Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Zahlen zum Wochenende: Kinobesuche im historischen Vergleich

Zuletzt haben wir uns die Kinobesuchszahlen des ersten Quartals 2019 angesehen. Darauf aufbauend vergleichen wir jetzt mit historischen Zahlen, wie erfolgreich die 2019er Filme eigentlich waren.

Was ist Erfolg? Heute sehen wir uns an, wie viele Besuche für einen Film eigentlich „gut“ sind. Aber was ist schon gut in einer Filmbranche, die keinerlei Marktmechanismen ausgesetzt ist? Normalerweise würde Erfolg mit Umsätzen an der Kinokasse, dem Hereinspielen des Produktions- und Marketingbudgets und einem eventuellen Gewinn weit darüber hinaus gemessen werden.

Weil in Österreich aber Filme teilweise zu 90% und mehr aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, können wir den Film nur schwer an monetären Zielen messen. Schließlich fördern wir als Gesellschaft den Film – gelegentlich sogar die Filmkunst – weil wir uns etwas davon erwarten. Was auch immer das ist, die Messung gestaltet sich hier noch schwieriger. Aber das ist eine Diskussion für einen anderen Text.

Also bleiben uns die Besucherzahlen. Und da haben wir den historischen Vergleich. Und „gut“ ist jetzt der Einfachheit halber alles über dem Durchschnitt.

Durchschnittliche Besuche seit 1982

Grafik: BFP, Daten: ÖFI

Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) führt eine Liste, die alle österreichischen Filme seit seiner Gründung Anfang der 1980er umfasst. Diese dient uns hier als Datenbasis.

Anm.: Eine Kritik an der Qualität der Daten und warum wir sie trotzdem verwenden, findet ihr im Artikel zu den Kinobesuchen des Q1/2019

In der obigen Grafik sind Spiel- und Dokumentarfilme vermischt. Das ÖFI weist letztere erst seit 1988 aus, vielleicht gab es vorher auch einfach keine. Herausgerechnet haben wir nur einige wenige Kurzfilme und Filme ohne Angabe. Die eigene Kategorie „Kinderfilm“ haben wir den Spielfilmen zugeschlagen und Filme, die mit „Fiktion“ UND „Doku“ markiert waren, ebenfalls.

Enthalten sind aber auch einige Film mit nur sehr wenigen Zuschauern. Ein Beispiel: „Nick Knatterton“ von Niki List (nicht verwandt) und Marcus Rosenmüller, der in Österreich angebliche nur 212 Besuche hatte. Diese Filme ziehen den Schnitt natürlich nach unten.

Welche Erkenntnisse nehmen wir aber jetzt aus de Grafik mit. Erstens: Die Filmzahl steigt kontinuierlich an (rote Linie). Blickt man in den Filmwirtschaftsbericht, den ebenfalls das ÖFI herausgibt, dann laufen teilweise 50 Filme pro Jahr im Kino. Darin enthalten sind auch Wiederaufnahmen und Filme, die erst spät im Vorjahr starteten, sowie TV-Filme, die eventuell kurze, lokale Kinoauswertung erhalten wie z.B. die Stadtkomödie „Harri Pinter, Drecksau“, der 2017 über 25.000 Besuche hatte. Festivals und Retrospektiven des z.B. Filmarchivs oder Filmmuseums sind da nicht enthalten.

Aktuelle Kinofilme haben also nicht nur internationale Konkurrenz aus Hollywood, Frankreich und dem Rest der Welt, sondern auch national von verschiedenen Seiten. Das erklärt vielleicht auch zweitens, warum die durchschnittlichen Besuche nur selten über 50.000, oft nicht einmal über 30.000 hinausreichen.

2008 und 2009 waren Ausnahmejahre. Aus diesen Jahren finden sich gleich 7 Filmen in den Top 30* aller Zeiten wieder – für die man aktuell 125.000 Besuche braucht – und der starke Anstieg an Produktionen nahm da gerade erst seinen Anfang.

*Die Top 30 ÖFilme aller Zeiten schauen wir uns übrigens nächste Woche genauer an.

Die Teichmann-Ära

Die Onlineausgaben des Filmwirtschaftsberichts stehen bis inklusive 2004 zur Verfügung. Damals trat der heutige Direktor Roland Teichmann seinen Job an. Seitdem wurden die Daten, die zur Verfügung gestellt werden, mehr und detaillierter. Begrenzen wir uns also in der Folge nur auf seine Amtszeit.

Grafik: BFP, Daten: ÖFI

Im zweiten Schritt dividieren wir jetzt auch die Filmgattung auseinander. Fakt: Dokumentarfilme werden im Schnitt deutlich schlechter besucht als Spielfilme.

Grafik: BFP, Daten: ÖFI

Wir sehen, dass die Dokumentarfilme stark schwanken. Und dass sie 2008 und 2009 stark zum vorhin erwähnten guten Ergebnis beigetragen haben. Erwin Wagenhofers „Let’s make MONEY“ kratzte sogar an den 200.000. Aber dann gibt es auch wieder so Jahre wie 2017, in denen „Sie nannten ihn Spencer“ mit nicht einmal 10.000 Besuchen die meistbesuchte Kinodoku war.

Im Schnitt hat ein Kinodokumentarfilm in der Teichmann-Ära 15.700 Besuche (seit 1988: 14.100).

Zum Vergleich schauen wir uns die fiktionalen Kinofilme an. Spielfilme erreichen in der Teichmann-Ära im Schnitt 31.600 Besuche (seit 1982: 34.300).

Grafik: BFP, Daten: ÖFI

Sind die 2019er-Filme jetzt „erfolgreich“?

Unten noch einmal die Bestenliste des Q1/2019. Wir sehen, dass „Love Machine“ eindeutig ein (historischer) Erfolg ist. Punkt. Daran gibt es nichts zu diskutieren. Aber was ist mit den anderen Filmen? „Wie ich lernte bei mir selbst Kind zu sein“ und „Kalte Füße“ sind weit unter dem Schnitt für Spielfilme und knapp über dem Schnitt für Dokumentarfilme.

Wirklich düster wird es aber, wenn man auf die Zahlen der Dokus schaut. „The Big Jump“ hat nicht einmal 1/6 (EIN SECHSTEL!) des Teichmann-Schnitts für Dokumentarfilme. Über „Die Burg“ und den Vergleich mit den Sitzplätzen im Burgtheater hab ich schon ein paar Mal gelästert. Wenn es ein Erfolg sein soll, das Burgtheater einmal zu füllen, dann herzliche Gratulation.

Love MachineF01.02.2019133.559
Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu seinF01.03.201918.369
Kalte FüßeF11.01.201916.463
JoyF18.01.20199.111
Der Boden unter den FüßenF22.03.20195.456
The Big JumpD08.03.20192.652
Ute Bock SuperstarD18.01.20192.305
Die BurgD15.02.20191.479
Mabacher – #ungebrochenD15.02.2019832
Kino Wien FilmD15.03.2019236

Die Ursachenforschung überlasse ich euch. Was läuft richtig, was falsch? Warum haben die Filme aus dem ersten Quartal so wenige/so viele Besuche?

Habt ihr Korrekturen, Feedback oder Meinungen zu den Zahlen? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns via Kontaktformular. Auf dieser Seite findet ihr außerdem alle anderen Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten (Email, Twitter, Facebook). Wir freuen uns, von euch zu hören.

Links


Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.