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Kritik: Meiberger 1×03 – „Die dunkle Seite“

Wallner und Meiberger müssen ihren Streit vertagen, denn sie werden dringend gebraucht. Der Fall der Woche verspricht Tempo, die Dramaturgie kann das aber nicht einlösen.

Zu Beginn begehrt ServusTV eine Korrektur. Also nicht wirklich, aber das anzusprechen war mir sowieso ein Anliegen. Es hatte letzte Woche aber keinen Platz mehr.

Hans „Giovanni“ Hutterer, so der Rollenname von Otto Schenk, ist NICHT der Vater von Thomas Meiberger (Fritz Karl). Das wurde bis jetzt noch nicht so ausgesprochen oder sonst wie dramaturgisch abgegrenzt. Allerdings hat mich von Anfang an irritiert, dass er einen anderen Nachnamen hat. In der letzten Episode erzählte Meiberger auch von seinem Vater, der beim Zirkus gewesen sei. Auch das hat mich stutzig werden lassen, ist mir aber angesichts dessen, dass die Serie bisher auch manchmal ein wenig „ungenau“ ist, nicht als besonders dringend erschienen.

Dennoch hatte ich mir vorgenommen dem auf der Spur zu bleiben und mir wurde von der Presseabteilung von ServusTV dabei geholfen. Danke dafür. In der Berichterstattung auch anderer Medien wird das aber konsequent so gesehen und es ist auch nicht hilfreich, dass der Mentor den Meiberger ständig nur „Bub“ oder „Bambino“ nennt und offenbar uneingeschränkten Zugang zum Haus von ihm hat. Das hätte man besser schreiben können, nein, müssen. Und es ändert nichts an der Tatsache, dass die Figur bis jetzt noch nicht die ganz große Relevanz für die Ereignisse hatte, auch wenn Meiberger einmal pro Fall anruft und um Input ersucht.

Bros before Hoes

Jetzt aber zur Folge. Diese schließt nach den Credits nahtlos an letzte Woche an. Meiberger ist immer noch unter Schock und nimmt es dann persönlich, als die Staatsanwältin auch noch Nepo zuerst anruft. Verletzte Gefühle hin oder her, aber ich diagnostiziere das jetzt einmal als ausgeprägten Narzissmus, wenn einer glaubt, alle Frauen stehen ausnahmslos ihm zu.

Wie erwartet nimmt sich Nepo jetzt auch nicht mehr zurück. Der Schlafzimmerwitz war echt unter der Gürtellinie und dass er sich für Karo ins Zeug legt und abnehmen will, zeigt er jetzt offen. Trotzdem sind er und Meiberger ein gutes Team und als er ihm am Ende das Leben rettet, sollte das eigentlich eine schnelle Lösung für ihren Konflikt sein. Blutsbrüder, Bros before Hoes, etc. – irgendein archaisches Männerdings werden die beiden Alphas schon finden. Egal, das MUSS einfach ihre Beziehung nachhaltig zum Besseren verändern. Wenn Nepo das überlebt und Meiberger in Folge 4 immer noch so ein Arsch ist, dann ist er endgültig ein Antiheld.

Keinen Vorwurf kann man Meiberger diesmal machen, dass er Patrick während der Aufführung wieder einmal im Stich lässt. Ausnahmsweise ist es mal wirklich dringend und auch Patrick und Karo werden verstehen, wenn Meiberger und Nepo schnell wegmüssen, weil es um die Befreiung einer Geisel geht. Trotzdem kann einem Patrick leidtun. Die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater ist oberflächlich betrachtet schon eine gute, aber eventuell wendet er sich auch „dem Neuen“ zu – was seine beiden „Väter“ dann vielleicht wieder auseinanderbringt.

Nicht ganz schlau werde ich aus der Figur Ganslinger. Innerhalb von drei Folgen hat der sich von Zero zu Hero entwickelt. In Folge 1 konnte er nicht einmal „Automatismus“ buchstabieren und war der Frustableiter für Nepo, in Folge 2 hatte er nichts zu tun, zeigte sich aber im Privatleben unerwartet gefestigt und in Folge 3 liefert er Meiberger umfassende und – wesentlich überraschender – souverän artikulierte Rechercheergebnisse, die tatsächlich zur Lösung des Falles beitragen. Daneben führt er noch Schmäh. Franz Josef Danner ist ein sehr charismatischer und talentierter Schauspieler und macht einen guten Job, der kann für diese unausgegorene Figurenzeichnung natürlich nichts.

Meiberger des verlorenen Schatzes

Der Fall der Woche ist hingegen eher durchschnittlich bis langweilig und in einer Dimension total misslungen. Nicht weil es in der Kriminalgeschichte nicht schon ein bis zweimal vorgekommen sein mag, dass Zwillinge nichts voneinander wussten. Auch dass Mütter traumatische Ereignisse mit ihren Kindern massiv verdrängen ist kein unbekanntes psychologisches Phänomen. Aber Fakt ist, dass es für den Fall die Expertise Meibergers einfach nicht gebraucht hätte. Es gibt die Akten, die hätte der Ganslinger finden können. Ein vielbeschäftigter Arzt, Kirchenmitglied und Lokalpolitiker mit ordentlich Privatleben („stetig wechselnde Freundinnen“) wird ja wohl zumindest für ein einige Überfälle ein Alibi haben und dann liegt es an der Kompetenz der Ermittler, alle Eventualitäten nach Wahrscheinlichkeit abzuklappern – irgendwann landet man dann schon bei der Möglichkeit von Zwillingen.

Die Folge spielt womöglich an einem einzigen Tag und die einzige Entschuldigung für Meibergers Anwesenheit ist Dringlichkeit. Das wird aber durch andere Elemente des Plots wieder konterkariert. Zum einen wissen sie erst wie dringend die Situation ist, nachdem feststeht, dass es jemand anderer gewesen ist. Natürlich würde in so einer Krisensituation der leitende Ermittler dann nicht zu einer Zaubervorstellung gehen oder so gemütlich mit der Staatsanwältin dem Fall am Dach des Gerichtsgebäudes beplaudern. In der ganzen Ausgangssituation war so viel Tempo impliziert, das hätte ohne die Zwillingssuche eine spannende Fernsehstunde sein können. 

Zum Beispiel hätte die Freundin die Geisel in Gewahrsam halten können, während Meiberger und die Ermittler versuchen aus dem Räuber deren Aufenthaltsort herauszubekommen. In der Zwillingskonstellation war Gabi – den Namen erfahren wir nur im Abspann – eigentlich nicht wirklich nötig. Kudos aber für die Entscheidung eine der Hauptfiguren schon so früh einem massiven Trauma auszusetzen. Das gibt der Serie eine gewisse Dramatik und Unvorhersehbarkeit, die man aber auch nutzen muss. Wir werden nächste Woche sehen, wie gut das gelungen ist.

Lists List

  • Cameo-Alarm. Der Zauberkünstler, der vor Patrick auftritt, ist der – ebenfalls zaubernde – forensische Psychologe Alexander Gappmaier, der die Serie auch fachlich berät. Und ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider ist der Mann, der Patrick ankündigt.

    Der Intendant und der echte zaubernde Psychologe: Ferdinand Wegscheider und Alexander Gappmeier.
    Foto: ServusTV / MonaFilm / Olaf R. Benold
  • Mit Oberstleutnant Nepo Wallner bin ich ab sofort per Du, was ich bisher nicht war. Das ist der Entwicklung seiner Rolle geschuldet. Nepi nenn ich ihn aber nicht, das bleibt Karo vorbehalten. Und ich stimme Meiberger zu: „Das klingt wie ein Diskontwaschmittel.“
  • Die Zwischenüberschrift ist eine mehr oder weniger gelungene Anspielung auf die durch „The Big Bang Theory“ bekannt gewordene These, dass im Film „Jäger des verlorenen Schatzes“ (Raiders of the Lost Ark) die Hauptfigur Indiana Jones eigentlich völlig irrelevant für die Ereignisse ist und das Ergebnis am Ende das Gleiche gewesen wäre.
  • Nach Cornelia Ivancan als Schlafwandlerin in Folge 1 hatte jetzt mit Kristina Bangert als Gabi die zweite Hauptdarstellerin aus „CopStories“ eine wichtige Episodenrolle in „Meiberger“. Hannes’ hervorragende Episodenkritiken dazu lest ihr eh schon, oder?
  • Der Dialogfehler der Woche, für den es offenbar wieder kein Budget für ein zweites Take gab, wird diesmal von Staatsanwältin Simma beigesteuert. Als sie beim Herzinfarkt von Dr. Rabel die Rettung ruft sagt sie: „Mein Mann. Mitte 40. Verdacht auf Herzinfarkt. Ins Landesgericht. Sofort.“. Im Zweifel aber für die Angeklagte denn es war wirklich schwierig zu hören und wir nehmen einfach einmal an, dass sie in der Stresssituation gestottert hat: „M-M-Mann“ oder „M…Ein Mann“.

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