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Kritik: Meiberger 2×04 „Die Handleserin“

Auch diese Woche geht’s bei „Meiberger – Im Kopf des Täters“ mystisch zu. Eine Handleserin prophezeit ihrem Kunden den Tod, tags darauf ist er prompt nicht mehr am Leben. Einmal mehr muss Meiberger das Übersinnliche sinnlich machen.

Los geht die Folge denkbar langweilig, weil erwartbar: Ein Mann glaubt der Handleserin nicht, dass er noch am selben Tag sterben wird, und natürlich passiert wenig überraschend genau das. Wie aber auch schon in „Der Berg“ stellt sich die Frage, wie das scheinbar logisch nicht erklärbare doch noch eine rationale Erklärung findet. Im Gegensatz zur Vorfolge ist die Prämisse dieses Mal allerdings nicht ganz so weit hergeholt, was nicht nur die schlussendliche Erklärung deutlich glaubwürdiger erscheinen lässt, sondern auch noch während der Folge mehr Mitrate-Potential liefert (weil sich bei der Zeitreise-Geschichte so gar keine logische Erklärung finden ließ).

Dabei ist „Die Handleserin“ nicht wirklich ein Whodunnit, denn erstens serviert man uns schon nach kurzer Zeit einen Verdächtigen mit Knarre, und zweitens wird dieser dann schon nach 25 Minuten verhaftet, sodass man als geneigter Zuseher schon weiß, dass wohl entweder noch ein Mord geschehen wird oder es noch einen Komplizen geben muss – und von Mia abgesehen gab es da ja eigentlich nur ihren Bruder sowie die Witwe. Ich wünschte, der Bruder wäre ein wenig freundlicher charakterisiert worden, damit wir mehr auf die falsche Fährte geführt worden wären.

Von Gaukler zu Gaukler

Die wesentlich spannendere Episodenhauptfigur ist Mia, und das in allem was sie tut. Ihr Autismus (oder wie es scheinbar heutzutage heißt: ihre Diagnose aus den Bereichen der Autismus-Störungen, man lernt nie aus!) macht sie automatisch zu einer interessanten Figur, bei der man nie genau weiß, wie sie einen noch überraschen können. Ihre Interaktion mit Meiberger ist jedoch das, was die Folge besonders mach, weil man dabei das Gefühl bekommt: Da haben sich zwei gefunden.

Einerseits tut Meiberger Mia gut – nicht nur, weil er als Psychologe weiß, wie sie tickt und wie man am besten mit ihr umgehen soll, sondern auch, weil sie im Grunde beide Gaukler sind, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein konnten. „Meiberger“ lässt sich da viel Zeit in dieser Folge für die Zaubertricks, und nicht weniger als drei Mal sehen wir Meiberger die Karten vertauschen. Und daran sehen wir, dass auch Meiberger seine Freude an Mia hat, denn auch er genießt es sichtlich, jemanden mit ähnlichen Fertigkeiten gefunden zu haben. (Sorry, Patrick, deine Zauberkünste reichen dem Papa noch nicht ganz aus.)

Meibergers Magie macht nach wie vor Spaß, in so wöchentlichen Dosen bleibt das ewige „Wie hat er das bloß gemacht?“-Spiel unterhaltsam. Wobei ich mich da in „Die Handleserin“ zum ersten Mal betrogen fühlte – das mit der der Rose für Barbara war zwar süß aber dieses eine Mal doch nur dank des Schnittes möglich. … Oder? Verdammt, die Serie hat mich mal wieder drangekriegt!

Im Gegensatz zu Meibergers magischen Tricks wird Mias Masche gänzlich aufgeklärt. Die Auflösung ist der geschicktest erzählteste Teil der Folge: Mia hatte (dank ihrer Diagnose aus den Bereichen der Autismus-Störungen) lediglich die Anzeichen des nahenden Herzinfarktes erkannt, und dann aufgezeichnet, weil sie sich nicht anders auszudrücken vermochte. Uns und Meiberger hatten die Zeichnungen zuerst hingegen auf die falsche Fährte geführt.

Unlogisch hingegen die Begründung, warum die zwei Betrüger eine Handleserin im Team brauchen – man muss kein Hellseher sein, um zu schlussfolgern, dass der Typ mit der teuren Uhr am Handgelenk wohlhabend ist. Mal davon abgesehen, dass es effektivere Methoden gibt, um reiche Menschen zu finden. Außerdem ist es ja höchst verdächtig, dass sämtliche Einbruchsopfer als gemeinsames Merkmal haben, am Jahrmarkt gewesen zu sein und 25€ fürs Handlesen hingeblättert zu haben.

Alles paletti?

Und sonst so? Im Gegensatz zu Staffel 1 scheint es dieses Jahr keinen die ganze Staffel umfassenden Handlungsbogen zu geben – in gewisser Weise fühlt sich „Die Handleserin“ schon wie ein kleines Finale der Staffel an, weil die Folge nicht nur mehrere kleinere Bögen abschließt (Patrick und Nepo kommen nochmal glimpflich davon, mit Meiberger und Barbara ist alles supi), sondern auch keine neuen Fragen oder Geheimnisse aufmacht. Einerseits wirkt „Die Handleserin“ wie eine äußerst runde Folge, andererseits fehlt „Meiberger“ da so ein bisschen der Zug gerade.

Bei Nepo hat man beispielsweise das Gefühl, da ist gerade alles ausverhandelt – jetzt kann er dann auch mal wieder ermitteln. Mit Meiberger versteht er sich gut, mit Karo und dem Baby klappt alles wie am Schnürchen, und jetzt hat sich auch noch sein Dilemma aus der Vorfolge fast in Wohlgefallen aufgelöst. Klar, so eine Disziplinarstrafe ist auch nicht nix, aber trotzdem ging dank Barbaras persönlicher Intervention nochmal alles gut.

Bei Patrick sieht’s ähnlich aus. Sein Gespräch mit Herbert Puschnig ist eindeutig die bislang schönste Patrick-Szene. Wie sich Patrick bei Puschnig entschuldigt ist eine vielschichtige, überraschend emotionale Szene, die feinfühlig nicht kleinredet, was vorgefallen ist, aber trotzdem glaubwürdig erklärt, warum er trotz des „Das war kein Lausbubenstreich“-Mantras der Vorfolge ziemlich glimpflich davonkommt. Damit scheint die Sache abgefrühstückt, außer Herr Puschnig wird zur wiederkehrenden Mentor-Figur – so wie etwa es Giovanni für Meiberger in Staffel 1 war, wenn auch damals deutlich konstruierter.

Die gute Nachricht diesbezüglich: Giovanni ist nach 4 Folgen immer noch nicht aufgetaucht. Nichts gegen Otto Schenk, aber dessen Szenen wirkten in Staffel 1 immer so bemüht in die Folge integriert, dass es augenscheinlich war, dass da irgendwelche vertraglichen Stipulationen im Hintergrund am Werke waren. Die Tatsache, dass einem Giovannis Abszenz kaum auffällt, spricht jedenfalls für sich. In „Die Handleserin“ besinnt sich „Meiberger“ aber erstmals in der zweiten Staffel, dass es diesen Mann überhaupt mal gab, und lässt Meiberger ihm eine Sprachnachricht schicken – ideal, um Otto Schenk nicht extra einen Drehtag zahlen zu müssen.

An seiner statt ist nun scheinbar Tanja Raunig alias Gerichtsmedizinerin Ulla Teil des wiederkehrenden Casts. Wie prophezeit rutschen sie und Ganslinger langsam, aber sicher in Richtung Flirt-Potential („Is des a neues Aftershave?„). Auch dramaturgisch sollen die beiden zusammenpassen – Ganslinger der Oberkorrekte, Ulla die Lockere. Das wirkt noch ein bisschen aufgesetzt, auch weil der Funke zwischen den beiden am Schirm noch nicht übergesprungen ist. Wenigstens lässt sich „Meiberger – Im Kopf des Täters“ noch etwas übrig, das die Serie in den weiteren vier Folgen erzählen kann.

Noch mehr Bla

  • Überraschendes emotionales Episodenhighlight: wie Meiberger Mia mit einem Zaubertrick zum Lachen bringt.
  • Leider bislang die schlechteste Szene in „Meiberger – Im Kopf des Täters“: Meibergers Analyse von Mias Handlesefertigkeit. Das waren die plumpesten ÖSerien-Dialoge des Jahres. Das Pärchen war schon verdammt dumm, Mias Schlussfolgerungen nicht als offensichtliches Blabla zu entlarven.
  • Ei, doofer Anschlussfehler: Auf Mias Zeichnung greift sich Marius mit der falschen Hand an die Brust.
  • Beitragsfotos: © ServusTV / MonaFilm / Kerstin Stelter

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