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Kritik: CopStories 3×07 „Haaße Luft“

In „Haaße Luft“ drehen sich alle Fälle rund um eine Hitzewelle. Insbesondere bei Berischers „Hot Box“ wird die Luft langsam dünn, weil „CopStories“ sein Handlungsnetz um ihn immer enger schnürt – und das sorgt für Spannung.

Es geht haaß her

Der Kampf um die Patenschaft Ottakrings ist in vollem Gange und die Cops stecken mittendrin. Der große Staffelstrang wirkt in dieser „CopStories“-Staffel durchdachter denn je, nicht nur weil die Polizisten wesentlich (und quantitativer) involvierter sind als bei Dogan, sondern auch, weil die episodischen Ereignisse dieser Geschichte spannender und abwechslungsreicher sind – und auch allesamt zusammenhängen. Dass Chantal Mathias bittet, nach ihrer „Freundin“ Iveta zu suchen, ohne dass dieser von Ivetas Rolle im Fall wissen kann, macht beispielsweise die ganze Sache um eine gute Ecke verzwickter.

Obwohl Iveta der Geschichte einige Facetten verleiht, fällt es manchmal schwer, der Serie die gewünschte Intensität des Konfliktes zwischen Berischer und Obradovic abzukaufen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Umfelder beider Verbrecher ziemlich begrenzt sind: Obradovic hat lediglich Chantal als Ansprechpartnerin (und ist ansonsten mangels Alternativen mit Lukas quasi schon per du), und Berischer hat bloß Pepe und eine Reihe moldawischer, namenloser Prostituierten, die aber immerhin schon mal Fokus der Ermittlungen waren. Ich wünschte, wir würden da eine voller realisierte Lebenswelt dieser Figuren sehen, weil sich langsam die Gesprächsmuster zu wiederholen beginnen – und weil mir persönlich Berischers ultimative Frauenfeindlichkeit ein bisschen zu viel Bildzeit bekommt.

Dass die Figurenriege bei den zwei Oberverbrechern nicht sehr groß ist, fällt in „Haaße Luft“ dadurch auf, dass der sonst eher inkompetente, protzige Pepe der lautlose Auftragsmörder für Iveta sein soll. Eine der zweifelslos spannendsten Sequenzen der Serie verliert dadurch einen Ticken an Glaubwürdigkeit, weil Pepe schon auf der Straße, geschweige denn in der Lobby des Hauses seine Knarre nicht verstecken kann. Hat Berischer denn niemand besser geeigneten in seiner Riege als diesen Muskelprotz?

Nicht ganz unverdächtig, dieser Pepe. Aber sauspannend.

Davon abgesehen ist das aber schon verdammt spannend, wie knapp Iveta da jenem Schicksal entgeht, das Michael Engelmayer in der zweiten Staffel ereilte, ebenfalls in der 7. Folge („Oh Gott„) – der wurde ebenfalls ermordet. Zur Erinnerung: Der hatte damals einen Schlüssel zu einem Schließfach, in dem Dogans geheimes Notizbuch gewesen wäre – doch bevor er ins Zeugenschutzprogramm genommen werden konnte, ereilte ihn folgendes Schicksal:

Der in der Mitte ists. Foto: ORF/Hubert Mican.

Der Vergleich mit Engelmayer zeigt, dass „CopStories“ nun nicht mehr auf das Ausloten erzählerischer Sackgassen angewiesen ist, sondern seine Hauptgeschichte ausgeklügelt genug ist, um sie Stück für Stück weiterzuerzählen. Der Mord an Engelmayer ist nach wie vor ungelöst, die Ähnlichkeiten sind verdächtig. Nachdem „CopStories“ in seiner 3. Staffel einige Handlungsstränge links liegen ließ (Flos Freundin vom Boxen, Vickerls Freundin) darf man gespannt sein, ob die Serie den Engelmayer-Mord hier wieder aufgreift – noch ist der Name nicht gefallen.

Im Zusammenhang mit Engelmayer stand auch eine Entwicklung, die nun wieder aktuell wird: Der Verdacht, dass es einen Maulwurf unter den Polizisten gibt (auch wenn Lukas es nicht in seine Überlegungen mit einbezieht, dass es da in der vorherigen Staffel schon Indizien gab, also bevor Itchy ins Bild rückte). Die Logik der Cops ist dabei leider nicht ganz lückenlos: Warum ist die Tatsache, dass sie bei Berischer nichts finden, Beweis dafür, dass er gewusst haben soll, dass sie kommen? Wenn es Indizien auf Svetlanas Verschwinden in seiner Hot Box gegeben hätte, hätte er doch ohnehin alles gründlichst aufgeräumt. Dass er im Kreuzfeuer der Ottakringer Polizei ist, weiß er natürlich nur allzu gut – selbstverständlich lässt er da keine Beweise in seinem Lokal herumliegen. Erst das Ende der Folge belegt endgültig, dass es eine undichte Stelle gibt: Das Polizeiauto vor Ivetas Hotel wurde abgezogen. Gleichzeitig dürfte das eine gute Spur sein, so ein Befehl muss doch nachvollziehbar sein.

Es bleibt die Frage, wer dieser Maulwurf denn sein könnte. Aufgrund obiger Überlegungen ist Lukas‘ Verdachtsmoment gegenüber Itchy auf jeden Fall falsch – und das suggeriert auch sein Verhalten gegenüber Iveta. Aber wer könnte es sonst sein? „Haaße Luft“ ist die erste Episode, die nicht suggeriert, dass es der Staatsanwalt Hofmeister sein könnte, weil dieser in „Haaße Luft“ kaum auftaucht. Gleichzeitig scheint Berischer eindeutig eine neue Information während der Geschehnisse der Episode zu erhalten. Zu Beginn der Folge fragt er Vickerl noch nach Ivetas Aufenthaltsort, am Ende hat er ihn offensichtlich erfahren. Aber von wem? Welche Figur hat in genau dieser Folge von dem Hotel erfahren, in dem sich Iveta versteckt hält? Die Suche nach dem Maulwurf bleibt spannend.

Frischa Wünd

Auch abgesehen von den Ereignissen im Fall Berischer ist „Haaße Luft“ eine der besseren Folgen der Staffel. Die Episode zeigt, wie Karin Lomot frischen Wind in die Serie haucht, indem sie ihrer Folge einen roten Faden verleiht – und sie dadurch zu mehr macht als bloß die Summe ihrer Teile bzw. Fälle. Wichtig dabei ist, wie die Hitze am Ende der Episode einem Regenschauer weicht: das verwandelt die Hitzewelle von einem lediglichen Setting hin zum Thema der Episode: Plötzlich kühlen nicht nur die Temperaturen ab, sondern auch die Köpfe.

Definitiv eine der besten Schlussmontagen der Staffel.

Der Wetterwechsel wirkt ziemlich abrupt eingewoben, aber trotzdem sorgt er dafür, dass „CopStories“ in seiner Musikmontage das größte Ass der Serie ausspielt: wortlos kleine, aber ausgesprochen feine Schlussakzente für die diversen Handlungsstränge zu setzen. Die Melancholie ist sicher auch dem (zumindest auf der DVD) ausgesprochen gut gewählten Song zuzusprechen – aber ohne die Hitzewelle, die sich in Regenschauer verwandelt, wäre sie nur halb so gut.

Ansonsten gibt es viele weitere Details, die es zu loben gibt – etwa den Episodenanfang. Ich weiß noch nicht recht, was ich vom Dreier zwischen Roman, Mathias und Romans Freundin halten soll (und die Figuren offensichtlich auch nicht), aber die Szene gibt der Serie eine dringend benötigte Abwechslung für den Teaser. Es sorgt nicht unbedingt für Spannung, aber ist zumindest nicht nur belanglose Plauderei im Caféhaus.

Mehr als bloß Beschäftigungstherapie

Im größten episodischen Fall der Folge geht es um die Suche eines jungen Mannes nach seinem leiblichen Vater. Von Autorin Lomot ist die Geschichte dergestalt konstruiert, dass nach diversen Verhören und Ermittlungen die Resolution des Falls von einer moralischen Entscheidung einer unserer Hauptfiguren abhängt. Helga erzählt dem jungen Mann nicht von der Vaterschaft, um das existierende Familienglück nicht zu gefährden. Das ist nächste Woche zwar schon wieder vergessen, aber zweifelsohne mehr als bloß Beschäftigungstherapie.

Ein anderes Mittel, dem sich „CopStories“ bedient, um die wöchentlichen Fälle ein wenig aufzupeppen, ist die Verwendung wiederkehrender Nebenfiguren, die jetzt nicht gerade im Brennpunkt der polizeilichen Ermittlungen bleiben. Am Prominentesten davon ist wahrscheinlich Vickerl. Dass er jede Woche zufällig in die Ermittlungen verwickelt wird, ist ein Running Gag der Serie, der so langsam seinen Witz verliert. Als Berischer ihn als Spitzel einstellen wollte, kam zunächst Hoffnung auf, dass es damit endlich eine logische Erklärung gibt, warum Vickerl immer wieder in Fälle verwickelt wird. In „Haaße Luft“ endet jedoch schon schnell die Zeit als Berischers Informant: Vickerl erzählt Lukas und Eberts bereitwillig, was er tut. Das passt zu seinem Charakter, aber wird wohl dafür sorgen, dass Vickerl weiterhin bloß künstlich in die Fälle miteinbezogen werden wird.

Weitere wiederkehrende Figuren dieser Art sind die gern gesehenen Herr und Frau Hofer, die bereits zwei oder drei Gastauftritte in der Serie hatten. Dabei verwendet „CopStories“ einen erzählerischen Kniff, den die Serie in ihrer 3. Staffel für sich entdeckt zu haben scheint: Sie führt zwei unterschiedliche Fälle ein, nur im Verlauf der Folge zu enthüllen, dass sie miteinander zu tun haben. Das ist immer ein sehr cooler Moment. In „Haaße Luft“ sind das die Fälle um die entführte Prinzessin bzw. die zerstörte Markise der Imbissbude.

Ausgesprochen gelungen ist dabei die Reaktion der Polizisten, die dieselbe Rolle wie die Zuseher einnehmen: Sie wissen, wie impulsiv die Hofers sich nicht nur streiten, sondern auch versöhnen können. Besonders goldig ist Mathias‘ (Martin Leutgeb) Reaktion auf Hofers nicht gerade zweideutigen Joghurt-Kommentare: die perfekte nonverbale Art zu sagen, was für eine Schmierenkomödie die Hofers da mal wieder abgezogen haben. Die Hofers sind die ultimativen „CopStories“-Bewohner: überdreht, lustig, irgendwie realitätsnah und so ein bisschen typisch österreichisch.

Insgesamt bleibt von „Haaße Luft“ einerseits der Cliffhanger in Erinnerung, und andererseits, wie gelungen die Verfolgung eines thematischen roten Fadens ist. Gemeinsam mit den oben beschriebenen Optionen zur Gestaltung der wöchentlichen Fälle ist „Haaße Luft“ ein Paradebeispiel dafür, auch abseits der Staffel-übergreifenden Handlung Folge für Folge zu unterhalten, ohne sich in Belanglosigkeit zu verlieren. In diesem Sinne: Hoffentlich behält „CopStories“ seine Wetterstürze bei.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Screenshots

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