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Wie der ORF seine Serien plant – Die „CopStories“-Saga

Nächste Woche wird etwas passieren, das viele nicht mehr für möglich gehalten hätten. Der ORF strahlt die dritte Staffel „CopStories“ aus. 3,5 Jahre nach dem Finale der 2. Staffel. Ist das normal?

Das Finale der zweiten Staffel „CopStories“ wurde am 2. Dezember 2014 in ORF eins gesendet. Im Mai 2015 gab der ORF in einer Presseaussendung bekannt, dass eine 4. Staffel gerade Drehbeginn hatte. Die 3. Staffel wäre schon abgedreht und beide sollten dann hintereinander 2016 ausgestrahlt werden. Wir wissen heute, dass daraus nichts wurde.

Aber die Saga geht noch weiter. Dass es 2016 nichts mehr von den „CopStories“ zu sehen gibt, war schon beschlossene Sache, als das Jahr 2016 noch lange nicht aus war. Im September versprach man bei der Programmpräsentation für 2017 nämlich vollmundig

„Endlich: 20 neue „CopStories“ und damit 900 Minuten Crime à la Ottakring werden 2017 erzählt.“

2016 war aber für die „CopStories“ trotzdem noch nicht vorbei, denn es wurde im Herbst der Spielfilm „CopStories – Stille Nacht“ gedreht. Es ist noch nicht 100%ig klar, aber wahrscheinlich ist die Serie damit abgeschlossen. 2017 dann laaanges und schlussendlich vergebliches Warten. Keine „CopStories“. Auch die Hälfte von 2018 war schon vorbei, als wir dann endlich Gewissheit hatten: Am 14. August starten neue Folgen der dritten Staffel in ORF eins.

Sendeplanung WTF

1.351 Tage Abstand zwischen zwei Staffeln. Dabei war Staffel 3 wie erwähnt schon längst fertig. Schon der Abstand zwischen 1. und 2. Staffel war mit 511 Tagen unverhältnismäßig lang. Eine Serie sollte im Idealfall in einen regelmäßigen Intervall und für das Publikum halbwegs planbaren Rhythmus ausgestrahlt werden. Das heißt z.B., dass eine Serie, die als Winterserie konzipiert und in ihren ersten Staffeln ab Jänner ausgestrahlt wurde, auch in den Folgejahren dort zu finden sein sollte. Das Publikum hat Verständnis, wenn es dann Februar, eventuell Anfang März werden sollte. Mehr als 400 Tage (also von letzter bis erster Folge) sind aber eher nicht okay. Und einfach so einmal 3,5 Jahre pausieren? Da läuft einiges falsch mit den „CopStories“.

Aber es sind nicht nur die „CopStories“. Eigentlich schaut die Staffelplanung von fast allen aktuellen ORF eins Serien so aus, als würde irgendwer mit einem Dartpfeil auf einen großen Mehrjahreskalender werfen. Über die eher sinnfreie Entscheidung „Schnell ermittelt“ zwischendurch in der Form von Spielfilmen weiterzuführen habe ich mich in unseren Podcasts zur Serie schon öfters aufgeregt. Die folgende Grafik zeigt aber auch, wie viel Zeit zwischen den Filmen und der 5. Staffel eigentlich vergangen ist. Auch auf die 3. Staffel „Vorstadtweiber“ mussten wir 2 Jahre warten. Aber immerhin wurde da das Quartal eingehalten. Dass sich eine Staffel um ein ganzes Jahr verschiebt ist meiner Einschätzung nach akzeptabel, sollte aber an die Fans gut kommuniziert werden.

Grafik selbst erstellt

Die 1.351 Tage für die „CopStories“ mögen zwar der härteste Fall sein, aber das ist für die Fans von z.B. „Vier Frauen und ein Todesfall“ nur ein schwacher Trost. Die mussten von Anfang an mit der Sendeplanung eines beschwippsten Kleinkindes leben. Da liegen zwischen den Staffeln 1 bis 6 im Schnitt (!) 656 Tage. Dann wurden 6 und 7 am Stück gesendet und seitdem warten wir wieder 1.050 Tage auf die seit 2015 (!) längst abgedrehte Staffel 8. Die 9. Staffel ist auch bereits gedreht, beide waren ebenfalls für 2017 angekündigt. Dabei haben alle Staffeln ab der 2. nur noch relativ wenige Episoden (6 bzw. 8) im Programm unterzubringen.

Musterschüler aus Kitzbühel

Folgendes habe wir außerdem recherchiert. „Die Lottosieger“ warteten zwischen den 3 Staffeln durchschnittlich 606 Tage. „Soko Donau“ sprang von Staffel 1 bis inklusive dem ersten Teil von Staffel 9 zwischen den Quartalen, aber der Jahresrhythmus (und bis auf einmal auch das Halbjahr) blieb konstant. Seit dem zweiten Teil der 9. wurden aber alle Staffeln in merkwürdigen Pakten ausgestrahlt und das Uraufführungsrecht wechselte auch zwischen ORF und ZDF hin und her, ohne dass man das verstehen muss.

Die einzige Serie, die wirklich regelmäßig programmiert wird, ist „Soko Kitzbühel“. Und das schon seit 2001. Von Anfang an startete die Serie im vierten Quartal, ab der 7. Staffel im ersten und blieb dort bis zur gerade laufenden 17. Staffel, die im Mai anlief. Könnten ein Grund für den enormen Erfolg der Serie sein, dass das Publikum sich nicht nur in der Qualität auf sie verlassen kann?

Moment, „CopStories – Stille Nacht“?

Aber wie geht es mit den „CopStories“ weiter? Jetzt freuen wir uns einmal auf die dritte Staffel. Ob direkt danach die 4. Staffel folgt wissen wir (noch) nicht. Es würde aber Sinn machen, weil der (abschließende?) Spielfilm mit seiner Handlung am Weihnachtsabend nicht einfach irgendwann gesendet werden kann. Werden die 20 Folgen jetzt ohne Unterbrechung und Woche für Woche ausgestrahlt, dann ist das Finale der 4. Staffel perfekt Mitte Dezember zu erwarten. Sogar ein bis zwei Lücken würden sich ausgehen, um den Film spätestens in der ersten Jännerwoche zu bringen. Egal wie, wir werden euch jedenfalls jede Woche mit Episodenreviews versorgen und eventuell auch den ein oder anderen Podcast einschieben.

Was haltet ihr von diesen Planungsintervallen? Muss man dem ORF da alles verzeihen oder soll er sich gefälligst zusammenreißen? Diskutiert mit uns auf Facebook*

Links

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  • Ganz am Anfang unseres Podcasts haben wir die „CopStories“ schon besprochen. Das war im September 2016. Auch darin sprechen wir diese Austrahlungsverzögerungen an. Außerdem hilft dir der Podcast vielleicht als Erinnerungshilfe, bevor es mit der neuen Staffel losgeht.
  • Die erwähnten Podcasts zu „Schnell ermittelt“ findest du hier, hier und hier.
  • Foto: ORF/Hubert Mican

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