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Kritik: Schnell ermittelt 6×05 „Sissi König“

Klassische Füllerepisode. Im Fall Schnabel geht etwas weiter und wir können langsam erkennen, worauf das hinausläuft. 

Weil Hannes wieder herumstrawanzt müsst ihr noch einmal mit mir als Rezensenten leben. Wieder hatten wir leider keinen Screener und ich habe die Kritik während und direkt nach der Ausstrahlung verfasst. Deshalb ist sie auch wieder etwas kürzer.

Angelika ist wieder schlecht gelaunt. Sie war ja noch nie die Einfühlsamste, aber wie sie mit dem Sohn umgeht ist schon nicht mehr grenzwertig, sondern weit jenseitig. Und es färbt wieder ein wenig auf Franitschek ab. Dass man in 42 Minuten keine Zeit hat jemanden trauern zu lassen leuchtet uns ein, aber ihm gleich am Anfang der Folge so ins Gesicht zu fahren braucht es dann auch nicht.

Der Fall an sich ist relativ banal. Falsche Fährten mit Spielschulden und eventueller Eifersucht der neuen Freundin, Erbschleicherei und ein gekränkter Geschäftspartner. Alles schon einmal dagewesen und der Fall wird uns trotz der exzellenten Episodenbesetzung (Marcel Mohab, Erika Deutinger, Martin Zauner, Erol Nowak, Mehmet Ali Salman) eher nicht im Gedächtnis bleiben. Jedenfalls ist es aber eine Steigerung im Vergleich zur Vorwoche, dafür bin ich schon dankbar.

Jan genießt derweilen das Leben. Ein Aperolspritzer, ein Zigaretterl und Anamo schaut auch vorbei. Noch ahnen sie nicht, wie eng sich die Schlinge bald ziehen wird. Stefan tritt auch wieder mehr als Hausmann, Vater und Verleugner in Erscheinung, denn als Pathologe („Es gibt auch noch andere Morde in Wien“). Verständlicherweise will Angelika Anamo nicht im Haus haben. Dass ihr Stefan ihren überbordenden Alkoholkonsum vorwirft ist zwar nicht nett, aber wo er Recht hat, hat er Recht.

Der dritte im Familienbunde der nicht sehr gescheiten Schnells ist Jan. Anamo mitzubringen und dann nach Angelikas Ausraster auch noch darauf zu bestehen, dass sie übernachten kann, dreht die Eskalationsspirale noch ein Stückchen weiter. Die Familie weiß es noch nicht, aber wir ahnen, dass da kaum mehr etwas zu kitten ist. Spätestens wenn Stefan seine selbstgewählte Ignoranz ablegt, wird es richtig krachen.

Zlatko hat den Apothekenräuber in die (eine) Halle gebracht. Schnabel Sr. zuckt aus. Die mangelnden Beweismittel – ein herausgefoltertes Geständnis eines Verbrechers ist da nicht ausreichend – sind noch das einzige, was das Unvermeidliche noch hinauszögert. Dafür probiert es der Senior dann später mit roher Gewalt. Kann er Anamo brechen?

Wir werden sehen. Das Fazit lautet: klassische Füllerepisode. Im Fall Schnabel geht etwas weiter und wir können langsam erkennen, worauf das hinausläuft. Es war wichtig und tut gut, dass der horizontale Strang wieder etwas mehr Raum erhalten hat. Für wilde Spekulationen und Diskussionen bieten wir euch hier die Plattform und freuen uns, wenn ihr die Einladung annehmt.

Lists List

  • Ich vergesse immer, dass Franitschek mit Vornamen Harald heißt. Als Flora hereinkommt hab ich für den Bruchteil einer Sekunde geglaubt, sie würde mich meinen.
  • Jan-Darsteller Simon Morzé ist übrigens gerade im Kino in seiner ersten großen Hauptrolle zu sehen. Wie haben „Der Trafikant“ schon im Podcast besprochen, die Folge erscheint am Mittwoch. Am besten ihr abonniert den Podcast, dann verpasst ihr die Folge nicht.
  • Beitragsbild: ORF/Hubert Mican

3 Kommentare

  1. VaRo 15. Okt 2018

    Danke für euren wöchentlichen Blick auf Schnell ermittelt. Ich spekuliere darauf, dass einer der Charaktere gegen Ende der Staffel umkommen wird. Schuld und Sühne – einmal Mörder, immer Mörder?! Die Spannung zwischen Flora und Frani lassen von der früheren Leichtigkeit der Serie erahnen. Bei all dem Drama und Scheinglück, bei dem der eigentliche Thrill und mancher Charme irgendwann auf der Strecke blieb, eine willkommene Abwechslung. Für Verwunderung sorgte dieses Mal bei mir, dass Angelika ihre Pferdehaar-Allergie aus der ersten Staffel scheinbar angebracht hat. Absicht?! Ich bin gespannt auf eure weiteren Beiträge!

    • Hari List Autor des Beitrages | 16. Okt 2018

      Danke dir für deinen Kommentar. Dass Angelika eine Allergie hatte, also das hatte ich echt nicht mehr am Schirm. Tolles Gedächtnis!
      Die Leichtigkeit geht mir auch ab, da sind die kleinen, heiteren Momente mit zB Flora oder die größeren (der Tanz des Blutspritzerexperten in 6×02) jederzeit gerne gesehen.
      Wer am Ende der Staffel nicht mehr dabei ist, also da hab ich meine eigene Theorie. Ich glaub das Stefan sich in irgendeiner Art und Weise „opfern“ wird und dann entweder tot, auf der Flucht oder im Gefängnis ist, jedenfalls Andreas Lust nicht mehr in der Serie dabei ist. Dafür gibt es leider mehr Indizien als mir lieb ist. Das spricht aber natürlich nicht gegen deine Theorie. Vielleicht endet die Staffel doppelt tragisch.

      • VaRo 19. Okt 2018

        Danke bzgl. Gedächtnis! Es war eine witzige Folge, weil Angelika sogar die Globuli von Frani dankend annahm. Ich bin schon lange ein Fan der Serie, weil mich der große ‚Staffelfall‘ und die Einblicke ins Privatleben der Chefinspektorin im Vergleich zu anderen Krimiserien positiv überrascht hatten. Besonders war für mich auch der unorthodoxe Ermittlungsstil mit Visionen zu den Opfern.

        Ich hatte für die Figur der Angelika immer gehofft, dass sie zu sich und zu ihrer Mitte findet. Mir scheint aber, dass die Autoren seit der 5. Staffel anderes im Sinn haben. Ursula Strauß stellt dafür ihr schauspielerisches Talent und ihren Fleiß für uns besonders unter Beweis.

        Laut Gerüchten haben sowohl Andreas Lust als auch Wolf Bachofner ein Ende bei Schnell ermittelt angekündigt. Mal sehen, was tatsächlich stimmt. Deine Theorie, dass Stefan den Kopf hinhält, finde ich jedenfalls sehr spannend.

        Ich freue mich schon auf euren nächsten Beitrag zu Episode 6×06!

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