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Von Premieren und Piloten: Meiberger-Zauber im Kino

ServusTV lud zur Premiere seiner neuen Serie „Meiberger – im Kopf des Täters“ und wir waren dabei. Die Serie startet in wenigen Tagen, hier unsere (spoilerfreien) Eindrücke.

So eine Filmpremiere läuft eigentlich immer gleich ab. Es ist eng im Entrée und das Angebot richtet sich nach der Finanzkraft der Produktionsfirma. Diesmal hieß der Gastgeber ServusTV, dahinter steht Red Bull. Der Wein war gut, die Häppchen exquisit, zahlreich und handlich – alles keine Selbstverständlichkeit. Nicht reden brauchen wir über die neue Red Bull Winter Edition „Rumtopf“.

Der Grund des Abends war der bevorstehende Start von „Meiberger – Im Kopf des Täters“, in der Eigenerzählung des Senders die zweite eigenproduzierte Serie. Fritz Karl gibt darin den titelgebenden Gerichtspsychologen Thomas Meiberger, der nebenbei auch ein brauchbarer Zauberkünstler ist. Das macht ihn zum idealen Ansprechpartner, wenn die Krimialpolizei und Staatsanwaltschaft in einem komplizierten Fall mal wieder nicht weiterkommen. Gedreht wurde in Salzburg und Umgebung, speziell auch in St. Gilgen am Wolfgangsee. Zumindest tolle Bilder sollten also garantiert sein.

Im Kinosaal war es dann weniger eng. Viele kommen nur zum Essen. Moderiert von Katrin Prähauser erzählte ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider dann von der Entstehungsgeschichte des Projekts „Meiberger“ und was seit letztem Jahr mit „Trakehnerblut“, der ersten eigenproduzierten Serie, so alles passiert ist (wurde u.a. nach China verkauft).

Dann wurde gezaubert. Es gibt da nämlich wirklich einen Salzburger Gerichtspsychologen, der privat zaubert. Und das mit Ferdinand Wegscheider. Ein Trick mit großen Props, damit auch die letzte Reihe was davon hat. War ganz nett und zum Glück kurz. Film ab.

Moderatorin Karin Prähauser interviewte zu Beginn Intendant Ferdinand Wegscheider, im Nebenberuf Zauberkünstler. Wer hätte das gedacht? Foto: ServusTV/Martin Hörmandinger

Exkurs: Pilotfolgen

Erste Male sind meistens super spannend, aber erste Folgen von Serien (Pilotfolgen) sind schwierig. Sie haben drei große, oft unüberwindliche Aufgaben zu erfüllen.

Erstens müssen sie uns alles erklären, was wir wissen müssen. Und das möglichst schnell. WELCHE sind die wichtigsten Charaktere und WER sind sie? WAS ist das Genre und das Setting in historischem und geografischen Kontext?

Weiters dürfen sie nicht aus dem Rahmen fallen. Der Pilot muss also genau das liefern, was die Zuschauer auch im weiteren Verlauf der Serie erwarten können. Ist es ein reines Procedural, also wird ein Fall der Woche bearbeitet und am Ende ist wieder alles auf Anfang? Ist es eine Miniserie, die auf ein klar definiertes Ende hinsteuert? Oder eine horizontal erzählte Serie mit Langzeitpotenzial? Wir müssen wissen, wofür wir nächste Woche wieder einschalten.

Drittens müssen Pilotfolgen gut sein. No na ned, aber das ist eine ziemlich Vorgabe. Das kann bedeuten „besonders“ oder „neuartig“ oder irgendein anderes Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen. Sie sind ein langer Teaser, genauso wie der erste Bissen einer köstlichen Torte. Da darf man nicht über die Zutaten wie Zucker und Farbstoffe nachdenken. Jede Woche kommen dutzende neue Serien und Filme heraus und wir haben hunderte Sender auf Knopfdruck verfügbar, die mit neuen und alten Programm um unsere Aufmerksamkeit buhlen.

Wie gut das alles gelungen ist, lest ihr dann in meiner Kritik.

Meiberger – Im Kopf des Kritikers

Danach wurden wieder Reden geschwungen. Die anwesenden Schauspieler und Crewmitglieder wurden einzeln auf die Bühne gebeten, ein paar Standardfragen werden mit Standardschmähs gekonnt gekontert („Die Bezahlung war super“) und es wird gedankt und applaudiert. Und noch mehr gedankt und noch mehr applaudiert. Bis wirklich jedes Enkerl erwähnt wurde und dir die Hände weh tun.

Cast & Crew. Ohne Enkerln. Foto: ServusTV Martin Hörmandinger

Soweit so normal. Trotzdem hab ich einiges aus diesem Abend mitgenommen.

Wie erwartet war vor allem die Szenerie zwischen Salzburg und St. Gilgen traumhaft und absolut kinoreif inszeniert. Am meisten hat mich überrascht, wie sehr eine Fernsehepisode im dunklen Saal auf großer Leinwand funktioniert. Das gemeinschaftliche Erlebnis Kino, das so oft beschworen wird, kann also auch bei 45 Minuten TV einsetzen.  Das lässt mich darüber nachdenken ob wir nicht wieder öfters daheim vor unseren riesigen Flachbildschirmen mehr in Gruppen fernsehen sollten. Auch und speziell wir Kritiker.

Wenn wir eine Serie besprechen, dann sind wir damit alleine. Alleine vor unseren PCs können und dürfen wir den Screener ja niemanden zeigen und diskutieren. Wir wissen nicht, welche Witze wirklich ankommen, welche Momente euch berühren oder verstören. Wir können nur raten.

Weil wir eigentlich nicht raten wollen, ziehen wir uns oft auf eine intellektuelle Ebene zurück. Das wirkt dann je nach Typ abgehoben, langweilig oder – wie in meinem Fall – oftmals gemein. Nicht weil wir Kritiker grundsätzlich falsch lägen mit unserer Einschätzung, aber weil ein halbzynischer Scherz schneller aus den Fingern kommt, als sich in andere hineinzuversetzen und vielleicht über seine eigene Genialität im soeben konstruierten Satzungetüm hinauszudenken.

Die erste Episode von „Meiberger“ hatte mehrere kleine inszenatorische Fehler, ein paar unterdurchschnittliche Schauspieler und ein paar klischeetriefende Einzeiler, bei denen man sich an die Stirn greift. Aber es wurde gelacht. Ich hatte den Eindruck, dass dem fachfremden Publikum die Folge wirklich gefallen hat. Die Seherschaft besteht nicht nur aus Film- und Fernsehschaffenden, Schauspielern und Filmkritikern. Die waren vielleicht an diesem Abend in der Mehrzahl, aber es waren auch genug andere Leute im Saal. Das Lachen war ansteckend.

Kudos Meiberger. Das wurde jetzt philosophischer als geplant.

„Meiberger – Im Kopf des Täters“ ist auf ServusTV ab 6.11. immer wöchentlich um 20:15 zu sehen (auf ServusTV Deutschland ab 9.11., ebenfalls 20:15). Unsere ausführlichen Episodenkritiken erscheinen immer direkt nach der Ausstrahlung um 21:05 Uhr, hier bei Bruttofilmlandsprodukt.

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