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Die besten ÖSerien-Episoden 2018

Vom Österreichischen Filmpreis ausgeschlossen, der Jury des Thomas-Pluch-Preises ist es zu viel Arbeit: Österreichische Serienfolgen sind für keine Preise nominierbar. Zumindest wir wollen den besten huldigen – wir präsentieren die 5 besten Folgen österreichischer Serien 2018.

Gleich vorweg: Wir von Bruttofilmlandsprodukt schauen viel, aber für alles fehlen uns leider die Kapazitäten. Neben der einen oder anderen „SOKO Kitzbühel“-Folge haben wir 2018 insbesondere die neue „SOKO Donau“-Staffel verpasst. Auch die 3. Staffel der „Vorstadtweiber“ haben wir nicht zur Gänze verfolgt, weil wir zu dieser Serie seit der 2. Staffel einfach keinen Zugang mehr finden. Uli Bree, du mögest uns verzeihen, wir versuchen es in der 4. Staffel wieder.

Sehr wohl gesehen haben wir aber die 6. Staffel „Schnell ermittelt“, 16 Folgen aus der 3. und 4. Staffel „CopStories“, die 2. Staffel von „The Team“, den Großteil der 17. Staffel „SOKO Kitzbühel“ sowie die 1. Staffel von „Meiberger“. Die meisten davon haben wir in Episodenkritiken begleitet – aber wenn ihr Bruttofilmlandsprodukt im letzten Jahr besucht habt, dürfte das kein großes Geheimnis für euch sein. Wir limitieren unsere Liste auf höchstens zwei Folgen pro Serie.

Hier nun also die unserer Meinung nach besten Folgen des Jahres.

Platz 5 – SOKO Kitzbühel 17×08 „Vermächtnis“

Foto: ORF/Gebhradt Productions/Stefanie Leo

Huch, was macht denn „SOKO Kitzbühel“ hier, werden sich vielleicht manche denken, die den Tiroler Evergreen nicht näher verfolgen. Wir versuchen, Serien für das zu bewerten, was sie sein wollen, und unsere Bewertung davon unabhängig zu machen, ob wir der Zielgruppe angehören oder nicht. Das war jedenfalls eine der Lektionen aus unserer überaus kritischen Berichterstattung zum Ausstieg von Dr. Haller, die aus der falschen Hoffnung entstand, dass „SOKO Kitzbühel“ die narrative Komplexität weiterführen würde, die mit der Einführung von Julia Cencigs Nina Pokorny einherging. Und so erwarten wir uns nun einfach Rätselraten um die Identität des Mörders und ein bisschen Spannung.

„SOKO Kitzbühel“ erzählt nicht oft emotionale Geschichten für die Hauptfiguren. Umso bemerkenswerter, wie feinfühlig Alrun Fichtenbauers „Vermächtnis“ mit Ninas verlorenem Kind umgeht, und wie geschickt die Folge das in den Episodenfall verwebt. Nach dem absolut miserabel geschrieben und/oder inszenierten Ende der vorherigen Folge (17×07 „Unsichtbar“), das Lukas und Nina wie völlig inkompetente Idioten aussehen ließ, waren unsere Erwartungen niedrig. Mit „Vermächtnis“ lieferte „SOKO Kitzbühel“ dann aber eine mordsmäßige Überraschung.

Der Fall in „Vermächtnis“ ist zwar ziemlich Standard-Material (unterhaltsam, ein interessantes Milieu, ein verzwickter Whodunit),  aber ausnahmsweise sehen wir Lukas da solo ermitteln (bzw. ausschließlich mithilfe von Kroisi), weil Nina mehr als die halbe Folge lang im Krankenhaus liegt. Dabei kommt es zur wohl emotionalsten Szene der „SOKO Kitzbühel“-Geschichte, als Nina Lukas von der Schwangerschaft und deren Ausgang beichtet – geweint hatten wir bei dieser Krimiserie zuvor noch nie. Während Julia Cencig und Jakob Seeböck sonst selten in der Krimiserie was Anspruchsvolles zu tun bekommen, können sie hier wirklich beweisen, was sie schauspielerisch auf dem Kasten haben, und die Spiegelneuronen ganz schön ankurbeln. Auch Veronika Polly hat nach einer Eingewöhnungsphase in ihrer 2. Staffel als Teil des Hauptcasts in ihre Rolle gefunden. Das poetische Ende mit dem Bötchen auf dem See verewigt die Folge als eine der besten der Serie.

Platz 4 – Meiberger 1×04 „Geister“

Foto: ServusTV/MonaFilm/Olaf R. Benold

„Meiberger – Im Kopf des Täters“ brauchte ein wenig, um in Fahrt zu kommen, lieferte dann mit seiner 4. Folge aber ein echtes Highlight ab. Während Nepo im Krankenhaus liegt ist es Ganslinger, der die Ermittlungen übernehmen und Meiberger Paroli bieten muss. Während Hari in seinen Kritiken Ganslinger von Anfang an (und zunächst auch ein wenig scherzhaft) als Helden hochstilisierte, ist es erst diese Folge, die Ganslinger zur großen Identifikationsfigur und zum Publikumsliebling macht. 

Besonders gelungen ist den Autoren Maja & Wolfgang Brandstetter dabei Ganslingers Wandel. Während dieser noch in den ersten drei Folgen beinah ausschließlich als Comic Relief diente (und diese Rolle in „Geister“ natürlich auch nicht auf magische Weise gänzlich ablegt), wirkt er hier als dramatische Figur. Dass wir ihn vorher nur als Witzfigur wahrgenommen haben, sorgt in „Geister“ dafür, dass wir das Gefühl bekommen, ihm Unrecht getan zu haben und sein Potential nicht erkannt hatten – ein äußerst gelungener Aha-Moment.

Foto: ServusTV/Mona Film/Screenshot

Ebenfalls gelungen ist das Ende, bei dem „Meiberger“ die Erwartungen bricht – Meiberger kann den Fall zwar lösen, aber gut geht der Fall dennoch nicht aus, weil sich herausstellt, dass die Kinder die Frau noch lebte, als die zwei Täter sie ins Wasser schmissen. Der Mord stellt sich als dummes Missverständnis heraus. Das bestätigt unsere Theorie, die wir bei „CopStories“ bereits formuliert hatten: Die tragischen Geschichten sind die denkwürdigsten. Die Ironie des Schicksals tut richtig weh und ist uns damit noch lange in Erinnerung geblieben. Ganslingers nachdenklicher Blick am Brunnen (untermalt von dramatischem Geigenspiel) fasst die zwei größten Stärken der Folge in einem Bild zusammen und ist damit der Höhepunkt der ersten Staffel.

Platz 3 – CopStories 3×02 „Bitte ned“

Foto: ORF/Petro Domenigg

Zweifellos die brutalste Serienstunde des Jahres, obwohl die Serie Gottseidank im rechten Moment wegschneidet. „Bitte ned“ ist die Art von Folge, die man ungern zweimal ansieht, denn einmal reicht, damit sie einen nicht mehr loslässt. Tinas Vergewaltigung hat die Welt der „CopStories“ auf den Kopf gestellt. Mike Majzens größter Verdienst ist nicht nur, wie sensibel er mit dem Thema umgeht, sondern vor allem auch, wie der Vorfall (und später auch das Trauma) die Polizisten zunächst entzweit und schließlich zusammenbringt. Dass die Dialoge fantastisch sind, braucht man nicht noch extra dazusagen – wir machen das aber trotzdem.

Platz 2 – CopStories 3×09 „Schatzilein“

Foto: ORF/Gebhardt Productions /Screenshot

Noch ein Werk von Mike Majzen. Spannender als in den letzten Folgen der dritten Staffel war „CopStories“ nie. Als sich die spinnefeinden Obradovic und Berischer miteinander verbünden, um den Cops der Kreitnergasse ein Schnippchen zu schlagen, lässt das Übles erahnen. „CopStories“ nützt dabei die gesamte Bandbreite seines enorm talentierten Ensembles an Haupt- und Nebenfiguren, um den Plan in die Tat umzusetzen, Iveta zu entführen.

Highlights inkludieren Chantal Obradovics Einsatz im Namen ihres Ehemanns, ihre Festnahme und schließlich auch das Verhör, das ausnahmsweise Mathias führt. Auch der (endgültige?) Bruch zwischen Bergfeld und Selma Kumran-Effenberg findet sich in dieser Folge, ebenfalls motiviert durch die Geschichte rund um Iveta. Nicht zu vergessen auch die zuckersüße Liebesgeschichte zwischen Helga und Heuberer, die hier ein positives (natürlich nur vorläufiges) Ende findet. Insgesamt eine sehr dichte, irrsinnig spannende Folge, die große Vorfreude aufs Staffelfinale machte.

Platz 1 – Schnell ermittelt 6×06 „Oleg Dinisowitsch“

Foto: ORF/MR Film/Petro Domenigg

Als wir die Folge damals betrachteten, waren wir uns noch nicht ganz sicher: War sie Genie oder war sie Wahnsinn? Wie an diesem Ranking unschwer zu erkennen ist haben uns mittlerweile entschieden. Guntmar Lasnigs „Oleg Dinisowitsch“ fällt sicherlich gehörig aus dem Rahmen der Serie – der Humor, der Schnitt und schlussendlich auch die Wahrhaftigkeit entsprachen nicht unbedingt dem, was wir von „Schnell ermittelt“ gewöhnt sind. Entsprechend kontrovers fiel auch das Echo der Fans aus – bei keiner anderen Folge lasen wir auf der Facebook-Seite der Serie so viele enttäuschte Kommentare.

Das Zielpublikum von „Oleg Dinisowitsch“ war nur eine Teilmenge der „Schnell ermittelt“-Fans – wir gehörten diesem aber glücklicherweise an. Was uns dafür geboten wurde konnte in Sachen Humor und Originalität allerdings von keiner anderen ÖSerien-Episode dieses Jahr übertrumpft werden. Der skurrile Fall war so faszinierend, dass wir ausnahmsweise kaum darauf achteten, wie sich der Nico-Schnabel-Fall entwickelte. So faszinierende Krimifälle gibt es nur ganz, ganz selten – auch wenn man dafür auch mal über die Strenge schlagen muss.

Und nun zu euch: Welche Folge hättet ihr noch in unser Ranking aufgenommen?

2 Kommentare

  1. Georg T. 13. Jan 2019

    Oh wow, Euer Outing gegenüber Vorstadtweiber hat mich jetzt überrascht… 2 x CopStories aber keine aus der 4. Staffel… na da bin ich ja gespannt auf den Rest der Staffel… ich hoffe wir kriegen Murathan Muslu bald wieder in einer Serie zu sehen… der Typ ist einfach der Hammer!

  2. Guntmar Lasnig 4. Jan 2019

    good choice 🙂
    thx

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