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Follow the money! Förderentscheidungen #1/2019

Wir wollten es eigentlich schon länger machen, aber es ist auf unserer Agenda immer weiter nach hinten gerutscht. 2019 wollen wir euch aber jetzt wirklich regelmäßig informieren, wenn die großen Förderinstitutionen ihre Entscheidungen veröffentlichen.

Wir werden nicht allzu sehr ins Detail gehen, wollen aber ein paar Highlights herausgreifen, Diskurs inspirieren und euch insgesamt einen kompakten Überblick geben. Alle Quellen und Dokumente sind verlinkt (siehe unten).

Wer hat was gefördert?

Das Österreichische Filminstitut sagte insgesamt 6,44 Mio. Euro zu. Der größte Brocken davon betrifft die Herstellung (2,84 Mio.), aber auch der Bereich Verwertung (1,39 Mio.) war gut bedient. Dazu kommen noch Mittelerhöhungen, also die Aufstockung von bereits zugesagten Förderungen. Das betrifft auch hier vor allem die Bereiche Herstellung (1,66 Mio.) und Verwertung (0,37 Mio).

Der Rest entfällt auf Stoff- oder Projektentwicklung (die aber gedeckelt sind und daher pro Projekt keine exorbitanten Höhen erreichen) und berufliche Weiterbildung von einzelnen Filmschaffenden, die Unterstützung für z.B. Kurskosten erhalten – Peanuts und generell positiv.

Unter Verwertung fallen die Förderung von Festivalteilnahmen, sowie von Kinostarts. Die Fördersummen pro Projekt betrugen zwischen 6.500 und 40.000 Euro. Außerdem haben zu Jahresbeginn viele Filminstitutionen ihre Jahresförderungen erhalten. Das erklärt, warum dieser Bereich diesmal so einen hohen Anteil an der Gesamtsumme hat.

Die großen Filmfestivals wie Diagonale oder Crossing Europe, die Austrian Film Commission oder das Drehbuchforum erhalten sechsstellige Beträge. Einige kleinere Projekte, Vereine und Filmfestivals, sowie besondere Initiativen für Marketing oder Barrierefreiheit bekommen ebenfalls Unterstützung (oder eine Erhöhung des bisherigen Budgets).

Welche Filme wurden gefördert?

„Griechenland“, die nächste Koop von Harald Sicheritz und Thomas Stipsits bekommt eine Aufstockung von 240.000 auf insgesamt 540.000. Wenn nur nicht der nächste „Baumschlager“ (Podcast) daraus wird. Andreas Schmied ist gerade mit „Love Machine“ (Podcast) so richtig erfolgreich im Kino und bekommt jetzt gleich 740.000 für seine nächste Komödie „Hals über Kopf“.

Produzent Wolfgang Ritzberger, der Mann der an Adrian Goiginger und „Die beste aller Welten“ (Podcast) glaubte, als es sonst keiner tat, produziert (und schreibt) „Kill Mozart“. Die Synopsis liest sich nach einer Variante von pseudohistorischen Schatzjägerfilmen wie „National Treasure“ oder den Dan Brown-Verfilmungen. Das Wort „Schnitzeljagd“ steht sogar wirklich da. Aber wenn Nicholas Cage mitspielt, verzeihen wir alles. (Wird er vermutlich nicht, aber hoffen ist erlaubt.)

Nachwuchsfilmförderung ist für erste und zweite Filmprojekte von Regisseur:nnen. Und weil das die einzige Regel ist, kann so ein Nachwuchstalent auch schon Anfang 50 sein und bereits mehrere Drehbücher geschrieben und dutzende Filme und Serienepisoden geschnitten haben. Die Rede ist von Evi Romen und „Disco“. 650.000 für Selbstverwirklichung.

„Das kürzeste Gedicht der Welt“ von David Clay Diaz hatte nicht nur eine Mittelerhöhung um 200.000 auf insgesamt 640.000 nötig, sondern nach „In Limbo“ und „Cold Spot“ inzwischen auch schon den dritten Namen. Im Verbund mit der kürzesten und nichtssagendsten Synopsis aller Projekte befürchten wir, dass der Film wohl ein paar Probleme hat.

„DAS KÜRZESTE GEDICHT DER WELT erzählt von vier Menschen, deren Maxime zu Flucht und Asyl auf Dauer erschüttert werden.“

ÖFI Förderinfo 1/2019, S.9

Die Synopsis von „Das schaurige Haus“ von Daniel Prochaska klingt hingegen danach, als könnte das ein richtig guter (oder zumindest erfolgreicher) Familienfilm werden. 800.000 und dann schauen wir einmal.

Erwähnt sei noch die Nachwuchsdoku „Stams“ (Regie: Bernhard Braunstein) über das berühmte und inzwischen auch berüchtigte Skiinternat – der einzige neue Dokumentarfilm beim diesmaligen Termin. „Manaslu – Berg der Seelen“ (Podcast) und „The Royal Train“ erhalten Mittelerhöhungen.

Was ist sonst noch erwähnenswert?

  • Christoph Rainer und David Clay Diaz fahren oder fuhren zum „Save the Cat – Weekend Intensive Writers Workshop“, Rainer bekommt aber 117 Euro mehr. Interessanter ist aber, ob der Workshop den Film von Diaz noch retten wird. Das Buch „Save the Cat“ ist übrigens sehr empfehlenswert und kostet bei Amazon gerade 11,04 Euro.
  • Regisseur Friedrich Moser bekam 15.000 für „Crowdfunding, Community Building, Grassroots Distribution“. Erstens lustig, dass man für Crowdfunding Funding bekommen kann. Zweitens: Haben nicht alle diese Buzzwords gemein, dass sie eben NICHTS kosten sollen? Drittens: Der Film hat schon 200.000 an Herstellungsförderung erhalten und die Dreharbeiten sind laut ÖFI abgeschlossen. Sollte das alles nicht vorher passiert sein? Und viertens: Der Film heißt „BIER!!!“. Drei Rufzeichen, all caps. Auf Englisch einfach nur: „Beer!“ Jetzt ist alles klar.
  • Entschieden haben in der Projektkommission neben ÖFI-Direktor Roland Teichmann noch Geraldine Bajard, Mark Hirzberger-Taylor, Ewa Karlström, sowie Ines Häufler. Für Ines wird es vermutlich das letzte Mal gewesen sein, sie kehrt dem Film und der Filmdramaturgie vorerst den Rücken. HIER erklärt sie ihre Beweggründe. Nur ein Zitat aus dem insgesamt sehr erhellenden wie bedrückenden Bericht: „Für mich gibt es viele Komponenten, die ich als Dramaturgin bei einem Drehbuch abklopfe. Die meisten davon sind inhaltliche. Aber dann gibt es auch noch andere Aspekte, und die sind zum Beispiel folgende: Publikum, Handwerk, Geld. Und bei diesen drei Worten bin ich bei einigen Teilen der Filmbranche immer wieder auf Ablehnung, Unverständnis und teilweise auch auf blanke Wut gestoßen.“ Ines, deine Stimme wird fehlen. (Aber wir haben ja immer noch unseren Podcast.)

Links

  • Förderentscheidungen 01/2019 des Österreichischen Filminstituts (PDF)
  • Alle Infos zur Referenzfilmförderung (LINK)

Anmerkungen

  • Wir lassen Stoff- und Projektentwicklung bewusst aus, weil in diesem Stadium zu viele Filme scheitern. Reden wir dann darüber, wenn das Projekt so weit ist, eine Herstellungsförderung zu erhalten.
  • Ebenfalls lassen wir die Referenzfilmförderung aus. Das sind Gelder, die eine Produktionsfirma erhält, weil sie mit vorangegangenen Projekten Erfolg in Form von Festivalpreisen und/oder Besuchern hatte. Basierend auf einer Punkteliste mit Kriterien kann dann eine Förderung abgerufen werden. Das ist prinzipiell ein gutes System aber, weil kein Juryentscheid dahinter steht, für uns nur sekundär interessant.
  • Auch die Aufschlüsselung der Gender-Verteilung könnt ihr selbst nachlesen. Ein einzelner Termin hat zu wenige Datenpunkte, um irgendeine echte Aussage zu haben. Aber natürlich schauen wir uns am Ende des Jahres das Gesamtbild an.

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