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Kritik: CopStories 3×04 „Herz…Schmerz“

Mit vier Folgen auf dem Polster lässt sich schon ein kleines Zwischenfazit der 3. Staffel ziehen: „CopStories“ ist in bisheriger Höchstform. Wir werfen einen Blick darauf, was zur Zeit funktioniert und was nicht.

Die Teaser sind besser geworden – ein wenig. Jene zwei, drei Minuten, mit denen eine jede „CopStories“-Folge beginnt, sind seit jeher die Achillesferse der Serie, und ich habe mich nicht gescheut, mich darüber immer wieder lautstark zu ärgern. In der dritten Staffel sind diese Szenen zumindest schon mal deutlich besser in die Folge integriert, die vorangegangenen Cliffhanger werden mehr oder weniger spannend angesprochen. Dass die Teaser auf lahmer Note enden, ist ihnen allerdings noch geblieben – zumindest sind sie nun aber nicht mehr ganz so einschläfernd wie zuvor.

Itchy ist cool. „CopStories“ hätte wohl keine bessere Figur an Altans Stelle treten lassen. Itchys Zeilen sitzen von Anfang an, und so macht es schlichtweg Spaß, diesen neuen Typen mit der bekannten Mannschaft interagieren zu sehen. Die Beziehung mit Iveta ist nicht nur plottreibend, sondern weiterhin auch eine der interessantesten Neuerungen von Stafffel 3. Während ich mir vor der Staffel noch gewünscht habe, „CopStories“ möge Altans Platz offen halten, um den bestehenden Figuren mehr Zeit zu widmen, bin ich jetzt froh um den neuen Wind – Itchy füllt eine Lücke, von der mir gar nicht bewusst war, dass sie existierte.

Der Staffelbogen bleibt verworren und vielschichtig. Die Story rund um Obradovic, Berischer und Iveta ist spannend. Immer noch ist unklar, welche Rolle Iveta in der ganzen Geschichte spielt; Klar wird lediglich, dass sie sich immer weiter ins Kreuzfeuer dieses Handlungsstrangs begiebt. Staffel 2 hat, vor allem im Nachhinein betrachtet, sehr darunter gelitten, dass durch den Weggang der zwei wichtigsten Figuren in der Drogenhandel-Geschichte ebendiese fast zum Stillstand geraten ließ, ohne dass eine adäquat große Alternative zur Verfügung stand. Die verhaltene Einführung Berischers war wohl ein notwendiges Übel, von dem Staffel 3 nun mächtig profitiert.

Hofmeister bleibt hoffnungslos zweidimensional. In der ersten Staffel war Hofmeister noch eine eher ambivalente Figur, mittlerweile kommen ihm hingegen ausschließlich Lappalien und herabwürdigender Hohn über die Lippen. Hofmeister ist jener Charakter, der sich am wenigsten wie ein tatsächlicher Mensch anfühlt. Zugegeben, der Staatsanwalt führt etwas im Schilde (sonst hätte er nicht so konkret nach Ivetas Identität gefragt) und ist deshalb wohl besonders barsch, aber trotzdem – ein wenig Mühe mit der Charakterisierung könnte sich „CopStories“ da schon machen.

Mit Lukas‘ Vaterschaft weiß die Serie nicht recht, was sie anstellen soll. Die Vaterschaft war eine tolle Idee für Lukas‘ Charakterentwicklung in der zweiten Staffel. Jetzt aber steht „CopStories“ vor genau jenem Problem, das Geschichten generell mit Kleinkindern haben: Weil Babys nicht wirkliche Charaktere sind, bleibt jede Interaktion mit ihnen einseitig. Mal um mal sehen wir Lukas sein Kind in seinen Armen wiegen, in dieser Folge sogar vor Beginn der Musikmontage – ohne, dass das einen neuen Einblick liefern würde. Sein beruflicher Werdegang ist inzwischen ungleich spannender, vor allem Dank der neuen Zusammenarbeit mit Mathias.

Roman und Mathias erleben ihre bislang stärksten Staffeln. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich mir Romans Attacke auf Wassermann erklären kann – eine gewaltbereite Tendenz ließ sich in ihm in den ersten beiden Staffeln nicht erkennen, selbst wenn seine Mitstreiter in Gefahr waren. Die Serie bleibt dabei aber der Frage treu, ob Roman wirklich für den Polizeiberuf geeignet ist – während es etwa bei Tinas Geiselnahme in Staffel 2 eine momentäre Paralysis war, die Roman an sich selbst hat zweifeln lassen, ist das bei Wassermann in das Gegenteil verfallen, nämlich dass er unkontrolliert überreagiert hat.

Es ist ein subtil geführter Handlungsstrang, der der Roman-Figur aber steht. Anstatt aber von heiteren, jedoch belanglosen Fällen zu Fällen zu wandern, erhält Roman hier endlich eine Herausforderung, bei der er seinen Mann stehen muss. In „Herz…Schmerz“ wird gemeinhin bekannt, dass er es war, der Wassermann so übel zugerichtet hat – und er weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll, wenn ihm die Bevölkerung lobend auf die Schulter klopft.

Genauso wie die heiteren Roman-Fälle scheint auch die Zeit, in der Mathias als Problemlösungsbär für dümmliche Fälle verwendet wurde, der Vergangenheit anzugehören. (Bis auf die gelegentlichen „Tiroler“-Fälle.) Gerade in „Herz…Schmerz“ mausert sich Mathias zum MVP der Folge. Mit der Lösung eines kleineren Falles, dem Beginn seinem neuen Auftrag als verdeckter Ermittler, seinen neuerlichen Treffen mit Chantal sowie dem heroischen (wenn auch, siehe nächster Absatz, objektiv betrachtet höchst fragwürdigen!) Inschutznehmen Romans hat Mathias zur Zeit alle Hände voll zu tun. „CopStories“ bleibt dem liebenswürdigen Kern der Figur treu, ohne ihn als gefühlsdusseligen Trottel darzustellen. Seine Interaktion mit Chantal könnte ein wenig subtiler sein, aber auch so ist die Figur nun deutlich nuancierter, als das vor zehn Folgen noch der Fall war.

Die Kernthemen sind sehr resonant. Interne Probleme mit der Dorfer kann Roman lediglich deshalb vermeiden, weil Mathias ihn schützt. Es mag vielleicht zuerst wie eine der unrealistischeren Entwicklungen wirken, dass diese Art von Polizeigewalt von der internen Abteilung einfach so ad acta gelegt wird – andererseits ist gerade das wohl der Punkt. Es wird uns Zusehern überlassen, dabei gut von böse zu unterscheiden, und das ist dank unserer Voreingenommenheit gar nicht so einfach. Irgendwie wissen wir ja, dass Roman normalerweise keiner Fliege was zuleide tun kann – und so werden wir dazu verleitet, ihm für seine Selbstjustiz zu verzeihen. Es fällt nicht leicht, Dorfer zuzustimmen, wenn sie sagt, dass sie am liebsten die gesamte Polizeidienststelle schließen würde – weil es, nüchtern betrachtet, wohl die folgerichtige Konsequenz darauf wäre, dass gut jede zweite Figur gerade mächtige Patzer hinlegt (und die andere wohl in psychologischer Behandlung sein sollte).

CopStories“ bleibt gesellschaftskritisch – aber nicht immer kompetent dabei. Der Fall um die Beschneidung wirft zuerst ein paar sehr interessante Fragen auf: Kann ein 13-jähriger Junge, um den offensichtlich beide Eltern bohlen, wirklich selber entscheiden, ob er beschnitten werden möchte? Wie sieht die Entscheidungsgrundlage rein rechtlich aus – muss es wirklich schlussendlich der Vater verantworten, wie Helga meint? Und wenn der Junge sagt, dass er es will – wie sehr wurde ihm das vorher eingetrichtert? Und nicht zuletzt läuft jeglicher Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Beschneidung immer in Gefahr, mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen in Verbindung zu geraden. Die Frage nach Sharifs Recht zur Selbstbestimmung ist ordentlich politisch geladen.

Foto: ORF/Petro Domenigg

Leider verdirbt sich „CopStories“ den aufgebauten Gutwillen dabei selbst. Einerseits tätigt das Casting-Department einen Fehlgriff (trotz der unzähligen Nebenrollen eine Seltenheit): So hölzern vorgelesen darf das einfach nicht klingen. Bei den hölzernen Dialogen ist das aber nicht nur die Schuld des Jungdarstellers, und auch die Eltern reden zum Teil sehr unauthentisch – dass die drei eine Familie sein sollen, kaufe ich ihnen nie und nimmer ab. Und das alles gilt schon bevor wir auf die Zwangsverheiratungs-Storyline stoßen. Das freudige Freunde-Schließen der Tochter wirkt ein wenig zu märchenhaft – da investiert „CopStories“ nicht genug Zeit, um die Geschichte allzu nachvollziehbar zu erzählen. Zum Schluss sind dann Kind, Mutter und Vater wieder eine funktionierende Familie – der Konflikt um dieses einschneidende Ereignis für den Sohn ist ebenso plötzlich wieder vorbei, wie es aufgetaucht war.

Sylvester verhält sich völlig daneben. Vielleicht spielt mir mein Erinnerungsvermögen einen Streich, aber ich könnte mich nicht danach entsinnen, dass Sylvester derart empathielos ist. Gut, er ist weder der Hellste noch der Einfühlsamste, aber sich derart daneben zu benehmen ist schon schwer hinzunehmen. Es stimmt wohl damit überein, dass er schon in der Vorfolge keinerlei Respekt davor besaß, was mit Tina geschehen ist – aber auch das stieß mir schon bitter auf, weil es schlichtweg eine Grenze gibt zwischen Unverständis für Tinas Schicksal und völligem Unvermögen, auch nur zu versuchen, Tina den nötigen Abstand zu geben. Gelegentlich wirkt das leider ein wenig aufgesetzt.

Foto: ORF/Hubert Mican

Und schließlich trifft Sylvester Tina wieder. Eine unheimlich bittere Szene, bei der der Dialog wohl bewusst so hölzern belassen wurde, um einerseits Sylvesters Überforderung zu vermitteln, und andererseits um zu zeigen, dass Tina jetzt in gänzlich anderen Sphären schwebt. Mir fehlt da (zum Glück) der Erfahrungswert, um zu urteilen, ob Tinas kryptische Antworten authentisch wirken – aber die Wirkung verfehlt die Szene jedenfalls nicht: Einfach nur traurig zu sehen, wie Tina auf ihr vergangenes Wien zurückblickt.

Mit „Herz…Schmerz“ steigt Tina scheinbar aus der Serie aus. – zumindest macht Helgas Abräumen von Tinas Arbeitsplatz schon einen sehr finalen Eindruck, und an einen regelmäßigen Besuch ist wohl nicht zu denken. Es fühlt sich ein wenig wie der Abgang Altans an, mit dem Unterschied, dass „CopStories“ dieses Mal nicht so planlos dasteht wie noch in der zweiten Staffel. Cornelia Ivancans Tina wird vermisst werden, nicht nur von Sylvester und Co. – ob auf Genesung gehofft werden darf, bleibt jedenfalls abzuwarten.

Noch mehr Bla:

  • Berischer ist ein super Antagonist und fantastisch gespielt, aber die sich wiederholende Misshandlung der Prostituierten finde ich schwierig zu schauen.
  • Das tut weh, weil ich’s nie gedacht hätte: Tina hatte ein Foto von Sylvester im Spindt.
  • Die Witwe zur Prostituierten über den Tod des reichen Russen: „That’s life, that’s life, weißt du? 50 Prozent…“
  • Beitragsbild: ORF/Petro Domenigg

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