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Kritik: The Team II – Teil 3/Folge 5+6

„The Team“ hat Probleme. In der Handlung und als Serie. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen (und aufhören) soll: Logiklücken, ewig ausgedehnte Nebenstränge und die Synchro ziehen einem dermaßen die Eier zusammen, da könnte Jürgen Vogel mit der zärtlichsten Amtsbehandlung nicht helfen. Aber der Reihe nach.

Herzlich willkommen zu unsere wöchentlichen Besprechung der zweiten Staffel von „The Team“. Hier entlang zu unseren Besprechungen des ersten und zweiten Teils.

Zwischen den Teilen ist einiges passiert. Malu wurde in eine geheime Wohnung nach Hamburg verlegt. Das muss man nicht verstehen. Erstens war sie in keinem guten Zustand. Zweitens hätte man auch das Krankenhaus besser absichern können. Drittens kann sie kaum mehr Informationen liefern, die für unser Team von Belang wären. Und viertens haben die Bösen schon bewiesen, dass sie einen bewachten Transport angreifen können. Medizinisch, taktisch und sicherheitstechnisch alles äußerst fragwürdig.

Gleich unverständlich ist, warum Vogelkundler Said sich plötzlich auf die Suche nach der Mutter macht. Im Krankenhaus wurde er nicht fündig und Malu umzubringen war weder sinnvoll noch hatte er die Zeit. Er war in der Lage einen Werttransporter zu überfallen, aber einem wahrscheinlich schwerbewachten Krankentransport kann er nicht folgen und so sich an die Spuren von Malu, den Ermittlern und damit auch der vierten goldenen Tafel heften?

Malus Mutter Mariam ist also jetzt sein Ziel. Wir wussten über sie genau gar nichts, aber jetzt stellt sich heraus, dass sie wohl Ärztin ist oder sich zumindest in ihrer Vergangenheit im medizinischen Umfeld bewegt hat. Ihre Freundin hilft ihr widerwillig und will eigentlich das Richtige tun und die Minderjährigen dem Jugendamt übergeben. Dass sich Mariam dagegen so sehr strebt mag man zwar verstehen, aber es ist doch ein sehr billiger dramaturgischer Trick. Die Mutterliebe nehmen wir ihr ob ihrer sinnfreien Handlungen bisher auch so ab.

Zuerst entfernt sie sich – eigentlich tragisch – wieder von ihrer Tochter und schwebt in Lebensgefahr. Dass sie gerade noch rechtzeitig die Warnung im Fernsehen sieht und wir nicht auch noch einen weiteren grausamen Mord an den Kindern mitansehen müssen, das ist mir nur recht. Das Wiedersehen der beiden wird hoffentlich ein emotionales Highlight der letzten Folgen. Wichtiger wäre mir aber, dass die beiden aufhören sich so strunzdumm zu verhalten und mit dem Team zusammenarbeiten. Vielleicht sind sie ja zusammen besser im Treffen von Entscheidungen – Allah möge ihnen Einsicht bescheren.

„Kinder, ich zeig euch jetzt mal wie man dumme Entscheidungen trifft.“ Foto: ORF/Network Movie/Marion von der Mehden

Apropos Familienliebe. Dass Said nicht einfach nur ein böser Dämon ist, sondern auch irgendwo herkommt, das macht natürlich Sinn. Ihn als liebenden Familienvater zu porträtieren, der das eigentlich auch nur tut, um seiner Familie zu helfen, ist ein gängiges Motiv. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, gut und böse. Allerdings ist dagegen einzuwenden, dass wir ja bereits mehrere Bösewichte haben (die Meyers, Kunstsammler Adams und die fiktive IS-Variante Caliphate Union) und Said als reines Killerwerkzeug durch die Gegend laufen könnte.

Dazu passt auch das kalkulierende Vorgehen und die präzise Planung. Unprofessionell ist hingegen, dass er seine Mission mit Anrufen daheim gefährdet. Noch dazu wo sich in dieser Folge herausstellt, dass er es ja besser wüsste. Der Zufall, dass er genau in dem Moment sein Handy und seine Kleidung weitergibt, als sich die Schlinge zuzuziehen scheint, ist etwas zu viel des Guten, liebe Autor:nnen. Und die Draufgabe als Vergewaltiger, war das echt nötig?

Außerdem haben wir jetzt auch die amtliche Bestätigung, dass Neonazi Morten nicht der Mörder auf der Marshfarm war. Die Extrazeit mit ihm war unterm Strich eigentlich unnötig. Die ausländerfeindlichen Freundinnen im Second-Hand-Shop oder die andauernde Polizeipräsenz im Ort nach den Morden, all das hätte als Bedrohung für Malu gereicht und sie das tun lassen, was sie getan hat – was seinerseits konsequenzlos war. Bei der Suche nach der dritten Tafel hätte die Polizei sie einfach schnappen können. Die zusätzliche Gewalt an den beiden Frauen hat es nicht gebraucht.

Karim hat sich selbst und die Serie schon aufgegeben. Foto: ORF/Network Movie/Sofie Silbermann

Und jetzt zu den Dingen, die einfach völlig uninteressant sind und nur irgendwie die Zeit füllen sollen. Ganz oben auf der Liste steht Gregors Familiengeschichte mit der naiv-ideellen Tochter. Unser Terror-Emo Karim ist zwar in verständlicher Trauer, aber damit kann er meine Aufmerksamkeit auch nicht halten. Das Hin und Her mit Paula und ihrer Karriere ist auch einfach nur irgendwas. Mag sein, dass da einige Nuancen in der Übersetzung verloren gegangen sind, aber da wird ein nach drei Viertel der Laufzeit völlig langweiliger Nebenstrang in die Länge gezogen. Kurz: alles Private ist eigentlich ziemlich langweilig.

Die verbliebene goldene Tafel steckt übrigens noch immer unter der Matratze in Helles Haus in Høyer.

Lists List

  • Wir halten uns immer noch an die Ausstrahlung des ORF zu vier Terminen, an denen jeweils Doppelfolgen – zu einem Film zusammengeschnitten – gezeigt werden. Der letzte Teil ist am 18. Oktober zu sehen. Wer 8 einstündige Folgen bevorzugt, kann die Serie ab 18. Oktober auf ARTE in dieser Form wöchentlich sehen. Ebenfalls in 4 Teilen zeigt das ZDF die Staffel ab 21. Oktober immer sonntags.
  • Die Verschiebung der Ausstrahlung von 20:15 auf 22:45 hat sich natürlich auf die Quoten niedergeschlagen. Hatte der erste Teil noch 276.000 Seher durchschnittlich, waren es eine Woche und 2,5 Stunden später nur mehr 158.000. Schade.
  • Nach dem dritten Mal gefällt mir der Titelsong eigentlich ganz gut. Es handelt sich dabei um den Song „Hellfire“ von Barns Courtney.
  • Die Wettquoten sinken immer weiter, dass Nelly oder irgend eine andere Kollegin im vierten Teil Gregor eine schmieren wird. Sein Verhalten ist teilweise nicht nur grenzwertig, sondern inakzeptabel.
  • Mit Andreas Kiendl als Tommy Schmidt haben wir jetzt auch einen Österreicher auf der Seite der Guten. Scheint auch kompetent zu sein, zumindest ist er ein sehr guter Observant. Ob er noch mehr zu tun bekommt als der Anknüpfungspunkt für das Team zu sein wird sich weisen.
  • Ich freue mich auf ein anregende Diskussion. Alle Möglichkeiten mit mir und dem BFP-Team in Kontakt zu treten findet ihr HIER.

2 Kommentare

  1. To Semja 21. Okt 2018

    Zum Einstimmen habe ich mir erstmal die 1. Staffel „reingezogen“.
    Nun bin ich bei Teil 5 der 2. Staffel. Ich glaube nicht, dass ich durchhalte…es ist einfach langweilig. Der Spannung hilft es auch nicht, wenn die Polizisten im Dunkeln im Alleingang jemanden verfolgen. Es gibt auch so viele Fehler, die sogar einem Durchschnittszuschauer auffallen… Den zwei blutleeren Polizistinnen nimmt man auch nichts ab und Jürgen Vogler gibt den dummen bornierten Deutschen.
    Die 2. Staffel kann nicht mit der 1. Staffel mithalten.

  2. Jane Dane 21. Okt 2018

    Die zweite Staffel ist fürchterlich, sehr schlecht gemacht. Und DURCHSYNCHRONISIERT!!! Wie assi ist das denn. in der ersten Staffel noch schön europäische, mindestens vier Sprachen warren zu hören, jetzt nur noch dieses künstliche Lippendeutsch. Ich werde es mir nicht ein 2., 3., und 4. Mal anschauen, sondern es bei der ersten Folge sein lassen. Meine Zeit ist mir zu wertvoll für so etwas unprofessionelles!!!

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