von Folge 8 die Hand und bietet ihm an: Lass uns das Gestüt gemeinsam führen.

2 Kommentare

  1. Anonymous 10. Februar 2018

    Visitor Rating: 2 Stars

  2. […] Hinweis: Dieser Artikel enthält Spoiler für die ganze Folge. Bei „Trakehnerblut“ Folge 5 („Helena“) handelt es sich um die erste Hälfte von „Gestüt Hochstetten“ Folge 3 („Die Enthüllung“). Die Kritik zur zweiten Hälfte davon findet ihr hier. […]

  3. Anonymous 7. Dezember 2017

    Visitor Rating: 3 Stars

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