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Kritik: CopStories 3×06 „Hin und her“

Hin und her“ ist eine der unscheinbareren „CopStories“-Folgen: Obwohl Iveta, Berischer und Obradovic nach wie vor in jeder Folge auftauchen, geht der dritten Staffel in seinem Mittelstück ein wenig die Luft aus.

Die Neuen im Team

Mit „Hin und her“ ist Tina nun endgültig vom Bildschirm verschwunden; stattdessen findet sich Barbara Kaudelka neuerdings im Vorspann. Im Gegensatz zu Itchy macht ihre Patrizia aber nicht von Anfang an einen sonderlich starken Eindruck – während sie mit einem unwichtigen Nebenfall betraut wird, bleibt wenig Gelegenheit hervorzustechen. Als Neue wird sie erstmal mit jenen Fällen betraut wird, die keiner selber erledigen möchte. Doof nur, dass sie das dann mittel-enthusiastisch mittel-kompetent erledigt – das wirkt ein wenig unentschlossen und ist leider ein wenig fad. Warum macht sich da die Serie überhaupt die Mühe, sie in den Cast aufzunehmen – warum braucht „CopStories“ eine Ersatz-Tina?

Mathias hat offensichtlich seine Tage als Mobbingopfer im Präsidium hinter sich gelassen, aber selbst wenn Patrizia nun diese Rolle übernimmt, sehe ich noch nicht, welch vorher nicht vorhandene Nische sie füllen kann, um ihre neue Figur zu rechtfertigen. Das einzig Auffallende an Patrizia ist in „Hin und her“, dass sie gleichzeitig sowohl bei der fröhlichen Feier im Präsidium mitfeiert als auch allein an einer Bar ein Bier trinkt – so hat sich das „CopStories“-Team das wohl nicht vorgestellt.

Itchy hingegen erfüllt seinen Sold. Es ist spannend zu sehen, wie er durch seine lässige, aber bestimmte und dadurch auch einschüchternde Art selbst den coolen Burschen vom Schulhof dazu bringen kann, mit der Wahrheit widerstandslos herauszurücken. Dass das glaubhaft ist, versteht sich nicht von selbst. Wichtiger als seine Ermittlungen im Fall der Woche sind natürlich die durch ihn erzielten Fortschritte im Fall Iveta, die in dieser Folge in Polizeischutz für die junge Frau mündet. Warum der Staatsanwalt dies trotz seiner großen Zweifel der letzten Folgen zulässt, ergibt entweder keinen Sinn… oder er führt was im Schilde!

Iveta ist also eine Journalistin, und Svetlana war einer ihrer Kontakte. Dass Svetlana einen Kontakt bzw. Beschützer bei der Polizei hatte, ist wohl der größte Paukenschlag der Folge – dass uns „CopStories“ den Inhalt des USB-Sticks mit dem aufgezeichneten Telefonat vorenthält, ist schon gemein. Aber wer könnte es sein – und hat es etwas mit dem vermuteten Maulwurf zu tun, den „CopStories“ in der 2. Staffel erwähnte? Mein Tipp ist ja, dass es sich um den Hofmeister handelt, weil es erklären würde, warum er so an der Aufklärung dieses Falls interessiert ist (aber nicht, warum er dafür äußerst wichtige Informationen für die Ermittlungen geheim hält). Mit dem USB-Stick hat „CopStories“ jedenfalls einen der besseren Cliffhanger der letzten Folgen.

Lukas gegen den Rest der Welt

Die andere größere Storyline, die in „Hin und her“ fortgesetzt wird, ist Lukas‘ Isolation im Obradovic-Fall. Ich finde es nicht nur unverständlich, wie er von seinen Kollegen ausgegrenzt wird, sondern auch ein wenig unauthentisch. Grade Itchy hat keinen sonderlich guten Grund, Lukas im Ungewissen zu lassen – es ist eine Sache, seinen Kollegen etwas vorzuenthalten, aber eine andere, jemanden bewusst auszugrenzen. Dass das früher oder später für Drama sorgen wird, ist klar – aber so ganz glaubwürdig wirkt diese offen geführte Fehde nicht. Auch wenn Bergfeld Lukas zumindest wissen lässt, dass es überhaupt eine Informantin gibt. Im Grunde ist Andreas dabei manipulativer, als wir ihn in den ersten beiden Staffeln kennen gelernt haben.

Lukas muss Obradovic indes selbst verfolgen. Zum Glück bleiben uns diese Woche halbherzige Beobachtungsversuche seitens Lukas erspart, denn das übernimmt in „Hin und her“ Mathias – dabei hatte ich grade diese Figur letztens noch dafür gelobt, viele Schritte vorwärts gemacht zu haben. Was erwartet sich Lukas bloß, wenn er ausgerechnet Chantals ehemaligen Kunden als VE einsetzt? Da grenzt es schon an Naivität, Mathias so zu verkabeln,wenn dieser auf Tuchfühlungsmission geht. Als naiv wird Lukas sonst eigentlich nicht charakterisiert. Und würde er sich nicht verdächtig machen, wenn er Chantal besuchen geht, aber darauf bestehen muss, nicht intim zu werden? Dank der schwach umgesetzten Beobachtung von Obradovics Unterhaltung mit Chantal (wie Mathias um die Ecke späht ist einerseits nicht gerade geheim, andererseits aufgesetzt) wirkt dieser Handlungsstrang eindeutig unterentwickelt.

Die vielen Geschichten der „CopStories“

Ansonsten läutet „Hin und her“ wieder eine Rückkehr zu mehr episodischen Fällen ein. Diese sind unterschiedlich gelungen: Die Geister-Geschichte ist nur deshalb spannend, weil sich niemand authentisch verhält (als etwa die Polizisten schließlich auf die Rollenspieler treffen, verliert niemand ein Sterbenswörtchen), und auch der Fall rund um den Sprengstoff im Tresor begeistert mich wenig, hat aber eine gelungene Wendung zu bieten. Das ist natürlich nicht überraschend bei den vielen Handlungssträngen der „CopStories“, weil es innerhalb der wenigen Minuten pro Strang schwierig ist, eine berührende oder treffende Geschichte zu erzählen. Die Geschichten sind oftmals einigermaßen unterhaltend, aber schlussendlich auch zum Vergessen.

Gelegentlich gelingt aber auch ein Fall der Woche so gut wie jener um den Suizidversuch der Kathi, weil ein Sexvideo mit ihr den Weg ins Internet gefunden hat. Die Story an sich ist nicht schlecht, aber die Details machen die Geschichte aus: Wie voyeuristisch die Mitschüler den Selbstmordversuch filmen, und wie unmöglich es den Polizisten ist, die Menschenmenge wegzuscheuchen, ist wirklich sehr treffend eingefangen. Der furchtbare Moment, in dem Kevins Mutter realisiert, was mit ihm geschehen sein muss, ist wahnsinnig gelungen – es mag voyeuristisch klingen, aber die Tragik macht des Öfteren immer noch die Musik. Definitiv eine der denkwürdigeren „CopStories“-Geschichten.

Am gelungensten ist allerdings wohl jener Moment in der Musikmontage, in dem Mischa Klaas vergeblich versucht anzurufen, weil dieser bei einem anderen Mädchen ist. Er zeigt, warum die Musiksequenz am Ende jeder „CopStories“-Folge so ein starkes Stilmittel sein kann: Wortlos kann „CopStories“ erzählen, wie sinnlos dieser ganze Eifersuchtsstreit war. Gleichzeitig sagt uns die Tatsache, dass Mischa in diesem Moment enttäuscht darüber sein kann, Klaas nicht zu erreichen, wie unverhältnismäßig schlimm jugendlicher Liebeskummer empfunden werden kann – die über ihren verstorbenen Bruder schluchzende Kathi, die in einem Krankenbett nicht unweit von Mischa liegen muss, bildet einen frappierenden Kontrast. Innerhalb nur weniger Sekunden fügt „CopStories“ der Geschichte eine Facette hinzu, die den Fall in ein sehr reflektiertes Licht tüncht. Wahnsinnig gut, und wahnsinnig emotional – mehr, als man es von gewöhnlichen Fällen erwarten kann.

Idealerweise hätten diese Einzelfälle auch unsere Cops ein wenig persönlicher involviert. Aber niemand weiß wirklich, was sie mit den Geistern, die sich als Fantasy-Rollenspieler entpuppen, anfangen sollen – dass uns der Fall insbesondere nichts über Patrizia erzählt, ist mehr als enttäuschend. Helga kann zwar die Emotionen von Kathis und Kevins Mutter nachvollziehen, weil sie selbst Mutter ist – aber mit ihrer Romanze mit dem Zugführer gibt es keine Berührungspunkte. Und Eberts hat in dieser Staffel auch nichts zu tun, außer die halben Kriminellen beim Spitznamen zu kennen. „CopStories“ fällt es nach dem tragischen Ausstieg Tinas schwer, all seine Figuren mit Geschichten zu bedienen – warum die Serie dann Patrizia in die Truppe aufnimmt, bleibt sie vorerst noch schuldig.

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