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Kritik: CopStories 3×01 „Alohool“

Schon längst abgedreht, endlich ist sie da: die dritte Staffel „CopStories“. Für die Autoren ist das die Feuertaufe. Erstmals bedient man sich nicht dem Material der niederländischen Vorlage „Van Speijk“. Mit dem Staffelauftakt „Alohool“ lässt man die Sache aber erstmal langsam angehen.

Die Fleißaufgaben-Falle schlägt zu

CopStories“ lässt auch in seiner dritten Staffel von Anfang an keinen Zweifel daran, dass es sich um eine komplexe Serie handelt. Trotz eines immerhin eineinhalbminütigen Recaps wird man selbst als „CopStories“-Fan unweigerlich ins kalte Wasser geschmissen – zu vielzählig sind die Handlungsstränge, die aus vorherigen Staffeln aufgegriffen werden, als dass eine kurze Montage alle Zusammenhänge erklären könnte.Zu bedacht ist „CopStories“ darauf, die Dialoge authentisch expositionsarm zu halten. So muss man sich einige Folgen zurückerinnern, um zu deuten, was der Brief in Flos Postfach zu bedeuten hat (er wurde fälschlicherweise beschuldigt, sich an seiner Tochter vergangen zu haben – so schnell kann ein Handlungsstrang beseitigt sein!) oder wie und warum Lukas auf den Club am Ende der Folge stößt (er ist dem Verbrecher Obradovic auf der Spur, der Chantal geheiratet hat). Mitdenken seitens der Zuseher ist da auf jeden Fall Voraussetzung.

Eine komplexe Geschichte erfordert eine komplexe Dramaturgie. „CopStories“ macht sich die eigene Arbeit schwer, indem die Serie einerseits so vielen Handlungssträngen gleichzeitig folgt, andererseits sich selbst diverse Auflagen für jede Folge auferlegt. Die Episode beginnt im Cafe, die Musik-Schlussmontage sowie die Tatsache, dass jede Episode genau einen Arbeitstag lang sein muss – das sind viele Parameter, die „CopStories“ da gleichzeitig jonglieren muss. Diese Komplexität macht nicht nur thematisch Sinn – der Arbeitsalltag in einem Polizeipräsidium ist nun einmal chaotisch, komplex und vielfältig – sondern ist auch für sich ein Mitgrund, sich die Serie anzusehen. Es ist schlichtweg spannend, wie „CopStories“ seine episodischen und Staffel-übergreifenden Geschichten verweben kann, ohne dass dabei die Nähte sichtbar sind. Leider sind sie das bei „Alohool“ aber allemal.

Zuerst aber fühlt man sich schnell wieder bei den Cops geborgen und das vor allem durch den Witz, den die Serie im Staffelauftakt zu versprühen weiß. Egal, was kommt – worauf man sich bei „CopStories“ immer verlassen kann sind die Dialoge, die vor Schmäh sprühen. Vor allem Eberts bekommt da natürlich die schönsten Schmankerl geschenkt – er nennt etwa Pepe einen „Fleckerlteppich“ und hat später den witzigen, aber auch sehr genialen Einfall mit dem Zettel für den zu meldenden Einbruch.

Ungereimtheiten

„Alohool“ hat keinen großen Fehler oder Unstimmigkeiten – aber viele kleine Wehwehchen, die sich zu einer unrunden Episode aufsummieren.  Das reicht von der übertrieben ertragreichen, am helllichten Tage durchgeführten Alkoholkontrolle über eine zu große Anzahl an praktischen Zufällen (Matthias sieht zufällig die Kinder, die zufällig in der Nähe der Verkehrskontrolle spielen?) bis hin zu Pepes Blutwunde, die binnen Sekunden wie eingetrocknet aussieht, nachdem Berischer cartoonhaft seinen Mitarbeiter für sein Versagen rügt – irgendwo scheint da der Wurm drin zu sein.

Warum weist der abgetrennte Fuß, den Vickerl findet, einen gänzlich anderen Verwesungszustand auf als der Rest der Leiche? Erscheint es wirklich authentisch, dass sich zwei Burschen vormittags auf diese Art „betrinken“ – ist das abends nicht deutlich nachvollziehbarer? (Traurigerweise könnte die Antwort auf diese Frage tatsächlich „ja“ sein.) Zudem kann sich „CopStories“ offenbar  in seiner dritten Staffel von gewissen alten Lastern nicht befreien. Der Teaser ist zwar nur kurz, aber traditionell belanglos – gerade deshalb diesmal eine Sünde, weil doch eine Serie zum Beginn einer Staffel wieder Lust auf mehr machen sollte, was bei der dreieinhalbjährigen Pause besonders wichtig gewesen wäre. Mit einem Ausrufezeichen startet „CopStories“ jedoch leider nicht in seine dritte Staffel.

Der größte Fehltritt der Auftaktsfolge ist aber jene, dass sie zuweilen nicht besonders spannend ist. Der größte Fall der Folge etwa ist die Fahndung nach den vermissten Kindern, was sich als dröge Suche herausstellt. In scheinbar jeder zweiten Szene führt „CopStories“ dabei eine weitere Figur ein, die sich um die Kinder sorgt – aufgrund der minimalen Bildzeit aller Beteiligten ist es schwierig, da mit jemandem wirklich mitzufühlen. Die falsche Fährte mit dem Mann in Anzug ist gelungen, aber sonst spult da „CopStories“ die Szenen ziemlich lieblos ab. Dass wir vorzeitig erfahren, dass die Kinder in Sicherheit sind, macht die Sache auch nicht gerade spannender.

Foto: ORF/Petro Domenigg

Alohool“ erweckt den Eindruck, dass in Sachen Charakteren wenig und in Sachen Handlung lediglich Belangloses geschieht. Bergfelds Handlungsstrang ist dabei geradezu symptomatisch für diese Folge – zumindest sagt bei ihm aber der bewusst gewählte Stillstand etwas über seine innere Zerrissenheit aus. Während die Cops also still stehen, vermögen auch die Fälle der Folge kein Leben einzuhauchen. Mal fehlt jeglicher Fortschritt in den Ermittlungen (das Skelett), mal die Spannung (vermisste Kinder), und mal löst sich der Fall einfach von selbst (die Jugendlichen). Das liegt auch daran, weil keiner der beteiligten Cops emotional in ihre Fälle involviert ist. „Alohool“ ist nicht die spannendste Folge.

Die Wendung kommt zum Schluss

Zumindest bis fünf Minuten vor Dienstende, denn da beginnt die Musikmontage der Folge – und verpackt gefühlt doppelt so viel Handlungsmaterial als der gesamte Rest der Episode. Plötzlich stehen nicht nur die Figuren im Vordergrund, sondern auch der Staffelbogen. Plötzlich entpuppen sich ein paar der zusammenhangslosen Fälle der Folge als Teil der Hauptgeschichte, was sie damit auch schlagartig um einige Ecken interessanter macht.

Am Gelungensten ist dabei wohl, wie „CopStories“ eine Verbindung zwischen Berischer und Obradovic formt, ohne uns Details dafür zu liefern. Berischer scheint, seinen ominösen Worten zum Schluss hin zufolge, Menschenhandel zu betreiben, und Obradovic hat in dieser Branche ja auch seine Finger im Spiel – aber in welchem Verhältnis stehen die beiden zueinander, und welche Rolle spielt diese mysteriöse junge Frau dabei?

Und so ist „Alohool“ doch kein Reinfall, sondern bloß die Ruhe vor dem Sturm. Was auf dem Papier nach einem interessanten Konzept klingt, stellt sich in Wahrheit eher als Verspekulation heraus. Die Musikmontage wirft zwar ein neues Licht auf die vorangegangenen 35 Minuten, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geschehen „Alohool“s auf weiten Strecken nicht gerade fesselnd ist. Was die Montage aber sehr wohl macht, ist, dass sie die Folge in einen größeren, für die übergreifende Handlung bedeutenden Kontext stellt – und damit der Handlung im Nachhinein eine neue Relevanz verleiht.

Dass „CopStories“ seine dritte Staffel offenbar unspektakulär eröffnet, ist nicht nur für sich enttäuschend, sondern auch ein strategischer Fehler. Schon Staffel 2 endete ohne Knalleffekt: Mit dem de facto Ausscheiden Dogans in den Anfängen der zweiten Staffel verschwand ausgerechnet jener Handlungsstrang, der die Serie von Cliffhanger zu Cliffhanger weiterschubste und damit Spannung erzeugte. Der Konflikt zwischen Altan und Dogan gab der Serie am ehesten eine Richtung und ein Gerüst – ein solches begann man dann nach 2×03 „Teufelsroller“ (die Folge, in der Altan starb) erst sehr zögerlich mit der Einführung der Berischer-Figur zu ersetzen. So ein richtiger Cliffhanger, der uns in eine dritte Staffel katapultieren soll, fehlte – da hätte „CopStories“ besser von Anfang an bewiesen, dass da noch Sprit in der Maschine steckt.

Die Verbindung und Rivalität von Berischer und Obradovic beziehungsweise die Thematik Menschenhandel scheinen die neuen Kerngeschichten von „CopStories“ zu werden. Endlich jagen die Cops damit nicht mehr (erfolglos) ein Phantom, sondern wieder konkrete Widersacher – und wie „Alohool“ beweist eignet sich das ideal für spannende Cliffhanger. Auch als Figuren sind Berischer und Obradovic genau die richtigen Kandidaten dafür: uns Zusehern bereits bekannt, persönliche Beziehung zu diversen Polizisten, und (last but also least) außerordentlich guten Modegeschmack. Das ist genau der oben angesprochene Saft, den die neue Staffel braucht – aber dazu muss man sich in „Alohool“ einfach zu lange gedulden.

Noch mehr Bla:

  • Willkommen bei den wöchentlichen Rezensionen der „CopStories“-Folgen! Die Artikel werden jede Woche unmittelbar nach Ende der Folgen veröffentlicht – wir haben das Glück, alle Folgen vorab sehen zu dürfen. Vielen Dank an dieser Stelle an Redaktion und Produktion.
  • Genaugenommen haben wir die ganze Staffel schon gesehen. Spoiler wird es aber keine geben, versprochen!
  • Das Lied in der Schlussmontage war diesmal (vermutlich) „Girl in the North Country“ von Bob Dylan und Johnny Cash
  • Noch ein paar kurze Momente aus der Montage zusammengefasst: Sylvester scheint bei Tinas Familie keinen sonderlich feinen Eindruck zu machen. Blumen werden für Helga abgegeben, mit einem Zettel mit der Aufschrift „von Elsa & Heuberger“. Laut Drehbuch ist Heuberger der Nachname von Stevy, Helgas Liebhaber – gefallen ist der Name bislang glauben wir aber noch nicht. Und Elsa ist die Liliputbahn dieses Eisenbahnnarrs.
  • Gastauftritte in der Musikmontage: Verena Altenberger als Chantal und Muratan Muslu als ???. Wäre die Serie nicht schon längst abgedreht, müsste man sich mal wieder Sorgen machen, dass „CopStories“ demnächst wieder Schauspieler abspringen. Altenberger ist mittlerweile zu einem Schauspielstar im ganzen deutschsprachigen Raum avanciert, und Muratan Muslu ist auch nicht gerade jemand, den man in einem Cameo verschleudert.
  • Und wie hat’s euch gefallen? Diskutiert mit uns! Auf der Bruttofilmlandsprodukt-Facebookeseite oder auf Twitter mit dem Hashtag: #CopStories
  • Beitragsbildfoto: ORF/Petro Domenigg

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