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Kritik: Schnell ermittelt 6×01 „Manfred Wohlkönig“

Angelika ist Chefinspektorin, Jan ein Mörder – und was nun? In Staffel 6 von „Schnell ermittelt“ dreht sich alles um Schuld, Sühne und die Frage: Einmal Mörder, immer Mörder?

Mit der Enthüllung, dass Jan einen Menschen ermordet hat, hat das Finale der 5. Staffel eigentlich die Weichen für eine melancholische 6. Staffel gestellt. Dorthin wird „Schnell ermittelt“ sicher noch fahren, doch der Auftakt zur neuen Staffel ist bewusst fröhlich, ja fast optimistisch gestaltet. Es ist fast ironisch, dass „Markus Wohlkönig“ wohl eine der witzigsten Folgen der Serie ist. Nicht ganz verwunderlich, ist die Folge doch aus der Feder von Guntmar Lasnig, der diesen Ton auch in der vorherigen Staffel gefunden hat (vor allem in „Gudrun Schatzinger“ – der Fall um die Oma-Kartenrunde).

Foto: ORF/MR Film/Hubert Mican.

Von den diversen pfiffigen Sprüchen („Der Mensch is a Sau.“) und witzigen Ideen (Franitschek als Fotograf – sinnfrei, aber lustig) abgesehen, ist das vor allem Angelikas Gemüt geschuldet. Wir waren nicht die einzigen, die in Staffel 5 bemerkt und auch kritisiert hatten, dass Angelika zynischer, böser und schlussendlich auch unsympathischer war als in den Staffeln zuvor – vielleicht wegen Jan, vielleicht wegen einer Midlife-Crisis, oder warum auch immer. Nun scheint sie wieder versöhnlicher gestimmt zu sein – ein paar freche, leicht böse und mitleidslose Sprüche kann sie sich zwar nicht verkneifen, aber so haben wir sie schließlich auch lieben gelernt. Dass sie die Garstigkeit aus der vorherigen Staffel wieder abgelegt hat, ist in dreierlei Hinsicht eine gute Entwicklung.

Erstens passt das besser zur DNA von „Schnell ermittelt“. Die Serie war von Anfang an kein bockernster Krimi, und das auch abseits von Franitschek als Comic Relief. Und während die Handlungsstränge der ersten Staffeln (Peter Feiler und so weiter) jetzt auch nicht gerade lustig waren, so waren sie doch nie so recht traurig und melancholisch, wie es Staffel 5 schluss endlich wurde. Staffel 5 war zwar emotional resonanter als es die vorherigen Staffeln, aber sie hat auch nicht mehr ganz so viel Freude bereitet. Wenn ich nach „Manfred Wohlkönig“ auf die nächste Folge warte, freue ich mich regelrecht darauf.

Zweitens ist diese Wandlung für Angelika als Charakter erklärbar, und nicht etwa bloß, um die Serie wieder zugänglicher zu machen. Angelika bemüht sich, die heile Welt aufrecht zu erhalten und ihr wieder sonnigeres Gemüt ist Teil dieses Versuchs. Oder ist es umgekehrt, dass diese vorgegaukelte heile Welt – zu der ja auch Jan, Kathrin und Stefan beitragen, letztere beiden unwissentlich – eine positive Auswirkung auf Angelika hat? Wie dem auch sei, dass Angelika ihre Mitmenschen wieder netter behandelt, ja sogar mal keine umständliche Sonderbestellung bei Fritz aufgibt, ist ein deutliches Zeichen, dass sich in ihr was verändert hat.

Und drittens will „Schnell ermittelt“ sicherstellen, dass die Protagonistin identifizierbar und sympathisch bleibt, was in dieser Staffel eine neue Herausforderung ist. Angelika deckt einen Mörder und zwar ausschließlich aus Eigeninteresse. Nicht etwa, weil der Bub einen Irrtum begangen hat, weil es ein unglücklicher Umstand gewesen sei, oder weil Nico Schnabel es verdient gehabt hätte – nein, Jan ist zweifelsfrei ein Mörder, der eingesperrt gehört. Angelika tut genau das, was sie Folge um Folge an den Verdächtigen und Mittätern verurteilt. Heuchelei und Scheinheiligkeit ist schnell etwas, das unsympathisch wirkt, vor allem weil sich Angelika jede Woche diesem Konflikt aufs Neue stellen musste. Verstehen können wir sie, aber mal sehen, wie lang wir ihr das Decken ihres Sohnes noch verzeihen können. Und auch deswegen war so ein optimistischer Staffelauftakt eine gute Entscheidung, denn aktuell stehe ich noch voll hinter Angelika.

Heile, schöne Welt

Angelika, Stefan, Jan und auch die gern wieder mal gesehene Kathrin machen eine auf heile Welt und Familie. Angelika ist aus ihrem Hotel ausgezogen und macht jetzt mit Stefan auf Wohngemeinschaft. Das mag auch motivtechnische Gründe haben, aber das neue schöne Haus funktioniert auch auf einer metaphorischen Ebene – wozu auch passen würde, dass das Haus noch eine Baustelle ist. Dass Angelika von einer Baustelle zur nächsten rennt (wo Markus Wohlkönig ermordet wurde), ist dann wohl auch kein Zufall.

Die Dynamik in der Familie ist jetzt eine andere, fast glückliche – Burgfrieden herrscht plötzlich. Vor allem Jan scheint sich wirklich Mühe zu geben – vorbei sind die Zeiten, in der er für seine Mutter nur pampige Antworten und fiese Anschuldigungen übrig hatte. Jetzt ist er wieder ganz der brave Sohn, der endlich das Praktikum bei der Rettung angefangen hat (was sich Angelika und Stefan schon seit mehr als einer Staffel wünschen) und die Mama sogar artig begrüßt und verabschiedet. Ist das ein ehrlicher Sinneswandel, Zeichen der Dankbarkeit oder bloß eine perfide Masche, um Angelika um den Finger zu wickeln?

Aber natürlich, so sehr sich Angelika, Franitschek, Jan und jetzt auch Stefan bemühen, „normal“ weiterzuleben – es gibt kein zurück, es ist passiert, und man kann die Tat zwar vertuschen, aber vergessen kann man sie nicht. „Vielleicht bin ich auch nicht so gut im Verdrängen“, gesteht uns Angelika. Bei ihrem Beruf ist das auch kein Wunder, ist sie schließlich als Chefinspektorin doch ständig mit dieser Thematik konfrontiert.

Lasnig lässt uns das auch permanent bei den Ermittlungen spüren, vergeht dort schließlich kaum eine Szene ohne Aussage, die sich genauso gut auf Jan beziehen könnte. „Wir haben ein Beweisvideo und wir können endlich wieder gut schlafen“, sagt Franitschek etwa sinngemäß über eine Videoaufnahme von der Baustelle – nur ist es natürlich so, dass Angelika eben genau darum nicht mehr gut schlafen kann, wie wir im geschickt verpackten Recap zu Beginn gesehen haben. Oder die Erkenntnis von Jens, dass es wirklich stimme: „Schwierig ist nur der erste Mord“ – für Angelika natürlich ein bedeutungsschwangerer Satz, den sie in ähnlicher Form schon mehrmals gehört hat: „Einmal Mörder, immer Mörder“ war der Leitspruch von Peter Feiler, der in Staffel 6 eine neue Bedeutung erhält. So erhalten jedenfalls viele Szenen der Mordermittlungen eine zweite Ebene, die die Mordermittlungen in „Markus Wohlkönig“ spannender machen als gewöhnlich.

Noch mehr Bla

  • Willkommen bei den Kritiken zu „Schnell ermittelt“ Staffel 6. Für Folgen 1 und 2 werden wir die Artikel immer direkt nach der Premiere hier veröffentlichen, die Artikel zu den weiteren Folgen werden mangels Screener wohl immer erst an den Vormittagen nach den Episodenpremieren erscheinen. Wir hoffen ihr seid mit dabei.
  • Nach Minute 10: „Ach übrigens, ich glaub der Fall ist gelöst.“ Netter Versuch, Kemal.
  • Die Chemie zwischen Franitschek und Angelika war nie besser. Lasnig hat auch bei den „CopStories“ schon immer durch gute Dialoge bestochen.
  • Kemal kann sich zuerst nicht erinnern, wo er Jens Semmelbach schon mal gesehen hat. Als Zuseher ein sehr nicht wirklich zufriedenstellender Ermittlungsschritt, weil es so beliebig ist, wann er sich daran erinnert.
  • Ist Angelika eigentlich Alkoholikerin? Soweit ich mich erinnern kann, haben wir sie in Staffel 5 in fast jeder Folge trinken gesehen, und auch in dieser Folge schenkt sie sich Schnaps ein – zum Frühstück, wohlgemerkt. Und in der Wasserflasche, die Angelika im Auto hat und von der sie verdächtig andächtig einen Schluck nimmt – ist da wirklich Wasser drin?
Foto: ORF/MR Film/Petro Domenigg
  • Lasnig hat sichtlich Spaß mit Namen. Romy und Jens klingen nicht ganz zufällig so ähnlich wie Romeo und Julia, sondern haben auch die scheinbar verfeindeten Familien der Vorlage.
  • Angelika: „Na, des waren keine Umweltschützer, das wäre viel zu offensichtlich.“ Ich bin kein Fan dieser Zeilen, die eher auf einer Meta-Ebene wahr sind, als dass sie authentisch wären. Und es ist auch eine Antithese dafür, dass Angelika sich sorgt, dass sie sich nicht mehr auf ihre Intuition verlasen kann.
  • Beitragsbild: Foto: ORF/MR Film/Petro Domenigg

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