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Kritik: Schnell ermittelt 6×03 „Lia Pollak“

Während Angelika und Frani in einem Meta-Fall ermitteln, kommen sich Jan und Anamo wieder näher. 

Ihr werde es sowieso gleich stilistisch merken, aber Hannes wird heute von Hari vertreten. Nächste Woche ist der Bruttofilmlandsprodukt-Chefrezensent aber hoffentlich wieder im Dienst.

Eines ist den Autorinnen Constanze Fischer und Katharina Hajos sehr zugute zu halten. Obwohl sich viele Gelegenheiten bieten, erliegen sie nicht der Versuchung, möglichst viele Meta-Witze über das Leben am Serienset, das ständige Umschreiben und die zwischenmenschlichen Dynamiken unterzubringen. Das interessiert vielleicht das Fachpublikum, aber die breite Masse wird damit wenig bis nichts anfangen können.

Wenn dann aber doch, dann hat es durchaus Schmäh. „Komm mir schon selber vor wie in einer Fernsehserie“ sagt Franitschek aus Verwunderung über das Eifersuchtsdrama. Und er auch leitet einen von Angelikas Standardsätzen („Das müssen schon uns überlassen was wichtig ist und was nicht“) mit der Frage ein, was denn ein TV-Kommissar sagen würde.

Außerdem spinnt die Folge einige Elemente fort, die Hannes in seinen ersten Reviews schon beobachtet hat. Angelikas immer offensichtlicheres Alkoholproblem wird hier vom Fernsehabend kaschiert. Frani befindet sich da noch im Verleugnungsmodus. Als ihm Angelika in der Früh im Büro den Tee wegnimmt, weil sie Magenprobleme hat, schiebt er das noch auf angebliche Espressos. Beim zweiten Fernsehabend verabschiedet er sich, als Angelika die nächste Flasche Rotwein aufmacht und sich ein ordentliches Achterl einschenkt. Ihm ist dabei sichtlich unwohl. Mal schauen, wann er etwas sagt.

Aber der Alkohol ist auch der geheime Helfer der Folge. Denn im (Rausch-)Traum erscheint Angelika zwar nicht die Lösung, aber der entscheidende Hinweis in Gestalt des Regisseurs. Die Drehversionen sind umgeschrieben und nicht alle haben die gleiche Version erhalten. Dass das Träumen eine relevante Rolle für Angelika spielt, war ungefähr das, was Hannes in seiner letzten Kritik („Elena Ruggenberger“) gefordert hatte.

Fall der Woche…meh!

Diese genialen Querverstrebungen machen aber den ziemlich doofen Fall der Woche nicht unbedingt besser. Zum einen ist es unfassbar kompliziert, dass es nicht nur „Schnell ermittelt“-Charakternamen und „Wege der Liebe“-Rollennamen gibt, sondern der Hauptverdächtige auch noch seinen Charakternamen rechtlich gewechselt hat. Außerdem hat jeder was mit jedem und eigentlich jeder ein Motiv. Dabei wird aber immer wieder betont, dass man wegen sowas doch nicht gleich wen umbringt.

Aber warum dann? Die Motivation von Felix Haubner (Rainer Wöss) ist um nichts besser als die aller anderen. Im Gegenteil. Während die anderen ziemlich geradlinige Gründe wie Neid, Eifersucht oder drohender Jobverlust vorzuweisen haben, kann ich Haubners Denken einfach nicht nachvollziehen. Enttäuschte Liebe, die durchaus zu einer Affekttat führen könnte – OK. Aber die Beziehung ist schon ewig her. Dann plant der – mehr oder weniger funktionale – Alkoholiker ein ziemlich perfides und kompliziertes Verbrechen, das einen hohen Aufwand an Vorbereitung und Wissen um die Gegebenheiten am Set erfordert. Kann er als Episoden-Darsteller überhaupt wissen, wo die Drehwaffen gelagert werden? (Vom Zufall, dass die Waffen ident sind, wollen wir gar nicht reden.)

Dann wiederum ist er so in einem Rachedenken drin, dass er nicht nur den Tod von seinem Ziel, sondern auch aller anderen und den eigenen in Kauf nimmt. Priester, Braut und Bräutigam stehen eng nebeneinander und er hat keinen Scharfschützen beauftragt, sondern eine Unbeteiligte. Die verletzt sich bei der „unsachgemäßen Handhabung“ durch den Rückstoß auch noch schwer an der Schulter und der Schuss sollte – nehme ich mit meinen beschränkten Waffenkenntnissen jetzt einmal an – wahrscheinlich irgendwo weit oben einschlagen. Dass überhaupt eine Person getroffen wurde, noch dazu tödlich, war „Glück“.

Wie geht es mit den Schnell-Kindern weiter?

Weil so viel los ist, kommen diverse andere Elemente nicht vor. Stefans Obduktion der Leiche mit passendem Country-Song fehlt genauso wie Maja und Kemal, der aber zumindest einmal als Anrufer erwähnt wird. Allerdings taucht Katrin wieder einmal auf und outet sich gleich als großer „Wege der Liebe“-Fan. Leider trägt sie nichts zum Fall bei. Und ist der geplante Urlaub wieder eine Variante, eine weitere längere Absenz zu erklären? Wenn ja, dann hatten wir das schon. Kann Katrin nicht einfach irgendwohin ziehen um z.B. zu studieren oder hat die Serie noch was mit ihr vor?

Jans Versuche, sich von Anamo zu distanzieren, finden ein jähes Ende. Anamo stalkt und manipuliert Jan meisterhaft. Die Verbindung der beiden ist ja auch unfassbar eng, weil beide füreinander gemordet haben. Spannend wird, ob Anamo, die ich für eine abgrundtief böse Figur halte, die Seiten wechselt. Das Angebot von Schnabel Sr. hat sie in dieser Folge ja auch schon erhalten. Es wird auch ein wenig von Jan abhängen, wie sehr er aus seiner Passivität herausfindet. Eine gesunde Beziehung, ein Neuanfang und alles hinter sich lassen, das wäre für beide wohl nicht das Schlechteste und irgend eine Art von „Happy“ End.

Anamo gibt sich am Ende sogar dieser Illusion hin: „Deine Mutter wird uns immer beschützen. Wir sind frei.“ Das würde aber den horizontalen Handlungsstrang abrupt beenden. Aber da kommt sicher noch was.

Fotos: ORF

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