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Kritik: The Team II  – Teil 4/Folge 7+8

Den letzten Teil in seinen Einzelheiten zu kritisieren bringt uns nicht weiter. Da ging mehr, das haben wir inzwischen alle begriffen. Schauen wir also im Fazit auf das große Ganze.

Das ist unsere letzte Kritik zu „The Team II“. Hier entlang zu unseren Besprechungen des ersten,  zweiten und dritten Teils.

Irgendwo in den 7-8 Stunden steckt eigentlich ein spannender Film, zum Beispiel ein „Tatort“. Die vermissten Tafeln, ein gefährlicher Killer auf der Jagd und eine traumatisierte Familie im Namen der Kunst unterwegs. Dieses Handlungsgerüst hätte sich in jedem Land, in jeder Stadt in Europa entfalten können.

Warum also so aufblasen? Ich bin immer und überall für europäische Zusammenarbeit und finde auch, dass mein Steuergeld für solche Projekte wesentlich besser angelegt ist als für den x-ten österreichischen Problemkunstfilm. Aber der Mehrwert muss schon auch gegeben sein. „The Team II“ hat sich angefühlt wie am Reißbrett zusammengesetzt. Als würden Redakteure der sieben (7!) beteiligten Fernsehsender um Sendezeit streiten wie um Territorien.

Da sagen dann die vom ORF, dass das Ehepaar Meyer unbedingt noch ein paar Szenen braucht. Egal ob relevant für den Plot. Egal ob irgendwie logisch. Egal ob wenigstens unterhaltend. Weil so viele Szenen müssen in Österreich spielen. Uns so weiter.

Kamen die Meyers (Rubey, Waldstätten) oft genug vor? Foto: ORF/Network Movie/Superfilm/Toni Muhr

Dann erfüllen die AutorInnen die Wünsche. Da wird dann räumliche und geografische Kohärenz und (manchmal auch zeitliche) aus dem Fenster geschmissen. Warum wird Tebos genauso wie „der Türke“ in Belgien, im gleichen Raum wie Karim, verhört? Das macht einfach keinen Sinn. Außer es müssen so und so viele Drehtage an diesen oder jenen Orten absolviert werden.

Noch schlimmer ist die Inkompetenz, unnötige Brutalität oder Dummheit einiger Figuren. Vieles davon hab ich schon in den bisherigen Kritiken aufgezählt, aber das Paradebeispiel ist wieder einmal Jürgen Vogels Gregor. Der verdient sich nicht nur noch ein paar Sticker im Arschloch-Sammelalbum, sondern gefährdet auch alles noch einmal. Ist seine Brutalität im Umgang mit Verdächtigen wenigstens plottreibend, so ist sein Privatleben völlig uninteressant und seine Krankenbettläuterung völlig egal.

Dass sich im letzten Teil auch noch Nelly mit ihm einlässt haben wir erahnt und befürchtet, aber das war einfach nicht nötig. Da wird dann noch lang über das Leben abseits des Polizeidienstes philosophiert, weil eine engagierte, jetzt tote Kollegin kein Privatleben hatte. Das ist einfach nicht originell.

Paula bekommt auch noch ihre Genugtuung. Hat irgendjemand verstanden, warum sie so verbissen auf Vergeltung aus war? Sie hat sich verhalten, als wäre all das, was Malu passiert ist, ihr passiert. Und als sie das erste Mal vom Laptop aufsteht, darf sie den finalen Schuss abgeben.

Über die Synchronisation brauchen wir auch nicht reden. Als Tebos verhört wurde hat einfach gar nichts gepasst, das hörte sich einfach nur richtig grauslich an. Ich empfand die Synchronisation als lieblos, aber das kann man „unserem“ Sender, dem ORF, nicht vorwerfen. Sehr wohl aber die stiefmütterliche Behandlung der Serie.

Sie nach hinten zu verschieben hat ihr sichtlich nicht gut getan, wie man an den steil fallenden Quoten sehen kann. Fast zweistündige Filme im Spätabend, da muss man schon wirklich ein Fan sein. Es stellt sich die Frage, warum man sich an so einem Projekt beteiligt, wenn man es dann nicht wirklich pushen will? Gerade laufen mehrere Premiumeigenproduktionen, die Seriensaison ist auch im ORF wieder mit tollen US-Serienstarts angelaufen und während den vergangenen 4 Wochen gab es viele andere TV-Highlights. Da ging „The Team II“ einfach unter. Trotz allem ist das wirklich schade.

Am Ende hält Malu eine Rede, die zwar gut und wichtig ist, aber da bleibt einfach nichts, nachdem wir uns durch 8 eher mäßige Stunden TV-Unterhaltung gearbeitet haben. Starke Messages brauchen auch einen starken Kontext, in dem sie wirken können. Die Geschichte spielt natürlich vor einem allzu realen Hintergrund. Da wäre tatsächlich mehr an Erzählung, an historischem Hintergrund und an Charakterentwicklung gegangen. Man könnte auch andersherum argumentieren: 8 Stunden waren nicht genug.

Lists List

  • Danke fürs Mitlesen. Ich gestehe, dass es nicht immer Spaß gemacht hat die Serie zu schauen und die Reviews zu schreiben. Nach der ersten Folge war ich noch relativ zuversichtlich, aber „The Team II“ ging sehr schnell die Luft aus. Was angefangen wurde, das mach ich aber fertig und freue mich auf ein anregende Diskussion. Gerne auch mit Widerspruch. Alle Möglichkeiten mit mir und dem BFP-Team in Kontakt zu treten findet ihr HIER.
  • Ansonsten haben wir noch aktuelle Besprechungen von „CopStories“ und „Schnell ermittelt“ im Angebot. In unserem wöchentlichen Podcast besprechen wir Filme und Serien in der Tiefe und laden auch gelegentlich Gäste aus der österreichischen Filmlandschaft ein.
  • Wer 8 einstündige Folgen bevorzugt, kann die Serie seit dem 18. Oktober auf ARTE in dieser Form wöchentlich sehen. Ebenfalls in 4 Teilen zeigt das ZDF die Staffel ab 21. Oktober immer sonntags. Wahrscheinlich sind die Folgen dann auch in den Mediatheken der Sender verfügbar.
  • Die Verschiebung der Ausstrahlung von 20:15 auf 22:45 hat sich natürlich auf die Quoten niedergeschlagen. Hatte der erste Teil noch 276.000 Seher durchschnittlich, waren es eine Woche und 2,5 Stunden später nur mehr 158.000. Der dritte Teil hatte dann nur mehr 142.000 Zuschauer.
  • Beitragsbild: ORF/Network Film/Sofie Silbermann

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