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Kritik: CopStories 4×09 „Blöd Gelaufen“

In der vorletzten Folge der „CopStories“ geht es nochmal richtig rund. „Blöd Gelaufen“ stellt unsere Cops mal wieder vor schwierige Dilemma und schier unlösbare Fragen.

Doppelagent Itchy, die zweite

Nachdem Itchy in der letzten Folge bereits die Drecksarbeit für Berischer erledigt hat, scheinen die zwei nun vollends auf der selben Wellenlänge zu schwingen. „Jetzt bist einer von uns„, sagt Berischer gleich zu Beginn der Episode in einer äußerst kuriosen Szene, in der nackte Frauen als Deko dienen, die wahrscheinlich taub sind und keine Lippen lesen können – andernfalls würden Berischer und Itchy wohl nicht so auffällig mit ihren Verbrechen angeben. Die Szene kocht nur so vor Testosteron, während sich Itchy und Berischer gegenseitig versichern, wie verdammt cool sie doch sind.

Dass Itchy dabei bloß Bergfelds Doppelagent ist, haben wir schon vorige Woche festgehalten. Dabei waren wir uns schon ziemlich sicher, und alles was wir in „Blöd Gelaufen“ sehen bestätigt unsere Beobachtung. An erster Stelle steht da natürlich das ganz starke Gefühl, dass sich Itchy niemals auf so einen dreckigen Deal mit Berischer einlassen würde – so groß können die Wettschulden gar nicht sein. Aber auch andere Puzzleteilchen in „Blöd Gelaufen“ passen perfekt in dieses Bild: etwa Itchys und Bergfelds kurzes Gespräch, als Bergfeld fragt: „Weiß der was?„, und Itchy antwortet: „Kann ich mir nicht vorstellen, Chef.“ Das kann sich natürlich auch auf Dana und die Diamanten beziehen, aber würde auch zu perfekt zu Itchys Undercover-Einsatz passen. Sehr clever geschrieben.

Foto: ORF/Petro Domenigg

Auch dramaturgisch lässt sich das mittlerweile begründen: Bis auf Itchy haben Bergfeld und Co. nicht auch nur eine Spur, wie sie Nadja Jasputina (eine Abgeordnete aus Kroatien, wie wir erfahren, die diplomatische Immunität genießt) dingfest machen könnten. Dass „CopStories“ da in den 9 bisherigen Folgen dieser Staffel so gut wie keinen Ermittlungsfortschritt erzählt hätte, wäre ganz schwach. Und nicht zuletzt macht sich so eine große „Überraschung“ gut am Ende einer Staffel. Schade also, dass 4×08 „Wird’s Bald“ die Katze schon aus dem Sack gelassen hat.

Dramatische Entwicklungen

Aber auch so bieten die Ereignisse der Sokolov-Ermittlungen jede Menge gute Unterhaltung und überraschende Wendungen. Berischer glaubt nach wie vor irrtümlich, dass Nuri Mudarov die Diamanten mitgehen ließ, und schließt daraus (zufällig richtigerweise), dass sein Gspusi Juliana die Juwelen haben muss. Dumm, dass Mudarov tot ist und er jetzt die Gefühle der beiden füreinander nicht mehr ausnützen kann, um aus einem von ihnen herauszupressen, wo die Edelsteine sind. Stattdessen verfolgt er die selbe Strategie wie bei Mudarov: draufprügeln, bis sie entweder die Zähne oder das Geheimnis ausspuckt.

Nur kommt dabei Berischers Schläger Ali dazwischen, zu dem Juliana flüchtet. Das sind aufregende, unvorhersehbare Wendungen, nicht zuletzt weil da auch Dana mit drin steckt. Zunächst erscheint es ein wenig unglaubwürdig, dass Ali nach dem Abfeuern der Waffe flüchten will, weil er mit Dana und Juliana doch Zeugen hat für die Notwehr (oder zumindest Leute, die das behaupten würden – denn ob man in diesem konkreten Fall wirklich von Notwehr sprechen kann ist fraglich). Andererseits war er aber auch in Panik, und sein Einwand, dass ihm die Polizei die Notwehr nicht abkaufen würde, stellt sich als berechtigt heraus, als Lukas tatsächlich seine Darstellung der Dinge anzweifelt.

Schlecht für die Optik ist natürlich, dass Dana verschwunden ist und Ali dafür keinen guten Grund liefern kann – weil er ja nicht wissen kann, dass Juliana tatsächlich Dreck am Stecken hat. Es hat vermutlich mit Danas Worten zu tun, dass ihre Tante von der Kripo ist und helfen kann, dass Juliana beschließt, Dana zu entführen – in diesem Moment sehen wir nämlich, wie es in Juliana beginnt zu arbeiten. Für die Polizisten wäre Juliana zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Frau, die fälschlicherweise in Berischers Fadenkreuz gekommen ist. Für Juliana muss es sich allerdings so darstellen, dass Berischers Scherge wohl nicht ohne Grund auf sie zukam, nachdem sie ja bereits einmal eine unliebsame Begegnung mit Berischer und seinem Bodyguard hatte. Und wenn es der Bodyguard weiß, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Polizei das in absehbarer Zeit aus ihm herausbekommt. Für sie gibt es also nur die Flucht nach vorn – dass sie Dana dabei zur Geisel nimmt ist wohl eher eine Kurzschlussreaktion.

Das Erbe der Probleme

Ali hat aber noch ein paar weitere Gründe zu flüchten: Erstens weiß er nicht, wem er vertrauen kann, nachdem er in der Folge zuvor beobachtet hatte, wie einer von ihnen (angeblich) korrupt ist. Zweitens hat er mit einer Waffe gefeuert, für die er keine Berechtigung hätte – das gefährdet mit Sicherheit sein Asylverfahren. Drittens aber muss er begründen, wo er die Waffe überhaupt her hatte, und sieht sich plötzlich jeder Menge unangenehmer Fragen gegenüber, was sich da wohl am Vortag abgespielt hat.

Hier ist es, wo Mike Majzens „Blöd Gelaufen“ ein schwieriges Erbe antritt. Das Ende der vorherigen Folge, als Itchy Mudarov im Auftrag von Berischer erschossen hat, warf viele Fragen auf – aber nicht jene Art von Fragen, die uns neugierig darauf macht wie es weitergeht, sondern solche, die die Glaubwürdigkeit des Geschehens in Frage stellen. Und sobald „Blöd Gelaufen“ die Geschehnisse am Parkplatz aufgreifen muss, kann die Folge diese Zweifel nicht nur nicht zerstreuen, sondern wirft noch mehr Fragen auf.

Warum lag Mudarov etwa im Kofferraum dieses Autos? Warum wurde nicht das Auto weggestellt, sondern stattdessen der Leichnam Mudarovs entfernt? Kann man einen Kofferraum wirklich so sauberkriegen, dass da keine DNA-Spuren Mudarovs verbleiben? Warum fielen die Einschusslöcher niemandem (von Berischers Leuten) auf? Sind Itchys Fingerabdrücke nicht in der Datenbank der Polizei oder warum wird er anhand den Abdrücken an der Waffe und überall im Auto nicht identifiziert? Warum nimmt Ali überhaupt die von Itchy aus was für Gründen auch immer weggeworfene Waffe mit? Fragen über Fragen, und es macht nicht den Eindruck, dass „CopStories“ auf die meisten noch Antworten finden kann.

Auf eine Frage, die wir in der Kritik zu 4×08 „Wird’s Bald“ gar nicht gestellt hatten, bietet „Blöd Gelaufen“ aber sehr wohl eine Antwort: Warum kann Berischer abends zu finstren Treffen gehen, während er doch eigentlich per Fußfessel überwacht wird? Die Antwort: Er hat einen Techniker (Typ: Informatikstudent mit Minderwertigkeitskomplexen – sehr witzig) gefunden, der den angezeigten Standort des GPS-Trackers (oder was auch immer das ist) manipulieren kann. Nur inwiefern es dann noch wichtig ist, dass der Tracker dem Vickerl übergeben wurde, bleibt offen – hoffentlich nicht bloß, damit die Polizisten wohl rausfinden, dass Berischer sie austrickst.

Und doch funktioniert’s

Aber genug Fragen gestellt, denn emotional funktionieren die Ermittlungen am Sokolov-Fall ziemlich gut. Gefällig ist, wie viele unserer Cops die Sache berührt, von Itchy mal abgsehen. Sylvester etwa, der Ali nachrennt, stellt und erfolgreich beruhigt – wieder mal ein Beweis dafür, wie sehr er seit seiner noch deutlich rabiateren Art in den ersten Staffeln entwachsen ist und wie viel Kompetenz er immer wieder im Ernstfall zeigt. Definitiv ein heißer Kandidat für die Kripo.

Vor allem aber für Leila funktioniert die ganze Geschichte ausgezeichnet. Zuerst ihre schwierige Beziehung mit Itchy (und die Aussprache mit Patrizia in dieser Folge), und nun die entführte Dana, die sie überall im Asylantenheim verzweifelt sucht. Leila gehörte in den ersten drei Staffeln nie zu den interessantesten Figuren, weil sie ja doch fast immer nur zu den Fällen abdelegiert wurde, die mit Gewalt an Frauen zu tun hatten. Dana hat die Figur und die Serie aber echt bereichert – die Konflikte zwischen den beiden waren stets glaubwürdig (und bilden eine tolle Vorlage für Danas Dankbarkeit, wenn Leila sie nächste Folge befreien kann). Aber auch Dana selbst ist toll – besonders gelungen ist dabei, wie uns die Serie gleich mehrmals auf falsche Fährten führen wollte, was ihr Interesse an Polizisten betraf. Spätestens seit Danas Entführung befindet sich Leila nun so ziemlich im Zentrum des gesamten Falls – und bei ihr sind wir in sehr guten Händen.

Foto: ORF/Petro Domenigg

Selbst für Berischer findet die Serie etwas interessantes, und zwar was Nadja Jasputina betrifft. Dass da plötzlich eine Frau ihm Befehle erteilt war schon von Anfang an eine unglaubliche Genugtuung, aber nun zu sehen, wie sie ihm regelrecht den Kopf verdreht, setzt dem nochmal das Sahnehäubchen auf. Es ist natürlich nur eine Machtdemonstration, die Nadja dem Berischer mit ihrem Kuss vollführt, aber eine sehr gelungene.

Die anderen Stories

Die Geschichten der anderen Cops nehmen in dieser Folge eine eher untergeordnete Rolle ein, darum gehen wir hier nur kurz darauf ein. Beginnen wir mit Mathias, der allein auf Streife geschickt wird und dem prompt vier Fälle auf einmal in die Hand fallen. Das ist einerseits recht witzig, andererseits erzählt das aber auch sehr pointiert den Konflikt der Kreitnergasse, die seit Flos Abgang unterbesetzt ist. Wenn die Dorfer davon Wind bekommt, kriegt aber wahrscheinlich Mathias Ärger, anstatt dass die strukturellen Probleme angegangen würden.

Dann sind da Sylvester und sein Vater. Wer sich in der vorherigen Folge gewundert hatte, warum Flo in der Szene zwischen Sylvester und seinem Vater auftauchte, obwohl Flo dabei nichts zur Szene beisteuerte, findet in dieser Folge nun die Erklärung: weil Flo den Vater nun trifft, um die Versöhnung zwischen Vater und Sohn zu ermöglichen. Das geschieht, indem Flo Sylvester zeigt, dass vielleicht doch etwas vom Vater abgefärbt ist („Die Welt wird immer depperter.“), vielleicht also auch Gutes im Vater steckt. Ich bin mir sicher, dass wir nächste Woche, der letzten regulären Folge „CopStories“ (bevor wir uns wohl bis Weihnachten für den abschließenden Film gedulden müssen), diesbezüglich mehr erfahren werden.

Dann sind da noch Bärli und Prinzessin Hofer, die „CopStories“ überraschend noch einmal aus dem Ärmel schüttelt. Überraschend vor allem deshalb, weil die Prinzessin nach nur ein paar Wochen oder Monaten aus der U-Haft entlassen wurde, nachdem sie in 4×04 „Aufblattelt“ wegen einer Geiselnahme festgenommen worden war. Laut StGB winken ihr dafür eigentlich mindestens 6 Monate Haft, nach Bettinas Babybauch zu urteilen dürfte da noch kein halbes Jahr vergangen sein – und wegen guter Führung oder eines einwandfreien Leumunds wird die Prinzessin wohl auch nicht weniger Zeit hinter Gittern sitzen müssen als die Mindeststrafe es vorschreibt. Die Geschichte ist typisch rustikal, nicht ganz so originell wie das Eifersuchtsdrama beim AMS, aber hinterlässt uns dafür mit einer sehr schönen, für die Hofer sehr passenden Botschaft: „Aber Frau Hofer: Sie müssen lernen, Ihre Probleme ohne Polizei zu lösen.“ Helga, du gute Seele, du bist eine Optimistin. Generell aber ein schönes Statement, das man wohl über viele Fälle der Cops sagen könnte.

Noch mehr Bla:

  • Das Lied während der Schlussmontage war natürlich Marylin Mansons Cover von „Sweet Dreams (Are Made of This)“ von Eurythmics.
  • Lukas fragt die Oberstaatsanwältin, ob er seinen Chef ausspionieren solle – hä? Das hat er doch schon getan?
Foto: ORF/Hubert Mican
  • Lukas reicht Bergfeld ein von ihm geschossenes Foto, Bergfeld wirft es wortlos in den Mülleimer. Ein bisschen gar kryptisch – will Lukas Bergfeld unter Druck setzen? Hat er seine Meinung geändert und schenkt seinem Chef reinen Wein ein? Es fällt mir schwer, Lukas da gerade einzuordnen.
  • Ich fahr ja auf kitschige Liebesgeschichten ab, aber die zwei Vermieter waren mir dann doch ein wenig zu perfekt füreinander geschaffen.
  • Zum vierten und hoffentlich nun wirklich auch letzten Mal haben unsere Cops in „Blöd Gelaufen“ mit einem nackten Mann zu tun, der öffentliches Ärgernis erregt. Also wie oft bitte hat die Polizei tatsächlich damit zu tun?
  • Wir sehen Berischer mehrmals in dieser Folge Medikamente schlucken. Zunächst dachte ich, es seien Drogen, aber ich glaube, es handelt sich tatsächlich um Schmerzmittel wegen der Stichwunde, die ihm Nadja ja in der Folge/am Tag zuvor zugefügt hat.
  • Ein Zug fährt immer in beide Richtungen.
  • Besteht eigentlich die Möglichkeit, dass Itchy bei Mudarov daneben gezielt hat? Nein, oder? Berischer sagt ja, dass er zusehen würde. Außerdem wird er es wohl kaum Itchy überlassen haben, den Leichnam verschwinden zu lassen. Andererseits haben wir die Leiche nie gesehen – und eine alte Filmregel besagt, dass niemand tot ist, den wir nicht tot sehen.
  • Nächste Woche: letzte Folge!!!

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