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Kritik: Meiberger 1×06 „Paranoia“

In einer sehr guten Folge vollführt die Serie ein paar Drehungen. Aus vertikal wird horizontal und Meiberger ist selbst das Opfer der titelgebenden Krankheit. Wir analysieren, bevor es nächste Woche zum großen Finale kommt.

Meiberger ergreift Maßnahmen. Sein bisheriger Lebensstil war zu offen, zu einfach konnte jemand in sein Haus eindringen und dabei seinen Sohn und seinen Kater vergiften. Die Vermutung, dass der Anschlag ihm galt, erhärtet sich für ihn, als einer seiner Patienten direkt nach der Sitzung auf der Straße niedergefahren wird.

Jetzt befindet sich Meiberger in einer psychischen Abwärtsspirale. Das geht ein wenig gar schnell, speziell für einen klugen, hochgebildeten Psychologen UND Zauberkünstler, der über Wahrscheinlichkeiten, Autosuggestion und allerlei andere Seltsamkeiten bestens Bescheid wissen müsste.

Interessanterweise lässt er Patrick einmal nicht im Stich. Auch hier hätten wir es wieder verstanden und Karo und Nepo hätten es Patrick vermutlich auch gut erklären können, aber wider Erwarten findet Meiberger Zeit, gut gelaunt den vor mehreren Folgen angeteaserten Schwebetrick mit Patrick zu performen.

Apropos vor mehreren Folgen: In Folge 6 hat sich „Meiberger“ entschieden das Verhältnis zwischen horizontalen und vertikalen Handlungsstränge kippen zu lassen. Das bedeutet, dass Ereignisse, die nicht exklusiv zum Fall der Woche gehören, immer mehr Raum bekommen. Dazu passt auch, dass nächste Woche die Staffel mit einer Doppelepisode abschlossen wird.

Die Lösung eben dieses Falls der Woche, in der Meiberger sich nur auf die Hilfe des wie immer bestens gelaunten Ganslingers verlassen kann, ist eine simple: Chinesische Investoren wollen auch St. Gilgen nachbauen. Ich bin mit dem Fall und wie er präsentiert wurde sehr zufrieden. Die Einstellung, in der man nicht genau sieht was für ein Gerät der Ältere der beiden Asiaten auf den Tisch legt und der Fakt, dass ihre (vermutlich unschuldige) Unterhaltung nicht untertitelt wird, erzeugt genug plausible Verdachtsmomente.

Keine Touristen. Aber so richtige Verbrecher sind sie auch nicht.
Foto: ServusTV/MonaFilm

Oftmals hat man gerade bei vermeintlich großen, internationalen Fällen als Autor die Tendenz seinen Handlungsort als Nabel der Welt zu begreifen, in dem wirklich alles passieren kann. Das wirkt dann schnell unrealistisch bis einfach nur strunzdumm, was aber wie gesagt hier nicht der Fall ist. Bravo.

Eine Neuerung in der Folge ist, dass nicht Meiberger beigezogen wird, sondern er selbst die Hilfe der Polizei anfordert. Nepo, der in der vergangenen Woche vollständig genesen ist, behält einen klaren Kopf. Er vergräbt sich in Meibergers Vergiftungsfall, für den es wie letzte Woche erwähnt natürlich hunderte Verdächtige unter den aktuellen und ehemaligen Patienten gibt.

Die zweite Vermutung meinerseits wird ebenfalls erhärtet: Hannah war’s. Aber nähern wir uns der Sache vorsichtig. Sicher wissen wir, dass sie Zeugswetter umgefahren hat. Das kann aber auch ein normaler Unfall gewesen sein, ihr verschmerzter Gesichtsausdruck, als sie das Auto reinigt, würde das nahelegen: Es tut ihr leid, aber sie hat auch Angst vor den Konsequenzen, war vielleicht nicht nüchtern, etc.

Auch das abrupte Ende des heißen Flirts mit Meiberger lässt sich so halbwegs erklären. Sie befindet sich immer noch in einer psychologischen Ausnahmesituation und anstatt sich vorschnell in ein amouröses Abenteuer hineinzustürzen, bricht sie noch rechtzeitig ab und bereinigt buchstäblich das alte Problem.

Außer dass zwischen Hannah und Meiberger eine Anziehung besteht wissen wir nicht viel über sie. Fast schade, dass die Serie sich in fast sechs Stunden bisher nicht ein paar Minuten mehr Zeit genommen hat, damit wir sie näher kennenlernen. Sollte es nächste Woche im Staffelfinale zu einer überraschenden Wendung kommen, dann besteht die Gefahr dass das an uns emotional wie rational vorbei und ins Leere zielt.

Wir werden sehen.

Lists Liste

  • „Ich halt Ihnen den Rücken frei. So wie der Starsky dem Hutch. Oder der Batman dem Robin.“ – „Der Batman bin aber ich“. Ah, da ist der Narzisst, den wir in den ersten Folgen kennengelernt haben. So schlecht kann es ihm gar nicht gehen.
  • Jetzt waren wir schon IN der Konditorei Ganslinger (sogar k.u.k Konditorei!) und haben die Eltern immer noch nicht gesehen. Das heißt, es besteht wirklich noch die Chance auf Damian Lewis? Solang ich niemand anderen sehe, glaub ich noch daran.
  • Ganslinger muss übrigens schon zum zweiten Mal in sechs Folgen seinen freien Tag aufgeben. Warum sind die nur alle so fies zu ihm?
  • Es mag daran liegen, dass ich kurz vor dieser Folge den TV-Film „Das Wunder von Wörgl“ gesehen und rezensiert habe, aber Fritz Karl verlässt im Gespräch mit Zeugswetter einmal ganz kurz das Hochdeutsche und sagt mit (seinem) Tiroler Dialekt „Tourischten“. Aber einen echten Fehler hab ich wieder nicht gefunden und bin der Regisseurin (Soleen Yusef) sehr dankbar, dass sie das in ihren Folgen abgestellt hat und ich mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Ich bin da leider viel zu leicht abzulenken.
  • Beitragsbild: ServusTV/MonaFilm

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