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Kritik: The Team II  – Teil 2/Folge 3+4

Statt einem neuen Sendeplatz hätte „The Team II“ noch etwas Drehbucharbeit vertragen können. Nichtsdestotrotz bleibt es spannend in dieser mehrfach grenzwertigen, aber grenzüberschreitenden Premiumproduktion.

Herzlich willkommen zu unsere wöchentlichen Besprechung der zweiten Staffel von „The Team“. Was wir zum ersten Teil zu sagen hatten, könnt ihr hier nachlesen.

Zu Beginn verzeihe man mir den kleinen Exkurs. Vor einige Wochen habe ich anlässlich des Staffelstarts von „CopStories“ über die merkwürdige Serienplanung des ORF geschrieben. Jetzt erwischt es „The Team“ inmitten der Ausstrahlung. Eigentlich war der Hauptabendslot um 20:15 vorgesehen. Weil aber das hervorragende „Babylon Berlin“ so gut läuft – die drei Folgen erreichten am Sonntag Abend durchschnittlich 372-472.000 Seher – werden die nächsten drei am Donnerstag vorgezogen und der zweite Teil von „The Team“ ins Spätprogramm verschoben.

Da hat der ORF also von allen beteiligten Sendern und Ländern das Recht auf Erstausstrahlung eines internationalen Großprojektes und schafft es nicht, vier Sendeplätze zu garantieren. Auch „Babylon Berlin“ hat sich das nicht verdient, dass sie sich mit mehreren Premiumproduktionen um Aufmerksamkeit prügeln müssen. Ist es wirklich so schwer, dass alle Top-Produktionen einen verlässlichen Sendeplatz im Hauptabend bekommen und nicht in der „Todeszone“ nach 22:00 unter der Woche?

Aber jetzt zur aktuellen Doppelfolge.

Zu Beginn ist unser Team noch in der Konsolidierungsphase. Weil es das dänische Arbeitsrecht so vorsieht, macht Nelly mitten im größten länderübergreifenden Fall ihrer Karriere einen entspannten Bootsnachmittag. Während Paula weiter über ihren hochauflösenden Satellitenbildern brütet – Millenial beim Geheimdienst halt – hadert Jürgen Vogels Jürgen Vogel (der heißt hier Gregor) mit dem Telefonempfang (bekommt aber trotzdem die wichtigen Informationen). Die Chefin dann im Hotel anbraten ist unprofessionell. Zumindest bis er melancholisch von seinen 5 Kindern und 3 (Ex-)Frauen erzählt. Also was jetzt?

Apropos Unprofessionalität. Gregors Verhalten in diesen 100 Minuten gehört in jede Polizeischule – als Beispiel, was man alles nicht macht. Schon klar, zwischen der dänischen Eiskönigin und der Hochbegabten hinterm Laptop muss irgendwer auch Emotionen zeigen. Aber das soll Hamburgs bester Mann sein?

Hamburgs bester Mann auf der Suche: „Wo gibt’s hier was zu essen?“ Foto: ORF/Network Movie/Sofie Silbermann

Nimmt die Tochter auf eine Mordermittlung – im Ausland – mit freilaufendem Massenmörder mit. Prompt ist sie in mehrfacher Gefahr (wenn auch die Gefährlichkeit des Vogelbeobachters nur uns bekannt ist). Den Schützen verfolgt er ohne Verstärkung, stellt ihn und anstatt zu schießen legt er sofort die Waffe zu Boden. Und weil er so der gute Old-School-Bauchgefühl-Cop ist, kann er Morten überreden, die Waffe niederzulegen. Und das dämliche Grinsen auf Nellys Anweisungen hätte er sich auch sparen können. Als er dann in der kontrollierten Verhörsituation austickt, war der Bogen eindeutig überspannt.

Bei Helle ist die Lage wie befürchtet eskaliert. Morten überrascht Malu, Helle überrascht Morten und alle drei reagieren über. Was genau Helle und Morten eigentlich jemals füreinander empfunden haben sollen, kann ich einfach nicht nachvollziehen. Da hätte es etwas mehr Hintergrund gebraucht. Morten ist nach dem Kampf mit Malu jedenfalls so sehr im Blutrausch, dass er sofort zum Heckenschützen mutieren MUSS. Man könnte das jetzt noch näher ausführen, aber es ist wohl allen klar, dass wir von großer Drehbuchkunst weit entfernt sind.

Hinter den Kulissen setzt Kunstsammler Adams die Meyers unter Druck. Diese erzwungene Eskalation innerhalb der Antagonistengruppe hätte es nicht gebraucht. Aufgrund der Ereignisse in Dänemark ist die Beschaffung wesentlich schwieriger geworden. Obwohl es für die Kunsträuber kein Problem ist, einen Werttransporter zu berauben, scheinen sie sich ernsthafte Sorgen zu machen. Die Meyers haben das Geld offenbar schon ausgegeben, aber wie sehr sie sich wirklich vor Adams fürchten müssen, wissen wir noch nicht. Und der Kontakt zwischen dem Team und den Kunsträubern wurde auch schon hergestellt. Zeit wurde es.

Unterwegs zum Springreitturnier? Erwin Steinhauer als Richie Adams. Foto: ORF/Network Movie/Superfilm

Malu ist einmal außer Gefecht und noch einmal knapp davongekommen. Damit kann sie nicht auch noch weitere dumme Entscheidungen treffen. Das macht ihre Mutter aber weiterhin, scheint in der Familie zu liegen. Inwiefern Helle weiter eine Rolle spielt ist fraglich. Ebenso hinterfrage ich die Motivation des Vogeltypen, ins Krankenhaus zu gehen. Malu zu ermorden bringt einfach nichts und wenn sie die vierte Tafel bei sich hätte, hätte die Polizei sie schon längst in Verwahrung.

Insgesamt tut sich das Drehbuch an mehreren Stellen schwer und ich kann das nicht mehr durch Übersetzungsverluste erklären. Die gute Nachricht ist aber, dass es noch 2×100 Minuten gibt, an denen sich alles wenden kann. Ich bleib mal optimistisch, egal zu welcher Sendezeit.

Lists List

  • Wir halten uns immer noch an die Ausstrahlung des ORF zu vier Terminen, an denen jeweils Doppelfolgen – zu einem Film zusammengeschnitten – gezeigt werden. Die weiteren Teile sind am 11. und 18. Oktober zu sehen. Wer 8 einstündige Folgen bevorzugt, kann die Serie ab 18. Oktober auf ARTE in dieser Form wöchentlich sehen. Ebenfalls in 4 Teilen zeigt das ZDF die Staffel ab 21. Oktober immer sonntags.
  • Die erste Folge von „The Team II“ sahen 276.000 bei der Erstausstrahlung um 20:15. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht berauschend.
  • Leider konnte ich es auf die schnell nicht recherchieren, aber Milliardär Adams wohnt auf Gestüt Hochstetten, oder? Wer weiß wo „Trakehnerblut“ und „The Team II“ genau gedreht wurden? Oder schauen nur alle Häuser in der Größenordnung innen und außen gleich aus?
  • Ich freue mich auf ein anregende Diskussion. Alle Möglichkeiten mit mir und dem BFP-Team in Kontakt zu treten findet ihr HIER.

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