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Fremdsprachen-Oscar: Wie erfolgreich ist Österreich wirklich?

Anlässlich der wieder einmal komplett ÖFilm-freien Oscarverleihung haben wir einmal nachgerechnet, wie gut Österreich in der Geschichte des Oscars für den besten fremdsprachigen Film abgeschnitten hat. Spoiler: Könnte besser sein!

Der österreichische Film ist international erfolgreich, räumt regelmäßig bei Festivals ab und die Oscars sowieso. Das ist natürlich überhöht, aber wer in den letzten 12 Jahren eine österreichische Zeitung aufgeschlagen hat, wird an solchen oder ähnlichen Aussagen nicht vorbeigekommen sein.

Aber wie erfolgreich ist die Filmnation Österreich wirklich? Und wie – wenn überhaupt – können wir den Erfolg messen? Kaum ein „großer“ europäischer Film kommt ohne Förderung aus mindestens zwei Ländern zustande, das mit der Länderzuordnung ist also so eine Sache. Wie einen Film dann also zuordnen? Es wird noch ein wenig dauern, bis wir die Daten zu den Preisen in Cannes, Berlin und Venedig, Toronto, Sundance und Rotterdam auseinanderdividiert haben. Die Oscars machen es uns da einfacher.

Die Oscars

Beginnend mit 1955 (29. Verleihung) wird der Academy Award (vulgo „Oscar“) für den besten fremdsprachigen Film in der heutigen Form nominiert und vergeben. Pro Land darf ein nicht-englischsprachiger Film eingereicht werden, von denen dann fünf eine Nominierung erhalten. Seit damals gab es davon keine Abweichung, keine relevante Regeländerung, keinen Stimmengleichstand mit Doppelauszeichnung. Ein Datensatz, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Einzig einige Länder existieren nicht mehr, haben aber Rechtsnachfolger, denen wir sie zugeordnet haben. Die DDR und Westdeutschland sind jetzt Deutschland, Jugoslawien ist Serbien (für die Statistik vereinfacht) und die Sowjetunion Russland, etc. Auch wenn einige Länder nicht mehr existieren, so sind auch neue entstanden. Die Anzahl der Einreichungen wuchs kontinuierlich und fast jedes Jahr haben wieder einige Nationen zum ersten Mal eingereicht (2018 z.B. Niger und Malawi).

Österreich seit 1961 dabei – 2 von 4

Österreich reichte so wie auch die Schweiz 1961 das erste Mal ein. Die erste Nominierung erfolge 1982 mit Wolfgang Glücks „38 – Auch das war Wien“. 2007 dann der erste Erfolg. „Die Fälscher“ von Stefan Ruzowitzky wurde ausgezeichnet und 2008 wurde auch noch Götz Spielmanns „Revanche“ nominiert. 2011 war es dann wieder so weit. Michael Haneke gewann für „Liebe“. Und das war es schon. 2 Oscars bei 4 Nominierungen. Insgesamt wurde 42 Mal eingereicht, erst seit 1983 auch wirklich kontinuierlich jedes Jahr.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Reihen wir die Länder nach dem Medaillenspiegel-System, dann ist Österreich auf Platz 13 von 54 Ländern*, die jemals für einen Oscar nominiert waren.

Vor Österreich sind mit einer Ausnahme (Argentinien) fast ausschließlich wohlhabende europäische Länder mit langer Kultur- und Filmtradition. Da die großen Länder auch entsprechende Märkte oder starke staatlichen Rahmenbedingungen (Sowjetunion früher bzw. auf andere Art auch Frankreich bis heute) bieten, ist der Vergleich mit „kleinen“ Österreich vielleicht nur bedingt zulässig.

Direktvergleich

Also schauen wir uns die Länder an, die Österreich ähnlich sind. Vergleichen wir also mit Länder, die eine ähnliche (westliche) Kulturgeschichte und ein ähnliches Wohlstands- und Entwicklungsniveau haben. Und natürlich auch eine vergleichbare Einwohnerzahl. Basierend auf den aktuellsten Einwohnerzahlen haben wir also aus den 54 Oscar-Nationen die Länder gefiltert, die zwischen 5 und 12 Millionen Einwohner haben. Darunter ist Österreich mit 8,9 Mio leicht über dem Schnitt, der ziemlich genau bei der aktuellen Einwohnerzahl der Schweiz liegt.

Israel hat noch keinen Oscars, aber wesentlich mehr Nominierungen bekommen. Serbien auch, allerdings sind die alle noch aus den Zeiten Jugoslawiens. Und Finnland ist das einzige skandinavische Land, das von Österreich „geschlagen“ wird.

Eine insgesamt gute Platzierung gäbe es für Österreich, würde man die Oscars pro Kopf rechnen. Dann belegt Österreich Platz 6 von 54, ist aber immer noch deutlich hinter z.B. Dänemark, Schweden und der Schweiz. Bei den Nominierungen pro Kopf wird es Platz 16.

Erfolgsquote

Das waren aber nur Zahlenspiele. Eine echte Erfolgskennzahl wäre doch, wenn man die Anzahl der Einreichungen den Auszeichnungen und Nominierungen gegenüber stellt. Österreich hat in 62 Jahren 42 Mal eingereicht. Die Wahrscheinlichkeit nominiert zu werden, war früher wie erwähnt größer, da weniger Nationen mitmachten. Hat irgendwer Österreich davon abgehalten jedes Jahr Filme einzureichen?

Die Rechnung ist simpel. Österreich braucht historisch 21 Einreichungen pro Oscar und 10,5 pro Nominierung. Alle 11 Jahre eine Nominierung? Klingt nicht schlecht, oder?

Ist es aber. Österreich schafft es in unserer Liste nur auf Platz 26, weil wir nur Länder mit 15 oder mehr Einreichungen berücksichtigt haben. Und hier ist der Unterschied zu den vergleichbaren Ländern gewaltig. Dänemark, Schweden, Israel, Tschechien und Ungarn sind bei den Nominierungen jeweils doppelt so erfolgreich wie Österreich oder noch besser.

Neu ist immer besser?

Probieren wir etwas anderes. Wir haben gesehen, dass immer mehr Länder einreichen. Es wird also schwieriger nominiert zu werden und damit auch den Oscar tatsächlich zu gewinnen. Zusätzlich kann man argumentieren, dass, aus verschiedenen Gründen, das Angebot an guten Filmen auch immer weiter gewachsen ist und wächst. Sollten dann nicht aktuelle Erfolge mehr wert sein als Nominierungen aus 1955, als nur 8 Nationen mitmachten?

Überlegen wir uns also ein System. Jede Nominierung ist 1 Punkt wert, jede Auszeichnung weitere 4 und ein Oscar somit das 5-fache einer Nominierung. Als Gewichtungsfaktor nehmen wir einfach das Jahr/1000. Eine Nominierung aus 1969 wäre also zB 1,969 Punkte wert, eine Gewinn aus diesem Jahr dann 1,969 x 4 = 7,876. Rechnen wir also einfach mit diesem System. Wie erfolgreich ist Österreich jetzt?

In diesem Modell erreicht Österreich 24,089 Punkte und Platz 15. Auch nicht verwunderlich: Mit 2 relativ jungen Auszeichnungen wird in der isolierten Betrachtung der leicht bessere Platz 11 erreicht, bei nur 4 Nominierungen Österreich aber bis auf Platz 23 durchgereicht.

Besser wird es nicht. Egal wie viel höher man den Oscar im Vergleich zu einer Nominierung einschätzt, Österreich bleibt knapp außerhalb der Top 10. Wir könnten auch die historische Gewichtung ändern und Österreich so noch ein paar Plätze gutmachen lassen.

Aber am Ende steht die Erkenntnis, dass Österreich deutlich hinter den vergleichbaren Staaten zurückfällt. Schweden, Dänemark, Ungarn und Tschechien (hauptsächlich die Tschechoslowakei) sind einfach besser. Die Schweiz, Serbien und Israel nicht unbedingt so viel schlechter.

Österreich koproduziert mit den erwähnten Ländern übrigens relativ selten. Diese Länder haben auch keinen Sprachraum (und potenziellen Markt) von 100 Millionen Menschen zur Verfügung. Länder wie Ungarn, Tschechien oder Serbien sind relativ junge Nationen, die noch einiges an Vergangenheitsproblemen mitschleppen (Infrastruktur, etc.). Länder wie Polen und Ungarn sind nicht so medien- und kunstfreundlich gesinnt, dass da theoretisch alles möglich wäre. Und die skandinavischen Länder sind uns wieder einmal in einem Bereich weit voraus. Wo eigentlich nicht?

Fazit: Jegliche mediale Überhöhung ist unangebracht. Natürlich gibt es noch Nominierungen in anderen Kategorien, die an Österreicher und österreichische Filme gingen. Aber das ist eine Diskussion für ein anderes Mal.

Wie seht ihr das? Wie erfolgreich ist Österreich bei den Oscars eurer Meinung nach wirklich? Welche Auswertung würde auch noch interessieren?

Anmerkungen

  • * Länder mit ihrem heutigen Namen/Nachfolgestaat
  • Nicht inkludiert sind die aktuellen Nominierten, das hätte es für Österreich auch nicht besser gemacht. Wenn Jahreszahlen genannt werden, dann ist es das Filmjahr. Die dazugehörige Verleihung fand im Jahr darauf statt.

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