Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Kritik: CopStories 4×03 „Wache Birn“

„Wache Birn“ ist wohl am ehesten noch das, was man als Füllerfolge bezeichnen würde. Dass sie dennoch sehr ansehnlich ist, verdankt sie nicht zuletzt einer wunderschönen Schlussmontage.

Friedlicher Abschied, sanfte Geschichte

In „Wache Birn“ gibt es keine größeren Entwicklungen in den größeren Handlungssträngen, und auch im Privatleben der Polizisten tut sich nicht sonderlich viel. Flo etwa feiert seinen Abschied, aber in gewisser Weise tat er das auch schon in der vorherigen Folge. Doch dieses Mal ist es ein gebührender Abschied mit all seinen Freunden – und hey, sogar Lukas ist mit dabei und zeigt Herz! Es hätte ein total schönes Servus sein können.

Die Art, wie Sylvester Florian „entführt“ (na gut, die Gänsefüßchen könnte man auch weglassen), ist allerdings höchst problematisch. Man könnte jetzt groß eine Diskussion über Vertrauen und Konsens anzetteln, aber „CopStories“ präsentiert uns Sylvesters und Flos Bromance als derart vertraut, dass die beiden sowas scheinbar okay finden. Und so eine ungestüme Art passt ja auch sehr gut zu Sylvester, der sich da nichts weiter scheißt – für ihn ist es einfach der Jux, als den ihn uns auch die Serie präsentiert.

Was da aber komplett unter den Tisch fällt ist die Gefahr, dass Flo an posttraumatischer Belastungsstörung leiden könnte. Dass Sylvester ein wenig nachdrücklich wird ist schon okay, aber mit den Handschellen – ist er verrückt? Es ist gerade mal eine Staffel (und geschätzt ein paar Monate) her, dass Flo mit Handschellen ans Polizeiautolenkrad gefesselt war, während er zuhören musste, wie Tina vergewaltigt wird. Danach äußerte er sogar Selbstmordabsichten – spurlos zog der Vorfall offenbar nicht an ihm vorbei. Sylvester kann sich nicht sicher sein, dass das Anlegen der Handschellen nach dem Rangeln da keine Erinnerungen triggert. Er hat Glück, mal wieder – das tun die Handschellen offenbar nicht. Trotzdem nimmt einem beim Zusehen so richtig die Freude und den Wehmut bei der sonst so netten Verabschiedungsfeier (alle in zivil zu sehen, sogar Lukas ist heiter, Vickerl schafft es nicht die Girlanden zu blasen…).

Alles in allem ist es zwar ein melancholischer, aber doch optimistischer Abschied einer unserer Polizisten – ganz anders als es beim Tod von Altan und der Vergewaltigung von Tina war. Einerseits ist das eine willkommene Abwechslung – andererseits fehlt dem Beginn der 4. Staffel von „CopStories“ ein wenig das große Drama. Stattdessen setzt die Serie neuerdings darauf, dass sich kleinere Fälle auch über mehrere Folgen erstrecken. Nachdem etwa die K.O.-Tropfen-Susi in der vorherigen Folge angeteasert wurde, erledigt sich der gesamte Fall in dieser Episode. Selbiges wird wohl auch mit der Piraten-Augenbinde von Gloria Michaelis der Fall sein – wollen wir wetten, dass Eberts nächste Woche diesen Fall löst?

Das verstärkt vielleicht den Binge-Faktor (wobei der Netflix-Deal noch auf sich warten lässt…), aber so richtig Spannung wird da – wie wir vergangene Woche schon bemerkten – nicht erzeugt. Beziehungsweise nur sehr langsam: Berischer bekommt in dieser Folge scheinbar hohen Besuch und wird unter Druck gesetzt. Die Besucherin ist insofern bemerkenswert, als dass sie die einzige Frau zu sein scheint, vor der Berischer Respekt hat. Noch geizt „CopStories“ mit mehr Informationen.

Zumindest wissen wir jetzt, nach immerhin drei Folgen, um wen es sich bei der Leiche im Asylantenheim handelt: Sokolov, einem Mitglied der Mafia. Die Erkenntnis dazu ist aber denkbar antiklimaktisch: Nachdem Eberts und Lukas beim „weichen Sam“ nicht weiterkommen, entdeckt Lukas den entscheidenden Hinweis am Computer ohne große Hindernisse.

Mal ernst, mal lustig

Dafür wartet die Folge mit ein paar gelungenen Fällen auf, die allesamt überraschende Wendungen zu bieten haben. Der Fall um den vermeintlichen islamistischen Kinderschänder, der sich als Freund der überbehüteten Tochter entpuppt, ist etwa sofort ein Klassiker. Und das nicht nur, weil er so aktuell ist. „Wir werden noch alle in die Moschee gehen müssen und denen Weibern werden wir einen Fetzen über den Schädel legen, damit’s nicht vergewaltigt werden.“, grantelt etwa Sylvias Vater. So Figuren tut man schnell als lächerlich ab, aber dann erinnert man sich, dass Van der Bellen genau solch Worte in den Mund gelegt werden und Leute das tatsächlich glauben.

Aber der Fall kann auch emotional überzeugen. Wie wir schon im Podcast zu Staffel 3 feststellten (hier sind Teil 1 & Teil 2 zu hören), sind die tragischen Fälle oft die emotionalsten und denkwürdigsten Fälle. Das „Geh scheißen!“, nachdem Mathelehrer Nusha Sylvias Vater das Leben rettete (was zugegebenermaßen ein wenig konstruiert wirkt), ist eine bittere Pille – ein Testament dafür, dass in dieser Geschichte kein Glück zu retten ist.

„CopStories“ kann aber auch ganz anders und präsentiert parallel dazu einen Comedy-Fall, um die K.O.-Tropfen-Susi zu überführen. Das ist ganz nett, manchmal ein bisschen übererklärt, aber immer unterhaltsam – nicht zuletzt dank Eberts‘ wunderbar verklemmtem Verhalten. Ich mag, wie die Serie uns kurz die These vorstellt, dass Susi den Männern keine K.O.-Tropfen unterschiebt, sondern einfach nur so viel vor sich dahinblubbert, dass alle immer einschlafen – was sich aber als falsche Fährte herausstellt. Außerdem greift die Geschichte Sylvesters Interesse auf, zur Kriminalpolizei zu gehen – wie erwähnt eher bedenklich bei ihm. Schade, dass wir ihn und Itchy eigentlich noch nicht viel beisammen sein gesehen haben, die zwei ähneln sich sehr. Beide sind Draufgänger, und beide genießen es scheinbar, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.

Und schließlich ist da noch der Drogenjunkie, der die Tankstelle zertrümmert. Während Roman nun nur noch einen Kopf für sein Baby hat, scheint nun Patrizia ein wenig dessen Storyline aus Staffel 2 geerbt zu haben, und muss sich der Frage stellen, ob sie dem Polizeialltag gewachsen ist. Nachdem Helga der Truppe gerade am Vortag mal wieder eintrichterte, Dienst nach Vorschrift zu machen, vergeht kaum ein Tag, bevor Helga wieder einmal dazu gezwungen wird, eine Ausschreitung ihrer Truppe unter den Tisch zu kehren. Schade, dabei machte Patrizia in „Arsch bleibt Arsch“ den Eindruck, als ob sie sich langsam in ihrem Beruf zurechtfände.

All das sind ganz nette kleine Geschichten, aber so richtig fesselnd sind sie nicht. Bis „CopStories“ in Minute 40 mal wieder sein großes Ass auspackt: die Musikmontage. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich dieses Stilmittel wahnsinnig schätze, und gerade was die Musikwahl betrifft ist das immer auch eine Geschmacksfrage. „Wache Birn“ hat aber sicher eine der schönsten, die für alle Geschichten ein emotionales Ende findet.

Awwwwww.

Kerzen-Anzünden für Otto, die Feier für Flo und Nushas Besuch im Krankenhaus: Das sind die ja fast schon kathartischen Momente, in der nochmal alle Fäden zusammengezogen werden. Eine Szene zum immer wieder anschauen. Das lässt einen ungemein befriedigt zurück – obwohl in „Wache Birn“ eigentlich nicht viel passiert. Vielleicht muss es das auch gar nicht.

Noch mehr Bla:

  • Alle Bilder: Screenshots.
  • Im Abspann ist stets zu lesen, dass Grapos Softdrinks als Sponsor fungiert, aber ich konnte all die Jahre nie erkennen wo. Im Screenshot oben hab ich den Firmennamen nun erstmals entdeckt: Auf der Getränketafel des Lokals war das die ganze Zeit über versteckt.
  • Sylvesters Theorie, warum der Bauch des ermordeten Sokolovs aufgeschlitzt wurde: Vielleicht hatte er einen wichtigen Mikrochip geschluckt. Das ist nicht so abwegig, wie Eberts das darstellen will – hat „CopStories“ das nicht auch schon in Staffel 2 gehabt, dass eine Leiche einen Schlüssel im Magen hatte?
  • Song der Schlussmontage: Fink – Looking Too Closely
  • Oh man, die arme Astrid.
  • Sog amal, zu wos brauchst du immer Göd? Bist ja ned amal verheiratet.“ Ach Eberts, never change.

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.