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Unvermeidliches, Unaussprechliches und Vögel: Neue Förderzusagen des ÖFI

Eine Spende bitte! Die neue Tranche Förderungen des österreichischen Filminstituts offenbart wieder allerlei Unterhaltsames. Wir haben die Liste wieder mal genau analysiert und für euch das Beste und das Fragwürdigste herausdestilliert. Die gesamte Liste könnt ihr unter diesem Link als PDF herunterladen.

Stoffentwicklung

Sehr spannend sind immer die ganz am Anfang stehenden Projekte, die eine Stoffentwicklungsförderung bekommen. Die ersten drei versuchen dabei gleich einmal mit unaussprechlichen Titeln zu punkten. In der Komödie „Deschnei“ von Michael Kreihsl begibt sich eine Familie auf Schatzsuche in das alte Familienheim in Tschechien. „Golidjan“ (Regie: Houchang Allahyari) ist die eine Hälfte eines Paares, das auf der Flucht nach Europa getrennt wird (keine Komödie). Die Synopsis von „I Bims #Skikurs“  liest sich genauso bescheuert wie der Titel.

Die Synopsis von „Jimmy Unsterblich“ hingegen reiht nicht sinnlos Wörter aneinander, sondern lässt tatsächlich Plot, Story und eine übergeordnete Idee erkennen (Regie & Drehbuch: Jakob M. Erwa). Weiter geht’s mit „Meerjungfrauen weinen nicht“, ein Film, der nicht nur vom Titel her vermutlich besser auf ORF 2 aufgehoben wäre als im Kino. „Training“ von Clara Stern hat schon vor 2 Jahren den Carl-Meyer-Drehbuchpreis bekommen, aber offenbar braucht es noch wesentlich mehr Arbeit am Stoff. Könnte an der überkomplexen Synopsis liegen, die in zweieinhalb Zeilen nur so vor großen Themen strotzt. Nur nicht zu viel wollen.

„Wald“ von Elisabeth Scharang gibt in einem kurzen Absatz nicht viel über sich preis, lässt aber immerhin keine Zweifel aufkommen, dass das ein schwieriger österreichischer Film wird. Zu guter Letzt beschreibt Schweinebusiness „unsere kapitalistische Welt und den Mechanismus eines globalisierten Marktes“. Kapitalismuskritik, wie innovativ. Und wie unvermeidlich in der österreichischen Kunstförderung.

Alle diese Filme erhielten eine Förderzusagen von 12.000 oder 15.000 Euro, um die Stoffe voranzubringen.

Projektentwicklung

Apropos unvermeidlich. Die obligatorische Portion Nazifilme gibt es auch. „Mazeltov Adolf“ (Buch: Uli Brée) sagt im Titel schon fast alles, während bei Ernst Gossners „Operation Greenup“  bescheuerte „Inglorious Basterds“-Vergleiche in den Kritiken der Zukunft schon absehbar sind. Weil Ernst Gossner bisher in seinen Filmen aber wenig falsch gemacht hat, könnte das wieder richtig, richtig gut werden.

Ebenfalls zeitgeistig die Filme über junge Migranten, die von Irgendwas zwischen Dazugehören und Fremdsein handeln. Da gibt es viele Geschichten zu erzählen und die Synopsen von „Block X“ bzw. „Sonne“ klingen interessant genug um sie weiter zu beobachten. Für das erste Date oder entspannte Fernsehabende nach einem harten Arbeitstag sind die beiden Dramen aber sicher nicht vorgesehen. „Sonne“ wird außerdem von Ulrich Seidl produziert. In Anja Salomonowitz‘ „Bei mir oder bei dir“ wird die Liebe im Altersheim in Zeiten des Internets zum Thema und „Auferstehung“ hat zwar eine der längeren Synopsen, sagt darin aber so gut wie gar nichts. Auch das ist ein Kunst.

„Kind of Happy“ ist der einzige Dokumentarfilm in dieser Förderstufe und porträtiert Menschen mit Down-Syndrom.

Diese Filme erhielten zwischen 17.000 und 34.000 Euro.

Herstellungsförderung

Bei den geförderten Dokumentarfilmen geht es fast ausschließlich um Vögel. Raben zum Beispiel sind angeblich die Chronisten der Menschheit. Jetzt kommen sie in einer Schweizer-österreichischen Koproduktion erstmals zu Wort. Oder so. Mal schauen, was hier über die durchschnittliche Tierdoku hinaus mehr erzählt werden soll. Um 116.000 Euro kann man jedenfalls eine Menge Mikrofone nachkaufen, wenn die Raben sie nach dem Interview mitgehen lassen sollten.

Einen Vogel (im besten Sinne) hatte die Frau sicher und Houchang Allahyari vollendet seine Ute Bock-Trilogie mit genau dieser Aussage im Titel. „Der Film zeigt die privaten, persönlichen Seiten ihres Lebens und lässt Persönlichkeiten der österreichischen Öffentlichkeit und ehemalige „Schützlinge“ zu Wort kommen.“ Und das um günstige 70.000 Euro. Ja, bitte!

Last and least will „Über Österreich“ nicht nur einen „magischen“ Blick auf das Land werfen, sondern das auf „spektakuläre Weise“: aus der Vogelperspektive. Die unsägliche Phase der „Irgendwo von Oben“-Filme ist wohl doch noch immer nicht überstanden. 280.000 Euro sind dann schon ein wenig viel für etwas, das es genau der Synopsis entsprechend schon gab (Siehe „Österreich – Oben und Unten“ von Joseph Vielsmaier)

Teresa Distelberger bekommt dann noch eine Nachwuchsförderung für ihren Dokumentarfilm „Rettet das Dorf“. Die Förderhöhe von 435.900 Euro sind sowohl für Dokus als auch für Nachwuchsfilme beachtlich.

Bei den Spielfilmen ist wenig Spektakuläres dabei. Eine schwarze Komödie namens „Have Faith“ aus Italien bekommt für ihr österreichisches Drittel 256.000 und Mirjam Unger verfilmt nach Christine Nöstlinger jetzt auch ein Buch von Michael Köhlmeier. „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ bekommt 205.311 Euro. Michael Köhlmeier soll übrigens auch der Sprecher im oben erwähnten „Über Österreich“ sein, die Stimme hat er ja.

Darüberhinaus gibt es noch Kleinförderungen für Festivals, Kinoauswertungen, Festivalbesuche und Fortbildung von FilmemacherInnen. Die gesamte Liste könnt ihr unter diesem Link als PDF runterladen.

Was insgesamt auffällt ist, dass 13 von 16 fiktionalen Projekten auch von Regisseurin/Regisseur (mit-)geschrieben wurden.  Ist der spezialisierte Autor eine aussterbende Spezies, will man nur die Produktionskosten drücken, in dem man den Regisseur für zwei Jobs mit einem Gehalt abspeist, oder sind wir wirklich das Land der multitalentierten Auteurs, wo wirklich jeder beides kann?

Lasst uns wissen, was ihr von den geförderten Projekten haltet! Worauf freut ihr euch, was wollt ihr unbedingt/überhaupt nicht  sehen?