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Kritik: Meiberger 2×01 & 2×02 – Staffelauftakt

Es wird wieder gezaubert im ÖFernsehen. Fritz Karl mimt erneut Thomas Meiberger, den genialen wie überheblichen Zauberer und forensischen Gerichtspschologen, der inmitten malerischer Landschaft und österreichischen Kulturgütern – eben perfekt für Servus TV – seine Fälle lösen darf.

Folge 2×01 „Mörderisches Spiel“

In unseren Kritiken zur ersten Staffel wunderten wir uns immer wieder, warum Meiberger sich gezwungen fühlte, Patrick für minder dringende Fälle und ihre Lösungen sitzen zu lassen. Der Auftakt für Staffel 2 ist da quasi die Antwort darauf, indem in „Mörderisches Spiel“ da gleich mehrere ultraknappe Zeitfenster auf Meiberger warten, um ein vermeintliches Bombenattentat zu verhindern. Sorry Patrick, aber Meiberger muss erstmal rätseln, wer die Schlafgemächer der Kaiserin Elisabeth entworfen hat.

Die Rätsel machen durchaus Spaß, auch wenn so manche Schlussfolgerungen Meibergers doch eher Glückstreffer zu sein scheinen. Trotzdem – man muss der Serie zugutehalten, dass sie hier nicht bloß die ganz große Meiberger-Show abzieht, sondern auch den anderen Figuren ihre Triumphe liefert (Genial: „Entschuldigung, das mit dem ASCII-Code hob I gwusst!„, sagt Nepo entrüstet).

„Mörderisches Spiel“ ist ein wirklich spannender Staffelauftakt. Dafür spielen viele Faktoren eine Rolle – das Bombenszenario, Harald Krassnitzer als Goliath, die ausgesprochen gut eingesetzten Zeitlupen. Was die Folge aber wirklich von der Masse abhebt ist ihre Unvorhersehbarkeit – wer hätte gedacht, dass der scheinbar verrückte Terrorakt Goliaths sich als cleverer Plan erweist, die Bank auszurauben? Und wer hätte vor allem mit solch einem Twist bereits nach Mitte der Folge gerechnet? Wie Ganslinger amüsiert feststellt: „Man könnte sagen, wir waren seine Komplizen.

Da gibt’s jetzt gar nix blöd zu lochen!„, wütet Frau Referatsleiterin Elfi. „Meiberger“ hat zum Glück nicht verlernt, nicht nur witzig zu sein, sondern ein paar richtige Knallerzeilen zu liefern, auf die Comedy-Serien bloß neidisch sein können. Das beschränkt sich zum Glück nicht bloß auf Ganslinger, der den schmalen Grad zwischen ernstzunehmendem Ermittler und Comic Relief erfolgreich meistert. Auch Dr. Buxbaum ist wieder mit seiner eigensinnigen Art dabei – diesmal sogar im Doppelpack mit seiner Frau („Mit Enttäuschungen muss man leben.“ – „Besonders, wenn man sie heiratet.“).

In der zweiten Hälfte ist dann aber die Bombendrohung beseitigt und die Gefahr gebannt – Zeit also, ein bisschen tiefer in die Figuren zu blicken. Wenn der gesamte Hauptcast aber nicht mehr unter schwerstem Zeitdruck gemeinsam mit Bombenexperte Potz (Holger Schober) die Lage pessimistisch einschätzt, offenbart sich leider ein bisschen die Kehrseite der Medaille des ersten Staffelfinales, wo sich sämtliche Konflikte in Wohlgefallen auflösten. Das war damals ja ganz wunderbar, dass sich alle so gut vertragen haben – aber jetzt fehlen „Meiberger“ in dieser Hinsicht ein paar Konfliktherde.

Romantik quo vadis?

Beispiel Romantik: Meiberger fühlt sich nun nicht mehr von zwei Frauen gleichzeitig angezogen, sondern ist fest mit Barbara zusammen. Das war leider eine Liebe, die mehr von sehnsuchtsvollen Blicken lebte denn tatsächlicher Chemie, und so ganz die große Freude hat sich noch nicht eingestellt, die beide zusammen zu sehen.

Für die Ewigkeit scheinen sie aber ohnehin nicht bestimmt, der ersten Folge nach zu urteilen. Als Ganslinger im Polizeipräsidium von Barbara Beziehungstipps bekommt, etabliert „Meiberger“, dass zwischen Barbara und Meiberger etwas Unausgesprochenes steht – dem sich aber beide bewusst zu sein scheinen. Als Meiberger dann am Ende der Folge bei der Grillparty von dem Horror spricht, den Karo bei ihrem Neugeborenen erwartet, wird Barbaras Blick länger und länger – was Meiberger dann aber nicht zu deuten vermag.

Einerseits ja spannend zu rätseln, was zwischen den beiden steht – kann Barbara keine Kinder bekommen und tut es ihr deshalb weh zu hören, was für Erfahrungen Meiberger damit schon gemacht hat? Oder ist es ein Kinderwunsch, den sie heimlich hegt, und sie will nicht hören, dass Meiberger das eigentlich nicht nochmal will?

Andererseits sendet die Serie da verwirrende Signale, wo die beiden stehen. Noch verwirrender ist jedoch, dass Meiberger Barbaras Blicke nicht deuten kann. Ausgerechnet Meiberger, der Überpsychologe. Wir Zuschauer wissen ja nicht, was in Barbaras Kopf vorgeht, weil wir sie schlichtweg kaum gesehen haben und weil wir Meibergers Einstellung in Sachen Kinderkriegen nicht so gut kennen. Für den Magier selber gelten diese Ausreden nicht. (Und nein, „Liebe macht blind“ lassen wir nicht gelten.)

Zurück zu den Konfliktherden: Zum Shippen gibt’s in „Meiberger“ gerade leider nix und niemanden – bei Nepo und Caro läuft gerade alles wie am Schnürchen, und Ganslingers Angebetete hat im Off wohl schon aufgegeben. Super wäre zum Beispiel eine Gerichtsmedizinerin für Ganslinger (o.ä.). Auch zwischen Meiberger und Nepo ist mittlerweile alles im Lot – und Nepo dadurch irgendwie die uninteressanteste Rolle.

Trotzdem verspricht das Ende dann doch noch einen Erzählbogen für die zweite Staffel „Meiberger“, die dieses Mal nicht durch einen Bösewicht (Hannah) definiert ist, sondern wohl aus den Figuren selbst heraus kommt. Das Kinderthema beschäftigt nämlich nicht nur die frischgewordenen Eltern Karo und Nepo, sondern wie erwähnt auch Barbara und auch Patrick, der sich vom braven Buben aus Staffel 1 in einen launischen Teenager verwandelt hat – und den das neue Geschwisterlein nicht nur sichtlich verunsichert, sondern dem schon vor der Geburt klar wird, dass er wohl öfter allein über bleiben wird. Darauf darf man gespannt sein.

Folge 2×02 „Spurlos“

In vielerlei Hinsicht war es eine exzellente Idee, Staffel 2 gleich in Doppelfolge starten zu lassen, denn vieles was in „Mörderisches Spiel“ ein wenig zu kurz kam bzw. gänzlich fehlte, wird in „Spurlos“ nachgeliefert.

Dass der Fall dafür ein bisschen auf der Strecke bleibt, ist dafür nicht weiter schlimm – auch dafür eignet sich die Doppelfolge gut. Im echten Leben ist ein abgängiges Kind wohl einer der schlimmsten Albträume, die man sich vorstellen kann – aber in der Fiktion ist es oft schwierig, mit den Episodenfiguren allzu tief mitzufühlen, weil wir nur so wenig Zeit geschenkt bekommen, über diese und ihre Gefühle zu erfahren. Außerdem verrät die Folge schon ein bisschen zu früh ihren Twist – schon allein wie die erste Szene geschnitten ist, ließ erahnen, dass sich die Frau den Jungen nur einbildet, und auch Andrea Wenzels Darstellung von Frau Gold war zwar fesselnd, aber doch sofort ein starker Hinweis auf ihre mentale Verfassung. Schade eigentlich, weil die vielen falschen Fährten durchaus ganz gut gestreut waren.

Ganslinger – Im Kopf des Ermittlers

Obwohl der eigentliche Fall mehr Drama als Krimi ist, wird „Spurlos“ doch auch durch seinen Humor definiert, nicht zuletzt deshalb, weil Kevin Gottlieb Ganslinger seine eigene Ermittlungsstrecke bekommt, die dann in Beziehungsstress mündet. Ich bin ja ein großer Fan von alternativen Verfolgungsjagden, und eine Verfolgungsjagd per Seilbahn ist doch eine durhaus unterhaltsame und originelle Version. Zudem ist das der ideale Vorwand für „Meiberger“, die Folge in malerischen Landschaften spielen zu lassen (während der Fall um den vermissten Martin intimer ist und dadurch deutlich weniger hübsche Kulissen liefert). Sagen wir es mal so: Es ist weder an „Mörderisches Spiel“ noch an „Spurlos“ rein optisch schwer zu erkennen, warum „Meiberger – Im Kopf des Täters“ sehr gut ins Sendeschema von Servus TV passt.

Nicht nur beruflich wird Ganslinger gefordert, auch in sein Privatleben tauchen wir tiefer ein als zuvor. Einerseits wird endlich das große Geheimnis um seine Familie gelüftet – leider wurde unsere Wunschvorstellung fürs Casting von Kevins Mutter vom letzten Jahr nicht erfüllt – auch wenn die Vaterrolle noch offen ist. Wird er nächste Woche tatsächlich daheim aushelfen und wir dabei auch den Vater sehen? Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Um aber wieder ernster zu werden – eine Gradwanderung ist das schon, einerseits mit Ganslinger ein kleines Beziehungsdrama zu erzählen, es aber andererseits gänzlich auf Humor zu wälzen („Das einzige, was bei uns heiß ist, ist die Herdplatte.“). Die Grenzen der Glaubwürdigkeit werden da schon gesprengt – auch dann, wenn er sich bei seinem Neffen ein paar Beziehungstipps geben lässt. Nichtsdestotrotz gelingt „Meiberger“ aber das Wichtigste dabei, und damit meinen wir nicht den Humor (obwohl der auch prima ist): Wir fühlen mit Ganslinger mit. Er hat was Besseres verdient als diese Olivia. Ach wünscht ich mir, es gäbe bereits eine Nebenfigur, von der wir uns denken würden: Die wär doch was für unseren Kevin!

Man muss einfach auf die Kinder aufpassen!

Im Resümee der 1. Staffel fiel uns noch auf, wie viele Kinder bei „Meiberger – Im Kopf des Täters“ so eigentlich zu Schaden kommen. Auch in Staffel 2 dreht sich viel um Kinder, aber dieses Mal in anderer Funktion: Jetzt geht’s um die Kinder unserer Protagonisten. Der Beziehungskonflikt zwischen Meiberger und Barbara, den die erste Folge aufmachte, wird dabei hier aber schnell wieder beerdigt – Barbara wird von ihrer Nichte emotionalisiert, sie und Meiberger sprechen über Familie und Kinderwunsch, und damit hat sich’s. Wenn das mal nicht ZU einfach war…

Bei Nepo und Karo hingegen dreht sich alles um ihr eigenes Kind. Nepo ist der ideale Charakter, um uns den Fall um den verschwundenen Martin emotional näher zu bringen. Und während ich ja immer skeptisch bin, ob die Ankunft eines Babys einer Serie gut tut (weil man immer erklären muss, wer sich gerade ums Baby kümmert, und das deshalb Nepo und Karo deutlich weniger frei macht für anderweitige Aktivitäten), macht Nepo als Vater durchwegs Spaß, weil das eine so ganz andere, viel interessantere Seite aus ihm herausholt. Und es bietet auch Konfliktpotential mit den anderen Figuren, weil er durch das Kleine sein Privatleben als wertvoller einstuft als das der anderen. Bei Ganslinger ist das quasi Teil des Schmähs, aber bei Barbara kann das dann durchaus persönlich werden („Des kann vielleicht nur wer verstehn, wer keine Kinder hot.„)

Und dann ist da natürlich noch Patrick, der in polizeilichen Schwierigkeiten steckt – und damit wohl für viel Streit zwischen Meiberger, Nepo und Karo sorgen dürfte. Was die Serie damit vor hat, lasst sie hier noch nicht erahnen. Eins ist klar – die Zeiten, in denen Meiberger Senior mit Patrick gemeinsam gezaubert hat, sind vorbei.

Noch mehr Bla:

  • „Meiberger“ hat das Zaubern nicht verlernt, auch wenn es jetzt weniger prominent in Szene gesetzt wird. Ich liebe es, wie Meiberger den Verdächtigen Zaubertricks vorführt, nur um sie zu beeindrucken. Ich finde, dass die Serie damit einen sehr guten Weg gefunden hat, Meibergers Arroganz darzustellen, ohne dabei aber als Arschloch rüberzukommen.
  • Äh, reden wir jetzt schon no über meine Freindin?
  • Wir kategorisieren das eher als dummer Lausbubenstreich.“ Jaaa, das kauf ich der Reporterin rein gar nicht ab, dass sie das nicht bloß unkommentiert, sondern sogar breit grinsend abnimmt. Eine Bombe zünden und eine Bombendrohung sind kein Kavaliersdelikt…
  • Frage eigentlich noch aus der ersten Staffel: Warum wohnt Meiberger nur mit seinem Sohn in so einem riesigen Haus? Wie hält der das bitte so in Schuss?
  • Ich glaube, Barbara wäre keine gute Mutter. Wer liest schon Kindern mitten am Tag Gute-Nacht-Geschichten vor?
  • Otto Schenk alias Giovanni hat ausgedient – der kommt nicht nur nicht mehr vor, sondern wird auch noch nicht einmal mehr erwähnt. Gut so, denn das fühlte sich in Staffel 1 bloß wie eine vertragliche Verpflichtung an und riss einen immer wieder aus der Serie heraus. Vor allem, weil Meiberger ein so selbstsicherer Typ ist, dass er nicht wirklich eine Mentoren-Figur benötigt.
  • Fakt: Auch wenn unser Vorschläge nicht erfüllt wurden, so ist Margarethe Tiesl doch eine exzellente Wahl für Ganslingers Mutter.

Fotos: Servus TV / Kerstin Stelter

3 Comments

  1. Sibl 6. November 2019

    Hallo!

    Ich les hier seit langem still mit und teile viele der Meinungen und Analysen, jetzt möchte ich mal etwas anmerken, denn:
    Langsam nehmen die Schreibfehler so überhand, dass man sich mit dem Lesen ein wenig schwer tut, ich hab den Eindruck, jemand schreibt schnellschnell den Text und liest ihn dann nicht mehr durch.
    Beispiel: ohne ihn dabei aber als Arschloch rüberzukommen.
    Sowas fällt bei einmaligen Korrekturlesen auf.

    Außerdem werden die Anführungszeichen ohne jeglichen erkennbaren Sinn benutzt –
    ich dachte eigentlich, wenn Meiberger als Serienname verwendet wird, kommt es in Anführungszeichen daher, aber das scheint in diesem Text anders zu sein.

    Ich werde weiterhin hier mitlesen …
    aber ich würde das auch an Donnerstagen machen, wenn dafür der Mittwoch für ‚einmal den Text durchlesen‘ genutzt wird. :))

    Danke jedenfalls für die lustigen Lesemomente.

    Ps. Das war doch gestern keine Nichte, sondern ein Neffe, oder?

    • Hari List 6. November 2019

      Danke für dein Feedback.
      Die Meiberger und „Meiberger“ sind jetzt korrigiert, da gab’s 2, bei denen die Anführungszeichen fehlten. War aber genau so gedacht wir du schreibst. Danke, das sieht man auch beim Korrekturlesen irgendwann nicht mehr – immerhin wird das Wort Meiberger 36x in dem Text verwendet 😉
      Und ja, wir geloben Besserung. Es liest fast immer eine zweite Person drüber, bevor ein Text online geht. Aber zugegeben ist uns Rechtschreibung nicht so wichtig wie zB inhaltliche Logik, Vollständigkeit und detaillierte Beobachtungen. Also sicher nicht schnellschnell. Da ist auch jeder anders, aber natürlich können wir das besser und geben uns in Zukunft mehr Mühe, versprochen!

      • Sibl 7. November 2019

        Danke für die schnelle Antwort!

        Ich musste mich vorhin ja selber auslachen: Da schreib ich so einen Kommentar, und dann hau ich einen Fallfehler rein. :)) Mea culpa.

        Zum Rest: Ja, das mit dem Korrekturlesen ist so eine Sache, selber sieht man ja seine eigenen Fehler nicht.
        Ich find halt Rechtschreibung extrem wichtig, ohne korrektes Schreiben werden Texte schnell unlesbar und verlieren an Qualität. (Korrektes) Schreiben ist Teil unserer Kultur. (Aber gut, als Lektorin und Schreiblehrerin seh ich das natürlich so.) Man stelle sich einen Abspann vor, in dem vom Reschissör die Rede ist, vom Schauschpieler X und der Masgenbiltnerin Y … wie groß wäre das Gelächter. Korrektes Schreiben gilt also nicht immer nur für die anderen (das sag ich auch gern in meinen Kursen) – und sobald ganze Worte fehlen, wird es manchmal tatsächlich unverständlich.

        Aber danke fürs Geloben! 🙂 Ich les wie gesagt ohnehin immer mit. Freu mich auf mehr!

        Alles Liebe.

        Ps: Satzzeichen retten übrigens Leben:
        Wir essen Opa. vs Wir essen, Opa. ;))

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