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Kritik: The Team II – Teil 1/Folge 1+2

Herzlich willkommen zu unserer wöchentlichen Besprechung der zweiten Staffel von „The Team“. Wir haben damit aktuell gerade drei (3!) heimische Produktionen in Begutachtung. Kollege Hannes Blamayer kümmert sich ja bekanntlich um die „CopStories“ und „Schnell ermittelt“.

What a JIT show

Europäische Zusammenarbeit in Zeiten wie diesen. Das gibt es nur im Fernsehen. In der bereits zweiten Staffel von „The Team“ bringt wieder ein Massenmord die Handlung ins Rollen und unsere Hauptermittler aus drei Ländern zusammen. Im dänischen Marsch hat ein deutscher Auswanderer syrische Flüchtlinge beherbergt, darunter auch eine Informantin des belgischen Geheimdienstes. Tadaa, das Joint Investigation Team (JIT) ist geboren.

Was wie in der ersten Auflage zu kurz kommt, sind die Backstorys der Ermittler. Die dänische Chefin Nelly Winther (Marie Bach Hansen) ist hauptsächlich hart. So hart, dass sie selbst im herbstlichen Marsch keine Ärmel benötigt. Jürgen Vogel gibt hier wieder einmal einen ausgezeichneten Jürgen Vogel, der diesmal Gregor Weiss heißt und die soeben aus dem Jugendknast entlassene Tochter zurücklässt, als die Pflicht ruft. Die belgische Kollegin Paula Liekens (Lynn Van Royen) „spricht mehrere Sprachen fließend, darunter Arabisch, verfügt über exzellente technische Fähigkeiten und hat sich nach der Ausbildung mit Ehrgeiz und Fleiß einen kometenhaften Aufstieg erarbeitet“. So steht es im Presseheft, gesehen haben wir das höchstens in Andeutungen.

Foto: ORF/Network Movie/Miklos Szabo

Gettin’ JIT-y with it

Ein paar private Szenen mit Weiss und Winther erzeugen dann doch die Illusion, dass man es hier tatsächlich mit Charakteren zu tun hat. Speziell Nelly hatte das nötig, weil sie zuvor eher als Menschmaschine etabliert wurde. Gregor hatte zumindest eineinhalb Szenen in St. Pauli und schon zu Beginn daheim, die ihn außerhalb seiner Position als Polizist charakterisieren. Paulas Beziehung zu den beiden toten Schwestern und deren Eltern ist dann auch gleich wieder vorbei. Die jungen Frauen waren eher ein Mittel zum Zweck und Paula bekommt hoffentlich noch was zu tun.

Der Fall spannt dann ordentlich in die Breite. Dänische Neonazis, Raubkunst und der IS, der hier Caliphate Union (CU) gennant wird. Die Bösen werden – eine weitere Ähnlichkeit mit Staffel eins – wieder von den Österreichern verkörpert. War Nicholas Ofczarek wenigstens noch Litauer, sind Nora Waldstätten und Manuel Rubey als Galeristenpaar sowie Erwin Steinhauer als schwerreicher Kunstsammler in dieser Staffel waschechte österreichische Bösewichte. Einen österreichischen Barista-Handlanger (Simon Hatzl) gibt es noch dazu.

Die Bösen vom Dienst, natürlich aus Österreich. Im Bild (v.li.): Manuel Rubey, Erwin Steinhauer, Nora Waldstätten – Foto: ORF/Network Movie/Superfilm/Toni Muhr

Auf der Suche nach aus Syrien geschmuggelten Kunstschätzen geht man also über Leichen. Wie genau die dänischen Neonazis um den unsympathischen Morten da hinein passen, werden wir sehen. Dass der Typ nicht in der Lage ist, ein Hakenkreuz richtig herum zu malen, lässt wohl auch seinen souveränen Umgang mit dem Sturmgewehr zum Ende hin wie einen Red Herring erscheinen.

Der dräuende Konflikt mit Helles, die offenbar einen etwas weiteren Horizont als ihr Freund und der Rest des kleinen beschaulichen Marschstädchens hat, lässt uns um ihre und Malus Unversehrtheit bangen. Malu hat schon genug erlebt und auch der Verlust einer ihrer heiligen Tafeln ist ein weiterer Schicksalsschlag.

Are you JIT-ing me?

Apropos Red Herring und andere Ablenkungsmanöver. Davon gab es einige. Dass Bob im Jägerstand versteckt auf Malu und die Polizei zielt oder die Einstellung, als Helles aus ihrem roten Auto steigt – da waren einige billige Versuche dabei, künstlich Spannung zu erzeugen. Und hier liegt die dritte Gemeinsamkeit mit Staffel eins: Das Drehbuch hat enorme Schwächen.

Mal schauen, ob sich das noch ändert. Mit dem Überthema Raubkunst ergibt sich nach den ersten 100 Minuten ein eigentlich ganz interessantes Handlungsgeflecht, das sich nicht nur von Dänemark über Hamburg nach Wien, sondern auch von London bis Syrien erstreckt. In mehreren Zeitebenen. Und wer weiß, wohin uns die nächsten Teile noch führen werden.


Lists JIT-List

  • Wir halten uns an die Ausstrahlung des ORF zu vier Terminen, an denen jeweils Doppelfolgen – zu einem Film zusammengeschnitten – gezeigt werden. Die weiteren Teile sind am 4., 11. und 18. Oktober zu sehen. Wer 8 knapp einstündige Folgen bevorzugt, kann die Serie ab 18. Oktober auf ARTE in dieser Form wöchentlich sehen. Ebenfalls in 4 Teilen zeigt das ZDF die Staffel ab 21. Oktober immer sonntags. Weil wir die Bösen sind dürfen wir die Folgen früher sehen.
  • Gesichtet wurde übrigens die deutsche Fassung. Leider geht halt sehr viel verloren, wenn die syrischen Flüchtlinge mit ihren dänischen Rettern und das belgisch-deutsch-dänische Trio genauso wie die Mutter in London, die Terroristen in der Wüste und die Österreicher bei der Immobiliensuche das exakt gleiche Deutsch sprechen. Findet das irgendwer gut?
  • Wer auf den Geschmack gekommen ist: Die erste Staffel (die inhaltlich nichts mit dieser hier zu tun hat) ist im Abo verfügbar u.a. bei Amazon Prime oder Flimmit und als DVD erhältlich.
  • Zwei Staffeln unter gleichem Titel, mit ähnlichem Konzept, aber inhaltlich getrennt (neue Ermittler, neuer Fall) – das fällt unter „Anthologieserie“. Ich habe dazu vor mehr als 4 Jahren zwei Texte für fortsetzung.tv geschrieben, die sich mit dieser Form des Serienmachens auseinandersetzen. Was sind die Vorteile und die wirtschaftlichen Implikationen? Mein Befund und die darin genannten Beispiele sind noch gültig, wenn sich auch inzwischen einiges am Serienmarkt getan hat. (Wenn Interesse besteht, würde ich den Text eventuell updaten und mit Öfilm-Perspektive versehen —> bitte melden)
  • Ich rufe zum JIT-Trinkspiel auf. Ein Stamperl wenn die Abkürzung genannt wird + zwei wenn erklärt wird, wofür JIT steht. Sollte schnell lustig werden.
  • Von österreichischer Seite hat die Wiener Superfilm mitproduziert. Dankenswerterweise wurde Mitinhaber David Schalko weit weg vom Set gehalten. Wer weiß was der wieder für Ideen für Waldstätten und Rubey gehabt hätte („Altes Geld“, wir erinnern uns)
  • Die Plünderungen durch die Herzchen vom IS und der jahrelange Bürgerkrieg haben das kulturell so reiche Syrien leider arg getroffen. Hier nur ein Bericht über Raubkunst, die ihren Weg auf den (britischen) Kunstmarkt gefunden hat.
  • Es gibt verschiedene Projekte, die den Kampf gegen Windmühlen um die Bewahrung des kulturellen Erbes Syriens (zumindest in digitaler Form) aufnehmen. Den Kunstinteressierten unter euch empfehle ich, sich Initiativen wie das Syrian Heritage Archive anzuschauen und nach Möglichkeit zu unterstützen.
  • Ich freue mich auf ein anregende Diskussion. Alle Möglichkeiten mit mir und dem BFP-Team in Kontakt zu treten findet ihr HIER. Am einfachsten ist aber, ihr hinterlasst ein Kommentar unter diesem Artikel.
  • Beitragsfoto: ORF/Network Movie/Miklos Szabo

11 Kommentare

  1. K. Gehrmann 21. Nov 2018

    ich kann den obigen Kommentaren nur zustimmen. Ein wahnsinig „cooler“ J. Vogel, der mehrmals in der Serie nur als lonely heroe agiert, unter anderem am schluss – schnell mal die kronzeugin & das kunststück mitgenommen… die guards des safe house sind weder in der Lage, das handy einer bewohnerin auszuschalten und sicher zu verwahren, sondern sie geben auch keinen code red (so stelle ich mir das vor), wenn eine weitere Wache offensichtlich ausgeschaltet wurde… neeeein.
    Das sind 8 (!!) Folgen, die Potential hätten, aber auf diese Art wirklich keine Werbung für sich machen. Sauschlecht & schade.

  2. Michael S. 5. Nov 2018

    Ich habe auf Arte in der Mediathek die Originalfassung gesehen. Ich spreche dänisch deutsch und englisch und *eigentlich* fände ich das Setting mit den verschiedenen Sprachen total gut. Auch dass die Flämin dann in Brüssel französisch spricht wenn sie die Syrer verhören… also an sich hat das was. Dumm wenn man dann alles synchronosiert. Da ist das deutsche Fernsehen echt Schmerzbefreit – aber das kennt man ja schon von L’auberge espagniole wo es eine 100 Prozent deutsche TV Fassung gibt. Idiotisch aber vermutlich hält man die deutschen Zuschauer für zu dumm.

    Wie auch immer: Das Setting mit den Ermittlern aus 3 Ländern hätte Potenzial. Nur leider funktioniert es nicht. Die Handlung armselig, die Figuren ohne Tiefgang (Jürgen Vogel fickt einfach alles was sich bewegt, die Syrer haben alle nichts besseres zu tun als dauernd im dänischen Grenzgebiet herum zu rennen, man weiß gar nicht wo man mit den Logikfehlern anfangen will).

    Also von daher: Das Konzept hätte Potenzial, aber die Umsetzung und Handlung ist armselig.

  3. Fritzi Frey 5. Nov 2018

    Eine schlecht blondierte Lara Croft für Arme… Die belgische Ermittlerin sieht aus wie eine verhungert 15jährige…
    Und auch ansonsten Klischee an Klischee gereiht. Nach der dritten Folge aufgrund der massiven Regiefehler nicht mehr ertragbar. Dort wurde ein überfluteter Keller ausgepumpt… Und dann findet Lara Croft ganz alleine noch hinter einer voll gestellten Wand eine weitere Tür, die zu einem tiefer liegenden Keller führt! Und dort steht zunächst kein Wasser! Wie denn das bitte? Doch dort am Boden steht etwa 10 cm hohes Wasser und letztendlich schwimmt (!) dort eine Leiche, die sie auch mit Leichtigkeit schwimmend umdrehen kann. Leute, ich kann nicht mehr… Mal abgesehen von all den anderen bereits von anderen hier beispielhaft erwähnten Problemen… für wie dumm sollen die Zuschauer eigentlich verkauft werden?
    Nein, ich schau es nicht mehr weiter.

  4. Toni B. 3. Nov 2018

    Grottenschlecht, z.T.einfach nur peinlich und albern. Jürgen Vogel macht als Polizeiclown nicht gerade eine gute Figur.
    Kein Vergleich zur ersten Staffel!

  5. Niederrhein 1. Nov 2018

    Es fing doch ganz hübsch an, und dann….ja, dann wurde das Fremdschämen von Folge zu Folge größer und in der letzten Doppelfolge erreichte das Desaster seinen Höhepunkt. Und damit meine ich nicht, dass der Bösewicht zu seinem Mietwagen mit OD-Kennzeichen geht, sich -Schnitt- kurz umzieht, um dann -Schnitt- mit demselben Auto weg zu fahren. Jetzt aber mit HH-Kennzeichen. Das Drehbuch ist grottig, und man fragt sich wieder einmal, warum ich mir Bodyguard auf netflix anschauen kann (und diese BBC Produktion -wie immer- hervorragend ist, es aber deutsche Produktionen einfach nicht hinbekommen, bzw. diese europäischen Koproduktionen, die mit horrenden Summen gefördert werden. Sehr schade.

  6. Jürgen Zinck 30. Okt 2018

    Eine enttäuschende Produktion angefüllt mit den üblichen Krimi-Tatort-Stereotypen: Die Bewachung der Kronzeugin im Krankenhaus misslingt. .Das Safe-Haus ist natürlich nicht sicher. Auch wenn die Polizei in Mannschaftsstärke anrückt, entkommt immer jemand. Und völlig unsinnig: Ein Zeuge wird in den sicheren Tod geschickt, nur um die bösen Terroristen aus einer Industriebrache heraus zu locken. Der Hintereingang des Gebäudes ist natürlich nicht bewacht… Man hofft, dass die echte Polizei nicht tatsächlich so stümperhaft agiert.
    Schade, dass das spannende Thema so berechenbar, so langweilig und teilweise einfach nur albern umgesetzt worden ist.

  7. Renè Hörold 27. Okt 2018

    Die Teile 1-8 pures Fremdschämen. Lara Croft, Bibi Blocksberg und Rumpelstilzchen .Man kann sich wirklich ersparen Details zu nennen, oder einzelne Bereiche herauszunehmen. Die Staffel ist von A bis Z schlecht. Sowas von vorhersehbar. Klischee über Klischee einfach nur grottenschlecht. Dass der Fernsehsender ARTE so etwas Zeigt ist unfassbar!

  8. To Semja 21. Okt 2018

    Zum Einstimmen habe ich mir erstmal die 1. Staffel „reingezogen“.
    Nun bin ich bei Teil 5 der 2. Staffel. Ich glaube nicht, dass ich durchhalte…es ist einfach langweilig. Der Spannung hilft es auch nicht, wenn die Polizisten im Dunkeln im Alleingang jemanden verfolgen. Es gibt auch so viele Fehler, die sogar einem Durchschnittszuschauer auffallen… Den zwei blutleeren Polizistinnen nimmt man auch nichts ab und Jürgen Vogler gibt den dummen bornierten Deutschen.
    Die 2. Staffel kann nicht mit der 1. Staffel mithalten.

    • Mike 29. Okt 2018

      Dem kann und muss ich zustimmen. Einfach schade um die vergeudete Zeit. Staffel 1 war bei weitem besser,feesselnder und von den Hauptfiguren herausragender!!!!

    • Michael Grau 31. Okt 2018

      Ja, alles einigermaßen langweilig. Vor allem Vogel als ach so lockerer Deutscher ist einfach nur zum Fremdschämen

  9. sylvia Thorri 20. Okt 2018

    Ich kann mich nur anschließen. Das Drehbuch hat echt ne Menge Schwächen. Die Regie übrigens auch, die Schauspieler dürfen nicht zeigen was sie können, die Anhäufung von Klischees fand ich teilweise zum Gähnen, es zieht sich. Die allzu offensichtlichen “ visuellen Hinweise“ auf Dinge die geschehen werden, die die Spannung nehmen. Technisch auch einiges an Schwächen, sichtbare Tonsender unter der Kleidung, sichtbare Lichtstangen nachts im Wald, einiges an Anschlussfehlern etc.. Eine “ Lara Croft“ Ermittlerin, mit einer Kollegin Typ “ Nerdin“ von der man niemals weiß was in ihrem Kopf vorgeht. 14 000 Km durch Europa und das in 4 Tagen, ich bin dann mal in Belgien, ok könnte aber noch einen kleinen Umweg über Österreich machen. Komme dann 2 Std. später. Schaue kurz vorher aber in Hamburg vorbei…
    Malu, die 3 Tage ? nach “ Genesung“ von einem Messerstich auf ihrer Flucht wie eine Katze über die Dächer springt!…..Schade um die Produktionskosten, Thema war doch gut.. was ist passiert?

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