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Kritik: CopStories 3×05 „Ewig her“

In „Ewig her“ stellt sich „CopStories“ der Frage, wie die Serie ohne Tina weitergehen soll. Sylvesters Verhalten spricht nicht dafür, dass das reibungslos funktionieren wird – bis er eine Entscheidung trifft.

Wir hatten in den letzten Wochen technische Probleme und deswegen hast du vielleicht die Besprechung zur letzten Folge noch nicht gelesen. Du findest sie unter diesem Link: Kritik: CopStories 3×04 „Herz…Schmerz“

Stumpfsinnige Verarbeitung oder wider dem Vergessen

Die zur Zeit kontroverseste Figur der Serie ist mit Sicherheit Sylvester. Eins muss man der Serie lassen: Sie geht Sylvesters Pfad konsequent weiter, über die dritte Staffel hinweg gesehen bleibt sich Sylvester stets treu. Trotzdem macht sich einfach bemerkbar, wie dick die Serie dabei aufträgt – vor allem, wenn man wie in „Ewig her“ sieht, dass sie das auch andernorts öfters zu tun pflegt. Schnell wird man seine einfältigen Marotten satt – von seinem vollkommen unangebrachten Selbstmitleid und dem Beschuldigen von Unschuldigen soll hier gar nicht die Rede sein. Subtil ist jedenfalls anders.

Dass Sylvesters Benehmen anecken soll, ist wohl so gewollt – „Ewig her“ bringt das in der Pulverfass-Kombination aus Florian und Sylvester sehr deutlich zum Ausdruck. Es macht die Folge (wie auch die Sylvester-Sequenzen der zwei Vorfolgen) allerdings um ein Stück stumpfsinniger und anspruchsloser – gerade „Ewig her“ erschlägt uns fast damit, wie wenig sich Sylvester beherrschen kann. Die eifersüchtige Dame im Verhörraum hat schon Recht: So ein Verhalten gehört eigentlich nicht toleriert. Bei allem Respekt für den Verlust Tinas muss die Kreitnergasse schon beide Augen zudrücken, und das tut sie in letzter Zeit schön langsam zu häufig.

Sylvester ist zu eintönig und einfältig, bis die Folge am Ende doch noch eine äußerst spannende Entscheidung parat hält: der Pakt zwischen Sylvester und Florian, die Sache „einfach vergessen“ zu lassen.. Natürlich handelt es sich um eine Schnapsidee: Die Augen vor der Realität derart zu verschließen kann ja gar nicht gut gehen. Aber Sylvester ist ein Mann, der immer mit der Brechstange ins Haus stürmt; bei ihm gibt es keine halben Sachen, und schon gar keine Wahrheiten irgendwo zwischen ganz oder gar nicht.

Dieser Pakt ist nicht nur deshalb spannender, weil wir damit ab sofort Sylvester uns und seinen Kollegen etwas vorspielen sehen werden, sondern auch, weil die Serie Flos Umgang mit dem Vorfall bereits in „Herz…Schmerz“ erläutert hatte – nach dem Gespräch mit Leila sieht er es eigentlich gänzlich anders. Leila riet ihm, dass er lernen muss, damit zu leben, und Flo half dieser Vorschlag offensichtlich. Inwiefern nun Flos Handschlag mit Sylvester ernst gemeint ist, und inwiefern er Sylvester nur etwas vorspielt, um ihm mit der Verarbeitung von Tinas tragischem Schicksal zu helfen – das werden wir in den nächsten Wochen mit Sicherheit erfahren. Weil Flo so blindlings einschlägt, ohne wirklich darüber nachzudenken, hege ich so meine Zweifel.

Für die Serie heißt diese Entscheidung, dass sie das Kapitel Tina vorläufig abschließen wird. Wie sehr Roman seinen Trainee auf lange Sicht vermissen wird, ist noch unklar – aber in Sylvesters und Florians Pakt steckt genug Finalität drin, dass ich bezweifle, dass Tina da weiterhin eine große Rolle spielen wird (bis es dann irgendwann unausweichlich doch noch einmal überkochen wird). „CopStories“ hat damit seinen Blick nach vorn gewandt, vermittelt aber auch andererseits, dass diese Vergessens-Taktik schlichtweg eine Möglichkeit für die Protagonisten darstellt, über die Sache hinwegzukommen. Wie jede unbehandelte Wunde riskieren die Polizisten dabei natürlich, dass sie zu eitern beginnt.

Blindgänger

Nach drei sehr guten Folgen in Serie ist „Ewig her“ ein bisschen ein Rückschritt (und das trotz eines verheißungsvollen Teasers). Das hat zweierlei Gründe: Zum einen nehmen Obradovic und Berischer nur Randrollen ein, sodass die Hauptfälle der Episode von wenig Belang sind. Zum anderen wirkt die Folge deutlich konstruierter als gewöhnlich – egal ob die Schlussszene bei Tageslicht, Berischers arg zufälliges Aufeinandertreffen mit Vickerl (wobei das ja im Grunde endlich mal eine durchdachte Storyline für Vickerl ist), Lukas‘ nicht gerade allzu verdeckte Ermittlung, oder der dümmliche Grund, warum Lukas in die Grube fällt, wo die Umsetzung der Idee einiges schuldig bleibt.

Eine Bombenentschärfung klingt schließlich eigentlich nach einem spannenden Unterfangen. Doch irgendwie kann sich „CopStories“ nicht so recht entscheiden, ob das mit den zwei Streithanseln die witzige Storyline der Folge sein soll oder ob man schweißtreibende Spannung generieren will – gelingen tut beides irgendwie nicht. Während ich die Dialoge in der Grube durchaus sehr gelungen finde („50-50“ lacht der Kollege über die Überlebenschancen), lassen sie leider auch einfach nicht durchblicken, woher der plötzliche Kuss kam – selbst für den Fall, dass Lukas‘ Sexualität bei den Kollegen kein Geheimnis wäre. Chemie vorhanden, aber mit dem Vorschlaghammer kommt keine Romantik zustande. Auch wenn das Vorspiel ein wenig enttäuscht, bin ich aber auf das Nachspiel gespannt – endlich gibt es einen neuen Aufhänger für Lukas‘ Privatleben.

Bei der Arbeit hat er ja ohnehin eine interessante Rolle inne – dass er sich bei der Interpolaktion im Lokal von Obradovic hintergangen fühlt, ist nun der Treibstoff dafür, nicht nur auf eigene Faust weiter zu ermitteln (Bergfeld scheint er nichts zu erzählen, obwohl dieser ihn zu Beginn der Staffel ausdrücklich darauf hingewiesen hat), sondern auch Mathias ins Boot zu holen.

Mathias in Abendgarderobe zu sehen bestätigt den Eindruck der Vorwoche, dass er gerade seine kompetenteste und produktivste Arbeitszeit erlebt – die er zudem auch ganz frech ein wenig genießt. Ich verstehe jetzt nicht ganz, warum Chantal Mathias mitten im Lokal Küsse auf den Mund drückt, wo sie doch Obradovics Ehefrau ist, aber dennoch bin ich optimistischer Dinge, weil Mathias‘ Rolle in diesem Fall ziemlich ungewiss ist – auch wenn die sehnsüchtigen Blicke zwischen den beiden in den vorherigen Episoden glaubhafter waren.

Die kleinen Cop Stories

Weil „Ewig her“ nicht ganz so dicht erzählt wie die vorangegangenen Folgen, bleibt dieses Mal Zeit ein paar Worte über die kleineren Handlungsstränge zu verlieren. Helgas Beziehung zu ihrem Hippie-Lokführer Steve zum Beispiel verleitet sie nicht nur sprichwörtlich den Gürtel weniger eng zu schnallen. Toni taucht in „Ewig her“ erstmals wieder auf und hinterlässt keinen allzu bleibenden Eindruck – sein erbärmliches Auftreten mit einer halbgaren Forderung bestätigt ihre Scheidung einmal mehr, erzählt uns aber nicht viel Neues. Die einzig nennenswerte Entwicklung ist jene, dass Helga wortlos an Toni vorbeigehen kann, dabei aber doch einmal kurz inne halten muss – ganz ist das noch nicht fertig erzählt.

Bergfelds Depression nimmt auch nicht sehr viel Platz ein, bzw. wiederholt sich der Tanz, den Selma und er Folge für Folge umeinander führen – eigentlich will er ja, sollte er in seiner Einsamkeit wohl sogar, aber dann kann sich Bergfeld doch nicht dazu aufraffen, Selma an sich heran zu lassen. Zu groß sind die Schuldgefühle, der Griff zu den Tabletten ist einfacher. Zum Schluss der Folge fordert er dann doch endlich Hilfe an. Überraschenderweise offenbart uns „CopStories“ in der Schlussmontage nicht, um wen es sich dabei handelt, bzw. wohl eher wohin diese Hilfestellung am Abend noch führt. Vielleicht ist das aber auch die Gelegenheit, jenen alten Freund Bergfelds zurück in die Serie zu holen, der in der 1. Staffel für eine Episode herhalten musste?

Inzwischen hat Bergfeld alle Hände mit dem Hofmeister zu tun. Was die Serie mit diesem im Schilde führt, bleibt nach wie vor abzuwarten. Seine vehementes Nachfragen im Mordfall der Prostituierten setzt sich jedenfalls in „Ewig her“ fort – leider genauso wie seine Anfeindungen und Drohungen zu Disziplinarsverfahren. Letztere sind durchaus gerechtfertigt sind. Wenn der Hofmeister das bloß auch so darstellen könnte, anstatt es wie eine Privatfehde wirken zu lassen. Fast jede seiner Zeilen besitzen dieselbe höhnische Tonlage, mittlerweile ist das bloß nervtötend und unglaubwürdig.

Ironischerweise wird gerade in dieser Folge der entscheidende Durchbruch in besagtem Mordfall erzielt: Itchy ist zwar kein Teamplayer, aber mit Leilas Unterstützung stößt er auf die Identität der Ermordeten. Nun bleibt abzuwarten, was „CopStories“ aus Svetlanas Ableben macht und wohin das führen wird.

Noch mehr Bla

  • Boah, wie Berischer mit den Frauen umgeht – das ist wirklich schwierig zu sehen. Gleichzeitig ist es auch absurd, zu sehen, wie sie im Hintergrund versuchen, „sexy“ zu tanzen, während das Ambiente nicht unsexier sein könnte.

 

  • Morgen gibt es eine neue Folge unseres Podcasts, in der wir einen Blick zurück auf die ersten fünf Folgen der dritten Staffel „CopStories“ werfen – hier auf Bruttofilmlandsprodukt.net.

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