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Kritik: Schnell ermittelt 6×04 „Gabrielle Mirnhofer“

In einer unterdurchschnittlichen „Schnell ermittelt“-Episode knirscht und knarzt es an allen Ecken und Enden des Drehbuchs. Ein unnötig komplexer Fall lässt nur wenig Raum für den Fall Schnabel, in dem sich einiges tut.

Noch einmal vertritt Hari den schwer beschäftigten Hannes. Außerdem hatte wir diesmal keinen Screener zur Verfügung, daher erscheint diese (und vermutlich auch die folgenden) Besprechung so schnell wie möglich nach Ausstrahlung. Der Nachteil ist, dass wir nicht so lange daran feilen wie sonst.

Zuerst witzeln Angelika und Frani über ihre Steuern und dann ist das Mordopfer Finanzbeamtin. Da sollte es ja eigentlich eine natürliche Liste an möglichen Tätern geben, aber Gabrielle Mirnhofer war auch sozial im Drogenmilieu engagiert. Die Liste der potentiellen Täter wird immer länger als sich herausstellt, das sie auch im Büro ganz und gar nicht beliebt war. Also laufen Angelika und Franitschek ganz klassisch einmal im Kreis.

Am Ende haben sie dann gleich drei Fälle gelöst. Der Mord an der zweiten Schwangeren durch den Opernproduzenten, den Mord an Gabrielle Mirnhofer durch den Joker und den Mord am Joker durch den von Lukas Watzl toll gespielten, aber dann doch relativ sinnlosen Sunny. Bis es soweit ist wird aber noch mit Ringelnatz-Zitaten um sich geworfen und von der Spurensicherung bekommt außer Stefan – wieder ist kein Countrysong zu hören – auch Dr. Fink wieder einmal etwas zu tun.

Auch im Fall Schnabel geht etwas weiter. Suchtgiftermittler Zlatko, schnappt einen, nein, DEN Apothekenräuber. Die Schlinge zieht sich also enger. Maja ist weiterhin nur passive Mitfahrerin in ihrer eigenen Ermittlung, kommt aber immerhin wieder einmal vor. Die Erlaubnis Anamo und Jan abzuhören lässt Maja mal wieder zwei Sätze sagen. Es ist aber nur eine sehr schnelle dramaturgische Abkürzung, Angelika über die wiederentflammte Beziehung der beiden zu informieren. Die nimmt das auch entsprechend ernst, wohingegen Stefan immer noch im Verleugnermodus ist und die Situation schönredet. Nur wenige Momente in dieser Woche, die uns aber einem großen Showdown immer näherbringen. Immerhin.

Vergebene Chance übrigens, den Fall der Woche nicht mit dem Fall Schnabel zu verweben. Die Therapiestätte für ehemalige Junkies hätte einen guten Anknüpfungspunkt zu Zlatkos Ermittlungen ergeben können und er wäre als Figur nicht so isoliert. Und was hat er eigentlich für einen Grund, Angelika am Ende zu warnen, dass er jetzt die Dennis Maida-Akten anfordert?

Der überkomplexe (und dadurch immer wieder unlogische) Fall lässt uns einfach nicht durchatmeten und wird uns sicher nicht lange im Gedächtnis bleiben. Wirklich gestört haben mich aber die Dialoge. Dass Figuren unnatürliche, erwartbare oder halblustige Sätze von sich geben ist generell nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Der Kniff, durch Überhöhung eine Figur zu schaffen, die nur sowas von sich gibt (der Joker), das wäre eigentlich sogar eine witzige Idee. Aber dann die sichtlich angefressene Angelika jeden Satz aus dem Mund eines/r Verdächtigen kritisieren zu lassen, das ist dann auch wieder – naja – uninspiriert. Warum nicht einfach gleich einen guten Fall mit etwas weniger, dafür besseren Episodencharakteren zu Papier bringen?

Das war hoffentlich ein Ausreißer und in der nächsten Folge wird wieder alles besser. In über 50 Folgen darf auch der ein oder andere Rohrkrepierer dabei sein. Wir sind aber nächste Woche jedenfalls wieder dabei und freuen uns, wenn ihr wieder hier vorbeischaut.

Lists List

  • Nicht klar ist mir, wann genau die Visionen von Angelika eingesetzt werden und wann nicht. Das wirkt in letzter Zeit alles etwas willkürlich.
  • Kommt es nur mir so vor oder waren ausnahmslos alle Charaktere irgendwie angefressen? Schaut euch die Folge noch einmal an, alle unsere Hauptcharaktere waren schlecht drauf. War das Absicht?
  • Also die Figur hat den Spitznamen „Joker“ und das liegt offenbar an seinem unlustigen Gemüt. Aber wessen Idee war es dann, den Charakter in Violett und Grün einzukleiden?
  • Ebenfalls ein wenig Screentime erhält Flora (Katharina Haudum). Mit dem diesmal wieder abwesenden Blutspritzerexperten Gregor Obertschnigg ist die Spurensicherung ganz schön aufgerüstet, was auf Kosten von Andreas Lusts Drehtagen geht. Was das längerfristig wohl heißen mag, darüber darf spekuliert werden.

Fotos: ORF/MR Film/Petro Domenigg

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