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Warum es gar nicht so schlecht ist, dass „CopStories“ bald zu Ende geht

Gestern hat Hannes „Na Hawedere“ als beste „CopStories“-Folge aller Zeiten gefeiert. Hier treten wir zur Gegenmeinung an, denn Hari findet: In einer der schlechtesten Folgen vergeudet „CopStories“ unsere Zeit und strapaziert unsere Geduld. Daher kann die Serie jetzt ruhig zu Ende gehen.

Hannes hat in seiner Kritik zur aktuellen Episode der „CopStories“ bereits darauf hingewiesen, dass diese eine besondere Form aufweist: Bottle-Episode. Ich werfe dem gleich einen weiteren Begriff aus der erweiterten Fachsprache hinterher, der die Bedeutung der Folge 4×07 für die Serie beschreibt: jumping the shark. Kurz erklärt bedeutet das: Eine Serie hat ihren Zenit überschritten.

Wüsste ich nicht, dass die Serie nur noch drei Episoden und einen Film hätte, ich würde wahrscheinlich nicht weiterschauen. Zumindest müsste die Serie sich wirklich Mühe geben, mein Vertrauen zurückzugewinnen. „Na Hawedere“ war leider eine einzige Qual, die aber nicht isoliert für sich steht und als Ausnahme gelten kann, sondern auch einige längere Entwicklungen zu ihrem (negativen) Höhepunkt bringt. „CopStories“ hatte nämlich schon im Verlauf der vierten Staffel deutlich zu schwächeln begonnen.

Fangen wir an mit diesem Kaffeehaus, in dem die ganze Kreitnergasse ihren Morgenkaffee zu sich nimmt („Eisenriegel“). Fast jede Folge begann dort und es war so gut wie immer belanglos. Außerdem wurde fast jede Party, die das Team feierte (zuletzt etwa Flos „Abschied“), genau dort begangen. Und jetzt, wenn die Hütte einmal wichtig wäre, steht sie unter Wasser? Come on!

Weil es keine Alternative gibt – Ottakring ist immerhin der Nabel der Welt und darüber hinaus gibt es nichts – wird in den Räumlichkeiten der Kripo gefeiert. Grenzwertig, aber wie Hannes erklärt keine so schlechte dramaturgische Idee.

Bergfeld ist jetzt Hochmeister

Bergfeld erlaubt das, weil er einfach ziemlich inkompetent ist. Und sich auch dank seiner Führungsschwäche mit hauptsächlich autoritärem Gehabe und Gebrülle jetzt endgültig zum Unsympathler entwickelt hat. Er war immer schon einer, der entweder nur herumsaß oder, wenn er einmal aus seinem Büro rauskam, seine Krimineser zusammenstauchte, aber selbst NICHTS beitrug. Das ist so dermaßen ungut, das haben wir letzte Staffel massiv am Hochmeister kritisiert. Bergfeld war im Kontrast der „Liebe“, ist aber in Wahrheit keinen Deut anders (und war es auch nie – so ehrlich müssen wir sein).

Es kommt immer wieder zu ähnlichen Situationen und Bergfelds Art ist selten professionell. In dieser Folge schreit Bergfeld wieder und das auch noch in einer unnötig harschen und redundanten Art, die eigentlich nur als Exposition für uns dient: „Nochamal. Auf der einen Seite: Diamanten, Dealer, Alibigeschichte. Auf der anderen Seite – nicht vergessen – der Moldawienexpress. Ist das jetzt drin in eurem Hirn? Gut. Geht’s was hackeln!“

Diese Exposition wäre nicht nötig, wenn es nicht wieder so einen großen Abstand zwischen den Terminen gegeben hätte. Was/wie/wo da ursprünglich geplant war: irrelevant. Weiters: Wozu hat Bergfeld Helga befohlen, ihre Beziehung zu beenden? Auf welcher Grundlage und warum lässt er das dann einfach so durchgehen, noch dazu wenn seine leitende Polizistin offensichtlich unter Drogen seine direkten Anweisungen ignoriert?

Foto: ORF/Hubert Mican

Im Endeffekt ein Nicht-Konflikt, künstlich aufgeblasen weil offenbar wirklich die Geschichten ausgehen. Und es ist ja irgendwie süß, die Geschichte zwischen Helga und Heuberger, aber auch nur eine Wiederholung. Das war schon auserzählt und die Nebengeschichte mit Arschtritt-Astrid ist ebenfalls nur der recycelte Konflikt mit Toni via einer (fast) genau so unsympathischen Stellvertreterin.

Fälle der Woche? Fälle der Minute!

Die große Stärke von „CopStories“ sind die wöchentlichen Fälle, die oft mit so viel Liebe erzählt werden, dass wir an die besten davon lange denken und die schlechten uns wenigstens amüsieren. „Na Hawedere“ bringt davon die zwei kürzesten, die wir je gesehen haben. Verständlich, weil man ja was anderes vorhat. Aber…

  • der Fall ums Trockeneis ist furchtbar schlecht inszeniert, wenn wir auch was dabei lernen. Dabei gäbe es um die Tragik der Mutter so viel zu erzählen und das hätte sich einen größeren Bogen in einer „richtigen“ Episode verdient.
  • der Fall um den Bordellkunden läuft darauf hinaus, dass der eine Rechnung will und das Bordell „einfach so“ keine herausgibt. DAS IST ALLES? Wollt ihr mich verarschen? Reinhard Nowak mag ich gerne, aber er bekam kaum das Material für eine wirklich gute wiederkehrende Rolle – anders als die Hofers – und wirkt diesmal noch lächerlicher als sonst.
Foto: ORF/Hubert Mican

Das Bordell ist dann auch noch eine spätnächtliche Anlaufstelle für Sylvester. Aus Gründen, die wir nicht verstehen. Ok, gratis Sex, aber warum geht er gegen Ende hin genervt weg? Die ganze Schlussmontage ist eine der nichtssagendsten der Serie und kann auch musikalisch – trotz Austropop-Kontrast – nicht wirken, weil wir die ganze Folge hindurch schon viele gute Songs und Ohrwürmer gehört haben.

Pubertäre Stagnation

Genervt ist auch Lukas, und das macht ihn zum Arschloch. Die gekränkte Bettina teilt zwar auch aus, bekommt aber die volle Dosis davon ab. So haben wir ihn nicht in Erinnerung, auch wenn er zugegeben nie ein Sympathieträger war. Es fühlte sich auch nicht wirklich organisch an, wie ihn der Alkohol zuerst irgendwie „überzeugt“, und er den Bombenentschärfer dann doch in der Schlussmontage wieder abweist. Fast kindisch, wie sich ein erwachsener Mann seine Gefühle herbeisaufen muss. Noch dazu einer wie Lukas, der eigentlich immer die auch unbequemen Wahrheiten ausspricht – das war es ja genau, warum er im Großteil der Seherschaft wahrscheinlich nicht gut ankommt und auch im Team nicht unbedingt beliebt ist. Die Folge zeigt, wie wenig Lukas sich in 37 Folgen entwickelt hat und wie sehr „CopStories“ teilweise stagniert. Besonders schade für mich, weil Lukas eigentlich mein Lieblingscharakter ist.

Noch kindischer ist eigentlich nur Leila. Ihre romantischen Gefühle gehören zu den schlechtesten „Storylines“ der Serie. Wir erinnern uns daran, wie sehr sie der Tod von Altan traf, obwohl da nichts war, und jetzt weint sie seit eineinhalb Staffeln Itchy hinterher und keiner weiß warum. Nicht nur, dass sich ihr absolut unprofessionelles Verhalten auf die Arbeit und das Team niederschlägt – Itchy weiß zurecht nicht wirklich, womit er das verdient – hat sie doch jetzt sogar den Teenager im Haus, an deren Beispiel sie jetzt endlich mal selbst reflektieren könnte.

Foto: ORF/Hubert Mican

Aber nein, in dieser Folge bespringt sie den amourös eher situationselastischen Itchy. Und als ihre Cousine das exakt Gleiche macht, vergeht ihr noch der letzte Funken Rationalität. Ich gebe zu, dass ich persönlich auf solche irrationalen/spätpubertären Auszucker besonders allergisch bin, aber ich stehe zu meiner Kritik an Leilas Gesamtsituation. Sie ist immer noch die am wenigsten klar gezeichnete Figur und Claudia Kottal bekommt dann als Strafe auch noch diese Schulhofstory zu spielen. Traurig.

Sniffing the Dorfer

Und damit wären wir „schon“ beim absoluten Tiefpunkt der Folge: die Dorfer. Die Figur war als der Gottseibeiuns der Kreitnergasse zuerst eine echte antagonistische Kraft mit Ziel und Zweck, wurde aber im Laufe der vierten Staffel vom polizeiinternen Botendienst bis schlussendlich zum wandelnden Furzwitz degradiert. Dass sich Vickerl dann auch noch in sie „verliebt“, ist der Mariannengraben vom Tiefpunkt. Nicht nur, dass Vickerl sowieso schon immer eine qualitativ grenzwertige Figur war, ist er hier auch noch dafür zuständig, die überdrehte Slapstick-Situation noch eine Spur weiterzuspinnen. Das misslingt grandios und seine Kommentare bezüglich ihres Geruchs – nachdem sie sich angeschissen hat – sind weder lustig noch irgendwie erklärbar. Es sei denn, man will uns damit sagen, dass ein Sandler halt auf Scheiße steht.

Erinnert euch dann zurück an den Moment, in dem Vickerl an der Dorfer schnüffelte.

Fazit

Es ist ja nicht so, dass die Folge nicht auch ein paar gute Momente hätte (alles mit Azra oder Berischer), oder nicht auch ein paar gute Sätze aus dem Drehbuch hervorblitzen würden (z.B. „intern/extern“). Es hätte auch Varianten gegeben, in denen die Folge einfach andere Geschichten erzählt und nicht ganz so wurscht gewesen wäre. Aber das ist keine Episode, die die entscheidenden Geschichten voran bringt, sondern nur wiederholt (Helga & Heuberger, Leila, Bergfeld, Roman & Bettina & Mathias), kreativ auslässt (Bordell-Fall, Dorfer & Vickerl, Lokal) oder erzählerisch stagniert (Mathias & Chantal, Helga & Toni/Astrid, Lukas, Sylvester & Flo).

Es sind nur noch drei Folgen und ein Film und in diesem Kontext wirkt diese Folge noch einmal besonders überflüssig. Hannes hat Recht, eine Serie mit etablierten Ensemble kann so eine Folge prinzipiell bringen und das kann auch echt Spaß machen. Aber das gilt hauptsächlich für US-Network-Serien mit 16-25 Folgen pro Staffel. Hier ist einfach kein Raum für Spielerei und schon gar nicht so kurz vor dem Ende. Als unverbesserlicher Optimist, als der ich bekannt bin, hoffe ich, dass die Serie hier luftholt (und Budget spart) für drei Folgen bombastisches TV-Spektakel, die diesen Betriebsunfall vergessen lässt. Ansonsten ist es gut, dass „CopStories“ jetzt zu Ende geht.

Lists Liste

  • Warum Gloria eine Augenklappe trägt wissen wir immer noch nicht, oder? Auch wenn man sagen muss, dass diese Sonja Romei echt gut steht.
  • Die Verlobungsentscheidung hat auch noch niemand schlüssig erklärt.
  • Warum hat sich nicht spätestens jetzt jemand über Eberts überblondierte Haare lustig gemacht? Dass das seit 7 Folgen unkommentiert durchgeht, glaubt doch auch keiner.
  • Mathias schreit wieder schlecht: „Die Chantal des is ka Schlamp’n. Verstehst du des?“ Die Chantal ist doch auch schon erledigt, muss die wirklich wieder kommen?
  • Sylvester, Dina ist zu jung für dich.
  • Itchy ist auch ein Arsch. Er kann nicht für das ganze Drama was, aber er tut auch nichts aktiv dagegen und stellt sich dumm. Unguter Typ.
  • Was ist mit der Musik? Ich fürchte mich vor der DVD-Version, auf der diese ganzen guten Lieder dann wieder durch 08/15-Konservenzeug ersetzt werden, weil man die erweiterten Rechte nicht hat. Oder waren die Songrechte diesmal der größte Posten im Budget?

Beitragsbild: ORF/Hubert Mican

6 Kommentare

  1. Georg T. 30. Jan 2019

    Ich seh auch fast die ganze Folge gegenteilig als Hari… die Dorfer ist sehr unterhaltsam für mich (Susi Stach ist einfach großartig, ob als Böse oder als Fußabtreterin für schlechte Witze)… Lukas Rolle finde ich fürchterlich, in der Folge aber noch am stimmigsten, er war ja immer schon krampfig und ist mit seiner eigenen Homosexualität wenig im Einklang wie man oft spürt, dass jemand wie er Alkohol braucht um aufzutauen und später in der Öffentlichkeit wieder ein Problem mit offen zur Schau gestellter Zuneigung hat, ist etwas das man auch im echten Leben bei einigen schwulen Männern leider erleben kann.

    Ich mag Itchy dafür sehr, auch wenn seine Rolle natürlich auch eine weitere Klischee-Rolle ist, aber die Ausführung und die Dynamik von Murathan Muslu find ich großartig… wo ich Dir zustimmen muss, dass Kottals Leila in dieser Staffel weit unter ihrem Niveau verkauft wird… die Rolle war viel cooler in früheren Staffeln.

    Alles in allem bin ich aber mehr bei Hannes dass nach 4 Staffeln so ein Folge auch ein Pay-Off ist, gerade weil oft gewisse Charakter- und Beziehungsentwicklungen zwischen den Fällen nur schemenhaft passieren konnten, dass sie hier mal voll im Focus stehen. Während mir Toni Rauper in den ersten drei Staffeln nur auf den Senkel ging, find ich die Astrid-Entwicklung eine interessante weil ich deren Ansatz (hey, wird sind alle Erwachsen und müssen uns irgendwie arrangieren was die Kindern angeht, gar nicht so deppat finde wie Helga das sieht – was ich aber auch nachvollziehen kann, dass sie da keinen Bock drauf hat oder noch nicht soweit ist…).
    Mir hat die Folge das Ensemble mal wieder näher gebracht und ja ich hoffe sehr, dass mich dadurch die hoffentlich dramatischen und spannenden Entwicklungen der verbleibenden Folgen hoffentlich mehr packen als manch andere Folge der Serie, die ich dramaturgisch oft sehr durchwachsen und uneinheitlich empfunden habe. Ich mag die Serie, aber ich fands sie schon immer sehr uneben was die Qualität angeht.

    • Hari List Autor des Beitrages | 30. Jan 2019

      Es brauchen glaub ich eine Menge Leute Alkohol für Flirterei & Co und auch öffentlich Zuneigung zu zeigen ist mEn eher unabhängig von der sexuellen Orientierung. Mir ist die Orientierung von Lukas (und allen andern ebenso) einfach wurscht und ich halte sie auch für irrelevant für meine Argumente seitens seiner Charakterentwicklung. Ich hab ihn nämlich schon auftauen und seine (vorgespielte?) Härte ablegen sehen. Das war ein kurzer Ausflug ins Land der Emotionen und in der Schlussmontage ist wieder alles beim alten. Das ist keine Entwicklung. Und sich ansaufen, damit man sich was traut/eingesteht ist traurig und passt mMn so gar nicht zu einem toughen Truthteller wie Lukas. Kann man aber auch anders sehen, ist mir klar.
      Und er ist btw. NICHT in der Öffentlichkeit, sondern umgeben von Kollegen, Freunden oder zumindest guten Bekannten wie Vickerl und Dorfer, die eh alle Bescheid wissen. Vielleicht kein echter Safe Space iwSdW, aber weit entfernt von öffentlich.

      • Georg T. 2. Feb 2019

        Ich erlebe Lukas halt auch so gar nicht als tough, nur als verklemmt… ich hielt Serge Falck immer für eine Fehlbesetzung für die schwule Rolle… inzwischen hab ich aber gehört, dass wir wohl ohne sein Engagement gar keine solche Rolle hätten, von daher seh ich es inzwischen mit anderen Augen und bin ihm dankbar.

        • Hari List Autor des Beitrages | 6. Feb 2019

          Ich bin jetzt ehrlich verwirrt oder interpretiere da jetzt was hinein. Also zum einen frage ich mich, ob „die schwule Rolle“ für dich so ein Trope ist wie „das naive Mädchen“ oder „der weise Großvater“, für die Serge Falck tatsächlich NICHT geeignet wäre? Sicher gibt es auch diese Gay Best Friend-Trope, der immer wieder bedient wird, aber Lukas ist das mMn genau nicht – und ich persönlich finde das gut.
          Oder kann man das auch so sehen, dass (schätz ich mal) ca. 5-10% der Bevölkerung gleichgeschlechtlich lieben und im Ensemble dann auch eine Figur dem entspricht. Kann also überhaupt jemand eine Fehlbesetzung für eine „schwule Rolle“ sein? Also im Sinne der Idealwelt, in der wir einfach alle akzeptieren dass Menschen, die halt das gleiche Geschlecht gern haben, auch in allen Formen und Farben daherkommen wie die Heteros.
          Und in der Kreitnergasse hätten auch Bergfeld, Flo, Matthias, genauso wie Leila, Helga oder die Dorfer „die schwule Rolle“ einnehmen können, ohne dass man nicht fast idente Geschichten mit Ihnen hätte erzählen können.
          Oder sehe ich das jetzt zu akademisch und aus der Warte des Nicht-Betroffenen komplett falsch?

          • Thomas St. 11. Mrz 2019

            Nein, Sie haben recht!
            Die Homosexuellenrolle hätte jeder der Beteiligten spielen können. Ohne irgendwelche Auswirkung auf die Dramaturgie.
            Hier wird nur die derzeit anscheinend überall notwendige „Schwulenquote“ bedient. Wurscht was, wurscht wo, wurscht welches Thema … ein(e) Schwule(r) muss dabei sein.
            Ich glaube auch schön langsam dass bei jeder ORF-Produktion der Strohhalm die Runde macht wer jetzt den Homosexuellen darstellen „darf“.

  2. Marcus 23. Jan 2019

    Naja,wenn so eine Folge etwas außer der Reihe für dich schon bedeutet, dass die Serie über den Hai gesprungen ist, was würdest du dann erst über eine Serie wie Riverdale sagen? 😀

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