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Kritik: Der Fall der Gerti B. (2019)

Bestens gelungene ORF-Unterhaltung. „Der Fall der Gerti B“ ist eine mehr als solide Stadtkomödie um drei alte Freunde, die rund um eine Leiche am falschen Ort nach Jahrzehnten zufällig wieder zusammenfinden.

Das Schöne an “Der Fall der Gerti B.” ist, wie wenig wir uns umgewöhnen müssen. Nicht nur der Titel, sondern auch viele andere Elemente wiegen uns in wohliger Krimi-Vertrautheit. Leiche, Auftragsmörder, Ermittlungen. Also nicht wirklich, denn Gerti vermutet von Anfang an, was sich hier zugetragen haben könnte. Es gilt also nur noch, das Puzzle zusammenzusetzen.

Dabei führt uns die Geschichte auch in den Sommer 1978. Die drei Protagonisten und der Erzähler wuchsen alle im selben Grätzel in Wien Floridsdorf auf. Und Gerti und Herbert wohnen immer noch dort. Da hat sich ganz schön viel und doch eigentlich auch sehr wenig verändert über die Jahrzehnte. 

Dieser Mikrokosmos innerhalb der Großstadt und die kleinen Nebengeschichten über das Bestattungsunternehmen, den Friseursalon und den lokalen Strizzi, der schließlich die Bar übernehmen wird, sind genau das was “Gerti B.” dann auch zurecht das Label “Stadtkomödie” tragen lässt. Das war ja nicht bei jedem der Vorgängerfilme unbedingt gegeben.

Erlauben wir uns schon jetzt zu resümieren, dass “Gerti B.” die bisher beste Stadtkomödie ist. Nicht nur das: Der Film ist sicher einer der lustigsten, die der ORF seit langem produziert hat. Ist aber auch nicht so schwierig, denn die zuvor erwähnte Krimi-Vertrautheit kommt ja auch nicht von irgendwo.

Insgesamt kann man an „Gerti B.“ nicht viel aussetzen. Das Spiel mit den Zeitebenen in der Gegenwart und die Vernetzung mit der Vergangenheit gelingt, wobei auch nicht unerwähnt bleiben darf, dass Gegenwart wie die Vergangenheit ideal gecastet wurden.

Mit der sich selbst spielenden Grand Dame Christiane Hörbiger, die im Puff aus dem „Tagebuch der Josefine Mutzenbacher“ vorliest und dann im berechtigten Zorn ob des Attentats auf ihre Möpse einige weniger damenhafte Worte von sich gibt, lehnt sich „Gerti B.“ auch nicht so weit aus dem humoristischen Fenster, wie Gerti das dann später aus dem echten Fenster tut. Gemeinsam mit der filmemacherisch evozierten Verachtung für die wie 14 wirkenden Chefin von Gerti, wird hier genau die Zielgruppe abgeholt, die noch lineares Fernsehen schaut.

Fazit

„Gerti B.“ macht alles richtig, ohne das Rad neu zu erfinden. Muss auch nicht sein. Wir wurden bestens unterhalten und eine deutliche Steigerung zu den bisher auf diesem Sendeplatz zu sehenden „Vorstadtweibern“ war es allemal.


„Der Fall der Gerti B.“
Stadtkomödie, ORF 2019
Regie: Sascha Bigler
Drehbuch: Bigler, Alex Götz
Darsteller: Susi Stach, Karl Fischer, Cornelius Obonya, Johannes Silberschneider, Alice Prosser, Lino Gaier, Nils Arztmann, Christiane Hörbiger, Rainer Egger, Susanne Michel, Thomas Mraz, Tanja Raunig, uvm


Mehr Brutto vom Netto

  • Keine Sorge, in den nächsten zwei Wochen gibt es am Montag Abend mit dem zweiten und dritten Teil der neuen Reihe „Blind ermittelt“ wieder was für die Neigungsgruppe Krimi zu sehen. Unsere Kritik zum ersten Teil lest ihr HIER.
  • Die Kombi aus Susi Stach und Karl Fischer kennen wir schon aus den „Vorstadtweibern“. Also auch hier keine Umgewöhnung nötig. Unsere Episodenkritiken zur soeben abgelaufenen 4. Staffel lest ihr HIER.
  • Tanja Raunig kann ja nichts dafür, dass sie sooo jung wirkt (sie ist Jg, ’89). Und Major Mai macht eigentlich auch gar nichts falsch, außer hochqualifiziert zu sein und halt nicht in Floridsdorf aufgewachsen zu sein. Da passiert schon eine gewisse „jugendfeindliche“ Manipulation, die aber für sich auch wieder genial ist und wie erwähnt die Kernzielgruppe abholt.

Fotos: ORF/Lotus Film/Petro Domenigg

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