Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Kritik: CopStories 3×08 „Undiplomatisch“

Wenn man alle Stärken und Schwächen von „CopStories“ in eine Episode steckt, dann kommt „Undiplomatisch“ heraus. Die heutige Episode ist gekennzeichnet durch poetische Momente und ein paar klischeebehaftete Handlungsstränge.

Vorspann zum Showdown

Wenn es um die große Iveta-Storyline der Staffel geht, schwankt „CopStories“ zwischen spannend ausgedacht und halbherzig umgesetzt. Gerade mit Szenen, in denen eine Partei eine andere heimlich beobachtet, scheint sich die Serie merkwürdigerweise schwer zu tun, sie glaubwürdig zu inszenieren. Berischer und Pepe beobachten das Frauenhaus zwar (diesmal) nicht in Berischers auffälligem Privatauto, trotzdem wirkt es befremdlich, wie diese zwei markanten und amtsbekannten Typen in aller Öffentlichkeit Iveta auflauern – gerade jetzt, wo die Polizei ja weiß, dass sie eine undichte Stelle hat.

Andererseits findet „CopStories“ am Ende der 8. Folge dieser Staffel einen Höhepunkt, auf den die Serie schon die gesamte Staffel hinzuschielen schien. Warum Berischer und Obradovic gerade jetzt zusammenarbeiten möchten, bleibt vorerst noch geheim – aber es wäre gelogen, wenn das keine spannende Entwicklung ist. Mit Berischer und Obradovic hat die Serie zwei Antagonisten aufgebaut, die unterschiedlicher kaum sein könnten, obwohl sie beide im selben Geschäft sind. Das macht bereits ihre Unterhaltung in dieser Episode zu einer einnehmenden Konfrontation, und es schürt auf jeden Fall die Erwartungshaltung. Obradovic muss schon einen guten Plan haben, um Berischer von seiner Rambo-Aktion abzuhalten – nicht, weil die so ausgeklügelt gewesen wäre, sondern weil Berischer so überzeugt von ihr war.

Die Cops werden unterdessen von internen Problemen abgelenkt. Es zeigt abermals, warum die Einführung Itchys ein voller Erfolg war. Itchy sorgt nämlich gleich in mehrerer Hinsicht für Tohuwabohu. Erstens ist da seine zu persönliche Beziehung zu Iveta, die gerade Leila übel aufstößt. Mir gefällt, wie konstant sie dabei als die wohl professionellste Beamtin der Kripo charakterisiert wird. Die Serie hat nicht viel Zeit, Iveta und Itchy Chemie aufbauen zu lassen – trotzdem ist das bislang ziemlich gelungen. Den anderen Polizisten werden auch ein paar fantastische Dialoge spendiert. Asras Dialog mit Eberts ist gelungener denn je, und Lukas‘ und Eberts‘ Suche nach einer Ausrede ist der Knüller.

Zweitens ist da die Feindseligkeit zwischen Itchy und Lukas. Die wirkt gelegentlich ein wenig provoziert, aber hat mit dem Maulwurfs-Verdacht durchaus einen nachvollziehbaren Grund (zumindest für Itchy). „CopStories“ gelingt es, nicht nur was die Antagonisten betrifft, sondern auch in Sachen Itchy, merklich die Schlinge langsam enger zu ziehen, sodass alles auf einen Showdown in den letzten beiden Folgen hinausläuft – hoffentlich kann die Serie, im Gegensatz zur letzten Staffel, diesen tatsächlich abliefern.

Die großen und die kleinen Fälle

Wie schon in mehreren (allen?) der bisherigen Folgen der 3. Staffel finden sich im Verlauf der Folge mehrere Handlungsstränge zu einem einzigen zusammen. Der Anwalt im Käfig, der Autounfall und die Leiche im Kofferraum gehören alle der selben Geschichte an. Diese Methodik erlaubt es „CopStories“ nicht nur, detailreichere Geschichten zu erzählen, deren Ausgänge unvorhersehbarer sind, sondern gibt den Folgen auch eine stärkere Identität, ohne auf die „CopStories“-typische Erzählstruktur verzichten zu müssen. Mit mehr Zeit kann die Serie eine facettenreichere und emotionalere Geschichte erzählen, und so kann auch ohne Verbindungen zu einer größeren Storyline der Fall um die Diplomatenleiche durchaus überzeugen.

Am deutlichsten sieht man den positiven Effekt dieser Erzählstrategie, indem man sie mit den kleineren, weniger involvierenden und teilweise sehr künstlich wirkenden Fällen der Folge vergleicht. Da ist zum Beispiel der „Fall“ über die zwei Fußballfans, wenn man ihn den so nennen kann. Selbst wenn man die Idee um die Krankl- und Prohaska-Tribute witzig findet, ist es ermüdend, der Serie zuzusehen, wie sie diesen Witz minutenlang zu erzählen versucht – und sich dann auch noch dabei wiederholt, den Witz zu erklären! Es ist offensichtlich, wie „CopStories“ da eine ohnehin nur halbwegs pfiffige Idee nicht zu einem interessanten Fall verarbeiten kann, und das Resultat raubt da lediglich den interessanteren Geschichten Zeit.

Ein weiteres Beispiel ist der falsche Entführungsverdacht. Ein Fall, wie man ihn so oder so ähnlich schon fünf Mal im Fernsehen gesehen hat, aber okay ist. Dass Vickerl rein zufällig involviert wird, reißt allerdings ungemein aus der Geschichte heraus – vielleicht ist ein Running Gag keine gute Idee, wenn er die Glaubwürdigkeit der Serie komplett untermauert. „CopStories“ verwendet Vickerl Folge für Folge als weitere Strategie, um die einzelnen Fälle enger in die laufenden Nebengeschichten einzubinden – mit dem Unterschied, dass die verflechteten Handlungsstränge authentisch sind, Vickerl hingegen immer künstlich in die Fälle verstrickt werden muss.

Wir haben uns über Vickerl nicht zum ersten Mal geärgert – zumindest, bis zur letzten Szene dieser Storyline, als Leila, Helga und auch Vickerl über ihre ersten Male sinnieren. Das funktioniert auf vielerlei Ebenen. Zum einen will man mit den drei ein wenig mitkichern, zum anderen vermittelt das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen auf ganz unaufdringliche Weise, dass die Liebe keinen Unterschied zwischen Gesellschaftsschichten macht. Vickerls Worte lassen erahnen, dass seine Jugend wohl schon schwierig gewesen sein muss, ohne dass er Mitleid heimschen möchte. Am bewegendsten ist aber wohl Leilas Geschichte, weil eine Konversation mit Flo in Folge 3×03 („Schmähstad“) ihren Worten Lügen straft. Der Subtext und Kottals flüchtig gespielter Schmerz machen diese unscheinbar wirkende Szene zum poetischen Highlight der Folge.

„Undiplomatisch“ befasst sich erstmals in dieser Staffel enger mit Andreas Bergfeld. Dessen Leiden läuft seit Beginn der Staffel im Hintergrund mit, aber mangels Ansprechpartner Bergfelds gab es dazu noch nicht viel Momentum. Das geht ganz mit dem einher, was er Selma in dieser Folge endlich sagen kann. Er will, dass alles so bleibt, wie es derzeit ist. Er will nicht nur die Zeit einfrieren, sondern vor allem seine Gefühle – auch wenn das bedeutet, dass dieser Tanz zwischen Selma und ihm weitergehen wird. Und so endet „Undiplomatisch“ für Andreas, wie die Folge auch für ihn begann: ohne Selma, aber mit diversen Pillen, damit er es durch den Alltag schafft. In Gloria hat er endlich jemanden gefunden, mit dem er über seine Schuldgefühle sprechen kann – ob diese Eberts gegenüber ihre Schweigepflicht halten kann?

Weniger vielseitig stellt sich Bergfelds Unterhaltung mit Staatsanwalt Hofmeister dar: Die verläuft nämlich genau so, wie sie es in bislang beinah allen Folgen der 3. Staffel verlaufen ist. War Hofmeister schon immer so eindimensional, oder weiß die Serie bloß nicht, was sie mit ihm anstellen soll? Augenrollen lässt sich bei ihrer Unterhaltung kaum vermeiden, und das schwächt auch die Wirkung von Hofmeisters Worten. Was nach einem knallharten Ultimatum klingen soll wirkt in „Diplomatisch“ bloß wie eine leere Drohung.

Ansonsten bleibt bloß Verwunderung übrig, was sich „CopStories“ wohl mit der Patrizia-Figur gedacht hat bzw. mit ihr noch vorhaben könnte. Die junge Polizistin ist eindeutig die uninspirierteste und platteste Beamtin der Hauptfigurenriege, ohne dass „CopStories“ den Anschein erwecken würde, das ändern zu wollen. Scheinbar fühlte sich die Serie verpflichtet, Tina zu ersetzen, ohne dass eine spannende Alternative bereit gestanden hätte. Mehr als ein paar wortlose, einsame Momente bzw. Parallelen mit Sylvester gab es von ihr bislang noch nicht zu sehen – da hat die Serie noch gehörig Nachholbedarf in den letzten beiden Folgen.

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.