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Kritik: Curling für Eisenstadt

Nach „Harri Pinter, Drecksau“ liefert Andreas Schmied die zweite Eisport-zentrierte Stadtkomödie. Diesmal aus dem Burgenland, wo eine gescheiterte Werberin versucht die Curling-WM nach Eisenstadt zu holen.

Vicki Kapfensteiner (Katharina Straßer) ist eine Naturgewalt. Sie zieht geradlinig ihr Ding durch und das ohne Rücksicht auf Verluste oder die Straßenverkehrsordnung. Doch unsere Heldin hat nicht viele positive Facetten zu bieten. Völlig verzogen lebt sie vom Geld und den Kontakten ihres Papsileins (Wolfgang Böck). Ihren Job in einer Werbeagentur verliert sie nicht nur, weil sie ihrem Chef bei einer wichtigen Präsentation in den Rücken fällt, sondern weil sie auch keinerlei Gespür für die (politischen) Mechaniken einer Kleinstadt hat. 

Ohne Job und ohne Wohnung ist Vicki dann dort, wo die meisten guten Komödien wirklich beginnen: ganz unten. Noch hat sie aber eine einzige Freundin über, die als Ankerpunkt dient. Bei Melanie (Marlene Morreis) hat sich seit der gemeinsamen Schulzeit ziemlich viel aufgestaut, trotzdem steht sie Vicki bei allen Problemen zur Seite, lässt sie bei sich wohnen und ist die erste, die sich bereit erklärt, beim Curling-Team mitzumachen.

Freundinnen müsste man sein: Melanie (Morreis) und Vicki (Straßer) – Foto: ORF/Hubert Mican

Vicki zahlt ihr die Freundschaft dann auf ihre Art zurück, indem sie mit dem Melanies Schwarm David (Oliver Rosskopf) in die Kiste springt. Auch zum restliche Team ist sie nicht besonders nett. Nur ein Beispiel: Emma (Veronika Polly), die ihr nicht nur beim Diebstahl des Geldes hilft, sich als einzige wirklich freiwillig für die Mannschaft meldet und Erfahrung auf dem Eis hat, erntet verächtliche Blicke. Warum? Weil sie nicht „sportlich“ aussieht? Kinder hat? Nur die Putze vom Papsilein ist?

Fast auf die Sekunde genau zur Mitte des Films sagt es ihr dann auch Coach Petra (Maria Simon) endlich ins Gesicht: „Du bist so ein Arschloch“. Da beginnt die Veränderung und Vicki schlägt auch gleich das Angebot ihres Vaters aus, ihr altes Leben wieder aufzunehmen, als wäre nichts gewesen.

Aber erst zum Ende des Films und als das Team auseinanderzubrechen droht wie der Curlingstein, hat Vicki die für Komödien so übliche Erkenntnis, worum es hier eigentlich geht: Das Team, Freundschaft, vor allem aber nicht um sie.

Auch wenn bei „Curling für Eisenstadt“ erwartbarerweise Vickis Egotrip im Fokus steht, spielen sich auf den Nebenschauplätzen einige interessante Geschichten ab. Petras Revanche an der ehemaligen Teamkollegin Silke (Esther Schweins) und die gleichzeitige Bewältigung ihrer Vergangenheit mit der sich entwickelnden Liebe zum Hendlkaiser. Obwohl er und Petra nicht unterschiedlicher sein könnten, repariert er schließlich ihre Seele. Dieser Herbert Kaiser (entzückend und brillant: Christoph Krutzler) hat nicht nur ebenso viel Herz wie Sinn für Marketing, sondern ist auch exzellent geschriebene Nebenfigur. Dafür ein Lob an die Autoren Marc Schlegel, Peter Hengl und Andreas Schmied.

Des Kaisers (Krutzler) neue Hendln – Foto: ORF/Hubert Mican

Auch Emmas Vergangenheit als Eiskunstläuferin und wie sich, symbolisiert über das Outfit, auch die belastete Ehe wieder einrichtet, ist in den wenigen Momenten, die dieser Nebenstrang hat, toll erzählt. Dafür ist das bei Geri (Maddalena Hirschal) weniger gelungen. Sie ist mehr Mittel zum Zweck der Story und hat anders als Emma keine wirkliche charakterliche Dimension. Fraglich, ob das komödiantische Potenzial der surfenden Kifferin beim ORF-Publikum noch zu zünden vermag.

Fazit: „Burgenland muss ja auch cool sein dürfen“ Ist es auch – inwiefern das Burgenländische so wirklich rüberkommt sei aber dahingestellt. „Curling für Eisenstadt“ ist beste TV-Unterhaltung, hat ein sympathisches Ensemble und liefert genau das, was wir uns erwarten.

Foto: ORF/Hubert Mican


Natürlich gibt es noch einige tolle Momente sowie auch Fehler und Probleme im Film. Was hat euch besonders gut gefallen? Was hat euch gestört? Her mit eurer Meinung!

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