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Kritik: Meiberger 1×04 – „Geister“

Der Teufel steckt vielleicht im Detail. Wird „Meiberger“ zur okkulten Fantasyserie? Wir spekulieren und analysieren darüberhinaus noch die gelungene Folge, die ganz ohne Geister und auch ohne Nepo auskommt.

Etwas, das ich bei Episode 2 – „Absturz“ noch nicht ansprechen wollte, kann ich diese Woche nicht weiter ignorieren. „Absturz“ war nämlich voll mit ZU GUTEN Zaubertricks. Außerdem stellte sich heraus, dass Meiberger auch noch eine schwarze Katze besitzt. Das war noch relativ dünn, aber ich hab mir vorgenommen auf weiter fantastische Elemente zu achten. „Geister“ liefert jetzt die Möglichkeit das anzusprechen.

Natürlich waren es am Ende der Folge keine echten Geister. Man hat sich aber ordentlich Mühe gegeben, Meiberger sogar eine „Schnell ermittelt“-ähnliche Vision von der Ermordeten erleben zu lassen und auch ansonsten eigentlich ganz schön viel Grusel inszeniert. Dazu kommt der zurückgespulte Traum von Nepos Anschießung und das fast mystische Phänomen, das er Ganslinger vor der Konditorei erleben lässt. Hat Meiberger also eine Verbindung in eine andere Welt, zum Übernatürlichen, von der wir noch nichts wissen? Konnte er Nepos Blitzheilung im Traum vorhersehen? Ist Patricks (vermeintlicher) Unfall irgendeine übersinnliche Strafe oder ein Zeichen?

Qualität und Plotrelevanz der Zaubertricks und -kenntnisse schwanken von Folge zu Folge. Aber bis jetzt waren das meiste Taschenspielertricks. Hat Meiberger etwa noch mehr drauf? Dass er nicht unbedingt ein „Guter“ ist, das hab ich ja schon hinreichend herausgearbeitet. Aber ist er gar des Teufels? Es wäre ein Megatwist.

Die Serie hat normale Krimiware versprochen und endet im zweistündigen Staffelfinale am 18. Dezember als okkulte Fantasyserie. Aus „Soko Donau“ für Maturanten, wie es ein Poster im Forum von Der Standard so treffend ausdrückt, wird am Ende „Chilling Adventures of Sabrina„. Natürlich wird das nicht passieren. Und es wäre auch einigermaßen verstörend. Nicht so verstörend, dass ich gleich mit meinem Fernseher für einen Exorzismus zum Kardinal laufen müsste, sondern dramaturgisch neuartig und ein echtes Highlight. Wenn ServusTV uns so überrascht, ziehe ich alle Hüte, die ich hab.

Aber jetzt gehen wir in die Folge. Der Fall ist richtig gut gelungen und Meiberger kann – anders als letzte Woche – wieder was beitragen. Dass Patrick ausgerechnet den Zaubertrick ausprobieren will, der die Lösung des Falles offenbart, ist ein bequemer, aber akzeptabler Zufall.

Mein erster Instinkt war allerdings Kindesmissbrauch. Das liegt wohl leider daran, dass ich mich mehr als es vermutlich gesund ist mit österreichischen Filmen auseinandersetze. Die Charakterisierung des Vaters als Sonderling trägt ihr Übriges dazu bei und mit seiner puritanischen Kleidung und paranoid-kühlen Art setzen wir ihn gleich auf die Liste der Verdächtigen, ohne dass es einen wirklich rationalen Grund gäbe. Ein Illussionstrick, dem ich aufgesessen bin.

Nepo fehlt…leider nicht

So sehr die Figuren auch lamentieren, dass ihnen Nepo fehlt, so wenig ist das dramaturgisch nachvollziehbar. Dass es ganz wunderbar auch ohne ihn funktioniert und Meiberger und Ganslinger eigentlich ein ganz gutes (Serien-)Gespann abgeben, ist ein ordentliches Eigentor des Autorenduos. Wenn ihr euch zurückerinnert, dann war jede Woche mindestens einer von den dreien überflüssig. Jetzt gibt es einen echten Ausfall und es wird der Beweis für meine Thesen erbracht.

Sei nicht traurig, Karo. Ich mein es ja nicht böse wenn ich sag, dass wir auch ohne Nepo auskommen können. Foto: Screenshot

Mal schauen, ob Nepo die zweite Staffelhälfte der Serie rekonvaleszent ist und nur vom Krankenbett aus hin und wieder eingreift. Das wäre einerseits ein kleiner Betrug am Zuschauer, weil uns Obonya als Hauptrolle versprochen wurde, andererseits könnte Ganslinger jetzt ordentlich reifen. Auch in dieser Folge hat er wieder bewiesen, dass er alles andere als inkompetent ist und dem arroganten Meiberger sehr gut, und ohne es persönlich zu nehmen, kontra geben kann – fast besser als Nepo das konnte, wenn auch die Dynamik der beiden eine gänzlich andere ist. Auch Meiberger unterschätzt Ganslinger immer noch, aber immerhin äußert er sich (noch?) nicht so abfällig wie über Nepo in der Pilotepisode.

Ein wenig angefressen bin ich nicht von Kakaoobst, sondern weil die Chance vergeben wurde Ganslingers Eltern zu zeigen. Aber immerhin wissen wir, dass es wirklich im Bereich des Möglichen ist, wenn wir jetzt schon die Konditorei gesehen habe. Drehort war also vorhanden. (Und die Konditorei Dallmann in St. Gilgen ist auch wirklich empfehlenswert.) Ganslinger hat nicht nur mehrere flotte Sprüche drauf und immer eine Mehlspeis in der Hand, sondern zeigt auch ordentlich Empathie seinem alten Lehrer und dessen Schicksal, wie auch den jugendlichen Tätern, gegenüber. Damit steigt er in meiner Ansicht gleich noch mehr.

An der Familienfront ergibt sich ein Doppelschlag für die arme Karo. Patrick ist etwas passiert. Was genau, das wissen wir noch nicht. Aber wir ahnen, dass es etwas mit dem Schwebetrick zu tun hat. Die Vater-Sohn-Dynamik ist immer noch interessant. Meine Ausgangsspekulation war ja, dass der zaubertechnisch nur mäßig begabte Patrick sich dadurch das Wohlwollen des Vaters erzaubern möchte. Vermutlich hat Meiberger meine Kritiken gelesen und ist sich jetzt bewusst geworden, wie ungut er Patrick eigentlich behandelt hat. Es kommt ihm sogar selbst komisch vor, wie locker Patrick das nimmt. Vielleicht nur deshalb, weil er schon fokussiert war, die Liebe des Vaters mit einem waghalsigen Stunt endgültig zu gewinnen?

Jedenfalls mache ich mir Sorgen um Patrick, aber sterben wird er schon nicht. Und wenn doch, dann kann ihn Meiberger vielleicht von den Toten wiedererwecken. Mal schauen.

Lists List

  • Kann denn einer von euch einmal an die Kinder denken? Zum Glück greift Staatsanwältin Simma ein, bevor das Verhör mit Clemens noch eskaliert. Leider hat speziell Meiberger da nach den drei Folgen zuvor schon ordentlich Dreck am Stecken, was die menschenwürdige Behandlung von Verdächtigen angeht.
  • Dialogfehler ist mir in dieser Woche keiner aufgefallen. Dafür in einer Einstellung ein ziemlich deutlicher Fleck auf dem Linse, der gut zu sehen war, weil diese Stelle helle Berge dahinter hatte. Und ja, natürlich hab ich zuerst geschaut ob der Fleck bei mir am Schirm ist. Ist peinlich, kann aber im Produktionsstress immer wieder passieren und am See wird es wohl ein winziger Wasserspritzer gewesen sein.

    Foto: Screenshot
  • „Wenn man das Unmögliche ausblendet, muss das, was übrig bleibt, echt sein.“ – „Das ist ein guter Spruch. Hat dafür ein Glückskeksi sterben müssen?“ Ganslinger entpuppt sich immer mehr als der Publikumsliebling, den ich in Folge 1 vorhergesagt habe.
  • Der Spruch ist natürlich nicht aus einem Glückskeks, sondern von Arthur Conan Doyle. Zum ersten Mal sagt sein Held Sherlock Holmes das im zweiten Buch „The Sign of Four“ an zwei unterschiedlichen Stellen und auf zwei Arten. „Eliminate all other factors, and the one which remains must be the truth“ und „When you have eliminated the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth“.
  • An dieses Zitat hab ich übrigens schon letzte Woche denken müssen, als ich Folgendes schrieb; „…dann liegt es an der Kompetenz der Ermittler, alle Eventualitäten nach Wahrscheinlichkeit abzuklappern – irgendwann landet man dann schon bei der Möglichkeit von Zwillingen.“ Ich ließ es dann aber raus, weil ich  – gegen alle meine Instinkte – nicht zu belehrend klugscheißen wollte. Diese Möglichkeit hier nehm ich diesmal aber gerne und ohne falsche Zurückhaltung an. Man möge mir verzeihen.
  • Der Arzt ist jetzt auch schon in der zweiten Woche in Folge humoristisch auffällig. Letzte Woche waren es nur ein, zwei Halbsätze, als Meiberger bei dem vermeintlichen Tankstellenräuber mit Herzinfarkt im Zimmer war. Diesmal ist es deutlich mehr und staubtrocken. Teilweise nicht wirklich angebracht vor der Angehörigen eines Intensivpatienten.

2 Kommentare

  1. Josef Rauch 28. Nov 2018

    O.k., Obonya, Karl, Otto Schenk braucht man nicht näher beschreiben, alle Top, aber die Überraschung in dieser Serie ist für mich Franz Josef Danner, wo hat sich der bis jetzt versteckt? Im Landkrimi war die Rolle zu klein, da ist er mir nicht aufgefallen, aber hier: bitte mehr von ihm, ich hoffe, das wird sein Durchbruch, der Mann kann was!!!

    • Hannes Blamayer 28. Nov 2018

      In dieser Folge war ich von ihm auch schwer begeistert. Der niedergeschlagene Blick am Brunnen in der Schlussmontage ist mein bisheriges Highlight der Serie – sehr emotional!

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