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Wichtig: Die Quoten der Seriensaison 2018/2019

Spät, aber doch präsentieren wir euch eine wichtige Übersicht (und Interpretation) über die Quoten der wichtigsten österreichischen Serien. Wichtig: Nicht zu wichtig nehmen!

Lasst uns einen Blick auf die vergangenen sechs Monate werfen. Wir hatten – egal wie unsere Episodenkritiken im Detail ausfielen – eine extrem intensive und spannende Seriensaison 2018/2019, beginnend mit der laaang erwarteten 3. Staffel von „CopStories“ Mitte August und endend mit dem feurigen Finale der ersten Staffel „Walking on Sunshine“ am 4. März.

Die sechste Staffel „Schnell ermittelt“ hatte einige der besten Folgen der Serie zu bieten, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ war ein reiner Augenschmaus und „The Team“ war immerhin auf Projektebene ein schönes Beispiel für europäische Zusammenarbeit.

Neben dem ORF hat auch ServusTV aufgezeigt und konnte sich in unserer Gunst mit „Meiberger – Im Kopf des Täters“ mehr als nur behaupten. Zu all diesen Serien haben wir Episodenkritiken und Podcasts zu bieten (Links siehe unten), aber jetzt ist es Zeit, dass wir uns auch einmal die quantitative Ebene ansehen: die Quoten.

Nicht berücksichtig haben wir die Serien von Sky. „Das Boot“, Der Pass“ und „Acht Tage“ konnten wir uns mangels Screener nicht in der Intensität widmen, wie wir es gerne gemacht hätten. Gerne hätten wir euch auch mit zahlreichen Episodenkritiken versorgt, aber Sky hat nicht auf unsere Anfragen geantwortet. Zu „Acht Tage“ haben wir aber letzte Woche immerhin einen Podcast geschafft. Tatsache ist aber auch, dass von Sky sowieso keine Quoten verfügbar wären – was bei einem PayTV-Sender mit VoD-Plattform auch nur mäßig sinnvoll wäre.

Überblick

Die Grafik zeigt alle Episoden der erhobenen Serien in gruppiert in chronologischer Reihenfolge. Es handelt sich dabei um die durchschnittlichen Zuschauer bei der ersten, regulären Ausstrahlung. Wiederholungen und Abrufe über die Mediatheken sind darin nicht enthalten.

Etablierte Konstanz

Schön zu sehen ist, dass die „alten“, etablierten Serien ihr Publikum über die Staffel(n) konstant halten konnten. Bei der ersten und letzten Folge der mittlerweile schon 6. Staffel „Schnell ermittelt“ schalteten jeweils eine halbe Million Menschen ein. Die Folgen dazwischen schwankten nicht sehr stark bis auf die eine, die Regel bestätigende 9. Episode.

Der Quotenverlauf von „CopStories“ wirkt zwar unspektakulär, ist aber bei genauerer Betrachtung wirklich beeindruckend.

  • Wir mussten mehr als 3,5 Jahre auf die neue Staffel warten. Dass beim Auftakt 370.000 Menschen wieder zur Serie zurückfanden, grenzt an ein Wunder.
  • Der Start erfolgte am 14. August. In der TV-Todeszone Sommer. Wo die Tage lang und die Abende lau sind.
  • „CopStories“ lief um 21:00 und hatte mit den sehr starken SOKOs eine gut Ausgangsbasis. Trotzdem ist 21:00 nie so gut wie 20:15, wo – mit Ausnahme von „The Team“ – alle andere Serien im Vergleich liefen. Generell gilt auch im Hauptabend: je später, desto weniger.
  • Es gab Pausen. Wegen Fußball, wegen Skirennen und wegen Weihnachten. Das Publikum blieb dran, kam sogar teilweise stärker wieder. Wow!

Neu hat es schwer

Die neue Serie „Walking on Sunshine“ startet stark, ließ aber auch stark nach. Bis zum Finale gingen 40% der Zuschauer des Auftakts verloren. Bei „M“ waren es auch -32%, aber das geschah unter gänzlich anderen Bedingungen. David Schalkos Miniserie wurde in Doppelfolgen ausgestrahlt, wobei die ersten Teile am Sonntag Abend – da sind generell die besten Sendeplätze – ausgestrahlt wurden und dann am Mittwoch und Freitag eher suboptimale Platzierungen hatten.

Beiden Serien gemeinsam ist aber, dass sie enorm viel Werbung erfuhren, wozu wir aber keine empirischen Daten haben. Angesichts dessen ist ein hohes Zuschauerinteresse zu Beginn auch nachvollziehbar, die starken Rückgänge danach zeugen aber speziell bei „Walking on Sunshine“ davon, dass die Serie ihr Publikum einfach nicht überzeugen konnte.

„Walking on Sunshine“ startete auch mit einer Doppelfolge und wurde danach wirklich im Wochenrhythmus ausgestrahlt. Keine Unterbrechungen, keine Verschiebungen, weiterhin gute Promotion innerhalb des ORF-Netzes und trotzdem ging es steil und fast linear nach unten.

Zu „The Team“ braucht man nicht viel sagen. Der ORF strahlte vier 90-Minüter anstatt acht Einzelfolgen aus. Weil das Team der ersten Staffel nicht mehr da war und ein gänzlich neuer Fall erzählt wurde, ist diese Staffel quasi ein Serienneustart. Der erste Teil war zwar im Vergleich kein Erfolg, aber weil man danach die Serie weiter nach hinten in die ungute Zone um 22:00 und später schob, konnten die Teile danach auch nicht mehr wirklich was gut machen. Immerhin blieben die Einschaltquoten für diese drei Teile konstant, was zumindest ein Indiz für ein treues Publikum ist.

Bleibt noch „Meiberger“, die je nach zählweise zweite oder dritte fiktionale Eigenproduktion von ServusTV. Ein hoher Werbeaufwand zum Start führt zu einem für Senderverhältnisse guten Auftakt. Danach gab es zwar einen konstanten Rückgang, aber angesichts des niedrigen Ausgangsniveaus war der nicht so steil wie bei z.B. „Walking on Sunshine“. Zu beachten ist natürlich, dass ServusTV generell sehr viel weniger Zuseher hat als der ORF und eigentlich immer gegen starke Konkurrenz antritt. Am Dienstagabend verlor man natürlich das Duell gegen die SOKOs in absoluten Zahlen, aber im Umkehrschluss kann man auch sagen, dass man zumindest einen Achtungserfolg erzielen konnte. Es wird auch höchstwahrscheinlich eine weitere Staffel geben.

Woher kommen die Daten?

Die Fernsehnutzung in Österreich wir mit dem Teletest erhoben. Einfach erklärt befinden sich dafür in einer repräsentativen Anzahl von Haushalten Geräte, die an die jeweiligen Fernseher angeschlossen sind und die Nutzung messen. Die Menschen davor müssen dann nur noch auswählen, wer da gerade vor dem Gerät sitzt. In der Nacht werden die Daten abgerufen, hochgerechnet und am Vormittag den Kunden und – in reduzierter Form – der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Resumé

Insgesamt sind Quoten zwar nett für Zahlenfreaks, aber ihre Aussagekraft nimmt rasant ab. Zum einen steigt der nicht-lineare Konsum – also z.B. von Mediatheken oder VoD-Angeboten – und die Bedeutung des klassischen Fernsehens sinkt speziell in jüngeren Altersgruppen.

Dazu kommen eben die völlig unterschiedlichen Situationen. Neben den durchschnittlichen Zuschauern werden auch noch die Reichweite und der Marktanteil ausgewiesen. Alle Zahlen haben völlig unterschiedliche Aussagen und können je nach Kontext (z.B. Gegenprogrammierung, Werbeaufwand, Wetter,…) auch gut und schlecht sein. Die reine Zahl sagt wenig, deswegen haben wir uns hier in unserer Analyse auch auf den Verlauf konzentriert – was aber auch seine Schwächen hat.

Sender geben in ihrer Öffentlichkeitsarbeit natürlich gerne mit guten Quoten an. Dabei wird oftmals auch „in der Spitze“ oder „bis zu X Zuschauer“ angegeben, wobei jede Person erfasst wurde, die für eine kurze Zeit bei der jeweiligen Sendung vorbeizappte. Eine völlig nutzlose Zahl, die einfach nur höher ist als der Schnitt oder die Zahl derjenigen, die wirklich die ganze Sendung angesehen haben, und daher besser klingt.

Was denkt ihr? Sind Quoten wichtig für die öffentliche Debatte – speziell für den ORF? Oder sollten sie nur für interne Entscheidungen und zum Werbeverkauf verwendet werden? Hinterlasst uns einen Kommentar.

Links

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