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Kritik: Herzjagen (2019)

In Elisabeth Scharangs lose auf Julya Rabinowichs „Herznovelle“ basierendem Drama hadert Caroline mit den Folgen ihrer Herzoperation. Ihr bizarres Verhalten verwundert nicht nur ihre Mitmenschen, sondern auch uns.

In Filmen wie diesen

Dass dieser Film im Fernsehen seine Premiere hat, ist eigentlich erstaunlich. Üblicherweise werden Filme wie „Herzjagen“ in österreichischen Kinos veröffentlicht. Dort werden sie von circa 3.000 Nasen gesehen, bekommen ein paar Nominierungen beim Österreichischen Filmpreis, gewinnen in der Kategorie Ton oder Szenenbild und erhalten einigermaßen gute Kritiken (sowie 4-6 von 10 Punkten in unserem Podcast).

Filme wie „Herzjagen“, damit ist gemeint: Filme, die ohne großen Erfolgsdruck produziert werden und dadurch auch mal die Kunst über dem Unterhaltungswert stellen können. Filme, die sperrig sind, nicht traditionellen Erzählmustern folgen und auf die man sich erst einmal einlassen muss – die dadurch zwangsweise weniger Zuseher erreichen werden, unter Umständen aber diese umso tiefer berühren können. Dadurch gelten für diese Art von Filmen ganz eigene Maßstäbe, wenn überhaupt. Wir wollen jetzt aber keine Grundsatzdiskussion anzetteln, was ein guter Film ist und was nicht, was als Erfolg zählt und wie viele Filme wie diese es geben sollte – obwohl „Herzjagen“ das durchaus anregen kann.

Während die meisten Filme in gewisser Hinsicht audiovisuelle Romane sind, ist „Herzjagen“ ein Gedicht. Wie bei Gedichten lässt sich „Herzjagen“ schwerlich nach objektiven Maßstäben betrachten, sondern lädt noch viel mehr als traditionell dramaturgische Werke ein, diese Filme möglichst subjektiv zu erfahren. Man kann wie bei Gedichten Handwerk und Logik hinterfragen, aber schlussendlich immer auf die Maxime rekurrieren bzw. sich hinausreden: If you don’t understand the poem, feel it.

Auch Poesie will gekonnt sein

Nicht zu verstehen gibt es nämlich sehr, sehr viel in „Herzjagen“. Da tauchen grundsätzliche dramaturgische Fragezeichen auf, etwa: Warum manifestieren sich die Anzeichen ihrer postoperativen Depression bereits, bevor sie überhaupt von ihrer notwendigen OP erfährt? Wenn alle davon sprechen, wie sehr sich Caroline verändert hat, warum sehen wir sie dann bis auf die letzten Minuten nie „normal“ funktionieren, sodass wir die Irritation der Mitmenschen nachvollziehen könnten?

Aber auch konkreter fehlt es dem Film manchmal am Handwerklichen – das lässt sich zum Beispiel an der allerersten Szene nach dem Titelbild sehr gut festmachen. Elli begrüßt Caroline nach langer Zeit herzlich wieder, während Caroline auf Distanz bleibt – warum erfahren wir nicht. Was für eine Art von Freunde sie sind, wieso Caroline sich nicht gemeldet hat, welcher Gemeinschaft Elli und Caroline angehören – das lässt sich wenn überhaupt alles erst später erahnen. Alles bleibt so vage, dass man viel mehr verwirrt denn neugierig gemacht wird. Solche inhalts- und emotionsarmen Szenen finden sich in „Herzjagen“ leider ständig – von den unzähligen Wiederholungen in den vorhandenen Emotionen ganz zu schweigen.

Der Film hat aber auch seine schönen Seiten. Dazu gehören beispielsweise der perfekt gewählte Soundtrack, die malerische Bildgestaltung sowie die spannende Beziehung zwischen Caroline und Dr. Pielach. Gerade letztere gibt dem Film eine leicht zu greifende emotionale Ebene, auf die man sich einlassen kann. Und natürlich, allen voran: Martina Gedeck, die den Film alleine tragen muss.

Reise in die Sterne

Der Fokus des Films ist jedoch Carolines Reise (schön bebildert mit dem Astronauten-Anzug, wobei das hübscheste Bild dabei schon in Sekunde eins über die Bildschirme flackert). Man muss dafür festhalten, dass es wohl kaum etwas Schwierigeres gibt, als solch diffizilen Emotionen und Gemütszustände glaubhaft und emotional zu erzählen wie jene von Caroline, einfach weil so viele ihrer Handlungen zunächst unlogisch erscheinen – sie hat doch ihr neues, funktionierendes Herz. Sie hat doch einen liebevollen Ehemann. Sie hat doch einen verständnisvollen besten Freund. Sie hat doch einen Super-Arzt. Sie hat doch Geld und Status und Schönheit.

Vieles bleibt unausgesprochen, angedeutet, oder gar gänzlich elliptisch erzählt. Wie bei einem Gedicht muss man sich die Bedeutung selbst zusammenreimen – manchmal interpretieren, manchmal raten, und manchmal einfach nur fühlen. Weil: If you don’t understand the film, feel it. Wer das kann und dadurch Carolines Suche nach dem Glück und sich selbst emotional verfolgen zu vermag, der wird „Herzjagen“ schön finden. Alle anderen werden nach 20 Minuten gelangweilt wegschalten und nichts verpassen.

Fotos: ORF/BR/ Lotus Film/Petro Domenigg bzw. Hubert Mican

One Comment

  1. Bär Heidi 15. November 2019

    Finde den Film verwirrend und zum Teil langweilig!

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