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Kritik: Schnell ermittelt 5×01 „Alice Leutgeb“

Auftakt für Staffel 5: „Alice Leutgeb“ ist in der gleichnamigen Episode nicht der einzige Mordfall, dem sich die Schnells, Franitschek und Maja zu widmen haben. Auch ein gewisser Herr Schnabel musste den Löffel abgeben – und den Hauptverdächtigen, den kennt Angelika leider nur zu gut. Oder eben gar nicht.

Wie anfangen, wenn man zu lange Pause gemacht hat? Diese Frage haben wir uns schon im Podcast zum 4. Film gestellt, „Alice Leutgeb“ liefert jetzt die Antwort. In Staffel 5 sind ungefähr ein paar Monate seit „Einsamkeit“ vergangen, den Konsequenzen des Wasserrohrbruchs nach zu urteilen: Angelika wohnt immer noch im Hotel, und zwar schon so lange, dass sich Stefan darüber wundert, aber noch nicht so lange, dass Stefan schon vor „Alice Leutgeb“ gefragt hätte, ob das die Haushaltsversicherung wirklich alles zahlt. Letzteres ist ein tolle tolle Anspielung: Will Angelika nicht mehr zu Hause einziehen? Ist es ihr da ohne die Kinder zu einsam? Oder steht einfach bloß die Location der Produktion nicht mehr zur Verfügung?

Andererseits haben beide Kinder die Schule beendet, Jan ist scheinbar bei seiner Freundin aus- und in eine WG eingezogen, SFLÖ sitzt trotz Einsparungsmaßnahmen in einem neuen Büro (das hat wohl produktionstechnische Gründe), und die Handys sind nun auch eine Generation moderner – bloß den Klingelton hat sich die Sonderermittlerin behalten. Angelikas Visionen sind plötzlich wieder da (juhu), jetzt aber mit neuer Musik unterlegt (hä?) – eine erzählerische Begründung lässt sich nicht feststellen. Der Übergang zur neuen Staffel ist also, alles in allem gesehen, ein wenig holprig, aber mit Hilfe des Angelika schon vertrauten Hotels vermittelt „Schnell ermittelt“ dennoch einen genug konkreten Anschluss, um den Staffelauftakt zeitlich zu verankern.

Der Blick nach vorn

„Alice Leutgeb“ ist aber nicht bloß eine Brücke zurück zum Serienformat, sondern reißt auch direkt die neue Staffel in vielerlei Hinsicht an. Staffel 5 markiert den Staffelauftakt genauso deutlich wie es schon die Vorgänger getan hatten: Egal ob Feiler in Staffel 2, Schuster in Staffel 3 oder Lucy Haller in Staffel 4, die erste Folge hat uns immer wissen lassen, womit wir es in den darauffolgenden Episoden zu tun haben werden. Beachtenswert an „Alice Leutgeb“ ist, wie viele neue Elemente bzw. Veränderungen die Serie dabei diesmal ins Spiel bringt.

Beispielsweise führt „Alice Leutgeb“ gleich mehrere neue Figuren ins „Schnell ermittelt“-Universum ein, denen Autorin Verena Kurth routiniert mit wenigen Sätzen Persönlichkeiten verpasst. Da sind zum Beispiel Dr. F(l)ink, eine zweite Pathologin, oder Flora von der Spurensicherung: Zwei Figuren, die es von der Geschichte her nicht unbedingt gebraucht hätte (insbesondere Finks Aufgaben hätten einfach mit einer langen Schicht Stefans wegrationalisiert werden können), was vermuten lässt, dass wir sie in den weiteren Folgen wiedersehen werden. In welchem Ausmaß das der Fall sein wird, und ob sie eine wichtige Rolle bei der Staffelhandlung spielen werden, ist noch nicht klar, aber wir werden sehen. Auch beim schönen Inspektor Leitner wäre ein Wiedersehen keine große Überraschung, auch wenn dieser in „Alice Leutgeb“ durchaus einen narrativen Grund hatte, in Erscheinung zu treten – von ihm stammte schließlich die Info für Maja, dass Angelika ihren Sohn vor der Streife geschützt hat.

Apropos: Jan dürfte in dieser Staffel stärker in Erscheinung treten. Seine Schwester wird auf unbestimmte Zeit nach Salzburg vertschüsst, Jan hingegen in die Mitte des Staffelfalles hineinkatapultiert. Charakterlich passt das sehr gut: Schon als Kind war Jan der größere Rabauke als seine Schwester (z.B. Alkoholvergiftung als Minderjähriger), dann kam das Schießen dazu, seine Verwicklungen in „Erinnern“ bzw. „Leben“ – da sind keine großen Wendepunkte ersichtlich. Dass Jan eine zentrale Rolle in Staffel 5 einnehmen wird, zeigt auch schon die Listung der Schauspielenden: Fiona Hauser wird wie früher unter „in weiteren Rollen“ gelistet, Jan hingegen nun direkt nach dem Vorspann.

Klappe zu, Affe tot

Das bringt uns zum Fall Schnabel, über den wir noch sehr wenig wissen. Viel Zeit bleibt ja auch nicht: Die 45 Minuten „Schnell ermittelt“ sind ja auch mit einem weiteren Fall vollgepackt. Der ist ja ganz nett und unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Muss er ja auch nicht sein – dafür ist schließlich die horizontale, also folgenübergreifende Handlung da.

Was wir aber von der flott geschnittenen Anfangsszene erfahren: Schnabel Junior wird zuerst verprügelt und dann mit zwei Schüssen hingerichtet. Und es gibt eine(n) Zeugen/in, der/die das Ganze mit dem Handy filmt. In welcher Rolle Jan dabei steckt, oder was es mit den Drogen auf sich hat, liegt alles noch im Dunkeln – nicht zuletzt, weil Jan seiner Mutter gegenüber auf stur schaltet, wie es halt nur zu schnell zu groß gewordene Teenager können.

Dass Maja für diesen Fall verantwortlich ist, halte ich für eine sehr gute Lösung. Erstens gibt ihr das endlich mal so wirklich etwas als Bezirksinspektorin zu tun, nachdem die Filme sie nur spärlich als mehr als bloß Sekretärin/Assistentin eingesetzt hatten. Zweitens ist Angelika die Außenstehende, die es wohl nicht lassen können wird, ihre Nase da hineinzustecken – was nicht so einfach sein wird, Konflikte vorprogrammiert. Und das wiederum wird, drittens, Maja verärgern, weil es den Eindruck macht, Angelika würde Maja diese Arbeit nicht zutrauen.

Franitschek und Kemal stehen da wohl ein wenig zwischen den Fronten, letzterer spricht das in „Alice Leutgeb“ auch schon an. Dass die Beziehung mit Maja vorbei ist, ist wieder eine gute Fortsetzung der Richtung, die „Einsamkeit“ eingeschlagen hatte. Ansonsten hat Kemal im Staffelauftakt nicht viel zu melden, insgesamt kommt er in lediglich einer einzigen Szene vor.

Dafür zeigt uns „Alice Leutgeb“ wieder ein paar neue Facetten von Angelika. Zum einen bei der Interaktion mit Dr. Fink, die auch Franitschek komisch vorkommt: Angelika war zwar schon immer schnippisch und frech, aber derart z’wider war sie noch selten. Zum anderen im Gespräch mit ihrem Sohn, zu dem sie einfach nicht durchdringen kann: Gerade wirft sie ihm noch vor, wie kindisch er ist, im nächsten Moment stößt sie seinen Aschenbecher um. Mal schauen, wo das hinführen wird.

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